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eS angeordnet haben, andächtig zum Himmel flehen, daß Deine durch dieArglist treuloser Menschen verführten Unterthanen endlich zur Besinnungkommen, daß Dir dadurch eine glückliche und frohe Rückkehr bereitet werde,und daß Du noch viele, viele Jahre hindurch von dem apostolischen Stuhleherab über den Erdkreis und die ewige Stadt Glück und Frieden und Segenspenden mögest. Gedenke bei Deinem Segen, wir flehen darum, auch anunS, den dermaligen Vorort deö katholischen Vereines Deutschlands , segnealle Mitglieder dieses Vereines! Zu Deinen Füßen niedergeworfen empfeh-len wir eben so inständig als ehrfurchtsvoll Deinen heiligen Gebeten unserdeutsches Vaterland, die Lage der katholischen Kirche in Deutschland , unfern katholischen Verein und schließlich unS selbst, Deiner Heiligkeit unter-thänigste und treueste Söhne und Diener, der Vorstand des dermaligenVororlS des katholischen Vereines Deutschlands. Mainz , 20 Dec. 1848.
Die Priester der Wiener Erzdiöcese an Se. Heiligkeit
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Heiligster Vater!
Die Zuchtruthe der göttliche» Gerechtigkeit ist wach worden über denNationen und die strafende Hand des Herrn ist ausgestreckt wider sie, weilsie eS versäumt haben, Ihm zu dienen im Glauben und heiliger Furchtund verschmäht haben, sich zu erkennen allcsammt als ein Eines und eini-ges Volk in Seiner heiligen Kirche. Den blinden Heiden gleich wissen siein der Eitelkeit ihres Sinnes nur von den Göttern des Landes, indem siegeboren sind, und haben sie schmählich zerrissen daS Band der geistigenWiedergeburt, das sie in Einheit umschlungen hat; sie sind abgeirrt vondem Wege, der zum Heile führt, von der Wahrheit, die den Friedenbringt, von dem Einen Leben, das Alle belebt in Einem Geiste; denn siehaben Christus verläugnet, welcher der Weg, die Wahrheit und das Lebenist. Nicht erfassen sie sich als das auserwählte Geschlecht, das königlichePriesterthum, das heilige Volk, das erworbene Volk, auf daß sie die Tu-genden Desjenigen verkünden, der aus der Finsterniß in Sein wunderbaresLicht unS berufen hat. (i. Petr. 2, 9.) Und weil der Glaube kleingeworden und die Verkehrtheit überhand genommen, ist auch die Liebe er-kaltet und der Friede verschwunden, und haßerfüllt und feindselig stehenunter dem welterschütternten Rufe: „Volk gegen Volk" in gräßlicher Fehdedie Nationen sich gegenüber.
In diesen traurigen Kampf wollte die Verkehrtheit auch Dich ver-wickeln, heiligster Vater! Und bei der Würde und Stellung, wornach Duder Stellvertreter des Zeichens bist, dem widersprochen werden wird, stürm-ten Widerwärtigkeiten auf Dich ein, über die wir aus tiefstem Herzen mitDir sowohl trauern, als leiden. Dennoch verzagen wir nicht. Denn ob-gleich die göttliche Vorsehung eS zugegeben, daß die Leiden der Kirche inDeinem Leben sich ganz besonders darstellen und gleichsam, wie die Wun-den des Heilandes, sich abspiegeln, so hat sie doch weder Dich, noch unsohne Hoffnung gelassen. Denn wir haben eine feste prophetische Rede, daßdie heilige Kirche Gottes eben durch Kampf und Trübsal ihrem Triumpheentgegeneilt. In ihr wirst auch Du siegen mit dem Zeichen des Kreuzes,das Du, wie der Heiland, demüthig und sanftmüthig auf Deinen Schul-tern trägst.
Ja Du hast schon gesiegt. Dem nachfolgend, der Dich zu seinemStellvertreter auf Erden berufen, bist Du auf den Kampfplatz getreten,und ob auch die Mächte der Finsterniß alle Gewalt brauchten und Listauf List, Trug auf Trug häuften, bist Du doch als Sieger aus demKampfe hervorgegangen. Dieß aber ist Dein Sieg, den Du errungen —Deine Liebe, mit welcher Du alle Gläubigen Christi , die Glieder der gan-zen Kirche umfassest; Deine Liebe, die dem Hasse weder Raum gibt, nochdienen mag; jene heilige Liebe, die im Leben des ErlöserS leuchtet unddie Welt im Dulten und Leiden überwindet, ist Dein überaus herr-licher Sieg.
Während wir daher bei der Treue, die als Deine Söhne an DichrinS bindet, nicht umhin können, zu trauern mit Dir, freuen wir unSzugleich, den Sieg schauen zu dürfen, den Du errungen hast.
