Ausgabe 
9 (18.2.1849) 7
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Neunter- Jahrgang.

^ 7 .

18 . Februar 181 i-.

Nicolaus,

durch Gottes Barmherzigkeit und des apostolischen Stuhles Gnade Bischofvon Speyer, allen Geistlichen und Gläubigen der Diöcese Gruß und Segeniu unserm Herrn Jesus Christus.

Was der heilige Geist den Aposteln unsers Herrn Jesu Christi hinterdem Schleier der Zukunft gezeigt hat; was der Apostel Petrus zur War-nung, Vorsicht und Wachsamkeit späterer Zeiten vorhergesagt hat (2. Petr.2, 1) mit den Worten: Auch unter euch werden falsche Lehrerseyn, welche Irrlehren deS Verderbens einführen, denHerrn, der sie erkauft hat, verläugnen, und schnelles Ver-derben unter sich herbeiführen: das scheint in unserer Zeit sicherfüllt zu haben. ES sind zwar von jeher viele falsche Prophetenin die Welt ausgegangen (1. Joh. 4, 1), welche das Wort dergöttlichen Wahrheit durch ihre verkehrten Meinungen entstellt, und in vie-len Gläubigen das Licht deS Evangeliums zu verfinstern gesucht haben.Allein noch in keinem Jahrhunderte, seitdem die heilige Kirche besteht, istdie göttliche Lehre deS Christenthums mit so vereinten Bestrebungen ange-griffen, verspottet und verläugnet worden, wie in unsern Tagen. Nochnie waren die falschen Propheten, Lehrer und Prediger deS Irrthums undUnglaubens so zahlreich. Noch nie sind so ungescheuk die Haupimahrb,!' ndes Evangeliums verdreht oder verworfen, und die verderblichsten Grund-sätze allenthalben in Wort und Schrift verbreitet worden. Noch nie wurdees so frevelhaft gewagt, den Glauben an die himmlische Lehre deS Erlö-sers, welche die Christenheit seit mehr als achtzehn Jahrhunderten alö dasWort deS Lichtes und des Lebens, als ihr theuerstes Heiliglhum und dieQuelle alles Trostes verehrt, in den Gemüthern der Unbefestigten zuerschüttern, zu vernichten, und die Kirche, die ihre Bewahrerin ist, zuzerstören.

Als solche falsche Propheten und Jrrlchrer haben wir besonders dieStifter und Verbreiter der seit nicht langer Zeit entstandenen Secte zuerkennen, deren Anhänger sich da freie Christen, dort Deutsch tat ho-liken mit Unrecht nennen. Wie diese Secte in ihrem Entstehen an ver-schiedenen Orten unsers Vaterlandes von den Gegnern der heiligen K rchewillkommen geheißen; so wird sie noch immer gepflegt, gefördert und unter-stützt Diese Secte hat, unter Begünstigung der Feinde der Religion undzum Umsturz jeder rechtmäßigen bürgerlichen und kirchlichen Gewalt undOrdnung, mit dem offen ausgesprochenen Bestreben, einen allgemeinenAbfall von dem katholischen Christenthum herbeizuführen, auch in unsernGegenden Eingang gefunden. Es ist ihr gelungen, durch trügerische Ueber-redung und andere unlautere Mittel manche laue, leichtsinnige, glaubens-lose und verweltlichte Seelen zu Anhängern zu werben.

Wo gibt eS aber eine Haupliehre des Christenthums, eine Grund-feste der göttlichen Wahrheit, ein aller Annahme wenheS Geheimniß desEvangeliums, welche nicht in den Schriften und Reden der Verkündigerund Theilnehmer dieser Irrlehre verkehrt gedeutet, verhöhnt und in denöffentlichen Bekenntnissen ihres Glaubens oder vielmehr Unglaubens ver-läugnet werden! So sehr auch diese Glaubensbekenntnisse unter einanderim Wortlaute verschieden sind, so stimmen sie doch in der Aufnahme derIrrthümer aller Jahrhunderte unv in der Verneinung aller übernatürlichenOffenbarung mit einander überein.

