Ausgabe 
9 (18.2.1849) 7
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Alles Geheimnißvolle, Wunderbare und Uebernatürliche lassen sie unbeachtetoder verwerfen eS als irrig. Sie vermessen sich zu behaupten, daß selbstdie Lehre Christi , in welchem doch alle Schätze der Weisheitund Erkenntniß verborgen sind (Kol. 2, 3) und seiner Apostel,einer wettern Ausbildung und hohem Vervollkommnung fähig sey; und daßeS bei dem Christenthume überhaupt auf den Glauben nicht ankomme, son-dern nur die Liebe das Wesentlichste desselben sey.

AuS dieser kurzen Darstellung werdet ihr, Geliebte im Herrn, erken-nen, wie wiverchristlich, wie dem Evangelium entgegengesetzt die Lehredieser Secte ist. Ihr werdet erkennen, mit welchem Unrechte Jene, diesie angenommen haben, und ihre Anhänger, sich noch Christen undwahre Bekenner unsers Herrn und Erlöjers nennen, der der Weg, dieWahrheit und das Leben ist (Joh. 14, 6.).

Höret den geliebten Jünger des Herrn, der mit dem größten Nach-drucke sich gegen solche Jrrlehrer erklärt (1. Joh. 2, 22. 23.). Wer ist,so spricht er, Wer ist der Lügner, alö der, welcher läugnet,daß Jesus der Christus ist. Daö ist der Widerchrist, wel-cher den Barer und den Sohn läugnet. Jeder, der den Sohnverläugnet, hat auch den Vater nicht; wer aber den Sohnbekennt, hat auch den Vater. Daran, so lehrt ferner derselbe Jün-ger der Liebe (1. Joh 4, 2. 3.), wird der Geist GvtleS erkannt:Jeder Geist der bekennet, daß Jesus Christus , im Fleischegekommen ist, der ist aus Gott . Jeder Geist aber, der Je-sum läugnet, ist nicht auö Gott, sondern er ist der'Wider-christ. Und wieder schreibt der Jünger der Liebe (l. Jol). 5, 10. 11.):Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat Gottes Zeugnißin sich: wer dem Sohne nicht glaubet, der macht ihn zumLügner, weil er an das Zeugniß nicht glaubt, welches Gottvon seinem Sohne bezeuget Hai. Und oaS ist vaS Zeugniß,daß uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und diesesLeben ist in seinem Sohne.

DaS ist aber der Sinn dieser Worte dcS Apostels: Wer nicht Jesumals den eingebvrnen Sohn GotleS bekennt; wer ihn nicht hält für denChristus, den Heiland und Mittler der Menschen, der um unseier Er-lösung willen in das Fleisch gekommen, Mensch geworden, und daherGott und Mensch zugleich ist; wer ihn nicht erkennt als den Urheber veSgeistigen und unsterblichen Lebens; wer an ihn nicht glaubt, durch welchender Vater sich gcoffenbaret hat; wer hingegen seine göttliche Lehre, die erverkündigt hat, in Zweifel zieht und verwirft, der bekennt auch den Vaternicht, der kann sich auch seiner Liebe und Gnade nicht trösten. DennNiemand kommt zum Vater alö durch den Sohn (Joh. 14, 6.).

