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gelium zu predigen. Der Klerus ist nur da für das Evangelium, unddas Evangelium ist die Freiheit und Gleichheit.
Warum zeigt sich aber die Geistlichkeit da und dort den politischenRevolutionen, die doch nur Freiheit wollen, abgeneigt? Wollet ihr wissenden wahren Grund, soll ich ihn sagen? Gerade weil sie die Freiheit undGleichheit liebt und stets geliebt hat. Wer irgend ein Gut wahrhaft liebt,haßt eben deßhalb dessen Zerrbild und Verfälschung. Wer deßhalb dieFreiheit und Gleichheit liebt, verabscheut in demselben Grade die falscheGleichheit und die falsche Freiheit; ihm ist eS ein schmerzliches Gefühl zusehen, wie man den Namen dieser kostbaren Güter mißbraucht, um dasWesen und die Wirklichkeit derselben zu vernichten. Der Klerus läßt sichnicht täuschen wie daS Volk durch inhaltleere Worte, und wenn er Ursachehat zu fürchten, man treibe nur Schein und leeres Wortgcpräug, um wiemit einem Schleier die Knechtschaft und den DeSpotismuS zu bedecken,dann erhebt er sich als Gegner dieser falschen FreiheitSmänner. So han-delt und so muß handeln der treue Wächter der wahren Freiheit und derwahren Gleichheit; es ist seine Pflicht, Diejenigen zu bekämpfen, welchedarauf ausgehen, jene Güter, die sie mit Worten erheben, in der Wirk-lichkeit z» vernicht.!!. Wollet ihr nun, daß augenblicklich jeder, auch derscheinbare Widerstand der Geistlichen in Betreff der Freiheit und Gleichheitaufhöre? ES ist das leichteste von der Welt, dieß zu bewirken; ihr brauchtnur zwei Dinge zu thun, die ich euch sagen will: Gebt von der Freiheitund Gleichheit eine solche Definition, worin alle und jede Zweideutigkeitvermieden ist, so daß aller Zweifel verschwindet und Jedermann überzeugtist, ihr wollet die wahre Freiheit und die wahre Gleichheit, die wahreFreiheit für Alle und die wahre Gleichheit für Alle. Erfindet sociale For-men, wclcl e in der That die Rechte Aller gewährleisten, und zwar in derArt, daß die wahre Freiheit und die wahre Gleichheit in der Gesellschaftsich verwirklichen können. Durch diese einfachen Mittel verscheuchet ihrplötzlich jede Opposition von Seite des KleruS; noch mehr: ihr braucht ihnnur zu überzeugen, daß ihr aufrichtig diese beiden Güter suchet, und erist mit Herz und Seele euer, er ist euer treuer Bundesgenosse in demRingen nach demselben Ziele. Denn um euer Freund zu werden, brauchtder Klerus seine Ansicht nicht zu ändern; ihr macht ihn nicht zum Freundeder Freiheit und Gleichheit, sondern ihr findet ihn nur als daS, was erseiner Natur nach ist. Er braucht sich nicht zu ändern; aber ibr müßteuch nur besser erklären und eure Handlungen mit euren Grundsätzen inEinklang bringen, müßt finden oder doch aufrichtig suchen, was ihr bisdaher noch nicht gefunden, nämlich Staatöformen, welche aus der Freiheitund Gleichheit eine Wahrheit machen. Dann erst werden beide Güter ver-wirklicht, und gerade das ist'S, was der Klerus will."
Die H-iuSvereiue.
Augsburg , 5. Dcc. „Antoni Bauernfreund" hat wieder eine kleineFlugschrift veröffentlicht unter dem Titel: Etwas Besonderes für dieKatlwliken nebst einem guten Neujahrswnnsch für Alle. Darin erklärt erzuerst, waS die Bischöfe in ihrem Erlasse von Würzburg aus wollen unddringt auj Anschluß an den PiuS-Verein: gewiß zwei sehr wichtige Themale.
