(1847) den dortigen Pfarrer dabin bringen wollen, das „8alvnm tso" fürden Kaiser Ferdinand, wie eS nach uralter Gewohnheit im ganzen Orientean den höchsten Festtagen (in Konstantinopel und Smvrna an allen Sonn-und Feiertagen) vor dem Segen gesungen wird, einzustellen. Er behaup-tete, daß die Artikel deS Carlowitzer FriedenS von 1699 und jene vonPassarowitz von 17l8, in welchen die Rechte der katholischen Kirche undihrer Schutzmacht Oesterreich sanctionirt sind, durch den neuen russischenTraktat von Aerianopel aufgehoben wären. Ja, dieser Mann ging inseiner Ruffomanie so weit, daß er bet der AuferstehungS-Feierlichkeit amCharsamStage, als der Pfarrer daS „8alvum kao" anstimmte, seinen Stuhlumwarf und zum Aergernisse der Anwesenden zur Kirche hinauSstürmte.Daß er nun anfing, jenen armen Pfarrer zu verfolgen und noch verfolgt,macht seine Verdienste beim Petersburger Cabinet noch größer. Eben sowird bei jeder Messe im Gedächtnisse der Lebenden nach dem Papste derKaiser genannt, wie in dessen eigenen Ländern. Und verdient dieser frommeMonarch eS nicht, da er die Kirche und ihre Diener so uneigennützig undherrlich schützt? (Rh. V. H.)
A « s W i e n.
— Wien , 4. März. Während an andern Orten, insbesondere inMünchen und Augsburg der konstitutionell-monarchische Verein die Hydrader Anarchie mit mächtigem Arme niederkämpft und der PiuSverein inletzterer Stadt bereits sein segensreiches Wirken entfaltet: ist bei uns durchden Belagerungszustand die Thätigkeit ähnlicher Vereine darniedergehalten.Die Behörden, welche mit Fug und Recht die verdächtigen Vereine unter-drücken, würden unseres ErachlenS wohl daran thun, dem katholischen undächt konstitutionellen Elemente im Wiener- Volke eine freiere Bewegung zugewähren, und so eine moralische Schutzmauer für öffentliche Ruhe undOrdnung, für Achtung göttlicher und menschlicher Gesetze zu erbauen.Um so schmerzlicher mußte den gutgesinnten, katholischen Bürger WienSder in diesen Tagen an den Vorstand deS hiesigen Katholiken-VereineSergangene Bescheid von Seite des Civil- und Militär-Gouvernementsberühren, deS Inhalts: „Die Belehrung der Mitglieder des Vereines inöffentlichen Bersammlungen durch religiöse Vortrage könne nicht gestatl-twerden." Es ist dieser Bescheid um so verwundender, als er nicht zunächstim Willen deS Gouvernements beruht, sondern, wie wir Ihnen aus ver-bürgter Quelle berichten können, lediglich auf das Gutachten deS hiesigenerzbischöflichen ConsistvriumS sich gründet. Se. Ercellenz der Hr. Gouver-neur äußerte sich mündlich gegen den Hrn. Cardinal Fürst Schwarzenberg,der hierüber mit ihm Rücksprache pflog: „Er könne leider in dieser Ange-legenheit nichts thun, denn der Hr. Erzbischof von Wien sey dagegen."ES dürfte, darum für Ihre Leser interessant seyn, den Bescheid, auS wel-chem die Feder deS.ConstsloriumS deutlich herauSblickt, in seiner ganzenLänge zu vernehmen. Er lautet: „Die Belehrung, die der Verein ckiseinen Versammlungen ertheilen wolle, könne nach den Grundsätzen unserer(?) Kircke auf dem Wege der Christenlehren und Predigten in katholischenKirchen erreicht werken. Versammlungen für diesen Zweck in nichtkirch-lichcn Gebäuden zu gestatten, sey gegenwärtig der Zeitpunct um so weni-ger vorhanden, als der Verein nach seinem Programme auch politischeZwecke verfolge, daher sehr leicht in diesen Verein sich Pharisäer (!) ein-schleichen könnten, welche unter der Maske der Beförderung des Glaubenspolitische Glaubenslehren verbreiten könnten, welche der öffentlichen Ruheund Ordnung nachteilig werden könnten. Für seine Thätigkeit bedürfe derVerein dieser Versammlungen in Privathäusern auch darum nicht, weil er (?)durch die dem Vereine einverleibte gutgesinnte katholische Geistlichkeit dasWort GotteS in Seinem (?) Hause spenden lassen (?) könne." Der VorstanddeS Vereines ist katholisch genug, um die Zumuthung im letzten PassuSvon sich abzulehnen: „daß eS lhm zustehe, durch den Klerus im HauseGotteS daS Wort GotteS spenden zu lassen." Er will keinen Eingriffmachen in die Rechte deS Bischofs, will aber auch sich nicht als .phari-säischer" Verein verdächtiget wissen. Dieser PassuS insbesondere hat diesämmtlichen VereinSglieder auf'S tiefste verletzt; und eS steht ein feierlicherProtest zu erwarten, weil der Verein auch, nach Aufhebung deS Bela-gcrungSzustandeS, sein Wirken in der Zuknifft hierdurch verdächtiget sieht.So verfährt ein geistlicher Vater mit seinen Kindern, und eS darf Sienickt Wunder rühmen, wenn unter Laien und Geistlichen kaum Ein Herzmehr in kindlicher Liebe ihm entgegenschlägt. In kürzester Zeit wird daSOrdinariat von Wien und St Pöllen, ihrem offen vor der Welt ausge-sprochenen Principe gemäß, als vereinzelter Kämpfer auf der WahlstättedeS Bureaukratismuö dastehen; denn KlcruS und Laien sehnen und ringen
