Ausgabe 
14 (24.12.1854) 52
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Kirchliche Notizen.

Militärische Honneurs vor denbarmherzigen Schwestern."

Friedrich Fürst von Schwarzenberg, der berühmte ritterlicheLanzknecht ",welcher im Jahre 1821 als k. k. Oberlieutenant gegen Neapel seine militärische Lauf-bahn begann, 1830 als Volontär den Feldzug gegen Algier mitmachte und das Kreuzder Ehrenlegion erhielt, 1838 als Vertheidiger der Legitimität im Heere des DonCarlos in Spanien kämpfte, 1847 für die Rechte der Urkantone in der Schweiz gegenden Radikalismus auf dem Kampsplatze erschien, 1848 kaiserl. Oberst als einfacherLandschutze in Tirol, 1849 als Volontär im Regimente seines Bruders gegen dieRebellen seines Kaisers in Italien und Ungarn kämpfte, sich den Orden der eisernenKrone, das Militär-Verdienstkreuz und daS Patent als General erwarb ist ebenso ausgezeichnet als Gelehrter und als Christ, wie als Soldat. Seine kirchlicheGesinnung gibt sich am bestimmtesten kund in der hohen Achtung, mit der er für diereligiösen Institute erfüllt ist. Besonders aber scheinen diebarmherzigen Schwestern"es zu seyn, die sein Augenmerk auf sich ziehen. Wir erlaube» uns auS eiucm soldatisch-humoreSlen Aufsatze:Eine Mvrgenvromcnade in Wien, " welche er in derLibussa1854" niedergelegt hat, Nachstehendes mitzutheilen:

Nachdenkend über Kraft, Tapferkeit und HerzenSgüte, wandelte ich weiter.Da rauschten im saltigen grauen Gewände zwei Frau engestalten an mir vorüber; ein weißeS Kopftuch umhüllte daS Haupt, am Gürtel hing der Nescnlranz mitdem Kreuze deS Erlösers; sie kommen von einem Sterbebette, wo sie g> tröstet, undgehen zu einem Krankenlager, wo sie pflegen; sie trotzen dem stillen lautlosen Feinde,nicht um zu tödten, um zu helfen. Nicht das kochende Blut nicht stürmischer Ehr-geiz, nicht der augenblickliche Rausch der Begeisterung verhüllt hier die Gefahr,mindert die Anstrengung nicht im Fener erglühend, nicht umrauscht vomTrompetengeschmetter der Schlacht erscheint hier der eisengepanzerte TodeSengelnein! er lauert dießmal blaß, hohläugig, giflathmend himer dem Siechbette, nichtsiegjnbelnd oder im Donner der Geschütze die Todtenklage verkündend ist der Abschiedvon der Welt; nein! nur das Sterbcglöcklein mahnt, leise uud unwillkommen, vomKirchthurme die heilere, lebenslustige, beschäftigte Menge, daß in diesem Augenblickeein Bruder oder eine Schwester von hinnen scheidet! Ja, dachte ich, nnter diesengrauen Falten schlägt noch ein festeres, edleres Herz, als unter dem Waffenrvcke deSKriegers, der Schiffjacke des Seemannes und dem Pelzwamse des BärenjägerS!Muth und Krast zum Zerstören, zum Vertheidigen ist ein Attribut jeder ächten Männ-lichkeit, ihr gebührt die Eichenkrone und ihn krönt der Lorbeer. Ist sie dazu ver-wendet zu schützen und zu retten, so bezeichnet sie den Helden; aber die Palme reichtdie Gottheit selbst jener Selbstaufopferung, die da für den leidenden Bruder duldetund trägt, und zugleich mildert und tröstet; sie producirt den Menschen zum Viceeugel,und meistens sind die zwar seltenen Candicaten dazu ans diesem Weltball weiblichenGeschlechtes, so wie die schlechten Individuen desselben auch gleich wahre TeuselS-kadetten werden, ohne erst intermediäre Chargen zu durchlaufen. Wenn im Himmelein Grenadier auf dem Posten steht, so bin ich überzeugt, daß er vor den einpassiren-den barmherzigen Schwestern daS Gewehr präsentirt! Ich aber rnfe sicherlich:Gewehraus!" sollte mich auch der heilige Petrus, der himmlische Wachtmeister, zum Pro-fosen schicken!!" (B. V. Bl.)

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Wien. DaS von den Professoren der Akademie der bildenden Künste zu Wien verfertigte prachtvolle Gebetbuch ist am 8. Dec. Abends Ihrer Majestät der KaiserinElisabeth in einer den Repräsentanten der Akademie bewilligten Audienz überreichtworden. Dieses Kunstwerk vereinigt auf 84 Pergamentblättern in Quartformat undin seinen reichen, auö Edelsteinen, Perlen, vergoldetem Silber, Elfenbein und Emailgeschmackvoll arrangirten Deckeln, nach Zeichnungen deS Professors van der Nüll, vonden Professoren Radnitzky und Bauer modellirt und vom Juwelier und Goldarbeiter