Ausgabe 
9 (18.3.1849) 11
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losen Verräthern an der Kirche Gottes, jenen abtrünnigen Bischöfen undErzbischöfen unerschütterlichen Widerstand entgegengesetzt hätte?

Wir gestehen es offen, wir haben kein Vertrauen zu jenen Mäcklern,Welche jeven Einfluß deS Primates auf die kirchliche Lebensgestaltung umdie Gunst deS absoluten PolizeistaateS zum Theil verschachert haben, undwäre eS auf ihren Willen angekommen, noch mehr und auch ganzund gar verschachert hätten! Wir haben kein Vertrauen zu den ab-gebrauchten Werkzeugen der Polizei, denen daS Aufflammen apostolischenMuthes von je eine Thorheit gedünket hat, die in der welthistorischen ThatdeS Clemens August eine unbegreifliche Unklugheit gesehen haben, die nieeinen Muth zeigten, wenn eS gegolten nach oben hin aufzutretendie nur ein Müthlein besaßen, was sie nach unten an ihren Untergebe-nen zu kühlen versuchten! Wir haben kein Bertrauen zu Männern, dieihr ganzes Leben mit dem fadesten, glaubensleersten, rationalistischen Gc-salbaber zubrachten, die vo», Dogma nichts wissen und nichts hören wollen,unv die, wenn sie schon um deS Decorums willen von Christus sprechenmußten, in dem Erlöser und Weltheiland nichts anders sahen, als einensalbungsvollen Lehrer von Moral unv Humanität der sich nur durchseine reine Lehre vor den Moralpredigern vor seinem Erscheinen und nachdemselben ausgezeichnet hat.

Durch säst vierzig Jahre (ungefähr y§n 1780 1820) ist auch zuWien auf manchen Kanzeln im Sinne oder auch im Unsinne dieses abge-schmackten rationalistlschen ComplotteS gepreciget worden, man hat denUnglauben mit der abgewässerten, fadenscheinigen Moral mit vollen Hän-den ausgesäet, und eS lst erstaunenswerih, w nn man j-tzt einige von denunchrwürrigen Ueberbleibern aus jener Zeit über JndifferentiSmus klagenhört; alS ob sich diese Leute in ihrem ganzen Leben mit etwas anderem,als mit der gewissenlosesten Verbreitung des jetzt beklagten JndifferentiSmusbeschäftigt hätten als ob ihnen nicht alle Apologetik und Polemik aufdogmatischen Grundlagen von jeher in die Seele hinein zuwider gewesenunv von ihnen nach Maaßgabe ihrer Polizeigewalt, selbst sogar verfolgtworden wäre! Was ist nun da zu thun, wie kann dem JndifferentiSmusder höheren unv mittleren Stände, wie der Jrreligiösität des von der gefes-selten Kirche vernachlässigten und verwahrloststen Proletariates abgeholfenWerben? Gewiß nur einzig und allein durch die vom Josephinismus so sehrgehaßten und mit Kerker unv Kelten noch bis in die letzten Jahre ver-folgten religiösen Vereine! Das Wirken Einzelner, wie eS das bereitsum alle geistige Umsicht gekommene alte Polizeikirchensystem immer »ochgerne haben möchte kann hier auf die Massen rein nichts ausrichten,Vergestllschaftuiig, Vereinigung ist ja daS Princip der Kirche, unv daSmuß sie verfolgen und auSbilven mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln,

Eine geipliche Behörde, die eS zu verhindern und hintertreiben suchenwürde, diesen einzigen Rettungsanker der Gesellschaft in die aufgewühltenWogen deS Proletariats einzusenken, spräche sich mit einem Male entschie-den als »»kirchlich, als unkatholisch auS, und schriebe hiemit das Urtheilihres unmöglichen Fortbestandes mit eigener Hand. Gewiß immer mehrrückt die entscheidende Stunde heran. Wie der unselige Knoten sich lösenWird, das weiß die Vorsehung, wir vermögen cS nicht vorauszusehen, nurdaS wissen wir bestimmt daß eS bei uns nicht mehr so fortgehen kann,wie es bisher gegangen ist. Zersplitterung der Kräfte führt zum offenenAbgrund, Synode» braucht der Klerus, katholische Vereine das Volk!*)Geistliche, welche diesem rettenden Bedürfniß entgegentreten, laden hiemiteine Verantwortung auf sich mit welcher beladen wir nicht gern vorGottes Rlchterftuht hintreten möchten!

Sendschreiben des katholischen Vereins zu Oggersheim

und Umgegendan den PiuSverein in Augsburg .

Biedere, deutsche Männer,

Liebe, katholische Brüder!

Hoch schlug unser Herz, gar sehr waren wir erfreut, als EuerSendschreiben uns zukam. Die Katholiken der Pfalz haben mit Begei-sterung die lebendige Theilnahme aufgenommen, welche Ihr dem Geschickederselben zuwendet. Sie werden nimmer vergessen, daß ihre bayerischenBrüder in Schwaben die Ersten waren, welche in ihrem Kampfe gegenden Bund deS ungläubigen Zeitgeistes und der verrotteten Schreibcrherr-schaft durch ihr Wort sie aufrichteten, und ihnen treulichen Beistand imKampfe gegen die Feinde der wahren Freiheit und deS Christenthums zu-

) Dieser Artikel ist noch vor Verkündigung der neuen Grundrechte geschrieben.

