Gleichgewichtes in der kirchlichen Regierungsform ausspricht — der darfsich nicht einbilden, daß nicht alles Mögliche gethan werden wird, um ihnin seinem eingebildeten Gleichgewichte zu stören. Die Elemente wollen inihren organischen Verband wieder zurückgeführt werden und: keine kirch-lich bedienstete Persönlichkeit möge sich in ihrer starren Vereinzelung weiserdünken, als die versammelten Väter zu Würzburgl Brunner.
I. O. Ritter v. Rausches
DaS zu Laibach erscheinende religiöse Wochenblatt „Zeit undEwigkeit" enthält folgende L^enSskizze veS neu ernannten Fürstbischofesvon Sekau. Der bisherige Director der orientalischen Akademie zu Wien, (Titular-) Abt der heiligen Jungfrau von Monostra oder Komorn, Dr. derTheologie, Joseph Othmar Ritter v. Rauscher wurde zu Wien im Jahre 1797 als Sohn eines NegierungSrathes geboren, verließ gegenden Wunsch seiner Eltern die juridischen Studien, um seinem Berufe zumPiiesterstande zu folgen, in welchen er im Jahre 1823 trat. Als Pro-fessor der Kirchengcschichte und dcS KirchenrcchteS am k. k. Lyceum zuSalzburg kämpfte er männlich mit glänzenden Waffen deS Geistes für dieRechte der Kirche, und wurde,der gelehrten Welt durch seine im Jahre1829 in 2 Bänden erschienene ^Geschickte der christlichen Kirche" rühmlichbekannt, an deren Fortsetzung "er verläßlichen Nachrichten zufolge auch inseiner gegenwärtigen Stellung unermüdlich arbeitete, ohne jedoch die lautgewordenen Wünsche nach Veröffentlichung dieser Arbeit bisher zu erfüllen.Diese literarischen Leistungen, seine amtliche, ausgebreitete Sprachkenntnisseerfordernde Stellung, die er seit 16 Jahren als Director der orientalischenAkademie einnahm, die Thatsache, daß seit mehreren Jahren bei Berathun-gen über Angelegenheiten, welche daS Verhältniß des StaateS zur Kircheberührten, Propst Rauscher an? kaiserliche» Hofe nicht fehlen durfte, derUmstand, daß er im Jahre 1846 als Lehrer der Philosophie bei Seinerjetzt regierenden Majestät Franz Joseph I. berufen wurde, beurkunden dieseinem Wissen allgemein gezollte Hochachtung, gleichwie die öftere Ueber-nahme der Fastenpredigtcn in der Kirche zu den neun Chören der Engelam Hof dessen Wunsch bethätigten, auch in rein priesterlicher Sphäre nutz-bringend zu wirken. Wer mit diesem ncuernannten Kirchenfürsten zu con-versiren Gelegenheit hatte, wird gestehen, daß der anfängliche Ernst baldeiner einnehmenden Leutseligkeit weicht, daß sein Gespräch auS der reichenFundgrube deS Wissens immer neue Anziehungskraft gewinne, daß derFreimuth der Aeußerungen ein Vorurtheilen fremdes Gemüth beurkunde,und somit auS probcthätigen Prämissen zu erwarten stehe, die Diöcese Sekauwerde sich eines Oberhirlcn zu erfreuen haben, der gründliches Wissen undpraktisches Christenthum befördert, und eben so unerschrocken als wohlge-rüstet auftreten wird für kirchliche Freiheit und kirchliches Recht.
D e n t s cb I a n d.
