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Blendwerke des Betrugs verschwinden, wo die Stimme der Verführer nichtmehr Gehör findet vor der ernsten Aussicht in die Ewigkeit; wie wird dieFurcht sie nicht ängstigen und die Hoffnungslosigkeit sie umlagern, wennsie dahin scheiden ohne Reue und Buße, unv unversöhnt erscheinen vor demRichterstuhle dessen, der den Ausspruch gethan hat: Wer mich vor denMenschen bekennet, den will ich auch vor meinem Vater imHimmel bekennen; wer mich aber vor den Menschen ver-läugnet, den will auch ich vor meinem Vater vertäu gnen,der im Himmel ist (Matth. 10, 32. 33.).
Darum nun, Geliebte im Herrn, nehmet unsere väterlich warnendenWorte der Ermahnung zu Herzen und lasset euch von Niemandenirre führen aus keine Weise (2. Thess. 2, 3.). Lasset euch nichtabwendig machen von unserm heiligen katholischen und apostolischen Glau-ben. Ihr aber, die ihr den Weg der Wahrheit verlassen habt, kehretreumüthig zurück und rettet eure Seelen.
Damit aber Niemand sich täusche, damit Niemand unser bisherigesStillschweigen zur Entschuldigung seiner Verirrung vorwende, indem wirbisher noch hofften, die Lethörlen würden von selbst und auf die '.Mahnungihrer Seelsorger die Leerheit und Nichtigkeit der Irrlehre erkennen und sieverlassen, so erklären wir:
1. Daß alle Jene, welche die katholische Kirche verlassen und in dieGemeinde der neuen Irrlehre eintreten, als ihre Glieder sich einzeichnenlassen, oder das sogenannte Abendmahl der Abtrünnigen empfangen haben,wenn sie auf die wiederholte Ermahnung ihrer Seelsorger nicht ausiretenaus derselben, unv Las Bekenntniß ihres Unglaubens nicht reumüthigwiderrufen, in die Strafe des Kirchenbannes verfallen sind, und fortanaus dem Schooße der heiligen Kirche ausgeschlossen sind, somit aller Gna-den, heiligen Sacramente und Diensterwcisungen der Kirche Gottes ver-lustig werden.
2. Da das heilige Sacrament der Taufe auf dem Glauben an dendreieinigen Gott, und auf dem Erlösungstode unsers Mittlers und Heilan-des Jesu Christi beruhet, welche Glaubenswahrheiten die neuen Jrrlehrerverwerfen; so müssen wir fürchten, daß sie die von dem göttlichen Heilandeverordnete, rechtmäßige Weise der AuSspendung .der heiligen Taufe nichtbeobachten, und die von ihm vorgeschriebenen heiligen Worte der Weihe,wovon die 'Giltigkeit der heiligen Taufe abhängt, verändern oder verstüm-meln, wie schon geschehen ist. Wir verordnen daher, daß alle von diesenSeclirern getauften Kinder oder Erwachsenen, wenn sie in die Kirche aus-genommen werden wollen, bedingungsweise getauft werden sollen.
3. Erklären wir, daß alle katholischen Christen, welche den religiösenHandlungen dieser Scctirer beiwohnen, ihre Reden und Vortrage anhören,oder gar die Gründung der Gemeinden derselben begünstigen und unter-stützen, sich der fremden Sünde schuldig machen, und gewtssermaaßen An-theil nehmen an ihrer Untreue.
Dabei aber, Geliebte im Herrn, legen wir euch dringend an dasHerz: So sehr ihr auch den Irrthum und den Unglauben euerer unglück-lichen verirrten Brüder verabscheuen und meiden sollt, laßt euch nicht gegensie erbittern; versagt ihnen die herzliche Liebe nicht; seyd immer, wie eSwahren Christen geziemt, bereitwillig zu aller Dienstleistung und Wohlthä-tigkeit nach eueri» Vermögen und ihren Bedürfnissen; besonders aber erwei-set Barmherzigkeit ihren Seelen, die in so großer Gefahr ihres Heilesschweben; wendet zu ihrer Rettung den Einfluß an. welchen euch euerAnsehen, euer Beruf, die Bande des BluteS und der Verwandtschaft, derFreundschaft, des Umgangs und der gemeinschaftlichen Lebensvcrhällnisseauf sie gewähren; und werdet nicht müde mit Freimüthigkeit ihnen dieAugen über ihren Irrthum zu öffnen, die Gefahr ihnen zu enthüllen, dieihrer Seele drohet, und sie zu warnen vor dem Verderben, dem sie ent-gegen gehen. Höret nicht auf mit sanftmüthigem Geiste, mit herzlich brü-derlicher Liebe sie zu ermähnen und um der Liebe Christi willen sie zu bit-ten, zurückzukehren zu der Wahrheit, von der sie abgewichen sind; unter-lasset nie, die Wankenden mit aller Treue zu dem Herrn im Glauben zubefestigen und in der Kirche zu bewahren. Ermähnet ench selbst ein-ander, nach der Weisung des Apostels, alle Tage, so lange eSnoch „heute" heißet, damit nicht Jemand verhärtet werdedurch den Trug der Sünde (Hebr . 3, 13.). Verbindet aber auchmit euern Bemühungen anhaltende Fürbitte zu dem Geiste der Gnade, inVereinigung mit der wirksamen Fürbitte der Mutter unsers Herrn undaller unserer verklärten Brüder im Himmel, daß er erwecke die Abgefalle-nen zur Sinnesänderung, daß er sie zurückführe auf den Weg deS Lebensund der Glückseligkeit, in die Gemeinschaft deS Sohnes Gottes und inden Schooß seiner heil. Kirche. Bedenket, was der Apostel lehrt (Jak. 5,19. 20): Meine Brüder! wenn Jemand unter euch von derWahrheit abgewichen seyn sollte, und Jemand ihn bekeh-ret, der wisse, daß, wer den Sünder »so seinem Irrwege
zurückführt, dessen Seele vom Tode errettet, und die Mengeder Sünden bedeckt. So werdet auch ihr theilhaftig der Freude de«Himmels über die Sünder, die Buße thun.
