Ausgabe 
9 (4.3.1849) 9
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

Prei« i» Augsburg für sich allein (ohneA. Postzeitung) jährlichIst. I»kr. Durchdie Post kann diesesWochenblatt nur vonAbonnenten der Post-zeitung bezogen werden,und erhöht fich derPreis nach Verhältnißder Entfernung.

Sonntags - Beiblatt

zur

Augsburger Postzeitung.

Für fich allein, ohnedie Augsburger Post»zeitung, find diese Blät-ter nur im Wege de«Buchhandels zu be-ziehen und kosten inganz Deutschland , derSchweiz u.s. w. jähr-lich nur L fi. A«kr.oder I Thlr.

Neunter Jahrgang.

März 184S.

Schreiben des Mainzer PiusvereineS, als Vorortes deskatholischen Vereines Deutschland -, an unsern heiligenVater Papst PinS LX.

Heiligster Vater!

WaS wir in unserm Schreiben vom 6. Oktober, worin wir DeinerHeiligkeit nach kindlicher Pflicht über unsern Verein Rechenschaft abgelegt,geahnet halten, daß nämlich die Wuth der Empörer selbst gegen Deinegeheilige Person einen ruchlosen Plan im Schilde führe, ist leioer zu früheeingetroffen. Nach göttlichen und menschlichen Gesetzen solltest Du, Heilig-ster Vater, als Nachfolger des Apostelfürsten Petrus, und als Fürst deörömischen Volkes, in Rom wohnen und regieren; aber Du mußtest, umDeine und der katholischen Kirche Freiheit zu retten, von Rom und denRömern fliehen, fliehen von dem geheiligten Grabe, von der ehrwürdigenSckwelle Deines Vorfahren. °

Die ganze Welt war starr, als diese Nachricht überallhin sich ver-breitete; denn schwerlich gibt eS einen Menschen, zu welcher Religion erauch immer sich bekennen mag, er müßte denn durch Partcihaß und blindeVerstocktheit besserer Gefühle ganz unfähig seyn, der nicht bei dem NamenPiuS IX. von Liebe und aufrichtiger Verehrung sich durchdrungen fühlte.Am meisten aber wurden durch diese Mißgeschicke Deiner Heiligkeit dieKatholiken ergriffen, da sie eben so sehr durch die Gesetze und Einrichtun-gen ihrer heiligen Religion, als durch die Geschichte und Erfahrung sovieler Jahrhunderte hinlänglich unterrichtet sind, daß die Lage der katholi-schen Kirche von der Unversehrtheit und Sicherheit deS obersten Hirten derselben nie getrennt werden kann. Außerdem wissen wir Alle, wie innigdie weltliche Oberherrschaft der römischen Päpste über den Kirchenstaat umder freien geistlichen Regierung der Kirche verknüpft ist, und baß eben deßhalb die Vorsehung des allmächtigen GolteS den Nachfolgern des Apostel-fürsten daS Erbe des heiligen Petrus als weltlichen Staat überwiesen hat,damit sie, keiner irdischen Macht unterworfen, mit gleicher Gerechtigkeitund unbedingter Freiheit, wie eS dem Vater ver gesammlen Christenheit,dem Hirten der ganzen Heerbe des Herrn zukömmt, bei allen Fürsten undVölkern deS christlichen Erdkreises die göttlichen Gebote und die Gesetze undRechte der Kirche schützen und aufrecht erhalten können.

AuS diesem Grunde haben wir, Heiligster Vater, jenen gottlosenAufstand in Rom , der Dich genölhiget hat, die Zügel der Regierungauf einige Zeit der Willkür verworfener und schlechter Menschen zu über-lassen und ihrer Wuth nachzugeben, als ein allgemeines Unglück der gan-zen christlichen Welt schmerzlich beklagt.

In dieser Wehmulh hätte uns die sichere Hoffnung einigermaaßenaufrichten können, daß diese entsetzliche Verwirrung aller Verhältnisse inRom nicht von langer Dauer seyn werde; denn wer härte glauben mögen,daß der Haufe jener Verrälher, die alles Heilige und Profane mit blinderWuth durcheinander werfen, ihren Wahnsinn längere Zeit fortsetzen könn-ten, besonders da Alles, waS die römischen Päpste betrifft, ganz offenbarunter einer besondern und außerordentlichen Leitung der göttlichen Vorsehungsteht. DaS aber hat uns besonders mit dem höchsten Schmerze und wahr-haft mit Trostlosigkeit erfüllt, daß die Umstände unter denen, und die Per-sonen durch welche Dir, Heiligster Vater, diese Widerwärtigkeiten bereitetwurden, der Art sind, daß dadurch Dein väterliches Herz auf das Tiefsteverwundet werden mußte. Denn nicht von Fremdlingen, o Heiligster Vater,nicht von den Feinden der katholischen Kirche , der Du durch Dein Ansehenund Deine Tugenden vorleuchtest, nicht von Ungläubigen und Heiden hastDu diese Unbild eifahrcn. Solches wäre gering zu achten und leichterträglich dem obersten Hirten, der unter seinen Vorfahren so viele Mär-tyrer zählt, die von den Ungläubigen theils gelobtet, theils verfolgt wor--