In Beziehung auf das letztere sagt er: „Gesetzt aber auch, ein JeglicherauS Euch Katholiken ist gesonnen, von nun an nichts mehr zu dulden,
WaS Eurer Kirche feindlich entgegen ist und dieselben Rechte für Euch inAnspruch zu nehmen, die heut zu Tage jeder elende Wicht nicht erst langin Anspruch nimmt, sondern schon wirklich hat und besitzt, sagt:wie wollt Jhr'S da machen? Bis Einer lang zum Andern geht und derdieß und jener was anderes spricht, und am Ende Keiner weiß, waS er. Eurem Pius-Vereine wollet, oder ist ein tückischer Verleumder undwill und waS zu thun ist, derzeit habt Ihr schon lang den rechten Z«it-!erst ein rechter Störenfried. Denn seht, Ihr Katholiken Bayerns !Punct versäumt und man lackt Euch hinterdrein auS und sagt spöttisch: tJhr lebet unter einem katholischen Regiment und dieß katholische„ES sind halt dumme Katholiken." — Wenn Ihr nun das Alles recht! Regiment hat bis zur Stunde alle die Verordnungen erlassen und nochüberlegt: so sehet Ihr von selbst ein: daß ihr Euch vereinigen müßt. nicht zurückgenommen, die die innersten Rechte und Freiheiten Eurer KircheJa vereinigen müßt Ibr Euch. Einen Verein müßt Ihr bilden. Jetzt so lief kränken; dieß katholische Regiment bevormundet und stellt gleich-habt Ihr das Rechte getroffen. Vereinte Kraft ist stark. Ihr seht sam unter polizeiliche Aufsicht Eure Bischöfe; während die KatholikendaS an den Wühlern und Vatcrlandöverräthern. Man fürchtet sie. Die Preußens unter einem protestantischen Regimente stehen und unterRegierung fürchtet sie, der Staat fürchtet sie. Und warum fürchtet man eben diesem protestantischen Regiment alle jene Rechte und Freiheilensie?— Einfach darum, weil sie vereint sind, weil ihre Kräfte nicht wie ^
katholische Kirche festgesetzt werden, waö da will: in einigen Stunden istdie entsprechende Verwahrung dagegen mit taufenden von Unterschriftenversehen. Und daS macht Eindruck und übt den gehörigen Nachdruck.
«seht Ihr nun ein, daß Ihr einen Verein bilden müßt, soll eS Euchnicht recht übel ergehen: so ist'S nöthig, Euch zu sagen, was Ihr füreinen Verein bilden müßt — Ihr müßt nicht so einfältig seyn, undjetzt gleich vor Allem auSspindisiren und überlegen und nachsinniren, wasIhr Eurem Vereine für einen Namen geben sollt. Ich sag das nichtumsonst; denn daß Ihr Euch zusammenstellt, daß Ihr Euch vereiniget,daß Ihr alsdann Euch kurz und deutlich besprechet, welche Haupt-grundsätze Ihr unabänderlich festhalten wollet: daS ist dieHauptsache. Der Name des Vereines findet sich dann schon vonselbsten; ja, was sage ich, er ist schon vorhanden, der Name undder Verein, und zählt allbereits schon eine schöne Anzahl Mitglieder.Dieser Verein ist in Mainz da drunt in einer schönen Stadt am Rhein gegründet worden, heißt PiuS-Verein (weil unser heiliger Vater Piusheißt, wie Ihr wisset) und zählt bereits so 'ne 150,000 Mitglieder.Dieser Verein hat denselben Endzweck, zu dessen Verfolg ich Euch dringcnstermähne; nämlich Weckung, Belebung des wahrhaft eingeschlafenenkatholischen Bewußtseyns, und gesetzliche, friedliche Erkämpfungaller jener Rechte und Freiheiten, die man bis zur Stunde den Katholikenungerechterweise vorenthalten hat und, wie es scheint, in alle Ewigkeitvorenthalten will. Tretet nun mit diesem PiuS Verein zu Mainz indie innigste Verbindung. Nennt euren Pius-Verein einen Zweigvercinjenes zu Mainz bestehenden HaupivereineS, und eS wirb sich dann AUeSvon selbsten machen.
