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seyn. — In Unruhe nach dem schönsten Tage meines Lebens seufzend weinte ich auSScheelsucht, wenn ich Andere die heilige Communion empfangen sah; mit den Augenverschlang ich die geweihte Hostie, iu welcher Deine Liebe zu den Menschen den unend-lichen Gott befaßt! . . .
„Was du damals für mich thatest, um mich in meinem schmerzhaften Verlangenzu trösten, das kann ich hier nicht sagen. Sseretum msum milii.
„Als ich endlich an diesem himmlischen Mahle theilnehmen durfte, schöpfte ichin demselben eine unbekannte Macht gegen mich selbst. Diese göttliche Speise wandeltemich in einen neuen Menschen um; sie bewahrte mich gegen alle Angriffe der welt-lichen Versuchungen. Dieser Schatz schälte mich von Allem ab, waS mich ehemalsmit Macht beherrschte.
„Ein immer heißerer Durst drängte mich je mehr und mehr zu dieser Quelledes lebendigen Wassers; wie ein Verhungerter sehnte ich mich nach diesem „„Weizender AuSerwählten."" '
„Um dich nach Herzenslust zu.schauen, flössen mir die Stunden des TageS zuschnell dahin; ich suchte Christen auf, die, wie ich, von dieser heiligen Gluth ent-brannten; und wir brachten die Nächte in deinen Kirchen zu. . . Ein frommer Prie-ster leitete uns. Am Abend setzte er das Hochwürdige auf dem Altare auö, und dieMorgenröthe fand uns noch knieend vor deiner Herrlichkeit...
„O wonnenvolle Nächte! meine Zunge möge an meinem Gaumen vertrocknen,meine Hand verdorren, wenn ich je euch vergesse! In diesen himmlischen Nächtenzogest du mich, o mein Jesuö, durch einen so mächtigen, unwiderstehlichen, lieblichenund zärtlichen Liebreiz an, daß der letzte Faden zerriß, der mich noch an die Weltheftete. Ich floh fern von den Städten, um ganz ungetheilt und für immer dirzu leben."
Der Entschluß, sich Gott im Priesterstande zu weihen, stand bei Hermann schonvor seiner Taufe fest, aber sein Beruf zum Klosterleben entfaltete sich erst im Jahre1348, zur Zeit, wo alle seine Seelenkräfte, wie in einem Brennpuncte, in der An-betung des hochheiligen AltarSsacramentes zusammenflössen, wo er jeden Abend, umMitternacht, aufstand, um dem Betrachten vor dem Hochwürdigsten obzuliegen. GegenEnde dieses Jahres kamen die drei jungen Direktoren dieses frommen Werkes überein,ein gemeinschaftliches Leben nach einer gewissen Regel zu führen, und am letztenSamstage vor den Fasten im Jahre 1849, am 17. Februar, verließen sie die Weltund zeigten sich nicht mehr in derselben. Hermann, Einer von diesen Dreien, begabsich vom AuffahrtStage an bis Pfingsten in eine Retraite. In derselben las er dasLeben deS heiligen Johannes vom Kreuze; durch diese Lectüre und durch andere myste-riöse Veranlassungen, über welche er jeder Erklärung sorgfältig auszuweichen scheint,entstand in ihm der unwiderstehliche Wunsch, in den Karmeliter -Orden zu treten.Er erkannte bald in diesem Wunsche eine Eingebung von Oben und beschloß, ihn zuverwirklichen. Bald darauf fügte eS sich, ohne sein Zuthun, daß er in Paris einemReligiösen auS dem Barfüßer-Karmeliter-Orden aus dem vor einigen Monaten in Agengegründeten Hause begegnete. WaS er von diesem Hause vernahm, bestärkte ihn nochmehr in seinem Entschlüsse, seine Aufnahme in demselben nachzusuchen. Er eröffnetesein Vorhaben seinem Director, dem ehrwürdigen Pater Bertholon aus der Gesellschaftder Maristen, in deren Hause er seit einiger Zeit wohnte. Anfangs mißbilligte erdiesen Entschluß, gab aber endlich doch nach. Hermann, erfreut über diese Zustim-mung, traf ungesäumt seine Vorkehrungen zur Reise nach Agen. DaS Karmeliter -Kloster in dieser Stadt ist unter dem Namen „I'Lremiwße" bekannt, eS ist genanntzur „Lieben Frauen deS BergeS Karmel" und zur heiligen Theresia; es liegt an dernördlichen Seite der Stadt, auf einem steilen, auS einer weißen FelSmasse gebil-deten Hügel. Man zeigt daselbst noch die Felsenhöhle, in welche sich der heiligeCapraiö, der heilige VincentiuS und die junge jungfräuliche heilige Fides geflüchtethatten. In dem römischen Martyrologium wird vom ersten dieser Heiligen berichtet,daß er, in einer dieser Höhlen verborgen, Zeuge war von dem unerschrockenen, stand-