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hinterlassen, als er selber war, der durch diese erhabene Wissenschaft dieHauptstadt der Christenheit verherrlichte. In der That erlangte das Ob.servatorium des römischen CollegiumS unter der Leitung deS k. de Nicoeine europäische Berühmtheit. Die Wissenschaft verdankt ihm viele undwichtige Entdeckungen. Folgende sind nach chronologischer Ordnung dievorzüglichsten:
Am 28. November 1832 entdeckte er den Biela'schen Cometen aufseiner Rückkehr zur Sonnennähe und zwar in der nämlichen Nacht, in welcher ibu Herschel zuerst in England bemerkte. Am 5. August 1835 ent-deckte er den Halley'schen Cometen, der an andern Orten erst 15 Tagespäter entdeckt wurde. JnS Jahr 1838 fallen verschiedene Entdeckungenüber die Atmosphäre des Saturn. In die Jahre 1838 — 1839 die Ent-deckung der zwei nächsten Trabanten des Saluin, die vor ihm nur Her-schel gesehen hatte. Diese Entdeckung geschah durch die Anwendung einerneuen Methode, die Arago eine kostbare Entdeckung nannte. In dem näm-lichen Jahre bestimmte er die Zeit der periodischen Wiederkehr der 2 Tra-banten deS SalurnuS. In den Jahren 1839 —40—41 erfolgte die Be-stimmung der Wendung der VenuS um ihre Are. Auch diese EntdeckungHai ungeheures Aufsehen gemacht. In den Jahren 184l —42 — 43 — 44entdeckte er eine große Anzahl neuer Gestirne. Am 23. August 1844 folgtedie Entdeckung eines neuen Cometen, genannt: „der Comel deS römischenCollegiumS." Am 4., 5. Februar 1845 entdeckte er einen andern neuenCometen von unbekannter Umlaufszeit Am 9. Juli v. I. entdeckte er denEnke'schen Cometen bei seiner Rückkehr zur Sonnennähe. — Endlich hatI?. de Vico die Zeit und den Trost gehabt, Schüler zu bilden, die seinerwürdig sind, und deren Name sich eines Tages mit dem Namen ihresLehrers zur Vermehrung seines Ruhmes vereinigen wird. — AIS er mirallen Jesuiten, seinen Mitbrüdern, gezwungen war, das römische Kollegiumzu verlassen, durchreiste er Frankreich, um sich inS Kollegium nach George-Town in den vereinigten Staaten zu begeben, wo seiner ein Observatoriumharrte, das eben so reich ist an Instrumenten als das, was er eben ver-lassen hatte. Arago, der damals Minister war, drang in ihn, daß er inParis bleibe. Auf seiner Reise nach London empfing er keine mindergünstige Aufnahme bei den englischen Gelehrten. Aber nirgends erregtevielleicht seine Gegenwart mehr Sympathien als in den vereinigten Staa-ten. Es gelangten an ihn die dringend sten Einladungen, um ihn zurNiederlassung in Amerika zu ermuntern, ihn und alle italiemschlN Jesuiten, die eS fassen könne. Zahlreiche Subscripiionen organisirlen sich auS freienStücken, um die Neberfahrt zu erleichtern und die Niederlassung zu unter-stützen. Dieser Edelmulh rührte um so mehr das Herz des k. de Vico,als eS vorher betrübt war über die Beklemmung seiner Mitbrüver, dieohne Vaterland, ohne Freistätte waren Vergessend der Ermüdung undseine Kräfte verschwendend fuhr er aufs Neue über den Ocean, um dieAbreise inS Land der Freiheit zu beschleunigen. Eben halte er in Liverpool die Einschiffung von 20 Erilirten geleitet und bereitete schon wieder eineneue Colonie vor, als er vorn Typhus ergriffen- wurde, der ihn am 15.Ociobcr v. I. zu London hinraffte. Eine Bruderhand hat ihm die Augengeschloffen! Die Kenntnisse deS k. de Vico waren in allen Fächern ausge-zeichnet. Er halte seine Studien der Philosophie und der Theologie mitGlanz vollendet. Er war ein ausgezeichneter Musiker, und eS war fürihn eine angenehme Unterhaltung an Festtagen auf dem Chor der Zöglingedes römischen CollegiumS zu dirigiren. Auch als Composileur hat er einenberühmten Namen. Waren es die ferner Stehenden, die seine eminenteWissenschaft und seine alles umfassenden Talente bewunderten, so verehrtenund schätzten seine Brüder, in deren Mitte er lebte, seine Bescheidenheitund Sanftmuth, seinen stets gleichen Humor, seine treue und beständigeBeobachtung der Regel. In seinen Augen war der Unterricht ein Gebetund eine Predigt, und dieses Leben, geweiht dem Apostvlat der Wissen-schaft, hat der Himmel sich gewürdiget zu beschließen in der Verfolgung fürden Namen Jesu und zu krönen durch eine Art Martyrthum für die Liebeseiner Brüder. Er erreichte ein Alter von 43 Jahren, k. I. ?. (Sion.)
