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MissionSstapelplätze, wenn ich mich dieses Ausdruckes bedienen darf, sichdarstellen. Die armen Seelen, die da ihre Seligkeit auf den Besitz deSgelben Metalles gründen und sich nur in zeitliches und ewiges Elend stür-zen, arbeiten, ohne eS zu ahnen, der Kirche rüstig entgegen, denn baldwird der amerikanische SpeculationSgeist die ferne Westküste Californiens mit den östlichen Staaten durch Schienenwege verbinden und ein Haupt-Hinderniß, daS sich bis jetzt der Christianistrung Californiens entgegen-stellte, die weite Entfernung und die unsichere, höchst kostspielige Verbin-dung mit den bevolkerteren Landstrichen werden verschwinden, so wie auchdie dünne Bevölkerung, schneller als man eS zu ahnen vermag, sich bedeu-tend vermehren wird. Freilich müssen die gesellschaftlichen VerhältnisseCaliforniens sich erst consolidiren und geregelt werden, denn jetzt geht eSdort nicht viel besser zu als in einem Lande, in welchem man eines schö-nen Tages alle Zucht- und Correctionshäuser auf einmal geöffnet und denbisherigen Insassen vollkommene Freiheit gegeben, ihre bisherigen Gaune-reien und Schlechtigkeiten und alle ihre Lieblingslaster nach Gefallen aus-zuüben. Doch wird der Congreß schon dafür sorgen, daß daS für dieUnion so wichtige Land der habsüchtigen Spcculationswuth entrückt unddie Zustände desselben gesetzmäßig geregelt werden.
Ist dieß einmal geschehen, und es wird zuversichtlich bald geschehen,dann darf die Kirche nicht säumen, von dem so günstig gelegenen LandeBesitz zu ergreifen, ja sie muß schon jetzt ihre Vorposten dort aufstellenund vor Allein darauf bedacht seyn, die oben-erwähnten Reduktionen vorder Hand zu erhalten. ES haben einzelne Priester sich auch schon ent-schlossen, den californischen Goldsuchern zu folgen, nicht um den glänzen-den Mammon mit ihnen zu theilen, sondern die Schätze des Himmels ihnennachzutragen und den armen verblendeten Leuten, wenn sie, vorn Fieberund den Leidenschaften verzehrt, ihre unglückselige Gewinnsucht verwünschen,die Tröstungen und Heilmittel der Religion liebreich anzubieten. Auch diewenigen Eingeborenen spanischer Abkunft, so wie nicht minder die in ver-schiedene Stämme getheilten Indianer werden sich der verdoppelten Sorg-falt der Kirche zu erfreuen haben. Hat diese aber einmal einiges Terrainin Californien gewonnen, so wird es, bei der vollkommenen Religions-freiheit in den vereinigten Staaten, gar keine Mühe kosten, in Californien etwa zu Monterey oder zu Sän Franciseo einen Bischofssitz zu errichten.Besonders dürfte sich Sän Carlos de Monterey zu einem solcheneignen, da eS als Hauptort des Landes an der Bay von Monterey eineäußerst günstige Lage besitzt und die dort herrschende Luft wegen der nahenBergkette von Santa Lucia sehr gesund ist. Auch Sän Franciseo, jetztwie Monterey freilich nur ein elendes Dorf, besitzt einen schönen Hafen,von welchem auS die Missionäre in verhältnißmäßig kurzer Zeit nach Chinakommen können, wenn einmal erst die Communicalion zwischen Californien und unseren östlichen Staaten hergestellt seyn wird. China selbst wirddem so mächtig nach Westen gerichteten Dränge der Amerikaner noch weni-ger Widerstand leisten können, als es den englischen Waffen und Flottenzu widerstehen vermochte. Jede Concession aber, die das Reich der Mitteder alle Schranken umstoßenden und alle Mauern übersteigenden Handels-thätigkeit zu machen sich gezwungen sieht, wird und muß zugleich derAusbreitung des Christenthumes zum Vortheile gereichen, wie eS der eng-lisch- chinesische Krieg zur Genüge bewiesen, selbst dann noch, wenn, wiegewöhnlich, die mercantilischcn Interessen dem Christenthume nicht eben hold sind.
