Ausgabe 
9 (14.1.1849) 2
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen
  

Preis In Augsburg für fich allein (»hu«A. Postzeitung) jährlichIst. Istkr. Durchdie Post kann diese-Wochenblatt nur vonAbonnenten der Post-zeitung bezogen werden,und erhöht fich derPreis nach Verhältnißder Entfernung.

Sonntags -Veiblatt

M

Augsburger Postzeitung.

Für fich allein, ohnedie Augsburger Post-zeitung, find diese Blät-ter nur im Wege desBuchhandels zu be-ziehen und kosten inganz Deutschland, derSchweiz u.s. w, jähr-lich nur 1 ft. SOkr.oder I Thlr.

Neunter Jahrgang

14. Januar 184kl.

Grmrrthigung. *)

Es ist ein heißer Kampf In dieser Welt,

Darin so manches reizt und wohlgefällt,

Wo Goldesglanz und NugenschimmerBlenden und belhören immer.

Doch wirf nur tapfer deine BrustEntgegen der Welt und ihrer LustUnd kämpf' und streite stark und mnthig.

Wird auch das Herz dir wund und blutig.

Hast ja ein Schwert an der Seile licht.

Auch schil'S an einem Helfer von Oben nicht.

Laß nur im Kampf den Arm nicht sinkenBald flehst du Oeizwcig und Palme winken.

Albert Werfer.

Neujahr-wunsch für 184S. **)

Die mit dem Strome der Zeit Schwimmenden haben sich in denKopf gesetzt die meisten alten Gebräuche abzuschaffen, als verbrauchteWaaren, die für die Jetztzeit keinen Werth mehr haben. So erging's mitder Sitte, sich gegenseitig ein glückseliges neues Jahr zu wünschen. Verfaffer dieses, als noch zur Zopfzeit gehörend, bleibt beim alten Gebrauch,und wünscht den lieben Tirolern und allen Lesern dieser Blätter aus demGrunde deS Herzens ein wahrhaft glückseliges neues Jahr. Man mögees mit Gott anlangen, und in seiner Gnade vollenden. Was auch immerüber uns von Gott beschlossen ist, Gutes oder Schlimmes, eS mögeEuch, ihr Lieben, gefaßt, und Gott ganz ergeben finden. Um dieß zukönnen, wollen wir vereint in einen Spiegel blicken, der unS las Mehroder Weniger unseres sittlichen Werthes vorzeigen, den Grad der nöthi-gen Reue erschauen lassen wird, damit wir von innen nach außen Ordnungim Haushalte schaffen, um vorbereitet zu sevn, wenn im Jahre 1849 derHauSvakr Rechenschaft über das geführte Hauswesen abverlangt.

Gedenkt vorerst eines alten Spruches:

Hin geht die Zeit,

Her kommt der Tod;

O Mensch, thue Recht,

Und fürchte Gott!

Da wir ein aufgeregtes Jahr hinter uns haben, so wurden Vieleaus unö von seinen Strömungeiz mit fortgerissen. Es bedarf im neuenJahre der ganzen Kraft des Glaubens, um sich wieder besonnen zu fassen.Deßhalb wollen wir in den Spiegel blicken; er soll uns unsere Seelenzustünde erschaubar machen, wie eS mit dem PluS oder MinuS unsererReue beschaffen ist.

Vor Allem muß jeder Mensch einsehen, daß er nicht am Ziele alleszu Erkennenden ist, wenn man gleichwohl die Jahreszahl 1849 schreibt,worüber hinaus daS Senkblei unserer Vorsehungen keinen Halt mehr findet;und sey man nicht so thöricht, den Jahrhunderten, die vielleicht »och kom-men werken, die eigene beschränkte Einsicht als Mauer vorzuschieben, überwelche hinaus man den Flug des Geistes nicht erheben könnte, und glaubeja nicht, daß das, was unserm blinden MaulwurfSauge undurchdringlichist, eben so Allen vor und nach unö unerschaubar gewesen sey oder seyn

