in dem jugendlichen Oceanicn gleichfalls schon katholische Dörfer und Kolo-nien, gleichen Ursprunges wie die Rcductionen von Paraguay . So findenwir in allen Erdlheilen, unter allen Racen deS Menschengeschlechtes diekatholische Kirche , repräsentirt durch arme aber glaubenSreiche Missionäreund apostolische Männer, als Schöpferin und Erhalkerin der blühendstenNiederlassungen und Kolonien; und selbst die Europäer fühlen sich glücklichund wohl unter dem Schirme der alten, aber ewig jugendlich-kräftigenMutter, wie dieß u. A. die Kolonie St. Marien stadt in den BereinigrenStaaten von Nerdamerika bekundet.
Auch die protestantischen Secten suchten, wie in manchem Andern,der katholischen Kirche hierin nachzuahmen, und wir stoßen namerttlich aufdie Secle der Herrn Hüter, die in fast allen Erdtheilen (Oceanien aus-genommen) Kolonien zu gründen versuchte und daS Muster der Nevuclionenvon Paraguay ( vielfach modificirt freilich nach den Satzungen ihrer Serie)bei der Ausführung ihrer Colonisations-Versuche benützte. Allein, so sehrauch diese Hcrrnhuter-Colouieu von den Herrnhutern selbst gelobt und stetsals in, blühendsten Zustande befindlich geschildert wurden; so haben dochneuere Reisende, und zwar Piotestanten, eingestehen müssen, daß dieseKolonien theils wieder aufgegeben worden seyen, theils in einem nichiSWeniger alö blühenden Zustande sich befänden. Dieß gilt zunächst von denKolonien in Afrika unter den Hottentotten und Bosjemans. Die Kolonienunter den Indianern in Nordamerika sind entweder schon im vorigen Jahr-hunderte wieder spurlos verschwunden, oder — in europäische Ansiedelungenverwandelt wurden, in welchen sich auch nicht Ein Neophyte befindet.Dasselbe gilt von den wenigen Colonien im russischen Asien, z. B. Sarepla,einer Niederlassung, in welcher so wenig bekehrte Heiden oder ehemaligeNichtchristen sich aufhalten, als in den Stammsitzen Herrnhut oder Ber-thclsrorf in Sachsen. Um nichts zu übergehen, gedenken wir noch dervon dem Prediger Egede im vorigen Jahrhunderte von Kopenhagen ausin Grönland gegründeten Colonien bekehrter Eskimos. Egede, — den manprotestantischer Seils dem heiligen Indianer-Apostel Franz Taver an dieSeite zu stellen versucht hat, — hatte große Schwierigkeiten zu überwin-den, ehe es ihm gelang, einige Eskimos in Colonien a la Herrnhut zuvereinigen; kaum war er aber gestorben, so verschwanden die Neubekehrtenwie Spreu im Winde und an ihre Stelle traten dänische Rvbbenjäger undThransieder. Wir verweilten absichtlich Etwas länger bei den Koloniender Herruhuter: sie werden ja so oft von den Gegnern der katholischenKirche als Muster aufgestellt und sollen als Belege dafür dienen, daß derProtestantismus als solcher wohl auch im Stande sey, Colonien, ähnlichden Redactionen der Jesuiten, zu gründen und im blühenden Zustande zuerhalten. Nun wir haben gesehen, wie es mit der Erhaltung deS blühen-den Zustandes dieser am meisten gepriesenen aller protestantischen Missionö-Colonien steht, und überlassen es den Lesern des MissionsblalteS sich überdie weniger gepriesenen Misstonsstakionen anderer protestantischer Sectenhiernach ein Urtheil zu bilden.
