Ausgabe 
9 (25.3.1849) 12
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Ansprach aus Ehrenämter und besoldete Stellen hatten. Der König Lud«Wig Napoleon, Vater deS jetzigen Präsidenten der französischen Republik,verstand eS doch wohl, ausgezeichnete Männer herauszufinden und zu-gleich mit den Protestanten in ehrenvolle und einflußreiche Stellungen zubringen. Seinem Beispiele folgte auch der Kaiser Napoleon ; indessenging alles dieses in der RestaurationSperiode für die Katholiken wieder ver-loren. Wilhelm 1 von. Nassau und sein Minister van Manen adoptirtenwieder den alten, reactionären Haß der Protestanten gegen die Katholiken;die Frucht dieser traurigen Polink war bald der Verlust deS schönstenTheiles deS Königreiches: denn eine der bittersten Klagen der Belgierwider die ehemalige holländische Regierung stützte sich auf die ungleich-mäßige Vertheilung der Aemter und Stellen, oder die Ausschließung derKatholiken. Die schreiende Parteilichkeit der Regierung zu Gunsten derProtestanten hat aber nicht aufgehört, vielmehr ist das alte System, dieKatboliken auszuschließen, mit Leidenschaft aufrecht erhalten. Währenddie katholische Bevölkerung zur Nichtkatholischen sich ungefähr wie 2 zu 3verhält, steht die Zahl der katholischen Beamten in dem Verhältniß zu denprotestantischen wie 2 zu 25. Man berechnete und bewiest durch Namenund Zahlen, die veröffentlicht, und nicht widerlegt worden, daß von18 Millionen Gulden, welche der Staatsschatz jährlich an Besoldungenund Pensionen den Beamten zahlt, kaum 2 Millionen auf die Katholikenkommen, obgleich dieselben doch über b/g der Gesammtbevölkerung aus-machen. Begreiflicher Weise konnte eine solche, klar in die Augen sprin-gende Ungleichheit die Gemüther nur aufregen. Als nun in Folge derRevolution vom 24. Februar 1848 auch König Wilhelm II. seine Politikim liebevollen Sinne ändern zu müssen glaubte, schloßen sich die Katho-liken dem auS vollen Herzen an, und ihren unablässigen und einstim-migen Petitionen ist eS hauptsächlich zuzuschreiben, daß ein Artikel derneuen Constitution trotz der großen Anstrengung einer Menge Protestanten, in der zweiten und ersten, und nachher in der doppelten Kammerdurchging, der allen Staatsbürgern ohne Unterschied deSGlaubens dieselben Rechte auf sämmtliche Staatsämterzusicherte; so daß er in die jetzige Verfassung aufgenommen. KeinMinister hat sich diesem gerechten Artikel zu widersetzen gewagt, und manglaubte, das Ministerium würde sich nun endlich beeilen, alles, seit lan-gen Jahren den Katholiken Hollands angethane Unrecht wieder gut zumachen. Allein wie sehr hat man sich getäuscht! Unter 75 von den ver-schiedenen Ministern seit 1. Februar 1848 bis 1. Januar 1849 Ange-stellten sind 71 Protestanten, 2 Juden und 2 Katholiken! Es kommen vondiesen Anstellungen allein 17 auf das Ministerium deS Innern, worunter16 Protestanten und 1 Jude. Man schreiet:Die Katholiken sindunfähig." Allein selbst unter den 15 angestellten Schreibern und Kopi-sten ist kein Katholik. Diese schreiende Zurücksetzung hat denn nun zurFolge, daß fast in allen Städten Hollands unter den Katholiken Protesteund Petitionen an den König zur Unterschrift circulircn und große Bethei-ligung finden, worin man sich in scharfen Ausdrücken darüber beklagt, daßbeim Vergeben von öffentlichen Aemtern eine so schreiende, große Partei-lichkeit zum Nachtheile der Katholiken noch immer Statt findet. (Sion.)

Piusvereine.

Köln , 11. März. Der hiesige PittSverein hat eine allgemeine Ver-sammlung sämmtlicher katholischen Vereine in Rheinland und Westfalen für die zweite Hälfte des MonatS April in Köln anberaumt und auSgeschrieben, und beabsichtigt dazu zugleich ausgezeichnete Persönlichkeiten imkatholischen Deutschland einzuladen. Eine solche Versammlung zu gemein-schaftlicher Verständigung und Aufmunterung ist allerdings sehr wünschens-werlh, um so mehr, als hie und dort Elemente in die katholischen Vereinesich Eingang zu verschaffen drohen, welche das ehrende Merkmal derselben,die Katholicität, zu verletzen und in die noch jungen Vereine einen Bruchhineinzutragen Gefahr bieten. Kann man von dem hiesigen Piusvereineauch nicht behaupten, daß er seine Aufgabe vcrkaniu und seiner Bedeutungund Bestimmung, die kirchliche Freiheit vor Allem z» schirmen undzu wahren, nicht entsprochen habe, so hat es doch auch für ihn einzelnegefahrdrohende Momente gegeben, deren Folge freilich nur in der Zurück-ziehung einzelner Mitglieder bestand. Liegt die größte Gefahr für unsernkatholischen Verein gegenwärtig in der die Einzelnen oft so schroff trennen- ^den politischen Frage, so kann vor absichtlicher Besprechung dieser,Fragen im katholischen Vereine nicht genug gewarnt und daS so katholischeKennzeichen leidenschaftlicher Duldung siuo ira <?t stuclio nicht

