büchern zu lesen? — Wie frühzeitig will die Jugend oft der Christenlehresich entziehen, wie wenig besucht sind an manchen Orten, namentlich vonJünglingen und Männern, die Predigten! Solche, die den sogenanntengebildeten Ständen angehören wollen, entziehen sich oft gänzlich der reli-giösen Erkenntniß, und vergessen ganz und gar daS, was sie, vielleichtnothdürftig genug, in der Kindheit gelernt haben. Was Wunder, daßder wahre lebendige Gott vielfältig ein unbekannter geworden ist!
Wie nun Vielen der wahre lebendige Gott ein unbekannter ist, weilsie ihn nicht kennen lernen, wie sie doch könnten und sollten, weder ihn,noch seinen Willen, seinen gnadenvollen Rath, noch sein großes Werk füruns und um uns, so ist er Anderen ein unbekannter Gott, weil sie ihnnicht lieben. Die Liebe ist in Vielen erkaltet. Und doch ist eS nur dieLiebe, wie sie das Wesen und die Natur GotteS ausmacht, welche Gott,so viel es einem Geschöpfe möglich seyn kann, aufzunehmen, zu fassen, zubegreifen vermag. „Die Liebe ist aus Gott," schreibt der heilige Johan-nes, „und Jeder, der liebr, ist aus Gott geboren, und kennet Gott .Wer nicht liebt, der kennet Gott nicht, denn Gott ist die Liebe. Undwir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott istdie Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott inihm" (1. Joh. 4, 7. 8. 16.). Geliebteste, saget selbst, wenn diese LiebeGottes die Herzen beseelte, wie könnte man doch so leichtsinnig die Sün-den hineinschlürfen wie Wasser, wie könnte man so gleichgiltig von derSünde sprechen, als wäre sie Nichts, wie könnte man so ruhig und hart-näckig fortleben in der Unbußfertigkeit! Ja, der Mangel der Sehnsuchtnach Sündenvergebung, nach gründlicher Reinigung der Seele, nach auf-richtiger Wiederversöhnnng mit dem Vater, den man so schnöde und soundankbar verlassen, zeiget klar und deutlich, daß erkaltet ist die Liebe.Eine solche Höhe hat bereits die Selbstsucht erreicht, daß die Helden derGottes- und Menschenliebe, die Heiligen, und besonders die Märtyrer,Vielen als Thoren erscheinen!
So sind denn, Geliebteste, die Lässigkeit in der Erkenntniß derWahrheit und die Erkaltung der Liebe offenbar die Hauptguellen der Er-scheinung, daß Gott ein unbekannter geworden ist, daher denn auch dieErscheinung, daß selbst dann, wenn Gott durch außerordentliche Weltbege-benheiten sich kund gibt, Sein Walten geläugnet wird, daß die Menschensehen und hören, aber nicht verstehen, daß sie den Finger GotteS nirgendsmehr erkennen wollen, ob er auch noch so deutlich sich zeige, noch so stcht-barlich über die Völker fahre, und sie die Hand des Herrn nicht fühlen,wenn sie auch über ihnen schwebt!
