Ausgabe 
9 (1.4.1849) 13
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Hiel und Ende derselben erfassen und verstehen. O Verblendung der Mcn-chen, welche die sichtbaren Dinge, statt zur Verherrlichung Gottes undzum Heil der Seelen, durch Mißbrauch, durch abgöttische Liebe zur Schän-dung deS heiligsten Namens und zum ewigen Verderben anwenden; darumseufzen alle Geschöpfe" (Röm. 8, 22.), denn durch den Mißbrauchwer-den die irdischen Dinge auS Geschöpfen GotteS zu Gräueln, zur Verfüh-rung der Seelen der Menschen, zur Falle den Füßen der Thoren" (Weis-heit 14, 11.). O Verhärtung der Herzen, die eS nicht begreifen wollen,daßdie Gottseligkeit zu allen Dingen nütze ist und die Verheißung hatdieses und deö zukünftigen Lebenö" (1. Tim. 4, 5.), daßdie Gerechtig-keit das Volk erhöht, die Sünde aber der Leute Verderben ist" (Sprüchw.14, 14.), und die es insbesondere nicht fassen, daß die auS Habsucht undGeldgier entsprungene Schändung und Eutheiligung deS Sabbathes undder Feiertage zeitliche und ewige Strafe GotteS über die Frevler herab-zieht, denn der Allerhöchste hat eS geboten:Gedenke, daß du den Sab-bath heiligest:" Gott ist ein heiliger und gerechter Gott, ein Eiferer fürSein Gesetz, der Seiner nicht spotten läßt.Durch die Verstocktheit unddein unbußfertigeS Herz bäufcst du dir Zorn für den Tag deS Zornes undder Offenbarung der gerechten Gerichte GotteS " (Röm. 2, 5.).

Geliebtestc! Gerade durch den Abfall so Vieler von dem Geiste deSChristenthums, daS uns die ewigen Güter allein schätzen lehrt, sind vieletraurige Erscheinungen unserer Tage zu erklären, die größtentheilS in derUnzufriedenheit Vieler mit der Armuth ihre Quelle haben. Wäre derwahre lebendige Gott, den daS Christenthum verkündet, vielen Armen keinunbekannter geworden, so würden sie das LooS der Armuth nicht nur mitzufriedenem Gemüthe, sondern sogar mit einer gewissen Freudigkeit ertra-gen, ferne von ihnen blieb der lüsterne Blick nach dem Eigenthume derAndern, und daS Streben, um jeden Preis sich in den Besitz irdischerGüter zu setzen. Durch das Christenthum sind die, welche nach dem Ur-theile der Welt die Letzten sind, die ersten geworden. Sind denn nicht dieArmen die Erstgebornen der Kirche, wird ihnen nicht vor Allen das Evan-gelium verkündet (Luk. 4, 18.)? öffnet der Heiland auf dem Berge Seinengöttlichen Mund nicht damit, daß er die Armen selig preißt (Math. 5, 3.)?und sagt nicht der Völkerapostel:Sehet auf eure Berufung; nicht vieleWeise nach dem Fleische, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene..... sondern was Nichts ist (vor der Welt), hat Gott erwählt."Hat nicht Gott," so fragt der heilige JakobuS,die Armen in dieserWelt auscrwählt zu Reichen am Glauben und zu Erben des Reiches,Welches Gott denen, die ihn lieben, verheißen hat" (Jak. 2, 5.)? Jaeine erhabene Würde verleihet der Armuth,der mit demüthigem undfrommem Sinn ertragenen Armuth, die Religion deS ErlöserS, derselbst der ärmste unter den Armen geworden, der obwohl Gott sich!selbst entäußerte, KnechtSgcstalt annahm, sich selbst erniedrigte" (Phil. 2,7. 8.), derfür die ihm vorgelegte Freude das Kreuz erduldete, dieSchmach nicht achtete" (Hcbr. 12, 2.), und von sich sagen konnte:DieFüchse haben Höhlen, und die Böget deS Himmels haben Nester; aberder Menschensohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlege" (Luk. 9, 58.).Des ErlöserS Bild wiederstrahlet also am herrlichsten in den Armen, Leiden-den, Gedrückten. In den irdischen Königreichen gibr es Bevorzugte, dieaußerordentlicher Rechte und Ehren sich erfreuen, weil sie entweder durchdie Geburt, oder durch ihr Amt dem Fürsten näher stehen. Der Glanzder Krone strömet auch auf sie über. Die Kirche ist auch ein Reich, dochnicht von dieser Welt; ihr Herr ist auch ein König; dieses KöuigS Kroneist aber eine Dornenkrone, deren Glanz die Leiden, Peinen, Wunden sind.Der Glanz dieser Krone strahlet daher in denen wieder, die da leiden unddulden. Seitdem der ewige König der Glorie mit der Armuth sich ver-bunden, ist sie geadelt; und deßhalb verheißt daS Evangelium Trost denen,die weinen, Nahrung denen, die hungern, ewige Freude, die leiden.Wehe aber euch, ihr Reichen, so ruft der Herr aus, denn ihr habt eurenTrost; wehe euch, die ihr gesättigt seyd, denn ihr werdet hungern; weheeuch, die ihr jetzt lachet, denn ihr werdet trauern und weinen" (Luk. 6,24. 25.). Doch, Geliebtestc, diesesWehe" gilt nur denen, die Götzen-diener ihres Mammons sind; nicht aber denen, die, weil sie Jesum denArmen als ihren Herrn und König anbeten, im Geiste arm sind, die Weltbrauchen, als brauchten sie selbe nicht, ihre» Heiland in den armen Brü-dcrn wiedersehen, und in ihnen den Herrn lieben, deßwegen das Herz derNoth der Leidenden nicht verschließen, sondern eingedenk der Worte:Seligist, der deS Armen und Dürftigen gedenkt: am Tage deö Unglückes wirdihn erretten der Herr" (Ps. 40, 2.), undDeine Sünden tilge durchAlmosen" (Dan. 4, 11.), undSelig sind die Barmherzigen, sie werdenBarmherzigkeit erlangen" (Matth . 5, 7.), sich durch den falschen Mam-mon Freunde erwerben, die sie einst aufnehmen in die ewigen Wohnun-gen" (Luk. 16, 9.). Sehet, Geliebtestc, auch hierin wieder die Würdeder Armuth! Durch die den Armen erwiesene Liebe, durch die ihnen gebrach-