Noch ein Reich aber liegt Californien gegenüber, welches die Blickeder Missionäre schon so oft und roch bis jetzt stets vergeblich aufgesucht,Japan, daS mit Neucalifornien genau unter einer Breite liegt und aufwelches die UankeeS nächstens ihre Aufmerksamkeit richten werden, wasso viel heißt, als jenes Jnselreich dahin zu bringen, daß es mit ihnen innähere Verbindung tritt. Vielleicht kommen die Allengländer dem BruderJonalhan zuvor, aber gleichviel: auch für Japan hat die Stunde geschlagen, in welcher daS Kreuz wieder glänzen wird über den Gräbern einesheiligen Märtyrervolkes. Und von Californien auS, daS viel günstigergelegen als Oregon und auch wegen seines Metallreichthumes weit eherdurch Eisenbahnen, Landstraßen und Canäle mit der Union verbunden seynWird als dieses, von Californien aus werden die neuen Apostel Japans und deS noch größtenteils verschlossenen und doch so dicht bevölkertenOsten von Asiens ausgehen und das Werk des heiligen Franz Laservollenden, vielleicht zu einer Zeit, wo es in der alten Hcimath des Chri-stenthumes den Gottlosen und Atheisten gelungen seyn wird, die Religiondes Kreuzes zu verdrängen. (Katholik.)
Säcularfeier des Benedictinerstiftes Raygern.
Aus Mäbren im Januar. Raygern und sein achtes S ä-culum. DaS Benedictinerklosterstift zu Raygern in Mähren hat am
26. November 1848 daS achte Jahrhundert seiner Einweihe durch denPräger Bischof SeveruS zurückgelegt. Es war daher natürlich, daß inden Bewohnern dieses Stiftes der Gedanke auftauchte, feierlich zu begehendaS Andenken dieses hochwichtigen Momentes. Der allgeliebte Abt VictorSchlosser, welcher bei der Sorge um daS zeitliche Wohl deS Hauses stetssich gegenwärtig hält die Worte deS heiligen AugnstinnS: „Ut in omnilmsglarilwvtur Heus"— setzte, nach genommener Rücksprache mit seinen Conven-tualen, den 19. Sonntag nach Pfingsten (22. Oktober) als den zur Er-öffnung der Feier geeignetsten Tag fest; also zu einer Zeit, wo Oesterreichs politischer Himmel zwar umflort, aber noch nicht verfinstert, noch nickt mitBlitzen und Feuersäulen gefüllt war. Der heilige Vater PinS IX. bewil-ligte zur Verherrlichung des Festes einen vollkommenen Ablaß für Alle,welche nach erfüllten Bekingnngcn während der Octav die Stiftskirchebesuchen würden, die Namen der Pontificanten und Festredner waren schonaufgezeichnet — kurz alle die nöthigen Anstalten besprochen. Da geschahenam 6. October die bekannten Gräuelscenen in Wien , — LatourS Blutbefleckte auf immer der Residenzstadt geschichtliche Blätter, sie sah Bürger-blut und verlor die Besinnung. Die Provinzen erblaßten ob der ruchlosenThat, und mehr als Eine schien daS Gleichgewicht zu verlieren; Wühlerjeder Art und Gattung mehrten durch unzcitige Reden den Schrecken, schüch-terten die Gutgesinnten ein und gaben Muth den Tollen. O schrecklichwaren die Oclobertage, schrecklich für Jeden, dem Recht und Tugend keinleerer Schall! — Wie, und in den Tagen deS Schreckens sollte Raygernein Fest begehen? — sprach man ja frei und offen von der Schmach deSsouveränen Volkes, daS noch Klöster duldet, theilte ja aus Flugschriftenvoll schändlicher Lügen gegen Bischöfe und Priester! — Wie zur Zeit deSFaustrecktcS mußten die Klosterpforten verwahrt und bewacht werden, umnicht unvorbereitet vom