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Leider ist nur bei zu Vielen daS böse Werk gelungen, und in Er-füllung ist gegangen, was Paulus an die Römer schreibt: „Nachdem sieGott erkannt hatten, haben sie ihn nicht als Gott verherrlicht, noch ihmgedankt, sondern sie wurden eitel in ihren Gedanken, und ihr unverstän-diges Herz ward verfinstert. Sie vertauschten die Herrlichkeit des unver-gänglichen Gottes mit dem Gleichniß und Bild deS vergänglichen Men-
scheu,. die Wahrheit Gottes mit der Lüge, verehrten und beteten
mehr daS Geschöpf an, als den Schöpfer, welcher gepriesen sey in Ewig-!keit." (Röm. 1, 21 ff.) !
Wie heißen nun aber die eiteln Götzen der Zeit, denen diejenigen!huldigen, welchen der wahre, lebendige Gott ein unbekannter geworden ist?!Viele Götzenbilder fand der heilige Paulus in Athen. Und so sind auchdie Götzen unserer Zeit viele, ja unzählige. Fassen wir einige derselben!schärfer ins Auge! !
Der erste der Götzen, dem Viele huldigen, ist die falsche Weis-!heit der Welt, insgemein die „Aufklärung" genannt, deren Wesen'und Höhepunct ihre Freunde darein setzen, daß sie die Religion Jesu Christi ,wie sie von der katholischen Kirche seil achtzehn Jahrhunderten gelehrt undvon einem Geschlecht zum andern überliefert worden ist, als Finsternißund Unverstand, als Aberwitz und trugvolle Anmaaßung erklären, jeneheilige Religion, welche den Erdkreis erneuert, welche dem menschlichenGeist seine Würde und Schwungkraft verliehen, nach allen Seiten hin sichzu entwickeln und Alles mit der Kraft deS Denkens zu durchdringen, undwelche ihn zur Erkenntniß deS Geistigen und Uebersinnlichen erhoben; jeneheilige Religion, welche die Herrschaft der Regierenden, wie die Freiheitder Untergebenen geheiligt und sie inS rechte Ebenmaaß gebracht, indemsie beide einem höhern Gesetze, jene dem der herablassenden Liebe, diesedem des Gehorsams unterwarf; jene heilige Religion, die unS gelehrtdaß wir alle Eines Vaters sind, dessen Ebenbild wir Alle an uns tragen,daß wir Alle von der Erbschuld befleckte, schwache und sündhafte Sterb-liche sind, für die Alle des Erlösers sühnendes Blut geflossen; jene heiligeReligion, die uns zur höchsten sittlichen Freiheit, zur Freiheit von Irrthumund Sünde erhoben, die unS das Gebot der brüderlichen Liebe und dasder Feindesliebe gegeben, und unS gelehrt, daß Geben seliger sey, alsNehmen, Gehorchen besser, als Gebieten; jene heilige Religion, welchedie Menschenwürde selbst des neugebornen KindeS zur Anerkennung gebracht,es geschirmt und geschützt vor dem traurigen Loos, das in den gebildet-sten Staaten des Alterthums vielen Kindern zugefallen, welche dem Kindeschon den Zugang zur Geistesbildung geöffnet, welche dem Weibe seineWürde und die ihm gebührende Stellung verliehen, die Ehe geheiligt, dieSklavenketten gelöst: kurz darin setzen die Freunde der falschen Aufklärungdie höchste Wissenschaft und Bildung, als Finsterniß und Unverstand, alsAberwitz und trugvolle Anmaßung jene heilige Religion zu erklären, derwir alles Schöne, Große, Erhabene, dessen wir uns erfreuen, verdanken.
Fragen wir" nur die Geschichte, welchem Boden denn die größtenWeisen, Gelehrten, Erfinder und Künstler entsprossen sind, dem Boden dersogenannten Weltweisheit und .Aufklärung," ober dem Boden der Reli-gion, deS Christenthums, der Kirche? Die Geschichte läßt unö hierübernicht in Zweifel. Wem verdanken wir — um nur Einiges zu erwähnen— die herrlichen Dome, die als Symbole unserer heiligen Kirche stetsuns mahnen an die Einheit, Größe und Herrlichkeit derselben, und unsereSeele mit heiliger Andacht und Anbetung Gottes erfüllen? Verdanken wirsie nickt gläubigen und frommen Männern? Was hat die Bauleutebegeistert, diese großartigen Werke aufzuführen? Die Religion, die LiebeJesu Christi , dessen heilige Geheimnisse in diesen Tempeln gefeiert, ja derselbst im heiligsten Sakramente in ihnen wohnen sollte! Amerika , die neueWelt — erinnert euch stets an den frommen Kolumbus. Ja selbst jeneErfindung, die durch die völlige Veränderung des Kriegswesens einengewaltigen Umschwung im Leben der Völker hervorgebracht, ist sie nichtin der einsamen Zelle eines armen Mönches gemacht worden? Im Besitzealles dessen, was die Welt durch Geister, die durch das Christenthum unddurch die Kirche ihre Reife, ihre Stärke, ihre Thatkraft und Ausdauererlangt, empfangen hat, schaut sie nun — in ihrer eigenen Armuth undihrem Bettelstolz — mit verachtendem Blick hin auf die Religion und dieKirche, und will sie als eine Mutier der Finsterniß und der Verdummungverhöhnen und brandmarken. Doch gerade dadurch sprechen sich die, welchesich weise dünken, ihr Urtheil. „DaS Wort vom Kreuze ist Thorheitdenen, die verloren gehen; denen, die selig werden, ist eS Gottes Kraft.Denn cS steht geschrieben: Vernichten will ich die Weisheit der Weisen,die Klugheit der Klugen verwerfen. — Was vor der Welt thöricht ist,hat Gott erwählt, um die Weisen zu beschämen, und das Schwache vorder Welt hat Gott erwählt, um daS Starke zu beschämen: und daS Ge-ringe vor der Welt, und daS Verachtete, und daS, waS Nichts ist, hatGott erwählt, um daS, waö Etwas ist, zu nichte zu machen, damit kein
