Ausgabe 
9 (25.3.1849) 12
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Dasselbe ist aber auch zu gleicher Zeit mit Besorgniß erfüllt bei dem Hilfe-ruf Seiner treuen Unterthanen, die Ihn beständig um Seinen Schutz gegendie wilden Tyrannen anflehen.

Bekanntlich richtete Se. Heiligkeit kurze Zeit nach Seinem Eintreffenin Gaöta am 4. Dcc. v. I. Seine Stimme an alle Ihm befreundetenFürsten. Mit der Nachricht von Seiner Entfernung auS Seiner Resivenz^und den päpstlichen Staaten unter Mittheilung der hierzu Ihn bestimmtehabenden Gründe, rief Er ihren Schutz zur Vertheidigung der Rechte deS-heiligen Stuhles an. ES ist für Ihn eine angenehme Befriedigung, kund-geben zu können, daß Alle auf Sein Ansuchen liebevoll geantwortet, Ihm!die lebhafteste Theilnahme zu erkennen gegeben und die Versicherung aus-gesprochen haben, zu Seinen Gunsten einschreiten zu wollen, während sieIhm die wärmsten Gefühle persönlicher Ergebenheit und Zuneigung bezeu-gen. In Abwartung dieser glücklichen und großmüthigen Maaßnahmenund indem Ihre Majestät die Königin von Spanien mir so vieler Will-fährigkeit einen Congreß der katholischen Mächte veranlaßt hat, um sichüber Mittel zu vereinigen, wie Se. Heiligkeit unverzüglich in Ihre Staa-ten und in Ihre volle Freiheit und Unabhängigkeit wieder einzusetzen sey,zu welchem verschiedene Mächte ihre Zustimmung bereits ertheilt haben,und welche von andern zu erwarten steht, ist es betrübend, wahrnehmenzu müssen, daß die päpstlichen Staaten einer vollen ZerstörnngSwuth preis-gegeben sind, von welcher die Partei der Auflösung aller gesellschaftlichenZustände besessen ist, und welche unter dem Vorwande der Aufrechthaltungder Nationalität und der Unabhängigkeit nichts unterläßt, um den Gipfelihrer Schandthaten zu erreichen. Das sogenannte Grundgesetz, welches vonder römischen Costilncnte am 9. Februar decretirt worden ist, bildet einenAct des alle Gränzen überschreitenden Frevels und der scheußlichsten Gott-losigkeit. Man erklärt den Papst darin thatsächlich und rechtlich all' Seiuer weltlichen Macht über die römischen Staaten verlustig, man ruft darindie Republik auS, und in einem andern Acte decretirt man die Vernich-tung der Wappen des heiligen Vaters. Angesichts solcher VerhöhnungSeiner obersten Würde als Kirchcnfürst und Souverän legt Se. HeiligkeitVerwahrung ein gegen diesen Frevel bei allen Regierungen, bei allen Völ-kern und bei allen Katholiken der ganzen Welt. Wenn nicht unver-züglich diesem Zustande abgeholfen wird, so könnte eS leicht eintreffen,daß die Hilfe erst dann gebracht würde, wenn die Kirchenstaaten bereitsOpfer ihrer grausamsten Feinde geworden und in Asche aufgegangen seynwerde».

