Ausgabe 
5 (15.6.1845) 24
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zugleich cm schönes Bild der heiligen Mutter der Kirche, welchevom festen Thurme ihrer allumfassenden Liebe herab mit Schmerzund Mitleid hinausblickt in die tiefe Nacht der Sünde und desUn- und Irrglaubens auf die so vielen Unglücklichen, die imschauerlichen Dunkel hcrumtappend Gefahr laufen, sich immer mehrvon ihrem einzigen Ziele zu entfernen, und in bodenlose Abgründezu stürzen, und bis zu der Zeiten Ende mit rastloser Liebe bemühtist, mit Millionen Stimmen und Millionen hilfreichen Händen dieVerblendeten zu retten.

Cormenin über den Satz: der Papst ist ein aus-wärtiger Souverän.

Ich kann nicht mit Stillschweigen einen der meist schismati-schcn Einwürfe übergehen, welche mir gemacht worden sind. DieEhre seiner Erfindung gebührt, ich sage cS, weil ich gegenNiemanden ungerecht seyn will, dem vcrurtheiltcn Handbuch--schreibcr.

Wenn ihr dem Papst gehorcht, gehorcht ihr einem aus-wärtigen Souverän." Souverän! Ihr wollt sagen: Souveränder Bischöfe? Nicht wahr, ihr weigert euch, dem Papste unter-thcinig zu seyn? Sagt es gerade heraus, daß man es wisse,was euch Schrecken einjagt, die Kanones der Kirche oder dieKanones des Papstes? Ich glaube, ihr fürchtet euch vor jenensowohl, wie vor diesen!

Auswärtiger Souverän! Ja wenn der Papst über dasZeitliche zu befehlen hätte, er ist aber nur Herr der Katholiken ingeistlichen Angelegenheiten! Ist der Papst es, welcher mir dasBillet übersendet, daß ich ungehindert bei den Wachen vorüber inden Palast des Bürgerkönigs treten kann? Ist er es, welcherden Gewählten ermächtigt, in der Deputirtcn-Kammer Platz zunehmen? Hab' ich dem Papste meine monatlichen Steuern zubezahlen?

Will man keine geistliche Einheit mehr? Ihr antwortetmir, das sey eine Frage, wie jede andere. Gut, wenn dießeine Frage ist, wie andere Fragen sind, wenn man keine geist-liche Einheit mehr wünscht, wenn man will, daß ein FranzosePapst seu» müsse, wen nehmen wir dazu? Nehmen wir Duvinzum Papste!

Warum sollte auch Dupin nicht unser Papst seyn, in seinerdreifachen Eigenschaft als Franzose, Häretiker und Gallicancr?

Wie weit wird es noch mit uns kommen, wenn wir unsim Geistlichen abgränzen? Ist Gott ausschließlich Franzose? Ister nicht eben sowohl Italiener, Spanier, Holländer, Jrlcindcr,Oestcrrcicbcr? Wir sind allzu gute Franzosen, um Gott zu gehor-samen. Er ist ein 'Ausländer!

Da sagt mir einer: Habt auf Maistre Acht, habt wohlauf ihn Acht! hat er nicht den Papst gebeten, einen Fürsten inDeutschland im Zeitlichen abzusetzen? Da seht ihr, wie weit manmit euren päpstlichen Grundsätzen kömmt!

Ich führe euch nicht so weit. Bin ich für die Uebertreibun-gen verantwortlich, welche Maistre vor 50 Jahren in die Welthinansgeschlieben hat? Ich habe an meinen Fehlern zu tragengenug. Wenn Maistre royalistischcr als der König, und ultra-montaniscbcr als der Papst war, so haben weder der Papst nochder König, noch ich die Schuld daran. Laßt Maistre neben

*> Duvin. _

Verantwortlicher Rcd.^tcur: L. Schönchen.

seinem abgesetzten oder abzusetzenden kleinen Fürst.» ruhig imGrabe schlafen und laßt uns von unsern Angelegenheiten sprechen!