Mit noch größerer Ungebühr maßen sich diese Abtrünnigen den NamenKatholische an, und nennen sich Glieder der allgemeinen, durch alleLänder der Erde verbreiteten, auf Erden streitenden, un Himmel triumphi-renden Kirche, die erbaut ist auf den Grund der Apostel undPropheten, wovon Christus der Eckstein ist (Eph. 2, 20.); derKirche, welche seit mehr als achtzehn Jahrhunderten die himmlische Lehredes Herrn rein, unverkürzt und unverfälscht bewahrt har, und deren Be-kenntniß so viele tausend Märtyrer mit ihrem Blute besiegelt haben. DieseAbtrünnigen, wenn sie auch von uns ausgegangen sind, sowaren sie doch nicht auS uns (1. Joh. 2, 10.). Sie sind dahernicht mehr erbaut auf den Grund der Apostel. Sie haben sich losgerissenals unbefestigte Steine aus dem heiligen Tempel Gottes und sind derStadt GoilcS Fremdlinge geworden. Sie haben sich losgetrennt von demFelsen der Küche, losgesagt von dem Mittelpunkte der Einigkeit, demobersten Hirten, dem der Herr anvertraut hat, seine Lämmer und seineSchafe zu weiden auf Erden (Joh . 21, 15 ff.), und von den Bischöfender Kirche, welche der heilige Geist gesetzt hat, die KircheGottes zu regieren (Apostelg. 20, 28.). Sie wollen nichts hörenvon der Gemeinschaft der Heiligen und von der liebevollen Fürbitte dergnadenvollen Mutier Gottes und der Auserwähllen im Himmel. Sie ver-werfen und verachten und wollen keinen Antheil mehr haben an dem erha-benen Opfer deS Altares, an der Vollzahl der heiligen Sacramente, anallen HeilSmitteln der Kirche, an ihren heiligen Anordnungen und Uebunggen. Sie wollen nicht mehr untergeben seyn als treue Kinder der mütter-lichen Pflege und Zucht der Kirche. Wie können sie also den NamenChristen und Katholiken führen, wenn nicht zur Täuschung, zurlügenhaften Verführung der Unverständigen? Wie können sie den Namenhaben, als ob sie lebten, da sie doch todt sind (Geh. Off. 3, 1.)? Mußnicht, da sie dem wahren Glauben abgestorben sind, aus ihren Irrthümernder Grabesgeruch der Verwesung aller Gottseligkeit heraufsteigen?

Wir haben euch, Geliebte in dem Herrn, nun den Inbegriff desUnglaubens und die Menge der Irrlehren dieser Secte, in welche Jene,die zu ihr übertreten, Viele vielleicht wiver ihrem Willen, nur angelockt

und verblendet durch trügerisches Zureden verfallen, zu eurer Warnungvor Augen gestellt, damit ihr nicht jedem Geiste glaubet, son-dern prüfet, ob sie aus Gott sind (1. Joh. 4, 1.). Wir aberwürden unsere schwere Pflicht, zu wachen über eure Seelen, die unsereroberhirtlichen Obsorge anvertraut sind, versäumen, und große Verantwor-! lung vor Jesus Christus , dem Hirten unv Bischöfe eurer Seelen (I.Petr.!2; 25.), uns zuziehen, wenn wir euch, die ihr den Glauben bewahret^und dem Herrn Jesus Christus und seiner Kirche treu seyd, nicht auch dieschwere Versündigung darlegten, deren Jene sich schuldig machen, welchean der Gemeinschaft der Abtrünnigen Theil nehmen, und wenn wir euchnicht auf die große Gefahr aufmerksam machten, die ihrem Seelenheiledrohet. Warnend rufen wir euch daher mit dem Apostel zu: Lasseteuch nicht von jedem Winde dvr Lehre hin- und Hertreibendurch die Schalkheit der Menschen, durch die arglistigenKunstgriffe der Verführung zum Irrthume; sondern übetdie Wahrheit in Liebe und nehmet zu in allen Stücken in!ihm',' der das Haupt ist, Christus. (Eph. 4, 14. 15.). Folgerj dem Jünger der Liebe, welcher euch mahnt (2. Joh. 8, 9.): Sehet euch^vor, daß ihr nicht verlieret, waS ihr erwirkt habt, sondern^vollen Lohn empfanget. Jeder, der abweicht und nicht in!der Lehre Chrisü bleibet, hat Gott nicht; wer in der Lehre^bleibet, der hat tz'en Vater und den Sohn.