Der heilige Vater hat gegenwärtig alle ihm zu Gebote stehendenMittel erschöpft und sieht sich, gegenüber der katholischen Welt, durch seinePflicht genöthigt, das Erbthcil der Kirche und die daran geknüpfte Sou-veränelät zu wahren, da solches unerläßlich für Aufrechrhaltung SeinerFreibeit und Seiner Unabhängigkeit als oberstes Haupt der Kirche ist.Gerührt von den Klagen Seiner treuen Unterthanen, welche laut um Hilferufen, und um sie dem eisernen Joche der Tyrannei, das sie nicht längertragen können, zu entreißen, wendet er sich von neuem an die fremdenund beschidcrS an die kachvlischen Mächte, welche mit so viel Großmut!)!und auf so glänzende Weise ihren festen Willen ausgesprochen haben, Seine!Sache zn vertheidigen. Er hat die Gewißheit, daß sie mit Eifer zusam^menwirken werden, Ihn durch ihre moralische Intervention auf Seinen!Stuhl und in die Hauptstadt Seines StaateS wieder einzusetzen, der zur!Aufrechterhaltung Seiner vollen Freiheit und Unabhängkeit durch die Fröm-!migkcil gebildet worden, und der Ihm durch die Verträge, welche die!Grundlage deö europäischen öffentlichen Rechtes bilden, gewährleistet wor-!den ist. Und weil Oesterreich, Frankreich, Spanien unvdaSKönigreich beider Sicilien durch ihre geographische Lage im Standesind, mit ihren Armeen im Kirchenstaate die durch eine Horde Aufrührergestörte Ordnung nachdrücklich wieder herzustellen, so ruft der heiligeVater, im religiösen Interesse dieser mächtigen Töchterder Kirche, mit vollem Vertrauen ihre bewaffnete Inter-vention an, um vor allem den Kirchenstaat von der Partei dieser Elen-den, welche dort durch alle Arten von Verbrechen den schändlichsten Despo-tismus ausüben, zu befreien.

ES ist dieses das einzige Mittel, die Ordnung im Kirchenstaatewieder herzustellen, und dem Papste die freie Ausübung Seiner Oberherr-schaft zurück zu geben, wie eS Sein geheiligter und erhabener Charakter,die Interessen der allgemeinen Kirche und der Frieden der Völker gebie-terisch verlangen. So nur kann Er das Erbtheil, welches Er bei Ueber-,nähme deö PontificatcS empfangen, bewahren, um Seinen Nachfolger»!in seiner Unversehrtheit hinterlassen zu können. ES ist die Sache der Ord-!nung und des Katholicismus. Der heilige Vater gibt sich deßhalb der!Hoffnung hin, daß, während alle Mächte, mit welchen Er in freundschaft-!Ilcher Beziehung steht, und welche in der Lage, worin Ihn eine anarchi-!sche Partei versetzt, Ihm so oft ihre lebhafte Theilnahme bekundet haben,

der bewaffneten Intervention, welche die Schwere der Ereignisse Ihn an-zurufen zwingt, einen moralischen Beistand leisten werden, die vier bezeich-neten Mächte nickt einen Augenblick verlieren, das Werk, welches Ervon ihnen verlangt, zu vollenden, und sich um die öffentliche Ordnungund um die Religion verdient zu machen. (Sion.)

Fasten-Hirtenbrief des Hochwürdigsten Herrn CrzbischofSHermann von Freiburg .

Hermann von Vicari , durch GotteS und des heiligen apostoli-schen Stuhles Gnade Erzbischof von Freiburg , Metropolit der oberrheini-schen Kirchenprovinz :c. rc. beim Beginne der heiligen Fastenzeit allenGläubigen seiner Erzdiöcese Gruß und Segen von Gott dem Vater undJesu Christo!