ten Opfer wird der Weg zum Himmel gebahnet, denn also wird sprechender ewige Richter:Kommet, ihr Gesegnete meines VaterS, besitzet daSReich, welches seit Grundlegung der Welt euch bereitet ist. Denn ichwar hungrig, und ihr habt mich gespeiset; ich war durstig, und ihr habtmich getränket; ich war ein Fremdling, und ihr habt mich beherberget;ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet; ich war krank, und ihr habtmich besucht; ich war im Gefängnisse, und ihr seyd zu mir gekommen.

-Wahrlich, sag' ich euch, waS ihr Einem dieser meiner geringsten

Brüder getban habt, daS habt ihr mir gethan" (Matth . 25, 34. 35. 36. 40.).

! Sehet, Geliebtestc, wenn der Gott, den das Christenthum verkün-digt, bekannt ist, lösen sich die Räthsel des socialen Elendes unserer Zeit.Durch den Geist deS Evangeliums wird der Pauperismus in der Wurzelzerstört. Wie auf der einen Seite Zufriedenheit, stilles, gottergebenesDulden die Seele deS christlichen Armen schmückt, so erfüllet brüderlicheLiebe und Erbarmung die Brust deS christlichen Reichen; und so wirdgesteuert der Noth der Besitzlosen, ohne daß ein gewaltsamer Eingriff indaS Eigenthum der Besitzenden gemacht wird.