Also nochmals und abermals: Tretet zusammen in einenVerein. Ihr auf dem Lande geht zu eurem Pfarrer — tragt ihm EuerAnliegen vor. Das Weitere wird er Euch dann schon sag^n. Aber säumtEuch nicht. Die Zeit ist kostbar. — Erzählet Anderen» waS Ihr in die-ser Schrift gelesen habet, theilet sie mit zum Lesen. Besinnet Euch nichtlange, sondern denket, daß eS eine Schmach ohne Gleichen ist, die manEurer Kirche bisher angethan hat, indem man ihr allein ganz widerrecht-lich alle jene Rechte und Freiheiten versagt, die ihr von Gott und Rechts-wegen zugehörcn, während mau einem Lumpen, wie der Rouge ist, Frei-heit gestaltet, überall, wo er will, seinen Unsinn zu predigen. Habt Ihrdiese Schmach recht überlegt (und dazu braucht Ihr keine Woche Zeit), sopackt die Sache frisch und im Namen Gottes an, und arbeitet nachKräften an immer größerer Ausbreitung des PiuS-Vereines. Ihr lernetdadurch einander selbst näher kennen, Ihr wisset dann, was Ihr wollet,,ein Jeder aus Euch weiß es, Ihr Alle wisset es, Ihr seyd dadurch auchnoch inniger mit Euren kirchlichen Vorgesetzten vereiniget, und durch siehiedurch mit unserem heiligen Vater PiuS IX. , und will man nun derKirche wieder einen Schlag versetzen (und daß man daS thun werde, dazusind alle Aussichten vorhanden), so dürfet Ihr nicht lange mit der Stangeim Nebel herumtappen und fragen: was sollen wir jetzt thun? Ihr wißtdaS schon, und könnt dann durch Euer einheitliches Zusammenwirken undEuer festes Zusammenhalten eine solch' ehrfurchtgebietende Stellung einneh-men, daß man Euch die religiösen Freiheiten nicht längervorenthalten kann, die Euch von Gott und Rechtswegengehören.
Ihr habt aber vielleicht ein Bedenken: „Ob Ihr nämlich durch Er-richtung deS PiuS-Vereines nicht den Vorwurf auf Euch ladet, als störtetIhr dadurch den religiösen Frieden zwischen Euch und Andersgläubigen?"— Wer Euch einen solchen Vorwurf macht, versteht nicht, waS Ihr mit
die Trümmer einer von. Blitze getroffenen Eiche zerstreut umherliegen, >on-dcrn weil sie ihre Kräfte zusammengesammelt haben, weil sie wissen,WaS sie wollen, weil das ein Jeder von ihnen weiß, undweil sie nicht erst sich fragen müssen, was jetzt da und waS jetzt dort zuthun sey. — Gerade so müßt auch Ihr Kaiholiken eS machen; nämlich„Euch vereinigen " Ihr müßt wissen, WaS Ihr wollt, und weißdas ein Jeder aus Euch, weiß er das von A bis Z, so mag gegen die
jetzt nun besitzen, die man Euch in Bayern vorenthaltet, die eben so z. B.den Katholiken Oesterreichs von eben ihrem katholischen Regimentebis zur Stunde noch vorenthalten sind. — Ein böswilliger Menschist daher jeder, der Euch obigen Vorwurf macht. Der PiuS-Verein hat mit der Störung deS religiösen FricdenS so wenig gemein, alsder Metzgerfriedl den Frieden in seinem Dorfe gestört hat, da er die Ge-rechtsame wieder zurückverlangt hat, die auf dem Hause seiner Muttergewesen ist und ihm ungerechterweffe eine längere Zeit vorenthalten wurde."
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.