dcn sind. Leider sind eS aber die Römer selbst, welche Dich so sehr miß-handelt, die Römer, denen von der. göttlicken Vorsehung und von allenGläubigen des Erdkreises die Beschämung deS obersten LcilerS der ganzenKirche anvertraut ist; die Römer, deren höchste Ehre und Zierde geradedarin besteht, daß in ihrer Mitte der Statthalter Christi sich niedergelassen,ein Vorzug, um welchen, wenn eS die Religion gestaltete, alle Völker siebeneiden möchten; die Römer, die'Du,v Heiligster Vater, durch so vieleBeweise Deiner Liebe, durch so viele Wohlthaten, durch so viele ZeugnisseDeines höchstens Vertrauens, durch so viele freisinnige Gesetz«: und Ein-richtungen, durch die vollkommenste Amnestie vieler Strafbaren und Ver-brecher ausgezeichnet und beglückt hattest; die Römer endlich, die noch vorKurzem Lurch endloses Zujauchzen, durchVzZestzüge, durch Segenswünscheund selbst durch Eitschrvüre erklärt Hatley, daß ihre Treue gegen Dichdurch nichts erschüttert werden könne, ihre Liebe zu Dir ewig dauern werbe.O deS jammervollen UnbestandeS der Menschen! O abscheuliche Undank-barkeit! O deS bittern Schmerzes des lösten Vaters und Fürsten !

Nach der Erstarrung, in welche-wir durch die Nachricht von diesenhöchst traurigen Ereignissen versitzt wurden, haben wir bei unS erwogen,ob wir durch irgend etwas den gerechten Kummer Deiner Heiligkeit lin-dern könnten, als einstimmig aus allen Gegenden Deutschlands an unS,den dermaligen Vorort deS kalichlischen VereineS Deutschlands , die Auf-soioeiüng erging, vaß wir Deiner Heiügten im Namen aller Mitgiiereraller Emzel-Vereine rie Gesühl^und Empfindungen ausdrücken sollten, vondenen ein jedes wahrhaft katholische Herz bei jener Nachricht auf das Tiefsteergriffen und durchdrungen wurde.

Indem wir diesem Auftrage andurch nachkommen und Dir, HeiligsterVater, die Versicherung auSsprechen, daß wir mit kindlicher Liebe DeineLeiden mit Dir theilen und das von Deinen Unterthanen an Dir began-gene Verbrechen ausi daS Innigste verabscheuen; fügen wir zugleich die Er-klärung hinzu, daß wir durch den Anblick Deiner schweren Trübsale nichtentfernt in unserm Glauben erschüttert werden. Wissen wir ja doch, daßDu auch dazu gesetzt bist, in dieser so stürmischen Zeit das Geschick derKirche an Deinem eigene» Geschicke darzustellen, und daß Du auch in d e mSinne Stellvertreter Christi bist, daß Du die leider! zu sehr überhandge-nominellen Sünden deS christlichen Volkes auf Deine Schultern nehmenund durch Deine Trübsale sühnen sollst.

Sicher wirb der Tag einst kommen, an welchem der Erdkreis Deinefeierliche Rückkehr in Deine Stadt mit Jubel vernehmen wird; und solltewider Erwarten der'anbetungswürdige Rathschluß Gottes Liesen Tag ver-zögern, vielleicht in der Absicht, Laß auch die auswärtigen Völker DeinerAnkunft, Deiner Gegenwart sich erfreuen können, dann, heiligster Vater,wolle doch nicht an Deinen Söhnen in Deutschland vorübergehen. Gewiß,wir haben eS nicht vergessen, wie durch viele Jahrhunderte der Name derRömer mit dem deutschen Reiche so innig verknüpft war; und obgleichdurch die Unbilo der Zeiten es dahin gekommen, daß die Fürsten in unsermValerlande nicht mehr dem ehrenvollen Amte als Schutzherren der römi-schen Kirche nachkommen können, so hat doch die Ehrfurcht und Liebe gegenden heiligen Stuhl und die römischen Päpste in den Herzen der Gläubigennicht abgenommen. Mit welch' unaussprechlicher Freude würden wir Dich,o Pins IX., o geliebtester und liebenswürdigster Vater und Hirte, auf-nehmen! Schon jetzt, bey dem bloßen Gedanken an die Möglichkeit einersolchen Reise, eilet Dir unsere ganze Seele entgegen, sehnsuchtsvoll streckenwir die Arme nach Dir auS und haben kein höheres Verlangen, als daßeS unS vergönnt seyn möchte, Dir durch die That zu beweisen, daß derNachfolger deS heiligen Petrus, daß vorab unser PiuS IX., wohin immerer auf der weiten Welt seinen Fuß richten mag, allüberall treue undgehorsame Söhne und Römer findet.

Unterdessen werden wir täglich, wie auch alle Bischöfe Deutschlands

t.