nach Freiwerdung aus den papiernen Fesseln. Mag dann immerhin einehohe kirchliche Person sich wegwerfend äußern: „Man könnte diese Leute da(vr. Brunner und Konsorten d. h. die absolute Majorität deS Klerus)suspenviren, wenn man wollte!" — Eine erfreuliche Erscheinung, unerachtetdeS angelegten Hemmschuh'S, ist die sich mit jedem Tage steigernde Abon-nentenzahl auf den VolkSsreund, das Organ deS Katholiken-VereineS; siebeläuft sich im Augenblicke bereits gegen fünfthalb Tausend. — Zur allge-meinen Freude hat Kanonikus Veilh am ersten Fastensonntage die Kanzelin der Pfarrkirche am Hof bestiegen, und läßt als ein zweiter Paulus inseinen Fastenvorträgen den Wienern die Schärfe seines zweischneidigenWortes fühlen. Nach seinem Vorbilde wirkt auch der durch und durchkatholisch gesinnte niedere Klerus, auf den die Worte der Apostelgeschichteihre Anwendung finden Kap 5. V. 41.: „Sie gingen freudig vom Ange-sichte deS hohen Rathes hinweg, weil sie gewürdiget wurden, um deSNamen Jesu willen Schmach zu leiden, und sie hörten nicht auf, täglichim Tempel und m den Häusern*) zu lehren und Christum Jesum zu ver-kündigen." — Ihr /X Korrespondent auS Wien ist, wie schon öfter, auchdießmal übel berichtet, wenn er Ihnen von der „ersten" konstitutionellenEhe eines gewissen Schuhmachers Lewisch erzählt; der Lloyd widerlegt diesesGerücht, welches durch mehrere hiesige Blätter cursirt, und schon an derStirne daS Brandmal der Lüge trägt, auS dem Munde des Hrn. Pfarrersin der Leopoldstadt, der den benannten Hrn. Lewisch auf seine Anfrage:ob er bei Lebzeiten seiner Gattin mit einer andern Person eine Ehe alsKatholik eingehen könne, ganz natürlich dahin beschtev: „Nach christkatholi-schen Grundsätzen sey dieß platterdings unmöglich. Von einer Civil-Ehekönnte nach diesen Vorbegriffen nur durch Intervention deS SchmiveS vonGretna-Green eine Rede seyn."
C o b l e n z.
Koblenz, 4. März. Der Hochwürdigste Herr Bischof vr. WilhelmArnoldi von Trier ist gestern nach Köln abgereist, wo er mehrere Tageverweilen wird. Wie man mit Bestimmtheit versichert, findet in diesenTagen in dem Hause unseres Hochwürdigstcn Herrn Erzbischofs Johannesv. Geissel eine Versammlung der Rheinischen Bischöfe statt, in welcher wich-tige Angelegenheiten besprochen werden sollen. Unter Ander,» sagt man,daß die Abhaltung von Dwcesansynoden als eine bald möglichst einzufüh-rende Angelegenheit dort berathen werde und man will auS sicherer Quellewissen, daß der Hochwürdigste Bischof von Trier demnächst die Geistlichkeitder Diöcese zu einer vorläufigen Besprechung um sich versammeln werde.
PiuSverein e.
Fulda, 8. März. In der am 6. dieses Monats dahicr abgehal-tenen Versammlung deS Piusvereincs kam auch die Bildung der Ober-Schulcommission zur Sprache, und allgemeiner Unwille gab sichgegen die jeden Katholiken verletzende Zusammensetzung jener Behörde kund.Die Versammlung faßte den Beschluß, in einer energischen Adresse gegendie jetzige Zusammensetzung der Oberschulcommission zu protestiren und andas Ministerium die Forderung zu stellen, daß es unter die Mitgliederjener Commission zwei Katholiken und zwar 1) den jedesmaligen Pfarrerund Landdecbanten zu Kassel , 2) den Inspektor der höher» Gewerbschulezu Kassel vr. I. Hehl, einen sehr wackern und entschiedenen Mann,aufnehme. Zugleich soll der PiuSverein in Fritz lar aufgefordert werden,eine Adresse in gleichem Sinne zu erlassen.
»
Augsburg , 15. März. DaS obige „Sendschreiben deS katholischenVereinS zu Oggersheim und Umgegend an den PiuSverein in Augsburg "wurde letzterem in seiner gestrigen allgemeinen Versammlung mitgetheilt,worauf die Anwesenden ihren katholischen Brüdern in der Pfalz ein feurigesLebehoch ausbrachten. Auf Mitrhulung deS Vorsitzenden über den Standder OggerSheimer Angelegenheit, daß nämlich durch Regierungörescript dieMinoriten in Oggersheim aufgefordert worden seyen, ihre Selbstauslösunganzubahnen, daß aber eine kräftige Petition von den Katholiken der Pfalz an Se. Majestät zur Wahrung ihrer Rechte abgegangen sey, beschloß maneinstimmig, sich dieser Petition in einer Eingabe an Se. Majestät anzu-schließen.
') Die Apostel haben, wie es scheint, es u cht für überflüssig gehalten, auch außerdem Tempel da« Wort Gottes zu lehren.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen,
Verlags-Inhaber: F. E. Kremer.