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Neunter Jahrgang.
12
L5 März L84S.
Römische Zustände.
Der Prostaatssecrctär, Cardinal Antonelli, hat im Namen desheiligen VaterS folgende Erklärung erlassen, welche die wichtigsten Ereig-nisse in kurzer Zusammenstellung, mit Berücksichtigung der Stellung deSheiligen VaterS zu denselben, enthüll.
Gasta, 18. Februar 1849.
Seit Seinem Antritt deS PontificatS hat Se. Heiligkeit nur im Augegehabt, alle Seine Unterthanen mit zeitgemäßen Wohlthaten zu überhäufen,indem Er vor Allem für ihr Wohl sorgte. In der That, nachdem ErWorte der Vergebung für die gesprochen, welche in Folge politischer Ver-brechen entweder deS Landes verwiesen waren oder im Kerfer schmachteten;die Staatsconsulta errichtet und den Ministerrath eingesetzt; bei der gebie-terischen Macht der Umstände die Errichtung der Civica und daS neueGesetz über anständige Freiheit der Presse, endlich ein Fundamentalstatutfür den Kirchenstaat genehmigt, hatte Er wohl das Recht auf jene Dank-barkeit, welche Unterthanen einem Fürsten schulden, der sie nur alS seineKinder ansieht und ihnen eine Herrschaft der Liebe versprach. Aber sehrverschieden war die Erwiderung so vieler Wohlthaten und Zugeständnisse,womit Er sie überschüttet. Nach kurzew^Kundgebungen dee Zufriedenheit,von jenen angeregt, welche schon damals die strafbarsten Gesinnungen imHerzen hegten (Kundgebungen, deren Aufhören der heilige Vater mit allenvon Seinem väterlichen Herzen Ihm eingegebenen Mitteln zu erhaltenstrebte), erntete Er bald die bitteren Früchte des Undanks. Als eine zügel-lose Partei Ihm Gewalt anthat, um Ihn zu einem Kriege mit Oesterreichzu bewegen, mußte Er in dem Konsistorium von, 26. April v. I. eineAllocution halten, in welcher Er der ganzen Welt erklärte, Pflicht undGewissen verböten Ihm, darein zu willigen. Das reichte hin, die vorbe-reiteten Umtriebe zu offener Gewalt gegen die Ausübung Seiner freien undvollen Macht ausbrechen zu lassen, indem eS Ihn zwang zur TheilungdeS StaatSministeriumS in ein geistliches und weltliches, eine Theilung,welche Er niemals anerkannt hat.
Gleichwohl hoffte der heilige Vater, indem Er an die Spitze derMinisterien fähige und ordnungsliebende Männer stellte, daß die Dingeeine bessere Wendung nehmen und die Uebel, welche schon so vieles Elendweissagten, sich theilweise würden aufhalten lassen. Aber ein mörderischerStahl, gezuckt von der Hand eines Mörders, vernichtete die Hoffnungen,welche Er gefaßt. Dieses zu einer glorreichen Handlung erhobene Ver-brechen eröffnete unklug die Herrschaft der Gewalt, der Quirinal wurdeumringt von Bewaffneten, man versuchte ihn einzuäschern, feuerte Flintenauf die Gemächer ab, wo der heilige Vater sich befand und Er hatte denSchmerz zu sehen, daß einer Seiner Secretäre davon daS Opfer wurde.Endlich wollte man seinen Palast mit Kanonen beschießen und mit offenerGewalt Hineindringen, wenn Er nicht in die Zulassung deS Ministeriumswilligte, welches man Ihm aufdrängte.
Nachdem der heilige Vater in Folge einer Reihe eben so schauder-hafter Thaten, wie die Welt weiß, der Gewaltherrschaft unterliegen mußte,sah Er sich zuletzt in die harte Nothwendigkeit versetzt, Rom und denKirchenstaat zu verlassen, um jene Freiheit wieder zu erlangen, die Ihmgeraubt war und deren Er genießen muß zur vollen Ausübung Seinerhöchsten Gewalt. Dank der Fürsehung zog Er sich nach Gasta zurückund fand dort die Gastfreundschaft eines ausgezeichnet katholischen Fürsten. Dort, umgeben von einem Theile des heilige» Kollegiums und den Ge-sandten aller Mächte, mit denen Er in freundlicher Beziehung steht, zögerteEr keinen Augenblick, Seine Stimme vernehmen zu lassen und durch Pon-lifical-Act vom 27. November letzthin die Motive Seiner zeitweiligen Tren-nung von Seinen Unterthanen und die Nichtigkeit und Ungesetzlichkeit allervon dem durch Gewalt eingesetzten Ministerium ausgegangenen Acte zu
verkündigen, und ernannte eine NegierungScommission, damit diese die Lei-stung der öffentlichen Angelegenheiten während seiner Abwesenheit aus dem! Staate übernehme.