sagten. Wohl wird bald der eben in Speyer sich gebildet habende Central«Auöschuß der katholischen Vereine der Pfalz im Namen Aller die heiligePflicht deS DankeS an Euch abstatten. Wir aber, die den GegenstanddeS Streites in ihrer Mitte haben, wir, denen das Kloster von Oggers-heim doppelt werth ist, sowohl wegen der Persönlichkeit seiner Bewohner,als wegen der steten Aushilfe, welche der Seelsorge allein dadurch zu Theilwirv; wir fühlen auch doppelt schwer die Ungerechtigkeit, welche ver-übt werden soll; wir erkennen nur zu gut, daß eS sich nicht bloß um die-ses Kloster, sondern um unsere ganze Freiheit auch für die Zukunft handelt.Eben darum finven wir uns noch besonders getrieben, Euch katholischenBrüdern im Schwabenlande für Eure so herrliche, ganz katholische Mani-festation unsern innigsten Dank auszudrücken. Dieser Dank an Euch seyunser erstes Lebenszeichen. Seyd versichert, trotz des großen Wortes, dasunsere Demokraten führen, trotz ihres GebahrenS alS wenn sie die Pfalz ,die ganze Pfalz wären, unser schönes Land faßt noch viele, ächte katho-lische Herzen in sich. Diese werden mit der That eg beweisen; unv wieunser BiSihum in den Stürmen der Reformation nicht wankte, so wird eSauch jetzt unter dem Schutze Mariä «einer Patronin fest bleiben, Gott und der Kirche treu, werth sich zu nennen

Eure treuen Brüder in Christo.

Oggersheim in der Pfalz , 4. März 1849.

V. Franz de Vico.

Es ist seiner Zeit der leiver allzu frühe Tod deS k. de Vico ausder Gesellschaft Jesu in diesen Blättern erzählt worden. Der ,,^mi cko lakaligion" bringt nun, wie eS scheint auS der Fevcr eines MitbruterS deSVerblichenen, einen kurzen Nekrolog, auS dem wir daS Merkwürdigstehervorheben.

Franz de Vico wurde zu Macerata , einer Stadt im Kirchenstaate,am 19. Mai 1805 geboren. Seine Familie war eine der angesehenstenin der Provinz. Der Bischof Slrambi von Macerata, der im Gerücheder Heiligkeit gestorben ist unv dessen Canonisation man entgegen sieht,erkannte im jungen de Vico außerordentliche Gaben, segnete ihn öfter undgab ihm häufige Beweise zärtlicher Zuneigung. Frühzeitig nahm ihn dieReligion, diese zärtliche Mutter und Erzieherin der Seelen, unter ihreschützende Fittige. Seine ersten Studien machte er im Collegium der Je-suiten zu Urbino , und zwar bis in die Rhetorik Als er aber Neigungzeigte, selbst in die Gesellschaft einzutreten, hofften seine Eltern, die ihnzu etwas anderm berufen glaubten, er werde davon abkommen, wenn sieihm einen andern Ort zur Fortsetzung seiner Studien anweisen würben.So kam er zu den Plansten nach Siena . wo er den berühmten k. Jnghi-rammi zum Professor der Mathematik erhielt und daS Gymnasium absolvirte.

AIs die Zeit herbeikam, wo sich de Vico für einen Beruf enlscheivensollte, entschloß er sich, seinem Gott unv sich selber treu, auf die nichtunbeträchtlichen elterlichen Güter zu Gunsten senrcS jüngern Bruders zuverfichten, und verlangte unmittelbar darauf seine Zulassung zur Gesell-schaft Jesu . Doch mußte er die Ausführung dieses seines LieblingsplanSnoch verschieben. Sein Vater halte nämlich, diesen Entschluß ahnend, beiseinem Tode dem Vormunver seiner Söhne aufgetragen, ihn auf die stärk-sten Proben zu stellen; ja er hatte ausdrücklich angeordnet, daß man ihnam Ende seiner Studien eine Reise durch Italien machen lassen solle, umdurch neue Eindrücke viesen in ihm festgewurzelten Gedanken zu verwischen.Aber diese letzte Prüfung, weit entfernt, ihn in seinem Vorsätze wankendzu machen, befestigte ihn vielmehr in demselben, und so trat er denn mitneuen Kenntnissen bereichert, am 23. December'1823 zu Rom inS Noviziatzu St. AncreaS.

In der Zwischenzeit zwischen seinem Noviziat und dem theologischenCurse wurde er, nach dem Gebrauche der Gesellschaft Jesu , zum Unterrichtverwendet. Er lehrte im römischen Collegium die untern Classen unv dieHumaniora. Um eben diese Zeit fing er seine astronomischen Beobachtun-gen an. Oft erhob er sich, nachdem er drei oder vier Stunden geschlafen,vom Bette, oder,er wachte vorher einen großen Theil der Nacht hindurch.Auch während der vier Jahre, in denen er den theologischen Studien oblie-gen mußte, setzte er diese Forschungen fort. Nachdem er jene vollendethalte, wurde er ausschließlich für die mathematischen und astronomischenWissenschaften verwendet. Er wurde dem p. Dumouchcl, einem französi-schen Jesuiten , der das Observatorium des römischen Kollegiums leitete,beigegebcn. Dieser demüthige und gelehrte Astronom war glücklich, seitdemer von den Talenten und den Fortschritten seines jungen Mitarbeitersreden konnte, und brachte ihn mit den ausgezeichnetsten Astronomen vonEuropa in Verbindung. Oefier als einmal bezeugte er eS am Ende seinerLaufbahn, wie viel Trost eS ihm mache, einen fähigern Nachfolger zu