Zum Beispiel wäre es eine höchst einflußreiche Sache, offenmit dem Ministerium des Cultus zu brechen, wie es ein excentri-sches Kirchcnblatt gerathen hat, oder allmälig, wie ein berühmterDichter") vorschlagen möchte. Dieß wäre eine Uebertreibung ...In Frankreich würde der Bruch zwischen Staat und Kirche großeNachtheile sür den Katholicismus nach sich ziehen, und ich bin über-zeugt, daß jeder Bischof und auch der Papst meiner Meinung sey.

Der «Staat muß der Kirche alle Freiheit lassen, und dieKirche darf sich nicht in Sachen des Staates mengen; beide habenihre Bahnen nicht über-, sondern nebeneinander. Ein Austrctcnaus der Bahn führt zum Kriege zwischen den zwei Gewalten.Wer aber Krieg zwischen Kirche und Staat wünscht, ist einschlechter Bürger, ist ein schlechter Christ.

Meine Gesinnung ist: Staat und Kirche solle» in gegenseitigerUnabhängigkeit, aber in Freundschaft leben.

Dieser Grundsatz wird von allen verständigen Menschen ge-theilt, und jedes edle Herz muß ihm Beifall zollen.

Menschen, welche aufrichtige religiöse Gesinnung haben unddie Verbindung zwischen der Kirche und dem Ministerium desCultus aufgelöst sehen möchten, wissen nicht, was sie begehren:sie nehmen nicht wahr, daß sie denen einen neuen Vorwand leihen,welche den Klerus jedes Gehaltes aus der Staatscasse beraubenwollen.

Ida von St Elme.

Die jüngst zu Brüssel im Spital verstorbene Verfasserin derMemoiren einer Zeitgenossin", Frau von St. Elme (nicht Eldme,wie es durch einen Druckfehler in der Postzcitung hieß), war imHaag geboren als Tochter protestantischer Eltern. Nach dem Todeihres ersten Gatten kam sie nach Paris , wo sie ihresEsprit"und ihrer Schönheit wegen viele Bewunderer fand. Sie schloßnicht sehr chrenwerthe Verhältnisse mit den ersten Generalen derRepublik und des Kaiserreichs, machte mehrere Feldzügc mit, pre-digte auf diese Weise lange Zeit praktisch die Emancipation derFraucn und warf sich später auf die Theorie, indem sie sichzum St. SimonismuS bekannte. Tröstlich ist hingegen ihr Ende,das uns belgische Blätter schildern. Für menschliches Elend hattesie stets eine mitfühlende Seele und unterstützte in den Tagen ihresGlanzes mit beträchtlichen Summen die Hilfsbedürftigen. Vielleichthaben die Gebete dieser ihr die Gnade der Erkenntniß erwirkt.Denn in den spätern Jahren ihres Lebens reifte in ihr der Ent-schluß, katholisch zu werden, heran, und sie führte denselben inBrüssel aus. Lange Zeit vor ihrer letzten Krankheit schrieb sie anden Ncdcmtoristcn Pilat, um sich den Unterricht in der katholischen Religion zu erbitten. Nach ihrer Bekehrung und besonders in ihrerletzten Krankheit offenbarte sie den lebendigsten Glauben, sie ertrugmit erstaunenöwerthcr Geduld die furchtbaren Schmerzen ihrer Krank-heit und that ihren Mund nicht auf, als um ihre Umgebung zuerbauen. Aller Welt wünschte sie es wissen zu lassen, daß sie ihreSchriften widerrufe und ihre Vergehen verfluche, die sie gerne mitihrem Blute ausgesühnt hätte. Sie pneö Gottes Bnrmhcrzigknt,die sich an ihr erwiesen habe, und iu ihren letzten Augenblickendrückten sich Reue und die Hoffnung aus, daß sie jetzt in einbesseres Leben hinübcrtrctc.

Lamartine ?

Nach der Ucbcrtr.igung der Pass. k. Kirchcli zt g,

Verlags-Inhaber : F. C. Krem er.

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