Dreizehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger PostLeitung.
18. December M Z853.
Diese» Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuement«pre!«TV kr., wofür e« dnrch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun.
Wunderbare BekebrungSgeschichte des berühmte» TonkünstlerS
Hermann Kobn,
ausgezogen aus dem Werke Souvenir «je» reeits vontemporsins.
(Fortsetzung.)
Mit Sehnsucht erwartete Hermann den Tag, wo ihm die Gnade zu Theil wer-den sollte, das Brod der Engel, das wahre Manna zu empfangen. Er drückt sichhierüber in folgenden Worten aus: „Wenn ich die Gläubigen an die Communionbanktreten sehe en'strömen heiße Thränen meinen Augen, es sind alsdann nicht jene süßebeglückende Thränen der innern Tröstungen, ich sühle eine tiefe trostlose Traurigkeit,daß eS mir noch nicht vergönnt wird, zum Tische des Herrn zu gehen! .... Indiesem Augenblicke, wo ich Ihnen schreibe, fühle ich eine unbeschreibliche Betrübniß,daß es mir noch nicht vergönnt war, meine erste Communion zu seiern, ich lechze nachdieser himmlischen Feier. Seit meiner Taufe", sagte er anderswo, „hat mich derHerr jeden Tag mit Süßigkeiten überhäuft, mit Tröstungen jeder Art, und mit einerMenge himmlischer Begünstigungen! Oft schwamm ich in einem Ocean geistiger Ent-zückungen! Für Gott allein zu leben", hörte man ihn oft sagen, „ist mein heißesterWunsch, eS ist sür mich was der Himmel den übrigen Menschen, was einem ent-thronten König die Rückkehr seiner Verlornen Macht, was einem vor brennendem Durstlechzenden Wanderer der Anblick einer frischen klaren Quelle ist! ... . O heilige Lehremeines geliebten Jesu, nur dir will ich leben, allem Andern will ich absterben!"
Am 8. September, an dem Tage, wo die Kirche das Fest der Geburt Mariafeiert, hatte unser frommer Neophit das Glück, zum ersten Male seinen Heiland zuempfangen. Was mag wohl in dieser glühenden Seele vorgegangen seyn in deinAugenblicke, wo sie sich mit ihrem Heiland so eng verbunden fühlte? Man versicherteuns, daß in jenem Augenblicke die Gesichtszüge deö jnngen Mannes einen überirdischenAusdruck hatten, welcher allen Anwesenden ausfiel; seine Lippen aber verstummten überdas, was er empfand; er wich bis jetzt jeder Erklärung hierüber aus.
Am 3. December 1847, am Feste des heiligen FranciScuS ZaveriuS, ertheilteihm der hochwürbigste Erzbischof d'Äffre das Sacrament der Firmung. Bei dieserGelegenheit erhielt er noch den Namen ZaveriuS,
Von dieser Stunde war er im Besitze der sieben Gaben des heiligen Geistes.Wir werden bald-sehen, welche herrliche Früchte diese Gaben hervorbrachten, mitwelcher Beharrlichkeit, mit welcher schlichten Opferwilligkeit Hermann der Welt ent-sagte, er, der doch deren berauschende Genüsse so oft gekostet hatte! Wie tief er ein-drang in den Geist der GlaubenSgeheimnisse und Wahrheiten, er, der während fünf«undzwanzig Jahren nicht ein einzig Mal davon sprechen gehört hatte; wie richtig ergerade das wählte, was am meisten zur Verherrlichung des NamenS Gottes beizutragen