genug empfohlen werden. Eine andere Befürchtung, daß die katholischen Vereine in den Kreis der Kirchcngewalt und geistlichen Verwaltung sichallmälig eindrängen und über daS, waS der Geistlichkeit lediglich obliegt,ein ernstes Wort mitzureden und gar entgegen zu agitiren sich anmaßenmöchten, scheint mir durchaus unbegründet; vielmehr daS aufrichtige Ver-langen, die geistliche Gewalt möglichst frei und stark zu wissen und diekirchlichen Oberhirten in Erstrebung der kirchlichen Freiheit und Selbststän-digkcit möglichst zu unterstützen, überall durchzuschlagen und offen an denTag zu treten. Und fassen wir uns die Hauptgegner unserer modernenkatholischen Vereine (welchen Namen sie auch führen) scharf und klar inSAuge: wir werden finden, daß eS (außer den offenbaren Kirchenfeindcn)entweder solche Katholiken find, welche die katholische Frage allüberallin den Hintergrund drängen und die materiellen Interessen stets in denVordergrund vorschieben, oder auch solche Geistliche, welche sich in einevolle Unabhängigkeit der Kirche, auS den verschiedensten Ursachen, nichtzurecht finden und mehr oder minder von den verrotteten Josephinischen Ideen noch befangen sind. Durch die Aeußerungen und Machinationenvon diesen beiden Seiten her ist eS denn auch gekommen, daß in gewissenKreisen die PiuSvereine nur mit großem Verdachte und Mißfallen angesehenwerden. Unö scheint vor Allem deßhalb nöthig, daß diese Vereine, beialler Entschiedenheit in katholischen Fragen, iy politischer Beziehung behut-sam, vor Allem aber darauf bedacht seyen, jene sogenannte demokrati-sche Richtung, welcher die Katholiken in der Schweiz und selbst derheilige Vater zum Opfer gefallen sind und.aünoch die bittersten Kirchen-und Religionsfeinde angehören, entschie'nm zu mißbilligen und daS Volk,welches durch die Schlangenr^den dieser rothen Sippschaft so leichtverführt wird, kräftig davon zu warnen. Diese Sippschaft hat hier dieMaSke abgeworfen: in PfennigSblättchen werden die dissolutesten Grund-sätze gepredigt, Lügen und Verleumdungen über den Klerus verbreitet, undEntstellungen der ichamlosesten Art über katholische Bräuche und Gesetzeersonnen, um daS Volk zu dekaiholisiren und zu demoralisiren. Es isthohe Zeit, daß katholischer SeitS die.Unter dem Vorwande der Demokratiegepredigte Auflösung aller christlichen Ordnung und Sitte enthüllt und da-gegen eingeschritten werde mit allen den Christen zuständigen Mitteln. (Kath.)

i Fulda, 16. März. Vom Vorstand des PiuS-VereinS in Fulda ist an den Ausschuß deS PiuS VereinS in RegenSburg folgendes Schreibengerichtet worden:Unsern Gruß und Handschlag zuvor liebe, glaubenS-lreue Brüder in RegenSburg ! ES ist im verflossenen Monate ein Schreibenbei unS eingetroffen, das Eure frcundbrüderlichc Hand ausgesendet hatte,das bei unS mit größter Freude und lautem Beifallrufe aufgenommenwurde. AuS erwähntem Schreiben haben wir ersehen, daß auch in deraltehrwürdigen Donaustadt, wo die Gebeine so vieler Heiligen ruhen, wodie Neuzeit Männer auf dem bischöflichen Stuhle sah, wie G. M. Witt-mann und I. M. von Sailcr, deren Leben so deutlich an die schönstenZeiten der Christenheit ermähnt, daß auch in RegenSburg sich einVerein gebildet hat, der für die Freikeit und Selbstständigkeit unsererheiligen Kirche streiten will, in einer wirren, glaubenslosen Zeit. Wirhaben auch mit besonderem Wohlgefallen die anerkennenden Aeußerungenvernommen, welche der AuSschuß Eures nach dem im Unglücke so stand-haften Vater der Christenheit, Pins IX., genannten Vereines über daSWirken deS Fuldacr VolkSratheS im Sommer 1848 ausgesprochen hat.Die Mitglieder des Vorstandes unseres PiuSvereines haben damals großenTheils in den Reihen jenes VolkSratheS gesessen; was sie mit ihren Ge-nossen im Rathe für Wahrung der Rechte unserer Kirche geleistet haben,daS haben sie als eine Handlung heiliger gebieterischer Pflicht betrachtet,und sich deßhalb nicht beirren lassen durch das Geschrei der glaubenslosenMeute, die mit giftgeschwollener Zunge unsere Kirche lästert von einerMorgenwache bis zur andern. Wohlan denn! liebe Brüder, in der anGlaubenstrost und christlichen LiebeSwerken so reichen, altehrwürdigenRatisbona ! lasset uns gemeinsam Wache halten vor dem Hciligthum derKirche Gottes, Ihr die Hüter bei dem Schreine St. Wolfgang'S, Emmer-am'S und Eberhard's, wir die Wächter bei dem Grabe Winfried'S, deSheiligen Apostels Deutschland ! Eurem Verlangen gemäß übersendenwir Euch die Statuten unseres VereineS, zugleich mit dem Wunsche, daßwir recht oft Gelegenheit finden möchten mit Euch in Verkehr zu treten.Indem wir unS Eurem und deS ganzen katholischen BaycrnvolkeS, daSunS als Nachbar so lieb und Werth ist, frommen Gebete empfehlen,,verbleiben wir

Der Vorstand des Fuldacr PiusvcreincS.^

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.'

Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.