36
wie sie durch die Theilnahme am Feste deutlich auSsprachen, daß sie dieKlöster und die religiösen Orden nicht als eine Schmach veS souveränenVolkes, sondern als von der Kirche approbirte, ihre Zwecke fördernde In-stitute ansehen, die der allgemeinen Achtung sich um so mehr erfreuen wer-den, je mehr sie die Bedürfnisse der Zeit und ihrer Aufgabe auffassen. —Und darum, lasset nur spotten und mit schalem Witze besudeln die Klösterund ihre Bewohner: ist eS diesen Ernst mit ihrem Berufe, so werden sieum so fester an ihrer Regel hängen und sich freuen, daß ihnen Gelegen-heit ward, durch die That zu beweisen, daß sie der Welt und ihren Freu-den abgestorben. (Katholik.)
Proselyten zu machen, als sie nur immer wollen; sie dürfen bei uns zuihrer Reise in den Himmel diejenige Landstraße wählen, die ihnen ambesten gefällt, wenn sie nur überall den gesetzmäßigen Zoll bezahlen. Wirlieben die Jesuiten, wir bewundern die Jesuiten , wir ehrendie Jesuiten und das alles nicht wegen ihrer schlechten Eigen«schaften, und wegen ihrer schlechten Tendenzen, sondern wegenihrer Wissenschaft, ihrer geistigen Bildung, und wegen der Kühnheit inihren Unternehmungen zur Verbreitung des Unterrichtes. Wir machen beiunS keinen Unterschied unter den verschiedenen religiösen Secten, alle fin-den bei uns Friede und Duldung."
Belgische Zustände.
Belgien (Lüttich). Während ringS um unS, und in fast allenLändern von Europa die heftigste politische und sociale Aufregung, Aufstand,Krieg und blutiges Unheil herrschen, genießt unser schönes, gesegnetesBelgien einer inneren Ruhe und Sicherheit, wie man sich derselben kaumseit einem Jahrhundert zu erinnern weiß. In Belgien werden durch könig-liche Verordnungen Kirchen und geistliche Orden für Wohlthätigkeit, derVerein der christlichen Liebe zu Antwerpen , das HauS zumguten Hirten für die Pflege entlassener Verbrecher zu Namur , derVerein der Frauen der Barmherzigkeit zu Brüssel , freigebigunterstützt: in Belgien werden Kirchen gebaut, und mit großer Pracht ein-geweiht, und dabei deS Segens und des Schutzes der göttlichen Vorsehungmit freudiger Dankbarkeit gedacht: in Belgien befiehl ein gesetzliches undgeregeltes Einvernehmen zwischen Regierung und Unterthanen, und freund-licher Verkehr so zwischen Privaten, wie zwischen den Beamten deS StaateS,der Gemeinden und der Kirche.
Dieses freundliche Bild von den belgischen Zuständen zeigte sich beson-ders neulich in Lüttich bei Gelegenheit der am 27. November mit unge-wöhnlicher Feierlichkeit vollzogenen Consecration der neuen Pfarrkirche St.Veronica durch den hochwürdigsten Herrn Bischof van Bommel.Die Anwesenheit hoher Staatsbeamten, so wie der Provincial- und Ge-meindebehörden und einer »»gemein zahlreichen Geistlichkeit verherrlichte dasFest, bei welchem der hochwürdigste Herr Bischof in seiner gewohnten undberedten Weise zu wiederholten Malen Worte der Erbauung, der Ermun-terung und des DankeS an die verschiedenen Stände der Anwesenden rich-tete. Die lautlose Stille, mit welcher allemal diese Worte von der solebhaften und beweglichen Bevölkerung von Lüttich angehört wurden, gabZeugniß von der hohen Theilnahme, mit welcher dieselben vernommen wur-de». Am höchsten stieg diese Theilnahme, als der Bischof zuletzt mit feier-lich erhobener Stimme verkündigte, daß er daS Fest mit dem Gebete fürden König beschließen wolle, weßhalb er alle Anwesenden auffordere, ihrGebet mit dem Seinigen zu vereinigen, um den Segen GotteS für denvielgeliebten Herrscher, für das königliche HauS, und für ganz Belgien zu erflehen. „Möge unser schönes Land fort und fort sich jenesbesonderen Schutzes der Vorsehung erfreuen, der unS vorall jenen Un g l ü cks fä l le n und Umwälzungen bewahre) hat,dergleichen wir mit Schrecken auS so manchen andern Ge-genden erfahren haben!" Dieß waren die Schlußworte der Anredeam Ende deS Festes, welches um halb 8 Uhr begonnen hatte, und mitEinschluß des PontificalamteS bis 1 Uhr Mittags dauerte.
DaS folgende Festmahl im Pfarrhause war ein Verein deS heiterstenFrohsinns und der aufrichtigsten Herzlichkeit. (Sion.)
