Ausgabe 
9 (14.1.1849) 2
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ruhen, und jeden Augenblick vertrauen, daß eS uns an der gehörigenNahrung der Seele nie und nimmer fehlen werde. Lasset uns liebendwirken unv leiben, bis der Engel deS FriedcnS unser leibliches Auge schließt,während baS geistige geöffnet wird zu schauen im Lichte, was wir hier nurdurch den Glauben erkennen. Wir wollen noch gerne ausharren hier imThränenthale. Der Flug der Liebe wird die Zeit abkürzen, und in unödas Heimweh nach dem ewigen Leben stillen.

Christus, der Sohn GotteS , sitzend zur Rechten deines Vaters,ertheile den Bewohnern dieses Landes deinen unbegreiflichen himmlischenFrieden; ertheile ihnen daS lebendige Leben deS wahren Glaubens unddaS tägliche Brod deö Leibes, und vor Allem die Nahrung de^ Seele,damit Keines aus ihnen für Zeit und Ewigkeit verloren gehe.

Das ist mein NeujahrSwunsch für Euch, meine Lieben, die ich Allein der Liebe Christi umfasse.

Innsbruck , 1. Jan. 1849.

Alex. Fürst Hohenlohe, Bischof von Sardika und Großpropst.

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Der dentscheEpifkopat.

Bon Sebastian Brunn er*)

klt unilo mors orioliatur, jucke rit» rosurzerol.

I'oaelatio <lo eruee.

Wie allmänni'glich bekannt, hat im vorigen Jahrhundert zu Cöln, Trier und Mainz sich zuerst daS Gelüste der Staatsgewalt gegenüber derkirchlichen thatsächlich geltend gemacht, und ist gerade im allen Trevirumjener seltsame Vog'el, der juridischen Naturforscherwelt unter dem lateini-schen Namen Febrvnius bezeichnet, wie in einem warmen Neste mit beson-derer Liebe gepflegt worden, und eS hat sein Gesang bei allen hohen undniedrigen deutschen Potentaten von Oesterreich, Preußen und Bayern ,bisherab zum kleinen Gärtlein sammt Pavillon im Schwarzwalve, bis zurSigmaring'schen Monarchie freudiges Gehör und guten^Widerklang gefun-den. Unv haben auch sogleich alle Herren Machthaber die kirchlichenOrgelwerke in fürstliche Drehorgeln umgeschaffen, und sich in die neuenWalzen-Variationen über die Febronianische Arie einnageln lassen, und- soHat man darnach von Siaatswcgen fleißig fortzudrehen und darauf loSzu-orgcln anbefohlen, und vertraute Männer dabei angestellt, von denen manschon im voraus überzeugt war, Laß sie keine unliebsamen Tonstücke ein-klappen lassen, und daß sie keine andern Walzen in baö Werk einsetzenwerben, als solche, deren Harmonie von den Hofmusicis früher geneigteApprobation gefunden. Sind auch damals die Gänge, welche die nöthigeLuft vorn Primat auS nach Deutschland bringen sollten, mit Hemmklappenversehen worden, die man alsogleich zufallen ließ, denn man fürchtete, eSkönne selbst die Drehorgel noch unangenehm brausen, oder eS möchte daökriueipslo und das kiumbarckoni gross!, die gewaltigen crzgcgossenen Säu-len, zu donnernd hindröhnen über daS deutsche Land, und manchen Schla-fenden aufwecken auS seinen Träumen. In dieser Weise wurde nun fastEin Jahrhundert lang fortgedreht und fortgeorgclt und ein Register umdaS andere hineingeschoben, um nur den unangenehmen Lärm zu verhin-dern, unv alle Pedalpfeifen zum Schweigen gebracht als eS auf ein-mal dem großen Orgelmeister Clemens August zu Cöln gar zu still undtraurig ward im deutschen Dome, und er zur Einsicht kam, ihm sey vonoben die Kraft gegeben, selber mit seinen Händen den Tonsatz zu regeln,und daS Werk mit eigener Macht zu betreiben; da warf er nun die mor-schen Walzen mitsammt der Rococomusik heraus, und legte den alcenKirchenchoral vor sich auf daS Pult hin, und setzte sich an die bestäubteKlaviatur und spielte den verblüfften Regierungen einmal ein anderes Stückauf, er ließ sich nimmer als mechanischer Drehmann verwenden; die Pedal-Register zog er wieder heraus, in vollen Strömen ließ er die Luft in dieWindladen herein, unv erweckend tönte sein Lied im ganzen deutschen Land.Clemens August hat vom Cölnerdom auö daS in Schlummer hingesunkenedeutsche Episkopat aufgeweckt. Er war der Wächter in der Nacht, dendie Vorsehung gesendet hat und er hat sein Werk getreulich erfüllt, erhat seine Genossen auS dem Schlaf gerüttelt; denn wach mußten sie seynzu einer ernsten Zeit, wach am großen Tage, dessen Morgenröthe überDeutschland hereingebrochen.

Unv darnach componirte der alte Meister GörreS sein Lied, und setztedarin die Grundweisen deS alten CölnererzbischofS in Variationen ausein-ander, daS Lied hieß: AthanasiuS eS hallte in ganz Deutschland widerund seine mächtigen Tonwogcn schlugen wie stürmische MeereSfluthcn an

*) Au« dcffi» Airchenzeltung.

die Pforten aller deutschen Dome, und die meisten Bischöfe erwachten auihren Chorstühlen, in denen sie lange Zeit geschlafen, und warfen dieStaatsprotokolle und Rubiikenbücher unv Gesttzlafeln, die man währendihres Traumes ihnen vorS Angesicht gelegt, beschämt zu Boden, undgriffen nach den bestäubten und mit Spinnenweben überzogenen Choral-büchern, die ihre unseligen Vorfahre» in die Winkel der Chorstühle gelegt,und sie hoben sie wieder auf die Pulte, und fingen an sich einzuüben inkirchlichen SangeSweisen.

