Hermann trat unverzüglich seine Rückreise an. Voll Freude über das Gelingenseiner Bemühungen erschien er bald wieder in dem Kloster du Broussey, seineAufnahme daselbst nachsuchend. Das Haus du Broussey ist die Wiege des in neuererZeit wieder auflebenden Carmeliterordens in Frankreich ; seine Gründung hatte imJahre 1541 Siatt. Für eine Seele, die in der Betrachtung über Gott und dieEwigkeit sich zu vertiefen wünscht, hat dieses HauS die geeignetste Lage, es erhebtsich auf dem Gipfel eines steilen, einsamen, von angebautem Felde umgebenen Hügels,in einer Entfernung von ungefähr acht Stunden von Bordeaux, Innerhalb dieserstillen Mauern, ganz der Betrachtung obliegend, leben etliche zwanzig Mönche, diealle einen gewissen, mehr oder weniger bedeutenden Rang in der höheren Gesellschaftin Spanien oder in Frankreich besessen hatten. Ihr Hauptgeschäft ist Schweigen.In ihrer Zelle nur die Einsamkeit und das Schweigen sncbenv, offenbart sich ihnender Weg, der zu Gott führt. Stellt man sie zur Rede über ihre Beschäftigung, soantworten sie, wie ehemals der heilige Saulinus seinem Freunde Sulpicius SeveruS :„Schweigen", wir schweigen. Die Liebe hat nur für den geliebten Gegenstand Worte,für die übrige Welt ist sie stumm. Keine Spur von Verdrießlichkeit oder Langeweileist übrigens auf ihren GesichtSzügen zu bemerken; sie verrathen im Gegentheil Heiter-keit und Seelenruhe; man glaubt einen Abglanz des Himmels wahrzunehmen, Ihrestrenge Lebensweise hat, beim ersten Anblicke, etwas Finsteres, Trauriges; aber siefinden in derselben die Würze des Erdenlebens und das Vorgefühl dcr ewigen Beloh-nungen. In Broussey, wie sie zu sagen pflegen, sieht der Mensch den Himmel offenund kann sich vertraulich mit Gott unterhalten. Dieser Ort scheint in der Thateigens dazu erschaffen, um die Verheißung, die der Herr in der alten Zeit machte,zu erfüllen, als er sagte (Osee Cap. 2 VerS 14): „Ich werde die Seele in die Ein-samkeit führen, und dort will ich mit ihr von Herz zu Herz sprechen."
(Fortsetzung folgt.)
Das Verhältniß der Kirche zur weltlichen Gewalt.
(Schluß,)
Die Begründung der Kirche war auch in Bezug auf die moralische Freiheitund die Würde des Menschen eine Wohlthat, deren Größe sich jetzt mehr als je zeigt.Früher ordnete die weltliche Macht nicht bloS die Interessen deS Lebens, derSicherheit, deS Eigenthums, der Ehre, der Nationalunabhängigkeit, sondern sieregelte auch die moralischen und religiösen Angelegenheiten, und diese Vereinigungvon Gewalten machte den DesporiSmnS fester und unerschütterlicher, ohne daß sie derReligion und den Sitten, die in grobe Ausschweifungen gefallen waren, nützte.Durch die Begründung der Kirche hat die weltliche Macht die Leitung deS menschlichenGedankens verloren, und beherrscht nicht mehr die göttlichen Gesetze. Die Religionbefiehl für sich, hat ein eigenes, unabhängiges Leben, uud hält durch ihren Einflußallen übertriebenen Gewalten die Wagschaale, die etwa die Völker unterdrücken undunterjochen wollten. Die Thätigkeit, die in dieser Beziehung in der Gesellschaft vonder Kirche ausgeübt wird, ist dermaßen in die Sitten eingedrungen, daß man selbstdem Irrthume die Rechte der Wahrheit gegeben hat, und daß jeder Cultus nachderselben Freiheit strebte, die durch die katholische Kirche erworben war. Wir begreifendie wellliche Macht nicht mehr, wenn sie in eigenem Namen die religiöse Machtausübt, und eS gereicht dem Protestantismus durchaus nicht zur Ehre, aus demFürsten das äußere Haupt des Christenthums bei allen Protestanten gemacht zn haben.
Aber, sagt man vielleicht, wenn die Begründung der geistigen Macht in derWelt eine Entwicklung herbeiführte, die für die Würde und moralische Freiheit deSMenschen nützlich war, wurde dadurch nicht ein gefährliches Princip der Anarchie indie bürgerliche Gesellschaft eingeführt? Anstatt der Einheit der Macht, die die bürger-liche Ordnung festhält, gibt eS jetzt in jedem katholischen Staate zwei Gewalten, die
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