besitzt, kirchliche Colonien zu gründen und zu erhalten, alle Secten aber,sie mögen heißen, wie sie wollen, find nicht im Stande, für die Dauereine Vereinigung von Menschen zu erhalten; denn nur der katholischenKirche stehen Glaube und Liebe zu Gebote, zwei Bindemittel, die alleanderen überdauern, selbst den Eigennutz, diese so starke Triebfeder mensch-licher Leidenschaften. (Katholik.)
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(AuS: Sechs Predigten über da« heilige Bußsacrament, von W. I. Franz. ')
„Uemento Ilomo, guia pulvis es!" So spricht die heilige Mutter,die Kircke, mit Anfang der heil. Fastenzeit zu ihren Kindern ein ernstesWort: Ich soll gedenken; — du sollst gevenken; — er, sie, soll gedenken; —Wir sollen gedenken! — WaS? — Ich werde sterben; — du wirst ster-ben; — er, sie, cS wird sterben; — wir werden sterben; — und »aufden Tod folgt das Gericht." (Hebr. 9, 27.) An den Tod sollenwir denken und was darauf weiter kommt! — O, daS ist eine alte Ge-schichte! sagt der FaschingSmensch, dem das Aschermittwochlied nicht gefal-len will; daS ist eine alte Geschichte! Denkt man denn nicht ohnedemgenug daran? Nein! sagt die Erfahrung, man denkt nicht genug daran.
Stirbt ein AltcS, da sagen die Jungen: Die Jahre waren da; cShat lange genug gehalten. — Stirbt ein junger Mensch, da sagen danndie Alten: Der oder die hat auch zu geschwinde gelebt, oder fügen, sichselber beruhigend, wohl die Bemerkung bei: Die Jungen, wenn eS zumKrankwerden kommt, reißt es meist schneller weg, als die Alten. — Stirbtein Kranker, da sagen die Gesunden: DaS war bei dieser Krankheit vor-auszusehen!... stirbt ein dem Anscheine nach Gesunder in der Fülle seinerKraft, — da sagen die Kranken und Kränkler: Er ist ein Opfer seinerDollblütigkeit geworden; ja sie vertrösten sich: ein oftmaliger Patient seydiel sicherer vor dem Tode, als so ein Riese; weil wer mehr mit Kränk-lichkeit zu thun habe, viel sorgfältiger sich zu bewahren verstehe.— Stirbt«in Armer, da denken die Reichen: Dem Menschen hat es an Nahrung,Pflege und einem guten Arzte gefehlt: sonst wäre er wohl aufgekommen! —Stirbt ein Reicher, da sagen dann die Armen: Der könnte auch noch gesundseyn, wenn er einfacher gelebt hätte, und die vielen Arzneien haben ihmvollends den Rest gegeben; — einfache Kost und Hausmittel erhalten unslänger.... So und ähnlich denken und reden Tausende, ehe nur Einesauf den rechten Grund kommt und sagt: Der ist gestorben und Die istgestorben, weil sie sterbliche Menschen waren, wie auch ich bin und nichtweiß, weder den Tag noch die Stunde. — So und ähnlich wie die ebenGeschilderten macht man es aber eben, weil man an den Tod nichtdenken mag, selbst wenn man von ihm reden muß!... unddock kann nicht daS Vergessen, kann nur daS ernste, lebenSverbeffcrndeBedenken des nun einmal unvermeidlichen TodeS, diesem seinen Stachel,diesem die vorangehende und nachfolgende Bitterkeit benehmen.
Erforsche also dein Gewissen, ordne dein HeilSgeschäft im Andenken derAsche und im Spiegel des TodeS; — und waö du an dir findest, dasdu im Sterben nicht an dir haben möchtest, — daS ist gewiß nicht recht!
Daß es aber wieder recht werbe, mit der Gnade GotteS , in jedemsolchen Falle, mahnt mit verdoppelt liebevollem Rufen, mahnt mit Worten,mahnt mit Sinnbildern unsere Heilsbesorgte, liebende Mutter, die hl. Kirche,«den in der heiligen Fastenzeit. — Ein geistreicher christlicher Dichter hatdiesen Fastenbußruf in folgenden Denkrcim gefaßt, mit welchem ich schlie-ßen will:
Zeit der Reue, Zeit der Buße kommt auf'« Neue,
Grüßet uns mit ernstem Gruße,
Mensch! nicht säume, nimmer hascht eitle Träume!
Ist dein Leib nicht Staub und Asche? —
Ach ermesse was dir noth,
Nicht vergesse deines Heilands bittern Tod!
Wein' und klage, daß viel Stunden
Daß viel' Tage leer und thöricht sind befunden;
Andrer Gram so dich beschwertWahrlich ist der Müh' nicht werth!
Diese heilige Gesinnung und daS ihr entsprechende Thun möge unSbegleiten durch die nahende Fasten, durch unsere ganze Lebenszeit!