Wie aber konnten wir es in unserm bischöflichen Amte vor Gott ! verantworten, wenn wir nicht mit allem Eifer der väterlichen Liebe auchJene, die schon am Glauben Schiffbruch gelitten, und in der Anfechtunggefallen sind, bitten und im Namen Jesu Christi ermähnen und beschwörenwürden, den verderblichen Irrthum zu verlassen, und zu der wahren Heerdezurückzukehren, für welche der göttliche Hirt sein Leben gelassen hat?

Denn wie groß uud schrecklich ist doch die Versündigung, seinemTaufbunde untreu werden, und dem Bekenntnisse deS dreieinigen GottcS,auf welches wir in der Taufe eingeweihet werden, entsagen und dadurchauch auf die Seligkeit verzichten, die bei diesem Bunde verheißen wird!Wie unverantwortlich ist eS doch, den Herrn Jesum Christum, als deneingebvrnen Sohn Gottes, verläugnen, der unS von Gott zur Weis-heit geworden ist, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlö-sung (1. Kor. 1, 30.). Denn, wer an den Sohn glaubt, derhat vaS ewige Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt, derwird daS Leben nicht sehen, sondern der Zorn GotteS bleibtüber ihm (Joh . 3, 36.).

Wie vermessen und strafbar ist es doch, den Feinden der Kirche sichanschließen, und mit ihnen sich gegen sie auflehnen und empören, da siedoch die Verheißung des Wahrhaftigen hat, daß die Pforten der Höllesie nicht überwältigen werden! Wie vermessen ist eS, sich selbst aller Gna-denmiltel, Quellen und Kräfte deS Heils berauben, die uns in der Kirchedargeboten werden! Vor diesem Uuheile warnt der Apostel, wenn er andie Hebräer schreibt (Hebr.2, 3.4.): Wie werden wir entfliehen,wenn wir ein so großes Heil außer Acht lassen, welchesanfangs von dem Herrn kund gemacht, dann von denen, dieeS gehört, in uns befestigt worden ist, unter GotteS Mitbe-stätigung durch Zeichen und Wunder und mancherlei Kraft-erweisungen und Gaben deS heiligen Geistes nach seinemWillen?

Und wird den unglücklichen Abtrünnigen wohl Freude und Wohl-fahrt auf Erben erblühen aus ihrem traurigen Abfalle? Die Gunst derFeinde der Religion können sie zwar gewinnen; die Verführer können ihnenzeitliche Vortheile bieten, aber den Segen Gottes werden sie verlieren.WaS nützte eS ihnen aber, wenn sie die ganze Welt gewän-nen, an ihrer Seele aber Schaden litten (Matth . 16, 26.)?Werden ihre Kinder ihnen Freude machen durch Gehorsam und Wohlver-shallen, welche sie nicht in der Zucht dcS Herrn erziehen, sondern von demHerrn und seiner Wahrheit abwendig gemacht, unv auf den Weg des Ver-derbens geführt haben? Wird ihnen der Muth nicht sinken in den Tagender Trübsal? Werden sie mit Vertrauen auf Gott unv mit Zuversichthinzutreten können zum Throne der Gnade deS SohneS GotteS,deS Mittlers und mitleidigen HohepriesterS, den sie als solchen nicht mehrbekennen, damit sie Barmherzigkeit erlangen und Gnade fin-den, zur Zeit, wenn sie Hilfe nöthig haben (Hebr . 4, 16.)?Werden ihnen nicht alle Quellen deS Trostes und der Beruhigung ver-siegen, die nur daS Christenthum seinen treuen Bekennern eröffnet? Werdendie Erinnerungen ihres frühern christlichen Glaubens und deS seligen Lebensin Christo, welche sie doch in ihrer Seele nicht vernichten können, nichteinmal über daS andermal ihnen ihren schmählichen Abfall strafend vor-halten? Wird ihnen die Qual deS bösen Gewissens nicht den Frieden derSeele für immer rauben? Und endlich in der Stunde des Todes, wo alle