Kirchliche Zustände in den Donaufürftenthümern.
Von der untern Donau. Am 9. November v. I. hat diekatholische Misston der Moldau ihren zweiunddreißigsten Bischof durch denTod verloren. Der hcchwürdigste Herr Paul Sardi auS Val d'Aostain Piemont war erst 55 Jahre alt und seil fünf Jahren Bischof; auf sei-ner letzten VisitationSreise hatte er sich erkältet und starb nach wenigenTagen in Jassy , von seinen Missionären und Diöcesanen (70,000) tiefbetrauert: denn er war ein demüthiger, aufrichtiger, „wahrer Jsraelit, inwelchem kein Falsch ist." In dem für Italien so stürmischen Jahre 1821trat er in den Minoritenorden im römischen Staate ein und begab sich 1825
als apostolischer Missionär nach Konstantinopel. Dort erwarb er sich dieLiebe und Achtung seiner Oberen und Mitdrüdcr, wie deS ganzen Volkes.Unverdrossen und unermüdet arbeitete er auf der Kanzel und im Beicht-stühle, in der Kranken- und Armenpflege. Seinen Bemühungen war e»größtentheilS zu verdanken, daß nach dem schrecklichen Brande am 2. Aug.183 l, welcher ganz Pera verheert halte, das Kloster St. Anton auS derAsche wiedererstand. Im Jahre 1839, als er Provincial deS OrieniS undapostolischer Prüfect von Rumelien war, führten ihn AmlSgesck'äfte nachRom , wo gerade damals der griechische Beichtvater der PeterSkirche, derMinorilenbischof Tomaggian, gestorben war, dessen Stelle er übernahm,bis ihn Gregor XVl. im Frühjahre 1843 als Bischof und vmitotor opo-stulious in die Moldau sandte. Anch hier wußte er sich die Herzen Allerzu gewinnen, sogar von den Moldauischen Bojaren wurde er geachtet.Er hatte den Trost in kurzer Zeit mehrere neue Kirchen und zwar nichtwie die früheren von Holz, sondern von Stein zu erbauen und zu vollen-den, neue Pfarreien zu gründen und viele Verbesserungen in der Missionzu machen. Leider geht Vieles mit ihm zu Grabe, wenn die römischenWirren nicht bald gesuchter werden und der heilige Vater einen neuentüchtigen Nachfolger an seine Stelle setzt. Es wäre aber fihnlichst zuwünschen, daß er kein sardinischer Unterthan wäre, damit die Intriguen,die Karl Albert auch hier schon seit zehn Jahren durch seine Consuln treibt,nicht weiter um sich greifen können, indem sie der Kirche ungemei» schaden.Am verstorbenen Bischöfe Sardi gedachten die Sardinier wieder ihren Mannzu finden, er war aber dafür zu ehilich und aufrichtig.