Endlich aber ermuntern wir euch, Geliebte im Herrn, selbst eureVorsicht und Wachsamkeit zu verdoppeln in der gegenwärtigen Stunde derVersuchung, die gekommen ist über den Erdkreis, zu prüfen die Bewohnerder Erde, an dem zu halten, waS ihr habt, damit Niemand eure Kronenehme (Geh. Off. 3, 10. 11.). Hütet euch, daß ihr durch denIrrthum der Thoren nicht mit fortgerissen werdet und eureeigene Fe st igkeit verlieret; wachset vielmehr in der Gnadeund Erkenntniß unsers Herrn Jesu Christi (2. Petr. 3, 17. 18.);damit ihr allzeit bereit seyd zur Verantwortung gegenJedermann, der von euch Rechenschaft fordert über eureHoffnung, doch mit Sanftmuth und Ehrfurcht (1. Petr. 3,15. 16).
Je gewaltiger und feindseliger die Bestrebungen, Mittel und Bemü-hungen der falschen Propheten und Jrrlehrer sind, daS Reich deS Unglau-bens zu verbreiten, unv die heilige Kirche zu untergraben; desto festerstehet im Geiste und Eines Sinnes, für den Glauben deS Evangeliumszu kämpfen, und wandelt würdig dieses eures Glaubens (Phil. 1, 27.);desto enger schließet euch an einander und an eure Seelenhirten an imGlauben und in der Liebe; desto größer und aufrichtiger sey eure Ehrer-bietung gegen, die heilige Kirche; desto williger sey euer Gehorsam gegenihre Vorschriften; desto eifriger sey euer Bestreben, die heilige Religion,die ihr bekennet, zu ehren durch einen untadclhasten Wandel in aller Gott-seligkeit. Denn wie ihr Jesum Christum, den Herrn ange-nommen habet, so wandelt in ihm, eingewurzelt und ge-gründet in ihm, und fest im Glauben, so wie ihr gelehrtworden, und wachset in ihm mit Danksagung (Kol. 2, 6. 7.).
Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und dieGemeinschaft deS heiligen GelsteS sey mit euch Alle». Amen.
Speyer, am Feste der Erscheinung deS Herrn (6. Januar) 1849.
h N i c o l a u S, Bischof.
Linz . Wir können nicht umhin unsern Lesern daS herzliche Schrei-ben deS hochwürdigsten Herrn Bischofes von Linz an daS ehrwürdige Kol-legium der versammelten Bischöfe Deutschlands zu Würzburg nebst derAntwort hierauf mitzutheilen.
Eure Eminenz, Hochwürdigstcr Herr Cardinal und Primas! EureExcellenzen, Hoch- und Wohlgeborne, Hochwürdigste Herren Erzbischöfe,Bischöfe und Doctoren der Theologie! Sehr gerne würbe ich Ihrer so hei-ligen, Ihrer so hohen Versammlung, Erhabene Brüder! beigewohnt haben,hätte nicht die bedrängte Zeit, die, wie Sie wohl wissen, gegenwärtigüber Oesterreichs Lande hereingebrochen, allseitig mich daran gehindert.Geleitet von meinem priesterlichen Berufe, durchdrungen von der Liebe fürdie katholische Kirche, die seit früher Jugend mir im Herzen glüht, gedachteich, so schwer auch die Last der Jahre und allmälige Verfinsterung meinesAugenlichtes auf mir liegen, in Begleitung eines Genossen in Ihre Mittezu eilen. Glauben Sie meiner Versicherung, hoch und abermal hochschätzen wir Ihre Versammlung, die, wenn je, so gewiß in unsern Tagenzur höchsten Nothwendigkeit geworden ist, auf daß der alte, angestammteGlaube vertheidiget, und die priesterliche Zucht wieder befestigt werde inden deutschen Landen. Nicht so viele Schwierigkeiten erheben sich dawider,als vorzüglich unzählbare Schaaren von Feinden, die man theils Ungläu-bige, theils Liberale oder Jndifferentisten zu nennen gewohnt ist. Der Haßgegen daS Christenthum muß also gemildert, das Vvrurtheil müßigerMenschen mit Sanftmuth widerlegt, und die hie und da eingerisseneLauheit der Gläubigen mit aller Kraft zur wahren Frömmigkeit zurück-geführt werden.
Auf daß Ihre Bemühungen, Erhabene Brüder! dieser heiligen Ab-sicht entsprechen, flehe ich, obwohl ferne von Ihnen, mit meinem Klerusunv meiner Heerde täglich zu Gott, um so mehr, da ich, als Bischof derAelteste in unserm theuren, deutschen Vaterlaude, so sehr gewünscht hätte,mit meiner Wirksamkeit und Demuth, mit meiner Bereitwilligkeit und Ge-neigtheit in Ihrer Mitte zu weilen, und nach meiner noch geringen Fähig-keit Ihre weit stärkeren Kräfte wenigstens durch meine Winke zu unter-stützen. UebrigenS wird der gute, fromme Wille und, wie gesagt, daSgemeinsame Gebet der Gläubigen meine wie immer gestaltete Leistungersetzen. DaS Oberhaupt unterer katholischen Kirche PiuS IX. wird het-