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Neunter- Jahr-gang.
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1. April 184».
Rundschreiben Sr. Heiligkeit Papst PinS H.
An Unsere ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfeund Bischöfe der ganzen katholischen Welt. ^
PiuS IX., Papst. 'Ehrwürdige Brüder! Gruß und apostolischenSegen. Seit Wir, ohne irgenv welch Verdienst, sondern lediglich nachdem unerforschlichen Rathschlusse GotteS auf den erhabenen Stuhl LeSApostelfürsten erhoben, die Regierung der ganzen Kirche übernommen haben,war es UnS, ehrwürdige Brüher, ein überaus großer Trost, daß Wirwußten, wie unter Unserm Vorgänger Gregor XVI. auf dem ganzenkatholischen Erdkreise der glühende Wunsch rege geworden, daß endlich vondem apostolischen Stuhle durch einen feierlichen AuSspruch festgestellt werde,daß die heiligste GotteSgebärerin, unser Aller geliebteste Mutter, die unbe-fleckte Jungfrau Maria., ohne dll Makel der Erbsünde empfangen wordensey. Dieser wahrhaft fromme Wunsch ist sonnenklar ausgesprochen in dendringendsten Bitten, welche sowohl an Unseren Vorgänger, als an UnSselbst ergangen, und in welchen die ausgezeichnetsten Bischöfe, hochgeachteteCollegiatstifte. die OrdenSfamiliew, besonders der Predigerorden, gleichsamim Wetteifer UnS angingen, daß in der heiligen Liturgie, vorzüglich beider Präfation in der Messe von der Empfängniß der seligsten Jungfrau,der Ausdruck Immaaulsta (die Unbefleckte) öffentlich und feierlich beigefügtwerden dürfe. Diesen Bitten wurde^ von Unserem Vorgänger und UnSauf das Bereitwilligste Gewähr gegeben. Ehrwürdige Brüder! Viele ausEurer Mitte haben iminer dringender und Inständiger an Unseren Vorgänger und an UnS sich gewendet, daß Wir eS als Lehrsatz der katholischenKirche feststellen möchten, die Empfängniß der seligsten Jungfrau Mariasey unbefleckt und gänzlich frei von jedem Makel der Erbsünde gewesen.Auch fehlte eS in dieser Zeit nicht an Männern, welche, ausgezeichnet anGeist, Tugend, Frömmigkeit und Kenntnissen, in gelehrten und gediegenenSchriften ein solch Helles Licht über diese Frage und diese fromme Meinungverbreitet haben, daß nicht wenige sich gewundert haben, warum der hei-ligsten Jungfrau von der Kirche und dem apostolischen Stuhle diese Ehrenicht zuerkannt worden, welche die allgemeine Andacht der Gläubigender heiligen Jungfrau von der Kirche und dem heiligen Stuhle feierlichzuerkannt zu wissen wünscht.
Mit großer Freude und Wonne erfüllten UnS diese Wünsche, daUnS selbst, von frühester Jugend an, nichts so lieb und werth war, alsmit besonderer, kindlicher Andacht, aus ganzem Herzen die seligste Jung-frau Maria zu verehren und Alles zu fördern, waS ihr zum Lob undPreis gereicht und wodurch ihre Verehrung mehr und mehr verbreitet wer-den könnte. Darum haben Wir auch von, Anbeginn Unseres PontificatSmit regstem Eifer auf einen Gegend so hoher Wichtigkeit Unsere Sorgenund Gedanken mit Ernst gerichtet, und ohne Unterlaß Unsere demüthigenund glühenden Gebete zu Gott dem Allmächtigen gesendet, damit Er mitdem Lichte seiner himmlischen Gnade UnS erleuchte und Wir erkennenmöchten, was in dieser Angelegenheit von UnS zu thun sey. Wir stützenUnS aber vor Allem auf die Hoffnung, daß die seligste Jungfrau, „welchedurch die Größe ihrer Verdienste über alle Chöre der Engelbis zum Throne GotteS erhoben worden" (8. 6regc>r. ksp.,äs expo8itiono, in lib Reg.), welche mit dem Fuße der Tugend den Kopfder alten Schlange zertreten, und welche, gestellt zwischen Christusund die Kirche (8. Lernsrä 86I-M. in eap. XII. Kpo»aI^p8.), voll derGnaden und ganz lieblich, allzeit daS christliche Volk aus den drohendstenGefahren gerettet, den Nachstellungen und Angriffen aller Feinde entrissenund vom Untergänge befreit, auch UnS ihre liebevolle Muttersorge zuwen-den, und durch ihre unablässige und überaus mächtige Fürsprache bei Gotterflehen werde, daß er diese so traurigen und beklagenSwerthen Trübsale,diese so bittere Angst uud Noth, die Geißel seines Zornes, welche wir umunserer Sünde willen verdient haben, abwende, und daß Er die furcht«
baren Stürme, die allerwärtS zu Unserem tiefsten Schmerze gegen dieKirche sich erheben, bändigen und b rühigen, und Unsere Trauer in Freudeverwandeln wolle. Ihr wisset gab wohl', ehrwürdige Brüder, daß all'unser Vertrauen auf die heilige Jungfrau gesetzt ist; denn in Mariahat Gott die Fülle aller Güter niedergelegt, so daß, wennfür uns Hoffnung, Gnade, Heil bereitet, wir wissen mö-gen, daß eS nur durch Maria vermittelt ist, . . . weil alsoder Wille Dessen, welcher will, daß wir Alles durch Mariaerhalten (8. Illrimrä. in nstivit. 8. Lloriau da ^gnaocluetu).
