Gottes thun zu können; wie gern greifen diese dann nach derArbeit u. s. w. Mit welchem Danke und welcher Liebe die Ge.fangenen gegen ihre Wohlthäterinnen, wie sie die Schwestern oftnennen, erfüllt sind, davon habe ich oft rührende Beweise gesehen.Ich trat einmal auf das Lazarett) der kranken Männer, und fandsie zu ungewohnter Zeit zum gemeinschaftlichen Gebete um einCrucifix gelagert. Die eben das Bett verlassen dursten, lagenknieend versammelt, die andern hatten fromm ihre Hände auf demBette gefaltet: das ganze Lazareth betete. Ich fragte nach derUrsache, und erfuhr: die eine Schwester war krank geworden, siehatten sie den Tag über nicht gesehen, und beteten zu Gott umihre Genesung. Welche Freude, als sie nach einigen Tagen wiederunter sie trat. Es ist einleuchtend, was ein jolcher Geist, dernun auf dem Lazarethe herrscht, für einen moralischen Einfluß imGanzen üben muß. Ich muß aber hierbei bemerken, daß dieBehandlung der Kranken seitens der Schwestern durchaus nicht zuweich, oder gar sentimental ist: wer die Schwestern so beurtheilenwollte, der könnte sie schlecht. So besorgt und voller Theilnahmesie für die Kranken auch sind, so Wissen sie doch jedem unbilligenBegehren derselben mit Entschiedenheit entgegen zu treten, undetwaige vorkommende Störungen und Unordnungen auf den Laza-rethen mit Ernst abzuwehren und zu beseitigen. Ich habe öftergesehen, wie eine Schwester die Sträflinge um sich zusammentretenließ, um ihnen eine angemessene Strafrede zu halten. Eben sowenig hat ihre Tugend und ihr Seclcneifer mit Frömmelei undfalscher widerlicher Bekehrungssucht etwas gemein. Wäre das, sowürde ihre Wirksamkeit auf die Gefangenen sicher geringeren oderwohl gar keinen Erfolg gehabt haben. Denn Nichts entdeckt derohnehin so mißtrauische Verbrecher leichter, als Absichtlichkeit, unddurch Nichts nimmt man denselben mehr gegen sich ein, als durchdiese. Wo sie mit dem, dem Weibe eigenen, durch Uebung beiihnen geschärften Takte sehen, daß ein Wort des Trostes oder derErbauung oder der Ermahnung am rechten Orte seyn und Eingangfinden möge, da wird es gesagt, und sein Erfolg der göttlichenGnade und der ferneren Behandlung des Geistlichen überlassen."
Bedeutung der Glocken.(Kath. Blätter aus Tirol.)
Rom . Am 3. Mai zog eine seltene Feierlichkeit das römi-sche Volk und die anwesenden Fremden in die weltberühmte Basi-lika Santa Maria Maggiore . Der heil. Vater weihte nämlich inHöchsteigener Person in dieser Kirche die vor einem Jahre gesprun-gene, Heuer nun neu gegossene, und an Werth und Gewicht ver-mehrte große Glocke. Nebst 20 Kardinälen und dem päpstlichenHofstaate wohnten auch viele Bischöfe der morgen- und abendlän-dischen Kirche, und eine große Menge hoher Herrschaften, fürwelche an beiden Seiten dcö Mittelschiffes Tribunen errichtet waren,der Feierlichkeit bei. Am Schlüsse der Ceremonie verkündete dieGlocke zum ersten Male mit ihrer rein klingenden Stimme denGruß des Engels.