Geliebteste! Höret in dieser heiligen Fastenzeit den Mahnruf deSheiligen Apostels: „Dieses sage ich denn und beschwöre euch im Herrn,daß ihr nicht mehr wandelt, wie auch die Heiden wandeln in der Eitelkeitihres Sinnes, deren Verstand mit Finsterniß verdunkelt ist, die entfremdetsind dem Leben GotteS durch die Unwissenheit, die in ihnen ist durch dieBlindheit ihres Herzens ..... ihr aber habt Christum nicht so kennengelernt," — ja wahrlich, sondern als den lebendigen Sohn GotteS, derdie Reichthümer der Weisheit, der Erbarmung, der Treue und Zuverläs-sigkeit, der Heiligkeit und Gerechtigkeit, die Güter der zukünftigen Welt,die Hoffnungen und Schrecken der Ewigkeit euch gelehrt hat, — „wennihr anders ihn gehört, und euch durch ihn belehren ließet, so wie die Wahr-heit in Jesu ist: daß ihr in Ansehung deS vorigen Wandels ableget denalten Menschen, der durch des Irrthums Gelüste verderbt wird. Erneuerteuch aber im Geiste eures Gemüthes, und zieht den neuen Menschen an,der nach Gott geschaffen ist in Gerechtigkeit und wahrhafter Heiligkeit"(Ephes. 4, 17 ff). Durch würdigen Empfang der heiligen Sacramenteerneuert, lasset Euch hinfüro nimmer besiegen von dem Reize der Sünde!Kämpfet den guten Kampf der Heiligen! „Ergreifet die WaffcnrüstungGottes, damit Ihr in diesen bösen Tagen widerstehen und in Allem unbe-siegt daS Feld erhalten könnet. Stehet, die Lenden umgürtet mit derWahrheit und angethan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, die Füßebeschuhet, bereit das Evangelium deS Heiles zu verkünden. Vor Allemaber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen kön-net alle feurigen Pfeile deS Bösewichtes. Nehmet auch den Helm desHeiles und das Schwert des Geistes, welches GotteS Wort ist. Mitallem Gebet und Flehen betet zn aller Zeit (Ephes. 6, 13 ff.ff. Ja, Ge-liebteste, harret aus im Gebete, gestützt aus die Verdienste Jesu Christi, vertrauend auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau und GottesmutterMaria, deren liebendes Herz in Barmherzigkeit zu uns sich neiget und amThrone Gottes für unS Alle fleht. Betet, kämpfet, überwindet, sieget!Bedenket eS wohl, daß die Tage des irdischen Lebens schnell und unwieder-bringlich vorübergehen, und daß ihr bald stehet an der Pforte der Ewig-keit. Für eine glückselige Ewigkeit seyd ihr erschaffen, sie ist euer Zielund Ende! Wehe euch, wenn ihr dieß Ziel und Ende nicht erreichet: ewigeStrafe ist alsdann euer LooS. Darum rufen Wir noch einmal mit väter-
licher Stimme: betet, kämpfet, überwindet, sieget! „Wer überwindet, dessenName wird der Herr nicht austilgen aus dem Buche deS Lebens, sondernihn bekennen vor dem Vater und seinen Engeln" (Matth. 10, 32. Apok. 3, 5.).Gegeben Freiburg, am Feste Mariä Lichtmeß, den 2. Febr. 1849.-f Hermann, Erzbischof von Freiburg.
Sammlung für den heiligen Bater.
Das Ordinariat des ErzdiSthuniS München nnd Frei sing ic.
Der heiße Wunsch aller treuen Kinder der katholischen Kirche, daßder allmächtige Gott die dermalige traurige Lage unseres heiligen Vaters,des Papstes PiuS IX., erleichtern und die Tage seiner Trübsal abkürzenmöchte, ist bisher nicht in Erfüllung gegangen. Unser theureö Kirchen«Oberhaupt befindet sich noch immer, von Seinem apostolischen Stuhle ver-trieben und von den Quellen entfernt, aus welchen die nöthigen Mittelzu Seinem Lebensunterhalte sowohl, als zur Führung der Geschäfte derobersten kirchlichen Verwaltung fließen sollten, in einer für Seine geheiligtePerson höchst drückenden, Seine Wirksamkeit für daS Wohl der Kirchebeeugencen Verbannung. Ja der oberste Hirt der Heerde Christi muß eSgeschehen lassen, daß die zur Förderung frommer und religiöser Zweckebestimmten und unentbehrlichen Mittel in der Hauptstadt der Christenheitselbst von Seinen nnd unseren Feinden zum Verderben der Kirche miß-braucht und vergeudet und daß die großartigen Anstalten und Fonde, anderen Erhaltung jedem Gläubigen unendlich viel gelegen seyn muß, zer-stört oder so erschöpft werden, daß auch bei einem, so Gott will, baldigenglücklichen Umschwünge der Dinge alle äußere» Kräfte zur Wiederherstel-lung der Ordnung und Wohlfahrt im Kirchenstaate »nv zur geregeltenFührung des allgemeinen KirchenrcgimenlcS auf lange Zeit gelähmt bleibenmüssen, indem da, wo jetzt nur Noth und Elend gesäet wird, ein besserer Zu-stand nicht anders als mit großen Opfern wieder herbeigeführt werden kann.