Vereinigte Staaten . Der „New-Aork Herald," ein protestan-tisches Journal, schrieb ohnlängst: „Wie wir erfahren, sind sieben oderacht Jesuiten cu.S dem Kloster zu Freiburg in der Schweiz mit dem letztenfranzösischen Dampfboot in New Aork angekommen. Dem Vernehmen nachhaben andere Fahrzeuge eine noch größere Anzahl von Priestern aus dcm-selbigen Orden herüber gebracht. Ueberhaupt haben wir in den sechs letz-ten Monaten eine größere Anzahl von Priestern auS Europa erhalten, alsin vielen früheren Jahren zusammengenommen. Die Jesuiten , so wieandere, sowohl protestantische, wie katholische Geistliche, welche man inEuropa um ihrer religiösen Meinungen willen verfolgt, thun recht daran,daß sie zu unS kommen; in unserem Lande steht cS ihnen frei, so viele
Wir haben die endliche Bekehrung deS in den RongeanismuS undrothen RepublicaniSmuS verirrten Robert Blum nach Fr. HurterS ver-läßlichem Zeugnisse vor einiger Zeit in der Postzeitung berichtet. Nuntritt der schon öfter genannte Gratzer Rongeaner Scholl in seinen Sonn-tagsblättern mit der ganzen Kraft seiner Sophistik auf, um den unglück-lichen Blum auch in seinem Tode noch als Märtyrer und Helden demNongethum zu retten; „denn es gilt daS Bild unsers Todten rein zu hal-ten von pfäffischer Entstellung, rein zu waschen von pfäffischen Verdäch-tigungen und Verleumdungen, mit welchen dieselben, die ihn im Lebengehaßt, selbst den Todten jetzt nicht verschont lassen." Man sollte nachsolchem Anlaufe erwarten, Scholl werde authentische Documente vorlegen,auS denen unwidersprechlich sich zeigte, Blum sey als Rongeaner gestorben.Allein dem ist nicht so; die ganze Beweisführung besteht vielmehr in einemanonymen Artikel aus der „Jllustrirten Zeitung" von Leipüg, der durchvierte Hand den Schottenbenedictiner P. Raimund als Quelle angibt.Wir wollen über die Verläßlichkeit der erwähnten Zeitung nicht rechten,sondern theilen nur zur Bestätigung der Hurter'schen Angaben und zurvollkommenen Widerlegung aller gegentheiligen Berichte «katholischer Blät-ter folgenden Erlaß des fürstbischöflichen Consistoriums in Wien mit.Dieser lautet:
„In Folge des anher gestellten Gesuches vom 10. dieses Monatswurde der Curat an der hiesigen StiftSpfarre zu den Schotten, P. Rai-mund Schwedler, welcher dem Robert Blum in seinen letzten Lebensstundendie Tröstungen der Religion zu spenden berufen war, über die in Fragegestellte Versöhnung desselben mit Gott und seiner heiligen Kirche einver-nommen. Die von diesem Priester abgegebene Erklärung bestätiget, daßRobert Blum , welcher sich schon bei dem Verhöre als Katholik angegebenhatte, den ihm gemachten Ermahnungen und Belehrungen in sein Herz,welches über daS unerwartete Ende, insbesondere aber wegen des Schick-sals seiner Gattin und seiner Kinder sehr bekümmert war, Eingang gewährt,und, nachdem mit GotteS Gnade bei der Erinnerung an seine Mutter undihre Lehren der alte Glaube in ihm erwacht war, auch daS Sündenbe-kenntniß abgelegt und die heilige Wegzehrung mit sichtbarer Rührung undAndacht empfangen habe. Zuletzt dankte er diesem Priester für die gespen-deten Tröstungen der Religion und starb mit den Worten: „„Vater indeine Hände empfehle ich meinen Geist."" Wien , den 27. Januar 1849.FürsterzbischöflicheS Konsistorium: Matthias Pillitzer, Bischof von Telmäsein pari., Generalvicar. Leopold Eikelhart, Kanzleidirector."
Piusvereine.
Trier , 12. Januar. Unser PiuSverein, der so klein und unschein-bar begonnen, ist in einem sehr erfreulichen Wachsthume begriffen. Erzählt gegenwärtig etwa 560 Mitglieder. Wir sind der festen Ueberzeu-gung, daß daS Wachsthum und Gedeihen deS VereinS davon abhängt,daß er als solcher keiner politischen Partei sich anschließt, als solcherkeinerlei politische Bestrebungen unterstützt, sondern lediglich die Wahrungder religiösen Freiheit und die Hebung der socialen Zustände durch die vomChristenthum und der katholischen Kirche gebotenen Mittel als einzigesund Hauptziel im Auge behält, und dadurch einem Jeden, zu welcherpolitischen Farbe er sich auch bekennen mag, wenn er nur anders einwahrer und warmer Katholik ist, den Eintritt ermöglicht. (Ist auch dieAnsicht des AugSburger PiuSvereines.)
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.