Barmherzigkeit eines Priesters.
„DaS freie Oesterreich" bringt unter der Aufschrift: „Hand-lung eines katholischen Priesters auS den Octoberragenvon 1848" unter der Chiffre Dr. G. B. folgende Erzählung.
Ich kam, meinen Geschäften nachgehend, am 6. October gerade indem Augenblicke aus dem Stephansplatze an, als der blutige Zusammen-stoß der Garden war, und wurde dort in ein Gedränge von Menschenhineingerissen. Bald hörte ich hinter mir Kugeln pfeifen, und viele Men-schen, so wie ich, flohen in daS AlumnatSgebäuve; dort merkte ich erst,nachdem ich einigen Verwundeten Hilfe geleistet harte, daß ich selbst imRücken von einer Kugel verwundet sey. Ich ließ mich in daS deutscheHaus führen, wo der Arzt meine Wunde für tödtlich erklärte, und wirk-lich hatten mich die Kräfte schon so verlassen, daß ich halb bewußtloszusammen sank. ES wurde um einen geistlichen Herrn geschickt, und derPriester deS deutschen Ordens, der hochwürdige Pater Holzapfel kam,und versah mich mit den heiligen Sterbsacramenten. Er hatte wohl iirmeinen Augen den Wunsch erkannt, ein Plätzchen zu haben, um ruhigsterben zu können, da jede Berührung mir ungeheure Schmerzen verur-sachte. Da erbarmte er sich, und ließ mich in ein abgesondertes Zimmerbringen, wobei er thätig Hand anlegte, deckte mich dann mit seiner eige-nen Bettdecke zu, und pflegte mich mehrere Tage und Nächte unausgesetzt,so daß, wenn ich des Nachts von wüthenden Schmerzen erwachte, ich ihnneben meinem Lager (welches in der Eile auf den Boden gemacht wordenwar) auf dem harten Fußboden, nur seinen Kopf auf meinem Polsterliegend, fand, und er mir dann stundenlang den heiligen Trost der Reli-gion zusprach. Als ich mich so weit erholte, daß eine Operation an mirvorgenommen werden konnte, übernahm er die Kosten derselben, und ver-wiest mich freundlich zur Ruhe, als ich ihm sagte, daß ich ein ganz armerMensch sey, und ihm nichts ersetzen könne. Die Operation ging glücklichvon Statten, nnv er pflegte mich während meiner Wundfieber fort, sosorgsam, wie es meine eigene Mutter nicht besser hätte thun können, undbehielt mich auch, nachdem ich NcconvaleScent wurde, in seinem eigenenZimmer bei sich, wo er mir manches gar schöne Erbanungsbuch zu lesengab. So geschah eS, daß ich, an Leib und Seele gesunder von ihm auSdem deutschen Hause entlassen wurde, als ich hineingekommen war. Gott möge cS ihm lohnen, ich kann nichts, als für ihn beten, und seinen gutenLehren folgen. Und dieß will ich auch, so wahr mir Gott helfe.
PiuSvereine.
BreSlau . Der hiesige Piusvercin beschäftigt sich gegenwärtig mitErrichtung von Abend- und Sonntagsschulcn für Gesellen, Lehrlinge, Ar-beiter und Dienstboten. Auch hat sich ein Auöschuß zur Gründung katho-lischer Volksbibliotheken gebildet. — Ueberhaupt gewinnen die katholischen Vereine in Schlesien immer weitere Ausbreitung, so daß ihre Zahl bereitsauf 56 gestiegen ist; die bis jetzt bestehenden entwickeln auch eine Thätig-keit, die von dem Aufschwung katholischer Gesinnung ein herrliches Zeug-niß gibt. Wenn man bedenkt, daß fast sämmtliche Vereine wöchentlicheVersammlungen halten; daß die meisten ihre Wirksamkeit meilenweit aus-dehnen; daß die wichtigsten kirchlichen Fragen allgemach durchbesprochen,und eine gründliche Wissenschaft deS Nothwendigen Gemeingut von Tau-senden wird; daß ferner die VereinSglieder eifrige Sendboten im Familien-und Freundeskreise abgeben, so kann man den Segen deS katholischen Ver-einSwerkes nicht gering anschlagen.
Augsburg , 8. Febr. Vom hiesigen PiuSverein, der von Tag zuTag an Bedeutung gewinnt und nun über 500 Mitglieder zählt, währendsich bereits auch mehrere Zweigvcreine mit Hunderten von Mitgliedern an-geschlossen haben, wurde in seiner gestrigen, zum erstenmal im goldenenSaale in der Jesuitengaffe abgehaltenen Generalversammlung eine Adressean die Kammer der Abgeordneten angenommen, welche im Einklänge mitder Denkschrift der deutschen Bischöfe für die Kirche die vollständigste Frei-heit in Anspruch nimmt.
Verantwortlicher Redacteur: 8. Schönchen.
Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.