Die Glocken haben in der katholischen Kirche ein bedeutungs-volles und einflußreiches Amt. Schwebend in der Höhe zwischenHimmel und Erde, durchdringen und übertönen sie mit ihrermetallenen Stimme bald erhebend bald niederdrückend, balv begei-sternd bald erschreckend, immer jedoch mahnend und predigend,das einförmige und eitle Brausen und Lärmen der unter ihnensich herumtreibenden Menschheit. Bald ist ihr feierlicher Schall
ein schwaches Echo der seligen Sicgeslieder, die aus dem himm-lischen Jerusalem in unser Thränenthal herniederschallen, und inunsern Herzen das Heimweh nach der jenseitigen theuren Heimathanregen; bald ist ihr Ruf eine herzzerreißende Klagestimme, dieuns die Seufzer unserer leidenden Brüder drüben verkündet, unsden Ernst und die Schrecknisse des Todes und Grabes prediget,und mit den Thränen und Seufzern der verlassenen Theuren ver-einigt ein ernstes Grablied singt; bald verbreiten sie ihren feier-lichen Klang über Städte und Dörfer, über Berge und Thäler,und verkünden der unter der schweren Last der Arbeit, Leiden undSorgen gedrückten Menschheit die hohen Festtage dcö Jahres,diese so angenehmen und lrostvollcn Rast- und Nuhcpuncte aufder mühevollen Pilgerreise durch dieß Leben, und rufen mit derStimme des guten Hirten die gläubige und hcilbegierige HeerdeChristi in die Kirche zur stets offenen Gnadenquellc dcö lebendigenWassers; balv aber hört man sie wieder in der bangen Stundeder Gefahr, wenn Donner rollen und Blitze sich durchkreuzen,oder das feindliche Schwert cntgegcnblinkt, oder die schrecklicheWuth der entfesselten Elemente wild zerstörend um sich greist,gleich einer um ihre Küchlein besorgten Henne, ihren Mark undBein durchdringenden Angstschrei Ausstößen, und die Sorglosen andie Gefahr erinnern, die Erschreckten aber zum Gebete und Ver-trauen auf Gott ermuntern; die Glocken sind es, die dem durchden nächtlichen Schlas erquickten irdischen Waller den neuen Tagverkünden, und ihm beim ersten Erwachen die Wohlthat der Er-lösung in's Gedächtniß rufen, und die heiligsten Namen Jesus und Maria zum Ohr und Herzen sprechen, so wie sie wieder amAbende jedes Tages der scheinenden Sonne noch den Gruß desEngels an Maria hinter die Berge nachrufen, und dem ermüde-ten Arbeiter von der Hitze und Last des irdischen Tagewerkes zurErquickung und nächtlichen Ruhe winken. Sie haben das ehren-volle Amt, alle Tage den an- und abwesenden Brüvcrn in derKirche und zu Hause, auf dem Felde und auf den Höhen derBerge den hoch heiligen und höchst wichtigen Augenblick zu ver-künden, in welchem der Erlöser in der Hand des Priesters gleich-sam neuerdings Mensch wird, und für das Heil seiner Erlöstensich opfert; — sie sind, mit Einem Worte, die theilnehmendenZuseher der irdischen Ereignisse, und dle mitfühlenden Verkllnderunserer frohen und lcidcnoschwcren, trüben und heileren Stundenvon der Taufe an bis zum Grabe, — das kräftige Sprachorgan,durch welches der stäte Rapport des Himmels mit der Erde, derZeit mit der Ewigkeit unterhalten wird. Ist nun dieses das Amt,und die durch die heilige Weihe noch erhobene Würde jeder kirch-lichen Glocke überhaupt, und einer großen Hauptglockc insbeson-dere, so genießt doch Maria Liberia unter ihren vielen Schwesternin der weiten christlichen Welt ein ganz eigenes Ansehen, da siedie erste und vornehmste aller Marienkirchen der christlichen Weltschmücket, und ihr die Ehre zukommt, täglich den sieben HügelnRomö das Lob Mariens und den Gruß des Engels zu verlunvcn.Uebrigcns hat dicse Glocke noch eine besondere Bestimmung. Siewird täglich zwei Stunden nach Ave Maria, welches im höchstenWinter auf 7 Uhr, im höchsten Sommer auf 10 Uhr hinaus-geht, eine Viertelstunde lang gelautet, damit die Jäger und Hir-ten, die auf der unabsehbaren Fläche der römischen Campagna imnächtlichen Dunkel herumirren, und in großer Gefahr stehen, sichgänzlich zu verirren, und Gesundheit und Leben einzubüßen, andem Schalle dieser Glocke sich zurechtfinden, und demselben nach-gehend die gehörige Richtung gegen Rom wieder finden können.So ist sie also auch ein Zeuge der alle möglichen Leiden umfassen-den, und in Rom so schön sich entfaltenden christlichen Liebe, und