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Und von der Welt und ihrer Weisheit losgerissen.In wahrer Selbstverläugnung lernte w»tse seyn.Nun aber, da ich lebend Ihm, mir selbst gestorben,Ist wunderbare Weisheit mir durch Ihn gew»rden.
Ganz unbelauscht im tiefvcrborgnen Scelengrnnde,Den ich zu einer stillen Rast Ihm cmSersehn,Vernahm ich unerfaßlich hohe Himmelskunde,Und lernte Dinge — gar geheimnißvoll — versteh»!Die keine Mcnschenweisheit jemals wird ergründen,Doch auch mein Mund vermag sie nimmer zu verkünde».
Wenn du verlangst nach dieser reichen Gnadenqnelle,Die aus dem Herzen Jesu ewig strömt und quillt:So such' auf Golgatha dir eine Ruhestelle,Bis daß Dn ganz von süßer Liebespein erfüllt.Dann wird in Ihm gcstillct all' dein Sehnen,In sel'ger Liebeslust begraben Schmerz und Thränen.
Die katholische Universität zu Dublin . *)
Sehr gern, verehrter Freund, will ich Ihrer Einladung folgen, die Zustände,namentlich die religiösen Verhältnisse von Großbritannien und Irland in einigenArtikeln zu erörtern. Die große Wichtigkeit der religiösen Bewegungen in England mich für das politische Leben dieses Staates wird wohl von Niemand bezweifelt, undeS bedarf darum keiner Rechtfertigung, daß eine politische Wochenschrift davon Notiznimmt. Selbst die brennende Frage der Gegenwart, die orientalische, hat in England die Ausmerksamkeit von der religiösen Frage nicht ganz abzuziehen vermocht, — dieVerhandlungen der dießjährigen Parlamentssession geben davon Zeugniß.
Ich werde mich bei meinen Berichten nicht strenge an eine systematische Anordnungder verschiedenen Puncte binden, sondern, wie eS mir für eine Wochenschrift geeigneterscheint, an die Tagesereignisse anknüpfend, bald die Entwicklung und Ausbreitung derkatholischen Kirche besprechen, bald ihr Verhältniß zum Staate und den Seeten, balddas Nnterrichtswesen, bald die Bewegungen im Schooße der StaatSkirche, bald dieBestrebungen der Katholiken im Parlamente, bald literarische Erzeugnisse oder waS sonstfür Puncte sich noch darbieten mögen, über welche ich Interessantes und Belehrendesdarbieten zu können glaube. Erlauben Sie mir aber, noch eine Bemerkung zurOrientirung Ihrer Leser vorauszuschicken. Sie wissen, ich bin mit Ihnen darübereinverstanden, daß eS nicht nur, waö man kürzlich geglaubt hat in Erinnerung bringenzu müssen, den Laien nicht zusteht, in der periodischen Presse als Richter, Kritikeroder Rathgeber in Gegenständen der kirchlichen Verwaltung aufzutreten, sondern daßdieß überhaupt nichr der Beruf und das Recht einer Zeitung, also auch nicht ihrergeistlichen Mitarbeiter ist. Sie und »Ihre Leser dürfen versichert seyn, daß ich michgar nicht versucht fühle, über die hier gezogenen Schranken hinauszugehen. Ich halteeS aber auch, überhaupt davon abgesehen, für besser, bei der Darstellung der Zuständeund der Zeitgeschichte eines Landes mehr berichtend, erzählend und beschreibend alsraisonnirend und reflectirend zu verfahren, und mein Hauptziel bei diesen Artikeln wirdeS darum seyn, die zu besprechenden Ereignisse und Verhältnisse nach den mir zuGebote stehenden Quellen recht klar und anschaulich darzustellen. — Für dießmalerhalten Sie einen Bericht über die Gründung der katholischen Universität zu Dublin .
Vor einigen Jahren bestand unter den irischen Bischöfen eine Meinungsverschie-denheit darüber, was in Bezug auf die von der englischen Regierung unter dem Namen
*) Aus Fr, v, Alorencourt'S politischer Wochenschrift,