Ausgabe 
9 (18.3.1849) 11
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Neunter Jahr-gang.

^ 11

18. März 184».

Wir Valentin,

durch göttliche Erbarmung und deS apostolischen StuhlesGnade Bischof von Regensburg, entbieten dem gesammtenhochwürdigen Klerus Unsers BiSthums Gruß und Segen

in dem Herrn.

Wir gedenken, da nun endlich die Zeitverhältnisse einmal gestatten,im kommenden Sommer Euch, geliebte Milbrüoer! um UnS zu versammeln,um nach kirchlichen Vorschriften eine Diöcesan-Synode abzuhalten. Zuderselben werden alle in der Seelsorge stehenden Priester der Diöcese ein-berufen, und nur jene von der persönlichen Anwesenheit diSpensirt, welchedurch Alter oder Krankheit oder auS Rücklicht auf die nothwendige Pasto-ratiou zu erscheinen gehindert sind. Da aber die beantragte DweesawSynode nicht länger als 3 bis 4 Tage dauern kann; theils wegen derhiemit für den versammelten Klerus verbundenen Kosten, theils weil diegotteSdienstlichen und andere Funktionen an Sonntagen keine Unterbrechungerleiden dürfen; so erscheint eS um so nothwendiger, daß schon jetzt mirumfassenden Vorbereitungen der Anfang gemacht werde. Und damit Wirauch schon bei diesen Vorarbeiten die Wünsche, Anträge und VorschlägeUnsers Diöcesan-Klerus gebührend berücksichtigen kennen, so laden "Wir"alle Priester Unserer Diöcese ein, diese ihre zur Diöcesan-Synove sich eig-nenden Wünsche, Anträge und Vorschläge, sie mögen nun Wiederbelebungälterer Diöcesan-Vorschriften oder Aenderungen derselben, oder den Erlaßneuer zweckdienlichen Anordnungen, die Abstellung bestehender Mißbräuche,die Mittel, dem zunehmenden Sittenvcrderben mit Erfolg zu wehren undReligiösität und Sittlichkeit zu fördern, oder die Herbeiführung größererEinheit in allen Zweigen der Pastoration, besonders in der Kirchenzuchtund ähnlichen Gegenständen betreffen, den einschlägigen Decanatämtern inBälde einzureichen, damit sie UnS bis künftige Ostern vorgelegt werden.Auch sollen in diesen Eingaben all jene religiösen Gebräuche und Gottes-dienste, welche von der allgemeinen kirchlichen Ordnung abweichen, z. B.das zu häufige Aussetzen des AUerheiligsten, die Abhaltung von Leichen-gotteSdiensten an Sonn- und Feiertagen zum Nachtheil deS PfarrgotteS-dienstcS u. s. w. genau angegeben seyn mit dem endlichen Beifügen, obdie Tage vom 19. Juni Morgens bis zum 22/ Mittags zur Abhaltungder Synode in so fern geeignet erscheinen, als an denselben die seelsorg-lichen Arbeiten minder gehäuft sind. '

Uebrigens wünschen Wir, geliebte Mitarbeiter im Herrn! daß IhrEure Meinung über Alles, was ihr vorbringen werdet, offen und ohneRückhalt auSsprechet, und dieß um so mehr, als Wir zu Euch das Zu-trauen haben, daß Keiner den gesetzlichen Boden der Kirche verlassen oderetwas verlangen werde, waS im Widersprüche wäre mit der Disciplin derallgemeinen Kirche, oder mit der von Gott gesetzten hierarchischen Ordnungoder auch mit den von der Kirche für die Diöcesan,-Synode erlassenenCanonen. Diese schriftlichen Eingaben gewähren auch jenen Priestern,welche der Synode anzuwohnen verhindert find, Gelegenheit, sich bei der-selben zu betheiligen und dadurch zu einem gedeihlichen Erfolge mitzuwirken.

Die Decanalämter werden hiermit angewiesen, die von den einzelnenPriestern eingesendeten schriftlichen Eingaben in Empfang zu nehmen undsogleich nach den Osterfeiertagen der oberhirtlichen Stelle einzusenden, daspäter einlaufende Wünsche und Anträge bei den Vorarbeiten eine Berück»fichtigung nicht mehr finden könnten.