München . Die Blätter haben kürzlich den traurigen Ucbcrtritt deSPriesters Bierdimpsl zur Secte der Rongeaner berichtet. Wir könnennicht unerwähnt lassen, daß die Mitschuld an jenem Schritt der geistlicheBurcankratismuS hat, der die kirchlichen Vorschriften nur dann beachtet,wenn sie die Untergebenen treffen. Die Vorstände deS PriesterhauseS haben,wie man versichert, gegen die Ordination des genannten Priesters da cSnoch Zeit war, nachdrücklich prolestirt. Die Protestation hat aber nichtsgeholfen, die Protektion eines hohen Beamten galt mehr alS daS Urtheilderer, die Vierdimpfl kannten und kennen mußten, und darum entschiedenund dringend seine Weihe zu verhindern gesucht hatten. Der Erfolg hatihre Befürchtungen gerechlferliget, und hat gezeigt, daß die Ertheilung derPriesterweihe ein zu wichtiger Act, als daß man ihn von der Protectivn,komme sie nun von wem immer, abhängig machen solle. — Weingärtnermuckt sich von Tag zu Tag lächerlicher. Er läßt nun für sich sam-meln, und versucht sich dafür im Reimmachen — denn Gedichtekönnen diese Sylbenstechercien nicht genannt werden. (Sion )
Auf den Pins-Verein.
Mein ^hr vernimmt viel tausend Klagen,
Die leise bald, bald mächtig tönen.
Sie alle künden hohes Sehnen,
DaS Tausende im Herzen tragen.
Sie ahnen Alle eine besi'rc Zeit,
Und stehen, ach! »om wahren Ziel so weit!
Wie Meereswogen donnernd spritzenHoch auf den weißen Gischt, daß schäumendRingsum die Flu h: so drängen bäumend
Die Völker sich au« ihren Sitzen;
Hinan zu ihr, der nah'nden beffern Zeit,
Und stehen, ach! noch voll Zerrissenheit.
Wie wenn durch WaldeSnacht erdröhnetDer Sturm entästend stämm'ge Eichen,
Daß selbst die Thiere bang entweichen:
So deutscher Völker Schrei ertönet.
Zermalmend, was dem Nahen beff'rer ZeitIm Weg'. - Und ach! noch ist das Ziel so weit!
Vereint zu schönen großen Zwecke»
In Bündnissen gar mancher Arten:
So steh'» sie auf der Freihe t Warten,
Vom Schlaf mit mächtigem Wort zu weckenSie Alle, die verträumen ihre Zeit,
Denn ach! die Menge ist vom Ziel noch weit.
Sie rathen, werben, hadern, einen;
Doch solche Einigung, zerspaltet, -Und was geworben kaum, entfaltetDein Wesen — nur daS eitle Schreien,
Der Wahn, es nahe jetzt die beff're Zeit,
Und rückwärts gebt sie wieder meilenweit!
Doch mitten aus hem mächt'gen TosenDer Völkerstimmen, ihrem RingenVernimmt — als käm's auf Maienschwingen,
Wo sich entfalten still die Rosen —
Mzin Ohr das Wort: „ich bring' die bess'rc Zeit,
Wie sie der gottgebor'nc Glaube nur verleiht."
Ich sehe hin, woher erklungenDieß Wort: und sehe eine Pflanze,
Die still und unbemerkt im GlänzeDer Sonne aus der Erd' gedrungen.
Und sehe, wie sie spannt die Zweiglcin breit,
Als wollte sie umsahen uns're Zeit.
Stets höher sehe ich sie werden,
Und größer, mächt'ger, umfangreicher. —
Es knirscht der Felge und die Wang' wird bleicher - ;
Denn trau'n! die Kinder auf der Erden
Der Einen Kirche Kmder nah und weitZur Pflanze geh'», der Mutter bcss'rer Zeit.
Und sind auch Viele, die sich schaarenUm diese Pflanze; sey'S vom Süden,
Sey'S vom Norden — heitern FriedenSie mit viel starker Einheit paaren.
Nun fern von innerer ZerrissenheitZu erben einer bessern Zukunft Zeit.
Wollt ihr sie kennen, diese Pflanze,
Die frisch und freudig ist erstanden? >—
„P iuö-Verein" sie jene nannte».
Die sie an heh'rem Sonnen-Glänze
Der Kirche zogen, daß der ChiistenheitSie werd' das Banner bess'rer Zeit.
Darum herbei zur wundersamen.
Zur heh ren Pflanze, die im GartenDer Kirche Gottes wuchs. — „Es schaartcu»Um selbe sich in Gottes Namen
„(Wird einst die Zukunft sagen) von nah und weit„Der Kirche Söhne und — errangen beff're Zeit."
A. voll Lachemair.
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