^ Ohne Seinem Willen Rechnung zu tragen, suchten die Urheber dieser! ruchlosen Gewaltthaten Seine Macht bei den ungebildeten Classen noch zu! verkleinern, und schämten sich nicht, noch größere Attentate zu begehen,lindem sie sich Rechte anmaßten, die nur dem Souverain zustehen und eineungesetzliche stellvertretende Regierung unter dem Namen einer provisorischenund höchsten StaatSjunta einsetzten. Durch einen andern Act vom 17. Dec.letzthin protestirte der heilige Vater gegen diese neue und schwere Ruchlosig-keit, indem Er verkündigte, diese StaalSjunia sey nur eine Usurpation derhöchsten Gewalt und könne folglich durchaus keine Autorität besitzen.
^ Er gab sich der Hoffnung hin, daß dieser Protest Seine verirrten! Unterthanen zu ihrer Pflicht und Treue zurückrufen würde; aber ein neuerund schmählicherer Act offenbaren Frevels, vollständiger Rebellion, vollen-dete Seine harte Prüfung. ES war dieß die Zusammcnberufung der all-gemeinen Nationalversammlung der römischen Staaten zur Bildung neuerpolitischer Formen für die Staaten deS römischen Stuhles. Hier nunprotestirte Er mittels eines andern niotu propri« vom 1. Jan. gegen diesenA.-t »nd verdammte ihn alS einen gehässigen und gotteöräubcriseben Angriffauf Seine Unabhängigkeit und Seine Souveränctät, verpönt sowohl durchgöttliche als menschliche Züchtigungen, und verbot Seinen Unterthanen dieTheilnahme daran, sie verwarnend, daß Jeder, der eS wage, Seine welt-liche Oberherrschaft anzugreifen, die Censur und die große Ercommunicatioirverwirken würde, eine Strafe, die Alle treffen würde, welche unter irgendeinem lügenhaften Verwände Sein Ansehen verletzt oder sich angemaßthätten. Und wie ward von der anarchistischen Partei dieser Protest unddiese verhängnißvolle Verdammung aufgenommen! Es genügt zu erinnern,daß alles Mögliche geschah, um deren Bekanntwerden zu hintertreiben.Man drohte demjenigen mit schweren Strafen, der eS wagen würde, daSiVolk davon zu unterrichten und der nicht den Absichten der Anarchisten! willigen Vorschub leihe. Jedoch trotz dieser unerhörten Schandthaten blieb!vie Mehrzahl der Unterthanen ihrem Souverän treu, setzte sich lieber allenOpfern, selbst denen deS eigenen Lebens auS, als ihren Pflichten als Un-terthanen und Katholiken untreu zu werden. Noch mehr erbittert durch dieGefahr, ihre Plane vereitelt zu sehen, verdoppelte die Anarchistenpartei auf> tausenderlei Art ihre Schändungen und Drohungen ohne irgend welcheRücksicht auf Rang und Stellung, sondern einzig um zu jedem Preise daSUebcrmaaß ihrer Niederträchtigkeit zu erreichen, und griff dabei sogar zudem schändlichsten Mittel der Bestechung. Von Erceß zu Erceß gehend,mißbrauchten sie selbst die durch den heiligen Vater zugestandenen Wohl-thaten, indem sie die Freiheit der Presse biö zur größten Zügellosigkeitbenutzten.
Nach Begehung der schändlichsten Unterschleife zur Belohnung ihrerHelfershelfer und zur Beseitigung der braven und eingeschüchterten Leute,— nach so vielen Mordthaten, die unter ihrem Schutze begangen sind,nach Verpflanzung deS Aufruhrs, der Sitteulosigkeit und der Irreligiositätnach allen Seiten hin, — nach Verführung der unerfahrenen Jugend,ohne selbst die öffentlichen Lehrgebäude zu schonen, indem man solche zurAusnahme der verlaufenen Militärsöldlinge herabwürdigte, wollen die Anar-chisten die Hauptstadt der katholischen Welt, den Sitz deS obersten Kirchen-sürsten in einen Pfuhl der Gottlosigkeit verwandeln; indem sie, wenn'Sihnen gelänge, daS oberhirtliche Ansehen gegen Denjenigen, der von derVorsehung zur Leitung der über daS Weltall verbreiteten Kirche eingesetzt!ist, schändeten, indem sie Ihn der weltlichen Macht entsetzten, mit der Erals Patrimonium der Kirche zur Ausübung Seiner Obergewalt über dieganze Kirche angethan ist. Wie sollte so vielen Verwüstungen und Mord-thaten gegenüber daö Herz des heiligen VaterS nicht tief ergriffen seyn!