Möge daher dieses erste freie Wort der Liebe, daS unS zu sprechenvergönnt, den Weg finden zu Deinem Herzen, und wenigstens mit eini-gem Trost es erfüllen, indem eS Dir Zeugniß gibt, daß wir Deine treuenSöhne geblieben. Denn — konnte zwar geraume Zeit hindurch in unsernLanden der freie Verkehr gehemmt werden, durch welchen Priester undGläubige Gemeinschaft pflegen mit ihrem Haupte, dem Stellvertreter Christi, so konnte es doch unserm Herzen nicht verwehrt werden, seinem Zuge nachjenem heiligen Sitze zu folgen, von Dem die Einheit ausgeht. Weder
Mißgunst, noch Bosheit noch List und Schlauheit der Feinde deS heiligenPrimates der Kirche konnte unsere treue Liebe zu Dir, Vater der Väter!bisher vermindern. Eben so werden aber auch keine Künste, von wemimmer sie ausgehen, und keine Hindernisse, von wem immer sie uns inden Weg gelegt werden mögen, ein Hemmniß für unsere kirchlichen Be-mühungen seyn. Wohin Du immer, heiligster Vater, Deine Schritte len-ken mögest, werden unsere Herzen Dir folgen. WaS immer die göttlicheVorsehung mit Dir verfügen und wohin immer sie Dich rufen mag, wirstDu im Geiste uns mit Dir haben. Und jeden Tag, den der Herr derEwigkeit unS erleben läßt, bitten und beschwören wir Ihn, der da ist derVater der Barmherzigkeit und der Gott allen Trostes, daß Sein Joch Dirsanft, und Seine Bürde Dir leicht werde, und daß Er die Kraft vonOben Dir ertheile, der Du auch unsere Stärkung bist, weil wir, wie dieGlieder mit dem Haupte Dir verbunden sind.
ES stärke und wird uns stärken jenes erhabene Wort, das Du inDeinem Leben sowohl ausprägst, als predigst: „Der Schüler ist nicht überden Meister." (Match. 10, 24.) Und: .Haben sie Mich verfolgt, so wer-den sie auch euch verfolgen." (Joh. 15, 20.)
Daher werden wir nicht minder in der Trauer als in der Freude,sowohl in Nöthen und Trübsalen, als im erwünschten Frieden der Kirche,indem wir jene Gelöbnisse der Treue und des Gehorsams, welche die zuWürzburg versammelten Bischöfe dem heiligen Stuhle abgelegt haben, zuden unsrigen machen, unerschütterlich an dem nothwendigen Mittelpuncteder kirchlichen Einheit festhalten und sowohl jeder für sich, als in Vereini-gung mit den Gläubigen zum Erhalter und Lenker der Kirche ohne Unter-laß beten: „Der Herr erhalte Dich und verleihe Dir Leben und Heil aufErben und übergebe Dich nicht in die Hände Deiner Feinte."
Zu Deinen Füßen knieend, flehen wir endlich, heiligster Vater, nachder Fülle Deiner zärtlichen Liebe sowohl für unS, als für die Gläubigenin Demuth um Deinen väterliche» Segen.
Wien in Oesterreich, am Feste der heiligen Jungfrau Scholastik«,im Jahre deS Heils Eintausend achthundert vierzig und neun.
(Folgen die Unterschriften.)
Da- neue Goldland und das Christenthum.
Neu-OrleanS, 3. Dec. Das Goldland Californien ist, wieSie sich denken können, auch bei unS das dritte Wort, und Tausende sindbereits aufgebrochen, um in jenem fernen Lande sich Reichthümer auf eineleichte Weise zu sammeln. Unsere Uankees achten die Beschwerden derlangen Reise für nichts und die Gefahren, welche das Klima von Califor-nien ihnen darbieten könnte, verspotten sie. Doch nicht mir NativeS ausder Union, sondern auch Einwanderer aus Europa ziehen in großen Kara-wanen nach dem Eldorado von Californien , und besonders sind es englischeund irische Emigranten, welche heute den geldgierigen Spaniern unterCortez und Pizarro nachahmen. Auch Franzosen und Deutsche werden nocherwartet, dürften aber wohl zu spät ankommen und eine Beute gewissen-loser Agenten und Entrepreneurs werden. Die Berge und Thäler Cali-fornienS werden erstaunen über die bunte Gesellschaft, welche sich dort zu-sammenfindet, und eS ist ein Glück für das Land, daß es keine dichte Be-völkerung besitzt, die unfehlbar durch die Laster und Ausschweifungen derGoldsucher in kurzer Zeit geistig und leiblich zu Grunde gehen müßte.Allein auch die wenigen Ureinwohner, von denen bekanntlich eine nichtgeringe Anzahl von den Vatern des heiligen FranciscuS zum Christenthumebekehrt und in festen Wohnsitzen, den bekannten Redactionen von Califor-nien , vereinigt wurden, sind allen Gefahren und dem Verderben der Civi-lisation preisgegeben; denn daß diese Reduktionen, die ohnedieß in der jüng-sten Zeit schon zurückgekommen waren, da die früheren Unterstützungen vonSeiten der spanischen Krone seit der Unabhängigkeilserklärung der spanischen Colonien in Amerika in Wegfall gekommen und die republicanische Regie-rung von Merico den von Allem entblößten Franciscanern höchst großmü-thig im Laufe der Jahre ein oder zweimal eine Schiffsladung voll Cigarrenzukommen ließ, — daß diese Redactionen durch die Goldsucher und ihrekeine Gränzen kennende Habsucht vollends den Todesstoß erleiden werden,ist nach den neuesten Nachrichten so gut als gewiß.
Doch weiß Gott immerdar Alles zum Besten zu lenken, und Cali-formen wird dereinst in der Geschichte der Missionen ganz gewiß eine nichtminder bedeutende Rolle spielen, als in der Handelsgeschichte. Schauen I
Sie nur einmal auf die Karte von Amerika und lassen Sie Ihre Blickehinüberschweifen über den großen Ocean, der CalifornienS Küsten bespült,und Sie werden selbst sagen müssen, daß dieses Land der Schlüssel zuChina und Japan ist, daß Monterey und Sän Franciöco so recht als
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