Wir erwähnten oben der katholischen Kolonie St. Marienstadrin den Vereinigten Staaten und deuteten darauf hin, daß die katholischeKirche auch diejenige Kraft besitze, schon civilistrte Menschen — und zwarverschiedener Abstammung — zu vereinigen und ihnen Alles zu sichern,was zu einem so viel als möglich sorgenfreien Erdenleben gehört. Auchder Protestantismus und der Socialismus und Kommunismushaben sich auf diesem Felde versucht, und besonders letztere, indem sie sichdie Aufgabe gestellt, den Menschen schon auf Erben glückselig zu machen,ihr Hauptaugenmerk auf die Etablirung überseeischer Niederlassungen undColonien gerichtet. Wir begegnen auch hier zuerst wieder den Herrn-hutern, die, wie schon gejagt, in fast allen Theilen der Welt europäi-sche Colonien gegründet, welche sämmtlich dem Stammsitze Herrnhut , äußer-lich wenigstens, auf ein Haar gleichen. Man kann diesen Gemeinden daSZeugniß nicht absprechen, daß sie ein Bild äußerer Ordnung und Zufrie-denheit abgeben; die inneren Verhältnisse sind aber überall sehr verworrenund eine eifersüchtige Herrschsucht der Prediger und Nettesten auf der einenSeite hat auf der andern Seite vielfache Unzufriedenheit und Mißstimmunghervorgerufen, die sich zwar noch passiv verhalten, allein über kurz oderlang auf eine die Societät der Herrnhuter Brüdergemeinden vernichtendeWeise an den Tag treten werden. — Wir können und wollen hier nichtalle die Anstedelungsversuche deS Protestantismus und AntikatholiciSmusaufzählen und beleuchten, wie z. B. die Versuche der Methodisten, Mor-monen, des Würltembergerö Rapp u. A.; nur der Versuche von Seitendes Kommunisten Cabet sey hier ausführlicher gedacht, besonders da die-selben die öffentliche Aufmerksamkeit in unseren Tagen stark in Anspruchgenommen haben. Folgendes Schreiben eines Anhängers von Cabet , dasso eben die französischen Blätter mittheilen, möge unsere Leser in den Standsetzen, sich ein Urtheil zu bilden über die schaffende und erhaltende Kraft
deö CommuniSmuS in Bezug auf Colonien, die von einer religiösen Ueber-zeugung oder Ansicht ins Leben gerufen worden. DaS Schreiben lautet:
„Ehre uno Ruhm dem Pascha Cabet und seinen Janilscharen! Jka-ricn ist begründet, Jkarien cristtrt, es ist ein Eden, ein wahres irdischesParadies; o, wenn Ihr Jkarien sehen würbet!" so lauten die enthusiasti-schen Reden, mit welchen die Schafe, welche darauf hören, verlockt unddann geschoren werden sollen. „Ihr müßt mir blind vertrauen," sagt derPascha von Jkarien. Auch ich habe wie so viele Andere bescheiden dieAugen zugedrückt und mich weder um die Hilfsquelle» des Landes, nochum den Zustand ber Casse bekümmert. Keiner der Passagiere kannte dieEinnahmen und Ausgaben, eben so wenig war uns die Urkunde über denErwerb einer Million Acres Land vorgelegt worden, wir reiste» ab wiewahre Hämmel. Kaum waren wir indessen auf der See, so erklärte mirber Stellvertreter von Cabet, daß diese angebliche Concession von einerMillion AcreS Land gar nicht eristire. Es war dieses die erste Täuschung.Bei unserer Ankunft in Neu-OrleanS erfuhr ich, daß die Waarenniedcrlagezu Shrewport und die Uhren der Ikarier für 1000 FraucS versetzt seyen.Zweite Täuschung. Da ich krank war, so verlaugie ich einen Arzt; derOberjauitschar Favard antworteie mir aber, in Neu OileanS seyen dieAerzte alle Quacksalber, meine Krankheit sey auch nicht so bedeutend, daßich mich deßhalb aufhatten sollte, ich solle darum nur nach Jkarien gehe»und mich dort von dem Arzte der Gesellschaft behandeln lassen. Spätererfuhr ich indessen, baß der Janilschar Favarv