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Vikare und der Bischöfe Gott auf den Knieen an, dem unglücklichen Ita-lien seine Barmherzigkeit zuzuwenden und dem so grausamen Prüfungenunterworfenen Oberhaupte der Kirche seine Gnade und seinen Segen zuverleihen. Wir bedauern, unsern Lesern nicht alte die eindringlichen Erniahnungen der Prälaten JrlandS und Englands in diesem Betreffe mittheilenzu können. Die Ausdrücke, durch welche sie ihre Anhänglichkeit an denheiligen Stuhl und ihren unerschütterlichen Glauben an die Zukunft derKirche ausgesprochen, sind im höchsten Grade ergreifend. Wir wählen zurBekräftigung unserer Behauptung folgende Steven auö dem Hirtenbriefedes Monsignor Walsh, apostolischen VicarS zu London, den auch dessenCoadjutor, Monsignor Wiseman unterzeichnet hat, auS:
„Für Alle, geliebte und theuere Brüdcr im Herrn, welche die tiefenGeheimnisse begreifen, auf denen der Glaube ruht, und auf welche dieVorsehung sich stützt, ist jetzt der Augenblick gekommen, sich in Liebe umden Thron deS heiligen Petrus und um die geheiligte Person zu vereini-gen, die ihn einnimmt. Laßt Jene, die in dem liebenswürdigen und tugend-haften Pins IX. nur einen Monarchen mehr sehen, den die ungestümenLeidenschaften eines bethörten Volkes von einem zeitlichen Thron gestoßenhaben, immerhin darüber verwundert und bestürzt seyn, — sich freuen undjubeln darüber wird doch wahrlich Niemand; — aber für ein katholischesHerz, das in dieser erhabenen Person den Repräsentanten und den Statt-halter Jesu Christi sieht, wird er niemals mehr mit wahrem Ruhm um-strahlt, niemals der tiefsten Verehrung und der zärtlichsten Liebe würdigererscheinen, als wenn wie bei seinem göttlichen Meister seine erhabenen undunveräußerlichen Vorrechte sich mit dem Schmerze, mit der Gefangenschaftin den Händen seines Volkes und mit dem Verrathe vereinigen, den Jenean ihm verübt haben, welche ihm die Theuersten sind.
„Wenn wir sehen, waS gegenwärtig um uns vorgeht, sollen wiruns nicht mit dem tiefsten Leid im Herzen und mit Thränen in den Augenum ihn vereinigen, ihm die feierlichsten, die aufrichtigsten Huldigungendarzubringen, um ihn mehr als jemals als das Oberhaupt der Kirche,den Herrn unseres geistigen Lebens wie unseres Glaubens und als denWahren Stellvertreter unseres gekreuzigten Erlösers anzuerkennen? Die Worte,die wir hier aussprechen, werben ihm wahrscheinlich niemals zu Gesichtkommen, aber wir versichern ihn hiemit nichts desto weniger öffentlich undauS dem tiefsten Innern in unserem und, wie wir nicht zweifeln dürfen,auch in euerem Namen unserer unerschütterlichen Treue und unserer unwan-!delbaren Liebe.
„Möge die Anhänglichkeit seiner geistigen Kinder, welche die Unbil-den, die er in so hohem Maaße erdulden muß, gewiß noch vergrößern,den heiligen Vater für den Undank und die Untreue seiner Unterthanenentschädigen, — mögen die Gebete von Millionen Katholiken ihn mit einerSchutzwache umgeben, die mächtiger ist, als sein Heer! Mögen die heili-gen Apostel Petrus und Paulaö aus ihren Gräbern die bittenden Händezum Himmel erheben, um den göttlichen Schutz für die heilige Stadt zuerflehe». Mögen die Engel des FriedenS sich um den Hohenpriester Gottesversammeln und ihn gegen alle seine Feinde beschützen, und mögen alleSegnungen des heiligen Geistes in Fülle sich auf sein geheiligtes HauptHerabsenken, damit er von Neuem mit einem irdischen Diademe gekrönt werde >"
Die Katholiken von England und Irland beschränken sich nicht aufGebete; zahlreich besuchte Versammlungen fanden statt, um zu Gunstendes heiligen VaterS, den die Undankbarkeit seiner Unterthanen genöthigek!hat, Sich von Rom zu entfernen, Anhänglichkeits- und Bewuuderungs-Avreffen zu votiren. I» einer Versammlung zu Dublin wurde der Antraggestellt, die alte Abgabe deS „Pfennings des heiligen Petrus" wieder ein-zuführen, um PiuS IX. während der Dauer seiner Verbannung damit zuunterstützen. Aehnliche Versammlungen werden in allen Pfarreien gehaltenWerden, um freiwillige Gaben der Gläubigen zu diesem Zwecke in Empfangzu nehmen. Die Katholiken Englands werken wohl auch nicht zögern,sich in gleicher Absicht zu vereinigen. Auf diese Weise hat also das. un-glückliche, den Qualen des Hungers preisgegebene Irland in den hochher-zigen Eingebungen seines Glaubens die Quelle und die Aufforderung zu!einem Unternehmen gefunden, daS ohne Zweifel bald die ganze katholischeWelt nachahmen wird.