Es ist, Geliebte im Herrn, wie ihr wisset, die Grundlage, aufwelcher der ganze christliche Glaube beruhet, und ist die UnterschetdungS-lehre der christlichen Religion von jeder anderen: baß wir den einigenGott erkennen und anbeten sollen in drei Personen, den Vater, Sohn undheiligen Geist. Auf diese heilige Wahrheit sind nach der Vorschrift Jesu die Christen in allen Jahrhunderten getauft und zu deren Bekenntniß durchdie Taufe verpflichtet worden. Allein diese höchste und tiefste Offenbarung-

deS göttlichen WesenS findet in dem Bekenntnisse dieser Abtrünnigen keine^ Stelle. Sie halten diese hochheilige Wahrheit, obgleich sie in der heiligenSchrift klar ausgesprochen, und durch die apostolische Ueberlieferung zuunS gekommen ist, für eine menschliche Erfindung und Vorstellung, dieman mit Stillschweigen zu übergehen habe. Darum bekennen sie auchJesum Christum den Herrn nicht als den cingebornen Sohn GvtteS, glei-chen Wesens mit dem Vater. Sie bekennen ihn nicht als den von Gott verheißenen Heiland unv Erlöser, der gesandt worven, die abgefallene undverirrte Menschheit zu Gott zurückzuführen. Sie bekennen ihn nicht alsden Sohn, durch den Gott in den letzten Tagen zu uns geredet, der daSGotleS-Wort, welches er verkündigte, durch Wunder unv Thaten bekräf-tiget hat; dessen Belehrung daher wahrhaftig, dessen Gebote verbindlich,dessen Verheißungen zuverlässig sind; der in jeder Hinsicht nur Worte deSLebens hat.

Diese Abtrünnigen bekennen Jesum Christum nicht als den Mittler,in welchem Gott die Well mit sich versöhnte (2. Kor. 5, 19);der durch seine Hingabe in den Tod und seinen Gehorsam bis zum Todeces streuzeS unsere Schuld getragen, gut gemacht, unsere Rechtfertigungverdient; und der durch seine Auferstehung uns die unendliche VaterliebeGottes verbürgt hat. Sie bekennen ihn nicht als den, dem alle Gewalt

' '-st im Himmel und auf 'Erden. Ti. ..ek......-.» ihn nicht als den

Richter der Lebendigen und der Todten, den Geber des Lebens und derUnsterblichkeit. Sie halten den Herrn Jesum Christum nicht für mehr alseinen Menschen. Sie lassen ihn nur gelten als ein Werkzeug der gött-lichen Vorsehung, als einen ausgezeichneten Lehrer, der die jüdische Reli-gion verbessert, gereinigt, und die Menschen zur Erkenntniß der religiösenWahrheiten der Vernunft gebracht habe. Die Erlösung von der Sündedurch den Tod Jesu , seine Stellvertretung unv das Vertrauen auf seineunendlichen Verdienste nenne» sie einen Wahn; da auf der menschlichenNatur keine erbliche Schuld liege und die Menschen zur Vergebung derSünde nur eigener Besserung bedürfen. Was die heilige Schrift von derübernatürlichen Geburt deS göttlichen Heilandes, von seinen wundervollenThaten, von seiner Auferstehung und Himmelfahrt erzählt, geben sie auSfür unverbürgte Sagen und bildliche Vorstellungen der alten Welt, welchegläubig anzunehmen nicht nothwendig sey.

Der heilige Geist ist diesen Abtrünnigen keine hochheilige, göttlichePerson; sondern nur die geistige, religiöse Gesinnung, ja selbst daS wech-selnde religiöse Bewußtseyn der Zeit. Sie lehren daher, eS sey Täuschung,vom heiligen Geist übernatürliche Gnadcnwirkungen erwarten wollen.

Die heiligen Sacramente, welche diese Jrrlehrer, außer der Taufeund dem Abendmahle, verwerfen, sind ihnen daher nicht sichtbare, kräftigeZeichen der göttlichen Gnade, sondern nur Gedenkzeichcn der Ausnahme inihre Gemeinde, Erinnerungen an Christus den Lehrer. Ja, die Taufehalten sie nicht einmal für nothwendig, da ohne dieselbe auch Juden inihre Gemeinde aufgenommen werde».

Die heilige Kirche halten diese Verirrten nur für eine menschlicheAnstalt. Die kirchliche Gewalt und Gerichtsbarkeit, lehren sie, sey nurGeisteSdruck'und zur Gewissensknechtung eingeführt, von deren Fesseln mansich befreien müsse. Deßhalb hätten auch, so behaupten sie, die Gesetze,Anordnungen und Gebräuche der Kirche für die freien Gewissen keine ver-bindende Kraft. Sie erklären zwar, daß sie nebst der Vernunft die heiligeSchrift als Quelle ihres LehrbegriffeS annehmen; aber sie verehren sienicht als ein unter GotteS Eingebung geschriebenes Buch, und fälschendieselbe durch verkehrte Deutung unv Auslegung. Sie ziehen die AuSsprücheder heiligen Schrift vor den Richterstuhl ihrer schwachen und doch über-müthigen Vernunft und sagen eS unverholen: daß sie nur Jenes in derheiligen Schrift für wahr erkennen, was sich mit der Vernunft, welcheallein unser Denken zu leiten und zu berichtigen habe, begreifen lasse.