Ausgabe 
13 (25.12.1853) 52
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hat diesem Orden allenthalben bereitwillige Aufnahme verschafft; besonders da seinepflegende Hilfe gesetzlich anch auf Nichtkatholiken sich ausdehnte. Wie konnte eS daheranders kommen, als daß auch der Herzog Wolfgang Wilhelm , dieser fromme undweise Fürst, wohl der größte der pfalzneuburgtschen Herzoge, welchem die Stadt undsein Land Neuburg so viele wohlthätige Stiftungen verdankt, auch der leidenden Mensch-heit so liebevoll gedachte. Er, der selbst erst im Jahre 1617 auS Ueberzeugung,belehrt durch das Lesen katholischer Schriften, in den Schooß der wahren Kirche zu-rückgekehrt war, unterließ nun keine Gelegenheit, seine Unterthanen wieder in die katho-lische Kirche , die sie gewaltsam hatten verlassen müssen, zurückzusühreu, und sie imGlauben zu stärken und GotteS- und Nächstenliebe zu befördern. Deßhalb kam ihmdie Gelegenheit erwünscht, einen Orden einführe« zu können, der seinen edlen frommenAbsichten so sehr entsprechen konnte. Und nun folgt die Entstehung deS Klosters derbarmherzigen Brüder in Neuburg .

Im Jahre 1622 käme» zu Herzog Wolfgang Wilhelm zwei barmherzige Brüder,welche mit einem Paß von ihrem Generalvicar Gabriel Ferara aus Wien , vom29, Juni 1622 datirt, versehen waren. Der eine war ein Priester dieses OrdenS,P, Bartholomä Boninkantro, ein Florentiner, der andere ein Bruder, MaximilianVeiga. Beide kamen deßhalb nach Deutschland , um auch in diesem Lande ihren fürdie Menschheit so wohlthätigen Orden bekannt zu machen und allenfalls auch da oderdort einen Platz zu Gründung eines Klosters ihres OrdenS zu erlangen. Sie hattenbereits die Kunde erlangt, daß Herzog Wolfgang Wilhelm erst vor einigen Jahrenzur katholischen Religion zurückgekehrt sey und daß sein Elfer für die katholische Reli-gion sich auch besonders dadurch bewähre, daß er verschiedene Klöster und Stiftungen,die durch die Einführung der Lehre Luthers ihren Untergang finden mußten, wiederaufrichte« wolle. Bei diesem nützlichen nnd wohlthätigen Wirken stellteil sie daherauch an de« Herzog die geziemende Bitte, daß er auch ihres OrdenS gnädigst gedenkenmöchte, um so mehr, da oaS ganze Wirken desselben nur dahin gehe, Gott und denarmen Kranken und Presthaften, überhaupt der leidenden Menschheit zu dienen.

Dieses gestellte Bittgesuch nahm Herzog Wolfgang Wilhelm auf das bereit-willigste auf; denn sein edles, für alles Gute empfängliche Herz sah den erhabenenZweck dieses Ordens gar leicht ein, und wünschte nur zu wissen, welches Gebäudeund jwelche Gerätschaften sie zur Ausführung der Absicht ihres heiligen Ordensals tauglich erachteten.

Diesem gnädigsten Befehle leisteten sie sogleich, sowohl mündlich als schriftlich,Genüge und gaben Alles an Handen, was nur immer zur Bedienung der Krankenersprießlich und nützlich seyn konnte.

Es befand sich am Ende der obern Borstadt aus einem freien, gesunden undsonnigen Platze ein Gebäude, das lange Haus genannt, worin die Baugeräthschaftenzu den fürstlichen Gebäuden und dem gegenüberliegenden, besonders durch seine schat-tigen Gänge auSgezeichntti'n Hofgarten aufbewahrt waren, und das auch dem Bau-meister zu seiner Wohnung diente. Dieses Gebäude nun übergab er den obigenOrvensmitgliedern und schenkte ihnen dazu 1000 Thaler, um sich mit den nothwendigenGeräthschaften versehen zu können. Es wurde nun das dermalige Klostergebändenebst der Kirche erbaut und letztere zu Ehren deS Herzogs, als deS Stifters deSKlosters, nach seinem Namen dem heiligen Wolfgang geweiht, wie denn auch jetztnoch daö Hochaltarblatt den heiligen Wölfgang, von Wink, darstellt. Am Feste derheiligen Apostel Simon und Juda 1626 wurde die Kirche durch den Bischof vonAugsburg , Heinrich Freiherr» von Knöringen, feierlich eingeweiht.

Um arme Kranke der Stadt Neuburg und arine erkrankte Reisende unentgeldlichverpflegen und heilen zu können, errichtete der Herzog eine ordentliche Stiftung, befahl,daß stets zwanzig Krankenbetten in Bereitschaft gehalten werden sollen, und suchteam 31. August 1623 die Bestätigung derselben bei Seiner päpstlichen Heiligkeit nach.Die ursprüngliche Dotation deS Klosters bestand in einer jährlichen Rente von 2,000 fl.,welche von den Einkünften des aufgelösten Bernardiner-Frauenklosters Püllenhofen