Ein dritter Götze, in dessen Dienste zahllose Menschen zum Untergangihrer Seelen stehen, ist die Fleisches- und Genußsucht. O furchtbarunersättliche Gier der Feinde des Kreuzes, deren Gott der Bauch ist, ounbeschreibliche Gier nach sinnlichen Genüssen, und daher das Schwindender alten deutschen Häuslichkeit, deS stillen, so freudenreichen Familien-lebens, daher die Weichlichkeit junger kräftiger Leute, die Entwöhnungvon anstrengenden Arbeiten, und eine oft völlig entfesselte Schweigern!Wäre euch der wahre lebendige Gott in Seiner unendlichen Liebenswürdig-keit und Heiligkeit bekannt, ihr würdet gewiß euer Herz ihm nicht ent-ziehen, um eS den schnödesten Genüssen zu überantworten, ihr würdetgewißeure Leiber als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opferdarbringen" (Röm. 12, 1.), dennalle die, welche Christi sind, haben ihrFleisch gekreuzigt sammt den Lastern und Gelüsten" (Gal. 5, 24.) undlassen die Sünde nicht herrschen in dem sterblichen Leibe" (Röm. 6, 12.)Die fleischliche Gesinnung ist Feindschaft wider Gott, weil sie sich demGesetze Gottes nicht unterwirft; welche fleischlich sind, können Gott nichtgefallen" (Röm. 8, 6 ff.)

Gerade hier offenbart sich recht augenscheinlich das neue Heidenlhum:der Abfall von dem lebendigen Gott bringt den menschlichen Geist unterdie Herrschaft des Fleisches. Die geistige Auflehnung gegen den Aller-höchsten endet damit, daß Gott solche treulose Geschöpfeden Lüsten ihresHerzens überläßt, der Unreinigkeit, so daß sie ihre eigenen Leiber schänden"(Röm. 1,24.). Solche werden aberdaö Reich Gottes nicht besitzen" (1.Kor.6,9.).

Geliebtestc! Wenn Wir nun viele Menschen solchen eiteln Götzen,als da sind die falsche Weisheit der Welt, die Habsucht, die Fleischeslust,nacheilen sehen sollten Wir uns da nicht gedrungen fühlen, mit allemErnst der Seele den unbekannten, aber wahrhaften lebendigen Gott, denSchöpfer, Erlöser und Richter der Welt zu verkünden? Gerade darin liegt jader Grund, daß sie falsche Götter anbeten, weil der wahre ihnen unbekannt ist.

Der Hauptgrund des neuen Heidenthums liegt unstreitig in demMangel der religiösen Bildung, der klaren, lebendigen, deutlichenErkenntniß deS dreieinigcn GotteS, seines heiligen Willens, der Geheimnisseund der Mittel veS Heiles. Solche Erkenntniß ist die erste Pflicht deSChristen. Der Heiland rufet uns zu:Wer auS Gott ist, höret GotteSWort" (Joh . 8, 47.). ES ist dem Christenthum grundwesentlich, daß esnicht, wie manche der falschen heidnischen Religionen, irgendwelche Ge-heimnißlehren enthält, die nur bestimmten AuSerwählten zugänglich wären.Nein, ein Jeder ist berufen, zur Erkenntniß der geoffenbarten Wahrheitenund Geheimnisse Gottes zu gelangen. Darin sieht der heilige Paulus diewunderbare, weltumschaffende Kraft deS Christenthums, daß das Geheim-niß, welches von Ewigkeit und von Geschlechtern verborgen war, nungeoffenbaret worden ist seinen Heiligen, welches ist Christus, den wirverkündigen, in dem wir jeden Menschen ermähnen und jeden Menschenmit aller Weisheit lehren, nach dem AuftragdaS Wort GotteS voll-ständig zu verkünden, damit wir jeden Menschen vollkommen in ChristoJesu darstellen" (Col. 1, 25 ff.). Deßhalb bezeugt auch der heilige Apo-stel in seiner rührenden AbschiedSrede zu MiletuS:Ich habe mich nichtentzogen, den ganzen Rathschluß Gottes zu verkünden" (Apostelg. 20, 27.).Die Kirche thut dieß für und für, aber wie wenige bemühen sich, dierechte Erkenntniß zu erlangen! Richten die Eltern heute, wie ehedem, nochihre Hauptsorge dahin, daß ihre Kinder vor Allem eine tüchtige religiöseBildung bekommen? Wo ist noch die schöne Sitte, daß Vater undMutter den Katechismus mit ihren Kindern wiederholen, oder sie prüfen,ob sie der Predigt deS Evangeliums aufmerksam angewohnt, ob sie die-selbe verstanden und beherzigt? Wo ist noch die fromme Sitte, daß dieFamilie an den gottgeweihten Tagen, ober nach vollbrachter Arbeit sichversammelt, um gemeinschaftlich in religiösen Unterrichts- und ErbauungS-