w.rde. Dagegen hüte man sich auch vor einem Wissen, das dem christ-lichen Leben verderblich ist; denn daS vorwitzige sich Versenken in GvlteSGeheimnisse und Rathschläge dient unS überhaupt nicht zum Heile; kannja doch unser Auge den Strahl der Sonne nicht ertragen, wenn sie inihrem Glänze am Himmel steht und der Mensch, Staub und Asche,ein Kind von gestern und heute, soll eS wagen nicht zufrieden zu seyn,wenn ihm noch kein tieferer Blick in die Tiefen Gottes und in die Geheim-nisse der Werke seiner Schöpfung gegönnt ist! Zuerst trachte man sich selbstzu erkennen. Man überzeuge sich von seiner eigenen Ohnmacht, und manwird Gott dem Vater in Anbetung danken, einer Einsicht enthoben zuseyn, wo unsere Seelenkräfle nicht ausreichen könnten. Um Andere zuerkennen, muß man sich selbst erkennen. Blicken wir nur in den SpiegeldeS Gewissens, und wir werden schauen unsere Miserabilität und die Noth-wendigkeit auszurufen: ?ator, poccsvi!

Zu dieser Sprache kommt aber der Mensch nur dann, wenn er vonder Gnade erleuchtet wird, und die Mcntorstimme eines SeelenarzteS hörenmag. Da geht gewöhnlich folgendes Seelengcspräch voran: Mensch! um-sonst, waS du auch thust; eS ist keine Ruhe in dir, so lange du die Fesselder Sünde trägst. Wie viele Jahre des Lebens sind schon zu Grabegegangen, und sind vorgemerkt jenseits in dem Buche der Alles gerechtlohnenden und bestrafenden Vergeltung! Und die unS unbekannte und nichjlgesicherte Zukunft, was wird sie wohl bringen? O Mensch, steht doch deinTaufstein schon neben deiner Grabstätte, und daS dazwischen liegende Lebenverklingt wie ein Glockengeläute, und nichts gehört uns, als der Augen-blick der Gegenwart, der dem Brunnen der Ewigkeit entspringt. Dernur der gehört zur treuen Benützung für die Ewigkeit unS an. WolleGotteS Gnade im neuen Jahre die Sehnsucht nach dem Bessern in unsanregen, nach Etwas, waö die Welt nicht geben kann. Bisher wardas Auge deS LeibeS von der Wcltlust hart mitgenommen; möge im neuenJahre daS geistige Auge sich öffnen, und das sinnliche erlökten, wo mandann mit ganz anderer Ansicht der Weltdinge Umriß erschauen wird. Aberda müssen noch Hemmnisse gehoben werden, um auf dem Wege des HeilesFortschritte zu machen. Siehe, da sendet Gott Fäulniß dem Fleische;kommt zum Schweigen, und ein gewaltiger Eingriff von oben inö gewohnteLeben rüttelt mächtig auf, und man kommt wieder einen Schritt vor-wärts auf der Bahn deS Heiles. Aber kaS ist noch keineswegs eine völligeUmwandlung deS Geistes. Mit den grauen Haaren kommt erst ernstesNachdenken, der innere Ruf: WaS war ich bisher? waS bin ich noch?wird's so noch lange fortdauern?

Hier kommt eS meistens zur Entscheidung. Gingen dem Leben guteWerke in Liebe vollbracht voran, so wendet sich allmälig die Seele nachoben; hat man aber im Vergangenen der Gnade deS heil. Geistes wider-strebt, so gestaltet sich der Seelenzustand zum Schlimmern. Möge daSerstere bei uns der Fall in diesem Jahre seyn! Möge der Hammer derGewisscnsuhr schon Schläge für und in die Ewigkeit geschlagen, der Zeigerunserer LebenSuhr zu Sonnenseite der Gnade sich gewendet haben, und dieLiebe Gottes uns durchs Leben tragen, und unsern Augen. ThränenPerlen, wollte ich sagen, der Liebesreue entlocken; bann würden wir großeFortschritte auf dem Wege LeS Heiles machen, einer ruhigern Zukunft ent-gegensehen, und bei allen Stürmen, die noch in diesem Jahre uns um-brausen mögen, dennoch fest im Glauben rufen: Was, wie, wo und solange Gott will.

Liebe Mitchristcn, ich wünsche Euch Allen die Gnade der LiebeSreuein diesem neu angetretenen Jahre; nur sie sichert Euer ewiges Heil.Aber dazu bedarf der Stärke; sie komme über Euch von oben, in Euch,und führe Euch zu Gott zurück, der Euch diese Gnade verleiht. Auf denn!In der Kraft Gottes wollen wir unS ihm nahen. Wir wollen im neuenJahre im Vaterschooße GotteS, gleich den Kindern in der Wiege, sicher

i

i

") Neue Sion.

") AuS dk» kath. Bl. aus Tircl.