Ausgabe 
13 (18.12.1853) 51
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hasten Marterthume niid Tode der heiligen Fides für JesuS ChrkstnS. Er flehte zumHerrn, er möchte ihm doch als Zeichen, daß auch er des Martyrthums werde gewür-diget werden, klares Wasser aus dem Boden der harten Felsenhöhle, in der er sichbefand, emporsprudelii lassen; da bald darauf wirklich klares Wasser hervorquoll, gingder heilige Caprais freudig den Henkersknechten entgegen und starb für die EhreGottes. Seit dieser Begebenheit wird die Quelle auf dem Gipfel der Eremitage, dienoch immer rein fließt, von frommen Pilgern mit Andacht besucht.

Hermann reiste den 16. Juli 1849 von Paris ab, am Feste unserer lieben Frauvom Berge Karmel, trat mit Bescheidenheit in die Capelle ein, gerade als man dieerste Vesper des Propheten EliaS sang, der als der erste Stifter des Karmeliter -OrdenS betrachtet wird. Er hörte eine innere Stimme, welche ihm sagte, daß hierder Ort sey, wo ihn der Herr erwarte. Der Vorsteher gestattete ihm, hier eine Re-traite von siebenzehn HageN zu machen, und dann ertheilte er ihm die Erlaubniß, indas Noviziat du Broussey, zu Rions unsern Bordeaux, einzutreten. Er brachte fasteine» Monat in diesem Hause z>u: vom 6. August bis zum 3. September lebte erzurückgezogen in einer Zelle, dachte fleißig nach über seinen Beruf und erklärte dann,daß er bleiben wolle. Aber um umgekleidet zu werden, bedürfte eS einer Zustimmungvon Rom ; man hielt darum an, man erhielt aber eine abschlägliche Antwort.Wahrscheinlich fand man die vormalige Lebensweise des Postulanten allzu anstößig,und zudem hatte er sich ja erst seit kurzer Zeit im Christenthume erprobt. Die Wclt-leute, die über alles, sehr oft ohne Sachkenntniß, in den Tag hinein sprechen undurlheilen, behaupten meistens mit einer gewissen Selbstgefälligkeit, hinter den Kloster-mauern sey man nicht weniger als anderswo Sclave seiner Leidenschaften, und in dieseZufluchtsstätten begäben sich nur große Sünder, weil man ohne viele Umstände jedenannimmt, der sich meldet. Diese Meinung ist falsch und ungerecht. Freilich öffnensich die Pforten dieser heiligen Stätten zuweilen Menschen, die, enttäuscht über allezeillichen Genüsse, in der Welt nichts mehr finden, was ihre Beachtung verdient;auch solchen, die, nach stürmischen, wüst verlebten Tagen vom grauenvollen Selbst-morde durch den Gedanken eines rächenden GotteS abgehalten wurden und in sichgingen; die Aufnahme findet aber immer ohne sehr strenge Prüfungen Statt. Esergeht diesen dann, wie dem heiligen Augustinus und dem heiligen HieronymuS; ihreersten Verirrungen werden ihnen zum Sporn neuer Kräfte, durch welche sie ihregeistige Wiedergeburt und Genesung erkämpfen und der Menschen Ächtung und deSHimmels Gunst wieder erwerben.

Hermann war sehr betrübt über die ungünstige Antwort aus Rom , doch ließer den Muth nicht sinken. In Demuth und Ergebung hörte er die Entscheidung an,die man ihm kundgab, küßte diejenigen, die er schon seine Väter und seine Brüdergenannt hatte, und denselben Tag, den 3. September, verließ er du Broussey undtrat seine Reise nach Rom an, in der Absicht, in eigener Person dem heiligen Vateroder dem General der Karmeliter sein unterthänigsteS Nachsuchen vorzulegen. Nacheinigen Tagen traf er in Marseille ein und begab sich unverzüglich an Bord einesDampfboteS, das nach Civita-Vecchia segelte, auf welchem er den letzten Platz bezog.Obschon er sich sorgfältig während der Ucbersahrt zu den bescheidensten Reisenden dergeringsten Classe hielt und mit Vorbedacht ganz gemeine Kleider trug, wurde er dochvon einigen der Passagiere in den ersten Plätzen erkannt und während der Quaran-taine, die man in Genua hielt, wurde er genöthigt, Musik zu machen. Man botalles auf, um ihn zu bewegen, in Rom wieder in der vornehmen Welt aufzutretenund Concerte zu geben; aber umsonst: die Gnade siegte über die Versuchungen.

Am 14. September kam er in der Apostelstadt an, gerade am Vorabende deSTageS, wo sich die höheren Beamten des Carmeliterordens zur allgemeinen Berathungversammeln sollten. Ohne Verzug begab sich Hermann zum General deS Ordens undlegte ihm mit schlichten Worten die Ursache seiner Reise vor. Sein Nachsuchenwurde dem Rathe vorgelegt und r'n der ersten Sitzung gleich einstimmig sein Begehrenbewilligt.