Wir haben nun einige durch Frömmigkeit und theologische Wissen-schaft ausgezeichnete Männer des geistlichen Standes, und eine bestimmteAnzahl Unserer ehrwürdigen Brüder, der Cardinäle der heiligen römischenKirche, hervorragend durch Tugend, Religiosität, Umsicht, Klugheit undKenntniß der göttlichen Dinge, ausgewählt und ihnen aufgetragen, mitihrer Klugheit und Wissenschaft diesen so sehr wichtigen Gegenstand nachallen Seiten hin auf daS Sorgfältigste zu erörtern und sodann ihre An-sicht mit möglichster Gründlichkeit UnS kund zu machen. In allem Diesemglaubten Wir in die herrlichen Fußstapsen Unserer Vorgänger einzutretenund ihrem Beispiele nachzufolgen.
Wir haben ferner dieses Schreiben an Euch gerichtet, ehrwürdigeBrüder, um Eure Frömmigkeit und Eure bischöfliche Sorgfalt auf dasDringendste aufzufordern, daß jeder von Euch in seiner Diöcese nach eige-nem Ermessen öffentliche Gebell anordnen und abhalten lalle, damit dergnädige Vater der Lichter daS himmlische Licht seines göttlichen Geistesüber Uns auSgieße, durch den Hauch von oben UnS anzuwehen würdige,und Wir einen solchen Entschluß fassen, durch welchen seines NamcnSgrößere Ehre, daS Lob der seligsten Jungfrau und der Nutzen der streiten-den Kirche gefördert würde. Wir wünschen aber auch dringend, daß Ihrin möglichst kurzer Frist UnS Kunde geben möget von der Andacht, welcheEuer KleruS und Euer gläubiges Volk gegen die unbefleckte Empfängnißder heiligen Jungfrau hegt, und wie das Verlangen sich kund gebe, daßdiese Angelegenheit vom apostolischen Stuhle entschieden werde; besondersmöchten Wir aber auch Eure Wünsche in Betreff dieser Sache in Erfah-rung bringen. Und wie Wir bereits dem römischen Klerus die Erlaubnißertheilt haben, die kanonischen Hören von der Empfängniß der seligstenJungfrau, wie sie erst jüngst zusammengestellt und in Druck gegeben wor-den, anstatt der im gewöhnlichen Brevier enthaltenen in Gebrauch zunehmen, so ertheilen Wir Euch, ehrwürdige Brüder durch dieses Schrei-ben die Vollmacht, dem Klerus Eurer Diöcese dieselbe Erlaubniß zu ertheilen,welche Wir dem römischen Klerus ertheilten, ohne daß eS deßhalb noch einerbesonderen Anfrage an UnS oder Unsere Longregstio 8gerorum rituum bedürfte.
Wir zweifeln nicht im Geringsten, ehrwürdige Brüder, daß eS Euchbei Eurer besonderen Verehrung gegen die heiligste Jungfrau eine Freudeseyn werde, diesen Unseren Wünschen mit aller Sorgfalt und allem Eifernachzukommen und UnS die nöthige Auskunft balligst zuzusertigen. Fürjetzt aber empfanget, als Unterpfand der himmlischen Güter, als besonderenBeweis Meines Wohlwollens gegen Euch, den apostolischen Segen; auSinnigstem Herzen ertheilen Wir ihn Euch selbst, ehrwürdige Brüder, undallen Priestern und Laien der Euch anvertrauten Diöcesen.
Gegeben zu Gaöta, 2. Februar 1849. Unseres PontificateS imdritten Jahre. PiuS IX. k. k.