Welchen Gläubigen wird bei dieser Lage des heiligen Vaters nichtder lebhafte Wunsch beseelen, dem verfolgten Kirchenfürsten nicht nur mitseinem Gebete, sondern auch werkthätig beispringen zu könne»?
Der Einzelne vermag dieses freilich nicht. Aber wenn wir, vonunserem Glauben begeistert und von christlicher Liebe durchdrungen, unsereKräfte vereinigen, so mag unS die Freude zu Theil werden, daßunsere mit kindlichem Herzxn dargebrachten gemeinsamen Opfer den großenDulder doch erfreuen und in Seinen Leiden trösten und stärken werden,wenn sie Ihm auch nicht zur Hebung derselben behilflich und dazu nichthinreichend seyn können, um daS, waS die ZerstörungSwnth Ihm und derKirche jetzt raubt und vernichtet, sogleich wieder herzustellen. — Helfenwir, soviel wir eS vermögen, dann dürfen wir um so zuversichtlicher auchauf GotteS allmächtige Hilfe vertrauen!
Aus besonderem Auftrage Sr. Erzbischöflichen Ercellenz ergeht daheran sämmtliche Herren Pfarrer und in der Scelsorge angestellte Priesterder Erzdiöcese hiermit die oberhirtliche Weisung, diese Lage deS heiligenVaterS, welche in der nachfolgenden Erklärung deS Päpstlichen Pro-StaatS-SecretärS CardinalS Antonelli vom 18. v. MtS. umständlich geschildertist, am künftigen Öfter-Sonntage bei dem pfarrlichen Gottesdienste denPfarrgenossen und Gläubigen klar, einfach und beweglich darzustellen, undsie zur Spendung milder Gaben für unsern bedrängten obersten Hirten,den Stellvertreter Christi auf Erden, mit dem Beisätze zu ermuntern, daßder allgütige Golt gewiß auch daS kleinste Schärflein seiner edlen Bestim-mung wegen wohlgefällig aufnehmen und tausendfach segnen werde. —Die wirkliche Vornahme der Sammlung hat sofort am Ostermontage oderam weißen Sonntage zu geschehen, und eS sind auch alle Gaben, die außerder Kirche gespendet werden wollen, bereitwillig und mit Dank anzunehmen.
Von dem DiöcesankleruS, welcher seine treue Anhänglichkeit an dieKirche und seinen Wohlthätigkeitssinn schon so oft auf daS Entschiedenste anden Tag gelegt hat, erwarten Se. Erzbischöfliche Ercellenz, daß derselbe denübrigen Gläubigen auch hier mit einem guten Beispiele voranleuchten werde.
Sämmtliche Gaben sind von den Herren Pfarrern möglichst bald andie Decanals-Vorstände und von diesen unverzüglich hierher zu senden.DaS Gesammtergebniß wird seiner Zeit amtlich bekannt gemacht werden.
Wenn, wie zu hoffen ist, alle Katholiken — BayernS nicht nur,sondern unseres ganzen deutschen Vaterlandes — zu gleichen Aeußerungender kindlichen Liebe gegen den heiligen Vater sich vereinigen, in welchenuns andere Länder theils schon vorausgegangen sind, theils sicher nochnachfolgen werden, so wird unser Bemühen, die gegenwärtigen Drangsale deSgroßen DulvcrS einiger Massen zu mildern und Seinen Blick in die Zukunftzu erheitern, auch dem materiellen Erfolge nach nicht ganz vergeblich seyn.
Dr. Mart. v. Dentinger, Domprobst.
I. B. Grund! er, Secretär.