Mensch sich vor ihm rühme." (1- Kor. 1, 18 — 2». 27 — 29.) ES fälltdem stolzen Sterblichen so schwer: Gott die Ehre zu geben, und zu beken-nen, daß der Allerhöchste die einzige Quelle des Lichtes und der Weisheit,und daß „jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk von oben herabvom Vater des Lichtes ist." (Jak 1, 17.) Darum verwirft man dieWahrheit so, wie sie Gott geoffenbart hat; um sie willkommen zu machen,hüllt man sie in daS Gewand der Irrlehre und Weltweisheit, führt da-durch die Menschen hinweg von der Quelle lebendigen Wassers hin zuCisternen, und bekennt nicht mit dem Apostel: man wolle nichts wissen,als Jesum Christum, und diesen als den Gekreuzigten. Die Rede unddie Predigt, die „in überredenden Worten menschlicher Weisheit" besteht,gefällt mehr, als „die, welche in Erweisung des Geistes und der Kraftbesteht: und doch beruhet der Glaube nicht auf Weisheit deS Mensche»,sondern auf GotteS Kraft." (l. Kor. 2, 2. 4. 5.) „Niemand täusche sichdaher selbst! Wenn Jemand unter euch sich weise zu seyn dünkt in dieserWelt, der werde ein Thor, auf daß er weise werde." (l. Kor. 3, >8.)Dem Götzen der falschen Aufklärung wollen aber Viele nicht entsagen.Wer in den Augen der sogenannten Weltweisen verständig und aufgeklärtscheinen will, der darf nicht gläubig Christi Kreuz umfassen, sondern dermuß gleichgiltig gegen Religion und Glauben thu». Sonst anerkennt manfeste LebenSansichten, Beharrlichkeit in der Behauptung und Anwendungvon Grundsätzen, Ausdauer in der Verfolgung deS einmal vorgestecktenZieles: wer aber die Weisheit GotteS nicht mit der eitel» Weisheit derWelt vertauschen will, wer fest und unerschütterlich zu Dem sich hält, derallein Worte deS ewigen Lebens hat, wer sich stützt auf die Grundfeste derWahrheit, die Kirche, und somit sein Haus bauet auf einen Fels, das,wenn die Winde und die Wogen sich erheben, nicht einstürzet, — derwird — trotz der Freiheit, die man für alles Andere in Ansprnch nimmt,der Blindheit, deS Starrsinns, der Unduldsamkeit beschuldigt und nichtselten mit Schmach und Hohn bedeckt. Alles dieses geschieht, weil manvor dem Götzen der falschen Aufklärung die Kniee beugt und den wahrenlebendigen Gott nicht kennt.
Ein anderer Götze, dem viele Menschen dienen, und der daS Augeihrer Seele so verdunkelt, daß sie nicht mehr erkennen den lebendigen Gott,ist die Habsucht, die unersättliche Gier nach irdischen Gütern, die manals die allein wahren betrachtet, die man auf jedwede Weise zu erhäschenund festzuhalten sucht. Geliebteste! Wie sehr ist in Vergessenheit gerathendaS apostolische Wort: „Wir sehen nicht hin auf daS Sichtbare, sondernauf daS Unsichtbare; denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare istewig" (2. Kor. 4, 18.); und wie wenige bekennen eS, daß „sie Pilgrimmrsind und Gäste nur auf Erden, und ein Vaterland suche», daß sie Bürgerder Heiligen sind und Hausgenossen GotteS" (Hebr . 11,13. Eph. 2 19.),denen es geziemt, mit dem Apostel zu sprechen: „Unser Wandel ist imHimmel, woher wir auch den Heiland erwarten, unsern Herr» JesumChristum." (Phil. 3, 20.) „Den Reichen dieser Welt gebiete," — soermähnt der heilige Paulus seinen geliebten TimotheuS , — „nickt hoch-müthig zu seyn, nicht zu vertrauen aus ungewissen Reichthum, sondernauf den lebendigen Gott, .... Gutes zu thun, reich zu werden an gutenWerken, gerne zu geben und mitzutheilen, sich zu sammeln einen Schahals eine gute Grundlage für die Zukunft, damit sie daS wahre ergreifen."(1. Tim. 6, 17.) Wen erschüttert nicht der Ruf deS heiligen JakobuS:„An dem Tage (der Ankunft des Herrn) weinet und heulet, ihr, die ihrdem Götzen der Habsucht gedienet, die ihr die irdischen Güter nicht alsHauShälter GotteS gebrauchtet, und euren Trost und Frieden in ihnensuchtet, — weinet und heulet über euer Elend, daS über euch kommenwird. Euer Reichthum verfault, eure Kleider sind mottenfräßig, euer Golound Silber ist verrostet und der Rost desselben wird rin Zeugniß widereuch seyn, und wird euer Fleisch fressen wie Feuer. Ihr habt euch SchätzedeS Zornes gesammelt für die letzte Zeit. Siehe, der Lohn der Arbeiter,die eure Felder eingeerntet haben, welcher von euch vorenthalten worden,schreiet: und ihr Geschrei ist zu den Ohren deS Herrn der Heerschaarengedrungen. Ihr habet geprasset auf Erden und in Wollust geweidet eureHerzen bis auf den Tag der Schlachtung. Ihr habt den Gerechten ver-urlheilet und gemordet, und Er widerstand euch nicht." (Jak. 5, 1 — 6.)
(Schluß folgt.)