Ausgabe 
13 (18.12.1853) 51
Seite
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Das Herz des Menschen ist unruhig, bis es ausruhet in dir, o Herr! Zahllos sinddie Wünsche, welche auö dem menschlichen Herren emporquellen, die Leidenschaftenstacheln, Furcht und Hoffnung theilen es mit wechselnder Gewalt. Anmuthig ist derSchimmer der Hoffnung; doch je lockender die Güter des Lebens in seinem Farben-spiele glänzen, desto weniger befriedigen sie den, der ihrer theilhaft geworden. Unab-lässig erneuert sich der Drang der Begierde; aber unablässig tritt ihm auch das Ge-wissen entgegen, in dessen Stimme eine höhere Welt sich ankündet, und wird dieheilige Mahnung verachtet, so drückt der Mensch sich neue und sehr scharfe Stachelnin die Brust. Ueber all' diesem verworrenen Treiben und Ringen erscheint die christ-liche Wahrheit gleich der Sonne, welche mit siegreichem Strahle den empörten MeereS-wogen Einhalt gedielet. Sie löset das Räthsel unseres Herzens, indem sie unsernBlick über den engen Raum des irdischen Lebens hinauSrichlet und uns den dreieinigenGott auf dem Throne seiner Herrlichkeit offenbart. Sie gießet mildernde Fluch aufdie heiße Gluch der Begierde, indem sie uns das himmlische Gesetz der Liebe und derDemuth bringt. Darum spricht der Sohn GvtteS, welcher für uns zum Menschen-sohne werden wollte:Kcmmet Alle zu mir, die ihr beladen seyd, und ich will eucherquicken; denn mein Joch ist süß und meine Bürde ist leicht." Ja, Erquickung istdie Hoffnung, welche er unö enthüllet, Erquickung ist die Gnade, welche er auf unsniederthant, Erquickung ist selbst die Bürde, welche er unS auflegt. Er spricht:Wer mein Jünger seyn will, der verläugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich."Aber die Selbstoerläugnung, welche der milde Heiland uns gebietet, ist nicht nur dasUnterpfand der himmlischen Güter, sondern auch eine Schutzwehr wider die scharfenDornen, mit welchen die Bahn der irdischen Pilgerschaft besäet ist: denn wer sichnicht selbst, zu beherrschen versteht, verfällt dem schmählichen, qualvollen Joche derLeidenschaften.

So ist denn das Christenthum für Zeit und Ewigkeit das Kleinod deS Men-schengeschlechtes, Der Eifer für die christliche Wahrheit und ihre Hüterin, die Kirche,knüpft die Bande des St. SeverinuSvereines; ich begrüße daher Ihre Versammlung,meine Herren, als eines der Zeichen, welche uns die Aussicht in eine frohe Zukunfteröffnen. Nur zu oft begibt es sich, daß der Mensch dasjenige, was er besitzt, unddessen er sicher zu seyn glaubt, als ein Gut zu fühlen verlernt. Wer niemals krankwar, betrachtet die Gesundheit als Etwas, welches sich von selbst versteht. So istes auch mit den Segnungen deS Christenthums ergangen Die Welt hat sich vonihnen mit undankbarer Gleichgilligkcit abgewendet, oder sie sogar mit thörichtem Fre-vel für entbehrlich und lästig gehalten. Der St. SeverinuSverein hat sich die Auf-gabe gestellt, dem Unglauben und der Gleichgiltigkeit in den Kreisen deS häuslichenLebens entgegen zu wirken und allen Anstalten zu Erneuerung der Gesinnung nach Mög-lichkeit jene Unterstützung zu vermitteln, welche nur durch Vereinigung der Kräftemöglich ist. Um mit dieser heilbriugenden Bestrebung sich zu beschäftigen und einan-der durch den Ausdruck Ihrer Ueberzeugung zu kräftigen, sind Sie versammelt. DerHerr thue also wie er verheißen hat, da er sprach:Wo Zwei oder Drei in mei-nem Namen versammelt sind, dort bin ich mitten unter ihnen!" Der Herr, der reicheGnadenbn'nger, sey mitten unter Ihnen!"

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Turin .

Turin, 1. Nov. Papst PiuS IX. hat in einem Breve (vom6,Sept.) dem Antrageder sardinischen Regierung, die vielen Festtage zu beschränken, in so weit nachgegeben, daßer die außersonntäglichen Feste auf zehn festsetzte. Bekanntlich behauptete Siccardi, daßder Staat, ohne den Papst zu fragen, die Festtage aus dem Kalender streichen könne, und hatte sich auch hierüber eine Kontroverse erhoben. Das Breve endigt nun hoffentlichden Streit.

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Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen. Verlags-Inhaber: F, C, Kreme».