AuS Bayern im December. ES freut mich, Ihnen auS Bayern wieder einmal etwas Erfreuliches melden zu können — und zwar vorAllem von dem Orden der Cup »einer. Schon seit mehreren Jahrenhat dieser Orden durch seine Obern crnstlichst darauf hingearbeitet, dieursprüngliche Klosterzucht nach der Regel des heiligen FranciScuS wieder
herzustellen, und so den Orden zu regeneriren. Und wirklich haben dieehrwürdigen Väter deS CapucinerordenS, der vielleicht der populärste unterallen Orden ist, in allen ihren Klöstern seitdem nicht nur musterhafte Ord-nung, sondern auch ein segenreicheS Wirken. Der Beichtstuhl in ihrenKlöstern ist sehr stark besucht, eben so der Gottesdienst in ihren Kirchen,und die mancherlei OrdenSfeste zu verschiedenen Zeiten deS Jahres bietendem Volke häufig Gelegenheit zum Empfange der heiligen Sacramcnte,, und gar mancher Kleriker, der früher den religiösen Orden überhaupt nichtgeneigt war, hat durch die neu eingeführte strenge Klosterzucht und daSerfreuliche Wirken des CapucinerordenS sein Urtheil zum Bessern geändertund zollt diesen Vätern eine aufrichtige Achtung.
Um nun auch in den Stürmen der Gegenwart die OrdenSmitglieder!zu stärken und zum Wirken in diesen gefahrvollen Tagen desto tüchtiger zumachen, werden von dem Hochwürdigen Pater Superior deS Capuciner-Hospitinms zu Augsburg in allen Klöstern, welche dieser Orden in Bayern zählt, geistliche Erercitien abgehalten, auf denen gewiß Gottes Segenruhen wird. Denn so gewiß es ist, daß der gesunde Kern der Gläubigennoch vorzüglich im Landvolke zu finden ist, so gewiß ist es auch, daßunter allen religiösen Orden keiner so sehr die Sympathien des Landvol-kes hat und keiner so sehr mit dem Volke verwachsen ist, als der armeOrden der Capuciner. Ihre Armuth und ihre Entbehrungen, ihre Fasten,Nachtwachen, Disciplin und dergleichen machen sie dem Volke ehrwürdig,ihr Termin bringt sie vielfach mit dem Volke in Berührung und öffnetihnen die Herzen der Armen und Bedrängten, um Trost und Seelenruhebei ihnen zu suchen. WaS aber eine recht innige Begeisterung dieserOrdensmitglieder um so wüuschenswerther macht, daS ist eben die geringeAbneigung der Welt gegen diesen Beltelorven und die geringe Bedeu-tung, welche die Well diesem Orden beilegt. - Je geringer die Welt ihnanschlägt, um so eher wird derselbe unter den Stürmen der Zeit sicherhalten und wie die Weide am Bache sich beugen und nach dem Sturmewieder frisch dastehen, während vielleicht so manche Eiche entwurzelt amBoden liegt und verdorret. Und so wie die Kirche von dem heiligenFranciscus sagt: „ki'-moisous kic psuper et inoclieus ooelum clivos in-greclitur," so mag auch seinen Jüngern jetzt wieder Gelegenheit werden,durch Armuth und Niedrigkeit reich zu werden an Verdiensten und alsBoten des Evangeliums unter den Armen viele Seelen zu gewinnen fürdas ewige Leben und ein nicht unbedeutendes Schärflein beizutragen, denGlauben wieder zu beleben und dem Herrn ein wohlgefälliges Volk zubereiten.
Daß der WeltkleruS nach der gewordenen Mahnung seiner Bischöfedie Hände nicht müßig in den Schooß lege, war wohl zu erwarten —und zwar um so mehr, da schon zuvor so Viele nach einer solchen Mah-nung und Ermunterung zur Rechtfertigung ihres Eifers sich gesehnt har-ten. Nachdem nun das Streben nach Besserem durch die Stimme derObcrhirten nicht nur gebilligt, sondern sogar gefordert ist, so sucht Jedernach Zeit und Umständen von den oberhirtlichen Mahnungen Alles inEifüllung zu bringen, was ihm möglich ist. So hat zum Beispiel HerrDr. Nhrig in Würzburg von Neujahr beginnend eine politische Zeitungunter dem Namen „Würzburger Journal" angekündigt und damit diegeringe Zahl der kirchlichgesinnten politischen Zeiiungen vermehrt, waSgewiß guten Fortgang haben und nicht unbedeutenden Nutzen stiften wird,zumal die Bürgerschaft Würzburgs selbst eine noch durchaus kernh'afte gutkatholische ist. Nur fehlt noch einiger Muth so vielen unserer Priester,daß sie im Gebiete der Journalistik sich mehr versuchen, wozu so MancherKenntnisse und Geschick hat, allein aus nicht zu rechtfertigender Zaghaftig-keit, Manche leider auch auS Indolenz, sich nicht getrauen, in der Oef-ftntlichkeit mitzureden. Allein wer heut zu Tage nicht mitredet, der wirdauch nicht mitgezählt! An den geistlichen Erercitien, deren öftern Abhal-tung der Klerus baldigst entgegen sieht, wirb sich gewiß die größte Theil-nahme beurkunden. Einstweilen werden überall die religiösen Vereine fürkirchliche Freiheit verbreitet, da wir aus ähnliche Weise diese werben errin-gen müssen, wie eS die Jrländer gethan. Wolle nur Gott solche Männerwecken und stärken, die und daß sie uns ähnliche Führer werden, wieDaniel O'Eonuell den Jrländern war. Volksmijstonen, die noch voreinigen Jahren bei Prälaten und Pfarrern so manchen Widerspruch gefun-den, sind durch die Ansprache der Oberhirten gerechtfertigt und werdengewiß so bald als möglich überall abgehalten werden, ob nun durch Ver-eine von Weltpriestern, die sich eigens dazu vorbereiten, oder durch Ordens-leute, daS werben die Bischöfe wohl bald bestimmen. Unter solchen Um-ständen blicken wir dem kommenden Jahre mit ruhigem Auge entgegen undvertrauen auf den Beistand Dessen, der gesagt hat: „Hcee ego vobmoumsum omnibu8 ckiebus usgue sei consurnmstionem sseouli." (Katholik.)
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
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