sich nie um einen Arztbekümmert, daß er vielmehr erklärt habe, er habe kein Geld, um einenDoctor zu bezahlen. Dritte Täuschung. Wie wurde ich aber erst über-rascht, als ich nach Shrewport kam und das zur Aufnahme der Frauenbestimmte Gebäude sah. ES befindet sich in einem solchen Zustande, daßdie Einwohner sagten, sie möchten keinen Gaul hineinstellen! Die vierteund stärkste Täuschung war unser Zug durch die Wälder und Prairien vonTeraS, während dessen wir wegen der Habgier des Oberjanitsckaren allemöglichen Entbehrungen erdulden mußten. Die letzte und traurigste allerTäuschungen war jedoch unsere Ankunft in Jkarien selbst. Wir sandcnbort keinen Menschen, sondern Leichname, keine Spur von Kultur in diesemangeblichen Paradiese, wohl aber 10,000 FrancS Schulden. Am Tagenach unserer Ankunft wurde deßhalb einstimmig mit Ausnahme von dreiStimmen beschlossen, daß die Gesellschaft aufgelöst sey und wir AlleS imStiche lassen wollten. Der Rückzug war mit großen Schwierigkeiten ver-bunden und wir mußten unterwegs viele Kranke zurücklassen. Die Kofferund das gesammte Weißzeug deS letzten Zuges mußten auf den Prairienzurückgelassen werden. Wir erwarteten nun zu Shrewport Hilfe von Frank-reich aus und es kam auch wirklich eine aus fünf Mitgliedern bestehendeCommission am 24. Oktober an, die uns sagte, sie habe im Ganzen 4000FrancS, während sie in der That 25,000 FrancS hatte. Jeder von unSerhielt nun 55 Francs, womit er sich nach Neu-OrleanS durchschlagenmußte. Ein Mitglied der Commission, NauienS Chaise, ging mit einemTheile dieser Summe durch, die anderen haben einen sogenannten Bruder-bund gebildet, dessen Mitglieder alle Wochen 30 SouS zum Besttu derkranken und arbeitslosen Ikarier zahlen müssen. Da indess.n fast Alle,welche auS Teras zurückgekommen, krank sind unv nicht arbeiten können,so werden bloß die jungen Schafe in den Verein treten »nd bezahlen, undwenn sie je einmal Rechnung verlangen, so ward der Janitschar kommen,und ihnen sagen: .Ihr müsset uns blind vertrauen!" Ich für meinenTheil bin ohne Arbeit und habe 1000 FrancS , davon 400 FrancS aufRechnung meines Neffen, in die Casse geschossen Da indessen mein Neffenicht kommt, weil Eden in der Auflösung begriffen ist, so glaubte ich, daßich diese Summe wieder bekommen würde. Als ich aber mit dem Janit-scharen Favard davon sprach, gab mir dieser Vertrauensmann deS Paschazur Antwort: „Dein Geld wie das aller Anderen ist zum T—." DieseÄnderen sind die Familien, welche noch in Frankreich sind, die ihr Geldeingeschossen haben, allein jetzt nicht abreisen werden, weil die ganze Unter-nehmung aufgegeben ist. In der Sitzung deS BrudervereineS von, 21. Oct.bat ich um einen Vorschuß, damit ich bis zur Ankunft neuer GeldmittelauS Frankreich leben könne. Ich erwarte Geld, denn icb habe an meineFamilie darum geschrieben, unv erwarte auck meine Frau, die sitzt schonauf der Reise zu mir seyn muß, und ebenfalls 1200 FrancS eingeschossenhat. Ich versprach hoch und theuer, daß ick diesen Vorschuß zurückgebenwürde, so bald mein Geld aus Frankreich ankäme; Alle wußten, baß ichganz mittellos war und keinen Menschen in Neu-OrleanS kannte. KraftdeS Princips ber Brüderlichkeit wurde mir indessen jede Unterstützung rund-weg abgeschlagen. Welch eine Lehre für mich! Möge sie den anderenUnglücklichen zur Warnung dienen, die sich durch Cabet und seine Janit-scharen verführen lassen. E. Dubuisson, Golcarbeiter."
AuS diesen Andeutungen und Beispielen läßt sich.zur Genüge erken-nen und die Folgerung steht fest, daß nur die katholische Kirche die Kraft