Sobald Wir im Stande find, die Synode zu berufen, werden Wirnicht nur über die Art und Weise ihrer Abhaltung, sondern auch über diezu verhandelnden Gegenstände dem gesammten KlcrüS ausführliche Mitthei-lung machen, damit auch von seiner Seite eine gehörige Vorbereitung zu

derselben um so leichter möglich werde und gewiß nicht ausbleibe, da Wirdieß alS ein Haupterforderniß eines gesegneten Erfolgs bezeichnen müssen.Gegeben zu Regensburg den 25. Februar 1849.

4 Valentin, Bischof.

Joseph Lipf, bischöfl. Sccrctär.

Katholtkenvereine *)

In einem amtlichen Berichte sind die Verhandlungen der ersten Ver-sammlung des katholischen Vereines Deutschlands am 3., 4., 5. und 6.Oktober zu Mainz erschienen. Wer die Reden der Männer liest, die dagesprochen haben, der muß zum Geständniß gelangen: Wahrhaft, das wareine großartige, herrliche Manifestation katholischen Lebens! Sie sind zu-sammengekommen aus allen Gauen Deutschlands, und haben Gebrauchgemacht vom Rechte der Association im Sinne der Kirche. Wie vorauszu-sehen. war Oesterreich, zunächst Wien, auch hier wiederum nicht vertreten.Professor Dr. Knoodt aus Bonn, der einige Jahre hier in Wien gelebt,hat sich unser angenommen, und auS freundschaftlicher Erinnerung den-Deh'Mtey-f.ür Wien dargestellt. Unwillkürlich wird man auch was da»katholische Leben anbelangt, an daS alte komische Volkslied erinnert:Nur langsam voran, nur langsam voran, daß die österreichische Landwehrnachzotteln kann!"

Jetzt wird eS unS erst recht klar, in waS für eine kirchliche Ver-sumpfung und Stagnation uns die nicht genug lob- und prei,würdigeSchreiberherrschaft hineingeführt hat. Es ist wahrhaft jammervoll anzu-schauen, wenn man sieht, wie selbst Männer, die eS gewiß ehrlich mit derKirche meinen, noch immer von einer solchen Furcht befangen sind, dieihnen gar nicht auS den Gliedern herauszutreiben ist baß sie immernoch an dem unseligen, wahnsinnigen Ausspruche festhalten:Nur kein Lärmnur kein Eklat, nur Ruhe VaS könnte diesem, und jenes könnte jenemnicht recht seyn, diese Autorität ist zu schonen, und jener Autorität istnicht zu nahe zu treten, nur abwarten auf eine günstige Zeit, auf einebessere Gelegenheit, nur Geduld, es wird sich schon Alles machen, undzum Bessern wenden."

Nun kommt aber die Frage, wie weit sind wir bisher mit diesemgeduldigen Abwarten gekommen? wie weit wären die Apostel gekommen,wenn sie abgewartet hätten? Wer einmal eine Sendung hat, der wirddurch'S Abwarten nur seine Zeit verlieren, seine Pflicht ist eS, eben weiler gesendet ist, zu gehen und zu thun, waS sein Amt, seine Pflichtihm gebietet. Jene Epochen der Kirchengerichte, die durch'SAbwarten,"daS heißt auf deutsch : durch'S Faulenzen herbeigeführt worden sind, warentraurig genug, und können gewiß nicht zu den glorreichen gerechnet wer-den. ES macht sich im Gebiete geistigen Lebens gar nichts selber waSgeschieht, daS muß gemacht werden. Und waS die Schonung von Autori-täten anbelangt, so will eS unS bedünken, daß eS nur Eine große Autori-tät gibt, und daS ist die Kirche, und wer ihrem Geiste durch anhal-tendes, hartnäckiges Entgegenstreben zuwiderhandelt, der hat aufgehört eineAutorität zu seyn. Der vernünftige Katholik erkennt in dem Verwaltereines kirchlichen AmteS, mag er was immer für eine Stellung im Priester-thume einnehmen, nur so lange eine Autorität, so lange dieser feststeht aufdem Felsen Petri. so lange er sich in lebensfreudiger Verbindung M demPrimate erhält ist aber dieß nicht mehr der Fall, dann ist eS auch mitder Autorität auS und geschehen! Stünde eS nicht besser mit der Kirche inNorddeutschland, wenn der Klerus und daS katholische Volk zu den Zeitender Reformation statt fich bethören und verblenden zu lassen, jenen treu-

') Au« der Wienerzeitung, und zunächst für österreichische Zustände geschrieben.