Geliebteste! Der heilige Apostel Paulus redete bei seinem Verwei-len zu Athen , wo sein Geist in ihm sich ereiferte bei der Wahrnehmung,daß die Stadt der Abgötterei ergeben war, auf dem Arcopag die Versam-melten also an:Athener ! ich sehe, daß ihr in allen Dingen, ich möchtesagen, übergläubig seyd. Denn als ich umherging, und eure Götterbildersah, fand ich auch einen Altar, auf dem geschrieben stand: Dem unbe-kannten Gott. Was ihr nun, ohne eS zu kennen, verehret, das ver-kündige ich euch." (Apvstelg. 17, 16 ff.) In einer ähnlichen Lage, wiedamals der heilige Apostel, befinden auch Wir Uns, wenn Wir daS Lebenund Treiben eines großen Theiles der Menschen betrachten. Ein neuesHeidenthum hat sich vieler Gemüther bemächtigt. Den eiteln Götzender Zeit eilen die armen verblendeten Sterblichen zu, weihen ihnen ihrHerz, stehen mit Leib und Leben für sie ein, preisen sie sich gegenseitig anund setzen auf sie all' ihre Hoffnung. Unbekannt ist Vielen gewordender wahre und lebendige Gott,der die Welt gemacht hat undAlles, was darin ist, der des Himmels und der Erde Herr ist, der AllemLeben gibt und Odem und Alles; in dem wir leben, und unS bewegenund sind," der in Christo Jesu, Seinem eingebornen Sohn, die Welterlöset,und den Menschen verkündigt, daß Alle überall Ruße thun sol-len: denn er hat einen Tag bestimmt, an welchem er den Erdkreis richten

wird nach Gerechtigkeit durch Jesum, den er dazu bestellt, und Allen als

glaubwürdig dargethan hat, incem er ihn auferweckte von den Todten."(Apostelg. 17, 24 ff.)

Geliebteste! Verhehlen Wir es Uns nicht, es drängt sich UnSim Hinblick auf die gewaltigen Erschütterungen, unter denen im Augen-blicke unser Vaterland erbebt, und nach den so vielen herben Erfahrungendes verflossenen JahreS, ungeachtet der nie aufgegebenen Hoffnung, daß

am Ende noch Gutes und Besseres errungen, und auch das Böse zum

Guten sich wenden, und daß namentlich nach einer Zeit herben Kampfesund bitterer Leiden das Kreuz Jesu Christi , und vie Braut deS Lammes,die heilige Kirche, neuen Sieg und neuen Triumph zum Heile der Men-schen feiern werde, eS drängt sich Uns, sagen Wir, bei dem allge-meinen Ueberblick unserer Zustände, die höchst traurige Wahrnehmung auf,daß ein neues Heidenthum eines Theiles der Menschheit sich bemächtigthabe, in Folge dessen Viele nicht mehr kennen den lebendigen Gott,dermehrmals und auf vielerlei Weise einst zu den Vätern durch die Prophe-ten, am letzten zu uns durch den Sohn geredet, welchen Er zum Erbenüber Alles gesetzt, durch den Er auch die Welt gemacht hat: welcher, daer der Abglanz seiner Herrlichkeit und daS Ebenbild seines -Wesens ist,unv durch das Wort seiner Kraft Alles trägt, nachdem er uns vonSünden gereinigt hat, sitzet zur Rechten der Majestät in der Höhe."(Heb. 1,1-3.)

Ja, Wir sehen einerseits eine große Anzahl solcher, welchen im vol-len Sinne des Wortes das Kreuz des Herrn eine Thorheit und ein Aerger-niß (1- -Kor. 1, 23.) ist, welche mit allem Ernst und allem Aufwandihrer Kräfte bestrebt sind, wie sie eS vielfach in seiner sichtbaren Erschei-nung auf Erden weggeräumt, so es auch gründlich aus den Herzen her-auszureißen; andererseits erblicken wir eine große Anzahl solcher, welchemit aller Ruhe und Gleichgiltigkeit solchen Bestrebungen zusehen, und, obauch das Kreuz noch ihr Zeichen ist, so doch nicht zu wissen scheinen, waSsie haben in Christo,in dem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftigwohnet" (Kol. 2. 9.)in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnißverborgen sind" (Kol. 2, 3.),der unS von Gott zur Weisheit gewordenist, zur Gerechtigkeit, Heiligkeit und Erlösung" (1. Kor. 1, 30.), derunser einziger Mittler, Hohepriester und ewige Seligkeit ist; und weil siedieß nicht wissen, so gleicht bei ihnen daS Wort Christi dem Samen aufdem Wege, Jeglichem preisgegeben, dem es gefällt, eS wegzunehmen unddafür des Feindes Samen einzusäen.