losen, räuberischen Gesinde! überfallen zu werden— und dieß in einem katholischen Staate! — war da also noch eineMöglichkeit an ein Fest zu denken, wo die persönliche Existenz und Sicher-heit so gefährdet war? — Allerdings: „Solle BretiSlaw'S Stiftung durchgottlose Hände fallen — wohlan denn, so möge sie würdig fallen" — sosprachen die Mönche, und weder der Kanonendonner, noch daS Sturm-geläute des nahen Brünn , noch der Aufruf zum Landstürme und die Zügeder Proletarier hielten sie ab, den einmal gefaßten Entschluß zu verwirk-lichen. Es war ihnen ja nicht um weltlichen Pomp zu thun, nur ihremDränge, Gott zu danken, wollten sie Genüge thun. Eröffnet ward daSFest den 21. mit einer solennen Vesper.- O wie ganz anders klang damalsdas „veus in scljutoriurn" in der hell umstrahlten bräutlich geschmücktenStiftskirche, wie ernst tönte das „Uonlitoor" durch die weite» Hallen, wieherzbrechend das „Vv grokuixIiZ." Man fühlte GotteS Nähe, sah seinunmittelbares Walten, die eigene Nichtigkeit — daS Grab geöffnet.
Am Montage las der Brünner Bischof unter Assistenz seines CapitelsdaS Hochamt, das päpstliche Ablaßbreve ward öffentlich vorgelesen undeine ergreifende Rede von einem benachbarten, würdigen Pfarrer gehalten.Die Kirche war zwar zahlreich besucht, aber keineswegs in der Art, wieeS sonst bei andern minder wichtigen Gelegenheiten zu geschehen pflegte.Und wie gering war die Zahl Derer, welche durch die heilige Commuiiionihren Willen, den Ablaß zu gewinnen, kundgaben? Mit vollem Rechteschloß man auf die Theilnamlosigkeit der Gläubigen. Auch der zweite Tagging still vorüber; aber am dritten, vierten und den nachfolgenden, dakonnte die Stiftskirche, eine der größten in Mähren , nicht mehr fassen dieherbeiströmende Menge. Was bewirkte diese plötzliche Umwandlung? —der Eifer der nachbarlichen Seelsorger. Die sprachen kräftige Worte zuihren Gemeinden, erklärten ihnen die Bedeutung deS Festes, die Zeichender Zeit, die Nothwendigkeit deS innigsten AnschlnsseS an den Weltenlenker.Unabsehbare Schaaren pilgerten unter frommen Gesängen zur Klosterpforte,als wären sie mitten im Frieden. Junge Priester, ganz und gar ergebenihrem Volke und dessen Heile, betraten ohne Vorbereitung die Kanzel —( denn man bestellte keine Prediger, weil man der Zeit nicht traute) —und sprachen so herrlich, wie dieß nur ein begeistertes, rein religiöses Ge-müth zu thun im Stande ist. Sie mußten gehoben werden diese Redner,als sie sahen, wie ihr Volk, an dem man bereits zu zweifeln anfing, sichso empfänglich zeigt für daS allein Wahre — für Gott und Vaterland.Und fast könnte man behaupten, daß diese so angeregte religiöse StimmungdaS mächtigste Hinderniß Allen wurde, die im Solde der UmsturzparteiRaygernS Anwohner zum Landstürme gegen die k. k. Truppen, die gegenWien zogen, bewegen wollten. Auch nicht Ein Mann folgte ihrem tollenRufe; man vertrieb vielmehr die Wühler und bewahrte die Treue gegendaS angestammte, heißgeliebte Herrscherhaus. — Beendet ward daS Festnach achr Tagen durch ein Ponnficalamt des HauSabteS Victor, welcherdie hohe Freude hatte, zu sehen, wie Tausende, dem Rufe der heiligenKirche folgend, die Bedingungen zur Gewinnung deS vollkommenen Ablasseöerfüllten, wie sie gestärkt die Worte deS Heiles in ihre Heimath brachten,