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vermag, indem er eine enge und dunkle Zelle der geräuschvollen Hauptstadt, der Schau-bühne seiner Triumphe, vorzog; mit welchem beharrlichen Muthe er alle Hindernissebesiegte auf dem Pfade seines Heils, und, um zum Ziele zu gelangen, scheute erweder Abtödtungen, beschwerliche Reisen, die Entsagung seiner Verwandten, nochschreckte ihn die harte Lebensweise in einem der strengsten Orden ab. Mit welcherRichtigkeit er den Gebrauch seiner Talente und seiner Naturgabe zu ordnen wußte,beweiset, daß alle sein? musicalischen Werke religiösen Gegenständen gewidmet und„Mariens Ruhm!" „Liebe zu Jesu!" zc. betitelt sind. Mit welchem Eifer, mit welcherBereitwilligkeit er sich dem Dienste Gotteö hingab, zeigt sich am besten dadurch, indemer auf i»imer seinem eigenen Willen entsagte, um sich unbedingt dem seines Obernzu unterwerfen, den er gleichsam wie den Willen Gottes ehrte. Aus Liebe uud Ehr-furcht für unsern Heiland, für den er immer beseelt war, sank er vor dem Taber-nakel auf die Kniee und rief öfters mit Begeisterung auS: „ich habe ihn gefunden,den Geliebten meines Herzens! Er ist mein, ich besitze ihn und Niemand soll mir ihnmehr entreißen!"
Im Monat September desselben Jahres zuckte in ihm der erste Gedanke aucheiner nächtlichen Anbetung des hochheiligsten Sacramentes in einer Carmeliten-Capellein der Rue de l'Enfcr. Eines Abends, erzählte man uns, verweilte er so lange imGebete vertieft vor dem Hochwürdigen, daß eine Laienschwester zu ihm hintrat undihn aufforderte, sich zu emfernen. „Recht gern, aber erst nach dem Segen," gab erzur Antwort. — ES ist heute kein Segen, erwiderte die Schwester. — „So bleibeich so lange, als die Damen dort bleiben." — Es dürfen nur Frauen hier die Nachtüber verweilen, bemerkte ihm die Schwester. Hermann gehorchte wider Willen. Vondem Wunsche beseelt, auch Männer für die neue Ehrenwache deö Königs der Könige anzu-werben, begab sich Hermann gleich am folgenden Tagein mehrere Kirchen in Paris , trat zuden jungen Männern hin, die er allda andächtig beten fand, und schlug ihnen vor,sich in die heilige Schaar einzureihen, und so legte er den ersten Grnnd zu jenererbaulichen Bruderschaft der immerwährenden Anbetung des hochheiligen Sacraments,die späterhin durch Anordnung des Erzbisckofs Sibour eine geregelte Gründung erhielt.Am 6. December 1848 hatte die erste nächtliche Anbetung des Hochwürdigen in derKirche Notre Dame des Victoires Statt.
In dem Vorworte zu den 4V Cantaten, die er späterhin znr Ehre der göttlichenEucharistie verfertigte, entlockte ihm die Erinnerung an jene Stiftung folgende heißeLiebeSergießunzen: „O du himmlisches Sacrament, du berauschende Quelle, an dermeine lechzenden Lippen in langen Zügen den Vorgenuß des ewigen Lebens schöpfen!Mein Herz schwimmt in Wonne ... es drängt mich, dich zu segnen, meine Lob- undDankgesänge erschallen zu lassen; denn ich weiß nun, daß meine Brüder in Paris des unsäglichen Glückes genießen; jeden Tag sehen sie dich aus deinem LiebeSkerkerhervortreten, du zeigest dich ihren verblendeten Augen und es ist ihnen vergönnt, ihreewige Anbetung dir darzubringen!"
„Und das Glockengeläute der Hauptstadt verkündet deine Anwesenheit und mitflatternden Bannern feiern sie in Umgängen deinen Triumph uud der Oberhirt ordnetin den Kirchen eine prunkvolle öffentliche Feier zu deiner Verehrung.
„Er ladet die Gläubigen ein, die Altäre zu verzieren; er beruft eure Kinder, daßsie Lob- und Danklieder ihm singen....
„O angebeteter Jesus! ich fühle mich gedrungen, meine Gesänge mit denenmeiner Pariser Brüder erklingen zu lassen! Denn in dieser Stadt hast du geruht,mir unter der eucharistischen Hülle die ewige Wahrheit zu verkünden; — das ersteGeheimniß, welches du mein Herz fühlen ließest, war deine wirkliche Gegenwart imhochheiligen Sacramente.
„Fühlte ich mich nicht damals schon, als ich noch Jude war, so mächtig zudir hingezogen, daß ich mich kaum enthalten konnte, an den heiligen Tisch hinzueilenund dich in mein brennendes Herz auszunehmen! Mein heißes Verlangen nach derheiligen Taufe hatte hauptsächlich zum Grunde die Sehnsucht, mit dir vereinigt zu