Ja, dir Clemens August, und deinem Schwertführer GörreSbeide nun schon hingegangen in daS Land jenes Friedens, nach welchemihr hier treulich gerungen, euch danket die Kirche in Deutschland ihr wie-dererwachtes, ihr neues Leben! Da mußte die schmutzige Spreestartweisheiterfahren, daß der kirchliche Geist in keine Kellen sich schlagen, in keineMauern sich einschließen läßt, seyen nun diese Minden, oder Grauten;oder SpanLau geheißen! Wer hätte zu jener Zeit es geglaubt, wenn manihm gesagt, der nächste König wird selber der katholischen Kirche ihrevöllige Freiheit verleihen?*) Da ist nun seit jener denkwürdigen Begeben-heit zu Köln der Strom der Zeit durch ein Decennium fortgeronnen, undder große Weltorganist wollte zu Nutz und Frommen der Machthaber undder Völker, daß auf der Rwsenorgel der Weltgeschichte wieder einmal eingewaltiges weithinlönendeS Lied gespielt werte, und eS wurde aufgelegtdie alte GesangeSweise deS zweiten Psalmes:Und nun ihr Könige ver-stehet: laßt euch weisen, die ihr Richter seyd auf Erden. Dienet demHerrn in Furcht: und frohlocket ihm mit Zittern. Ergreifet die Zucht, daßder Herr nicht zürne, und ihr untergehet, abirrend vom rechten Wege!"

Wir haben das Lied vernommen, es tönt noch in unsern Ohren'und die Fürsten haben es zum Theil gesehen, daß je mehr sie die Kircheknechtetet, weil sie vor ihr in eitler Furcht befangen waren,-desto wenigerkönnen sie jetzt in bedrängter Zeit ihre Hoffnung auf sie setzen, denn die'geknechtete Kirche ist sammt der bureaukralischen Staatsgewalt, an die siegefesselt war, wie an eine Ruderbank bei den Völkern in Mißcreditgekommen! Die Fürsten unv Völker müssen zur Einsicht gelangen, daß nurzwei Dinge von je in der Welt die Ordnung hergestellt haben: Gottes-furcht oder Menschenfurcht die Menschenfurcht ist überall, wo die Men-schen abgeirrt sind vom rechten Weg, wo sie daS Gesetz GotteS verlassen;und wo Menschenfurcht ist, da ist Sklaverei wo aber Freiheit seyn soll,da muß Gott-sfurcht sevn denn ohne Gottesfurcht da gibt eS keineFreiheit, da herrscht nur thierisches Gelüste, dessen letztes Ziel ist Blutzu lecken und an Morv und Todtschlag sich zu freuen. Es brauchte nurdas Drama Eines Jahres, um diese Thatsachen vor unseren Augen auf-zurollen! Die Kirche muß den Völkern wieder Mutter werden, daß sie denVater fürchten lernen, der Gott im Himmel ist!

Die Kirche muß aber eine freie seyn, daß ihre Kinder Kinder derFreien werden, und nicht der Magd und daS Streben und daS Besitz-ergreifen ihrer rechtmäßigen Freiheit, daS ist die jüngste Bewegung in derKirche, das die jüngste deS teutschen Episkopates.

Graf Montalembert über die setzten römischen Ereignisse.

(Schluß.)

Graf Montalembert. Ich bemerke Ihnen noch einmal, daßdiese zeitliche Gewalt die Garantie seiner Freiheit ist und sage, daß geradedarüber gewacht und gesorgt werden muß. Ich sehe allerdings sehr gutein, daß gerade die Vertheidigung und die Eihaltung dieser Autorität derschwierigste und delicateste Theil von. der Aufgabe ist, deren Lösung Sieunternommen haben, allein eben so wahr ist, daß gerade darin jene altefranzösische Travition liegt, auf die Sie sich in ihren Jnftructionen berufen.Hier liegt sie und nirgends anders! Doch ich will die Diskussion nichtunnützer Weise verlängern, weil die Ereignisse an und für sich schon zuernster Art sind, als daß man sich in überflüssigen Redensarten zu ergehenbrauchte. Einem Einwürfe muß ich indessen noch begegnen, der in denZeitungen schon vielfach ausgesprochen worden ist und den auch der ehren-werthe Herr Ledru-Rollin auf die Tribune gebracht hat, mit Mäßigungzwar in der Form, ich erkenne dieses an, allein nichts desto weniger alsden Grundgedanken seiner ganzen Rede, und dieser Einwand ist folgender::Ihr, die französische Republik, die au- dem Ausstande vom 24. Februarentsprungen, Ihr habet nicht daS. Recht, anderwärts politischen Bestrebun-gen und Thaten entgegen zu treten, welche denen ähnlich, denen ihr Euer«eigenen Ursprung zu verdanken habet, für die Ihr also auch solidarischhaften und verantwortlich seyn müsset. Nun aber protestire ich gegen einesolche Solidarität und ich will Ihnen sagen warum.

') Nrue Preußische Verfassungsurkunde, Art. 1S, 13, 1«.