So wie in Asien und den übrigen Welnheilen Frankreich die Mis-sionen geschützt, so schützt sie in den Dvnaufürstenlhnmern und der übrigeneuropäischen Türkei (Konstantinopel und Smyrna machen hiervon eine Aus-nahme: da ist der Schutz gemischt — einige Klöster und Kirchen stehenunter Oesterreich, die andern unter Frankreich), das Kaiserhaus. Zu dieserEhre hat der Herr der Heerschaaren jene beiden Mächte auserkoren — undwie schön und würdevoll haben beide ihre Aufgabe bisher uneigennütziggeloSt! WaS wäre auS dem heiligen Grabe zu Jerusalem schon längstgeworden, wenn sich nicht Frankreich mit Macht gegen die russischen Intri-guen gestellt hätte? — Die Kirche deS heiligen Grabes gehörte, von Gott-fried von Bouillon an bis auf unsere Tage, ausschließlich den Katholiken,sie war von ihnen erbaut. Da sie aber 1808 abbrannte und durch dieNapoleonijchen Kriegszüge verhindert, keine Unterstützungen auS Spanien ,Frankreich, Deutschland und Italien einkamen, mußten die gaslsreundschaft-lichen Franciöcaner die größte Noth leiden und konnlen dte Kirche nicktwieder erbauen. Diese Gelegenheit benutzten die schlauen Griechen undhalfen den Lateinern beim Wiederaufbau des Tempels, um auch ein Rechtdarauf zu erhalten. Von nun an dachten sie an nichts sehnlicher, als dieKatholiken ganz zu verdränge». Kein Geld zu Bestechungen, keine Mühewurde gepart, selbst Gewalt wurde oft angewandt, um den Katholikenihren sechShunderijähngen Besitz zu entreißen. Der FanatiSmuS, daS Geldund der russische Schutz vermögen im Oriente AlleS; denn die hohe Pfortekann keinen Firman ausgehen lassen, der vollziehende Kraft hat, wenn erkein russischen Gesandten nicht guttünkt. Gewiß wären die armen Fran-ciScaner vertrieben worden, wenn Frankreich die Rechte der Kirche nichtgeschützt hätte, und nicht allein auS dem heiligen Grabe, sondern a»S demganzen heiligen Lande. Vor vier Jahren verschaffte Herr v. Titow (derrussische Gesandte in Konstantinopel) den Griechen einen Firman, um einigeBaureparaturen an der Kirche des heiligen Grabes vornehmen zu können.Da man schon im Voraus wußte, wohin sie damit wollten (eS war ihnendarum zu thun, die noch übriggebliebenen und zu sehr vom alten Recktezeugenden, lateinischen FreScogemälde und Wappen auszutilgen), so nah-men die Väter den Schutz Frankreichs in Anspruch und sie erhielten einenGegenfirman. Der Moskowile intriguirte nun so weil, daß die Türkennickt mehr wußten, waS anders zu machen sey, als die Sacke der fran-zösischen Gesandtschaft zu entdecken. Diese allein wäre auch nicht mächtiggenug gewesen, daS Recht der Franciscaner zu schützen. Da befahl KaiserFerdinand seinem JnternuntiuS, dem Grafen Stürmer, hinsichtlich deSheiligen Grabes und von nun an in allen Kirchenangelegenheiten gemein-schaftlich mit dem französischen Gesandten bei der Pforte zu arbeiten. Dablieben nun die Sachen, wie sie waren.
Wären die österreichischen Hofagenten und Consuln in den Donau -fürstenthümern, in Bulgarien, Albanien und Bosnien nicht tüchtige Män-ner, denen der Schutz der Kirche so sehr wie ihrem Kaiser am Herzen liegt,dann wären unsere Missionen längst schon zerstört. Darauf arbeiten nichtsowohl die eingeborenen Schismatiker, als de« CzaarS Pläne hin, für dieer überall verschmitzte Consuln hat, von welchen sogar einige Katholiken,die aber grimmiger sind als die Schismatiker, um sich in Gunst zu erhal-ten und irgend einen russischen Orden zu erhäschen. So hat der russi-sche Consul von Galacz, Herr Carl Cola, ein Katholik, voriges Jahr