Ausgabe 
9 (1.4.1849) 13
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Sendschreiben

des katholischen Central-VereineS der Pfalz an den PiuS-Verein zu Augsburg .

Theuere Mitbürger,

Katholische Brüder!

Dieß ist die katholische Einheit. Sie hat hienieden keine Schranken,als die dem Erdkreise selbst gesetzt sind. Von den Vogesen und dem Rheine geht sie bis zum Lech und den Alpen, und über die Berge schreitet sie wei-ter zu dem hl. Stuhle deS Apostelfürsten zu Rom , von wo, als dem rech-ten Mittelpuncte, sie ihr heiliges, selbst mit der Ewigkeit verknüpftes Bandum das ganze weite Erdenrund schlingt, das Band der heiligsten Liebe, derächten Brüderlichkeit, welches weder der unwirthbare Sand der Wüste,noch daS unwegsamste Gebirge, noch des Weltmeeres surchtbare Gewaltenabzuschütteln oder zu zerreißen vermögen. Ja! In der katholischen Einheitist daS wahre Weltbürgerthum, welches alle Geschlechter der Erde in ihrerwahren Gleichheit umfaßt, um sie alle dem gleichen, einen, großen ZieledeS Jenseits entgegen zu führen. Welch eine Fülle deS Glücks, in dieserEinheit als ein lebendiges Glied eingereiht zu seyn! Welch ein Hort, sichein treues, gehorsames Kind der herrlichsten Mutter, der römisch-katholisch- apostolischen Kirche nennen zu dürfen! DaS waren unser Aller Gedanken,als wir Euer erhebendes Sendschreiben, welches Ihr am Tage des heiligenMärtyrers Sebastian jüngsthin an uns gerichtet, mit tiefbewegtem Herzenempfingen. Wenn ein Glied leidet, leiden Alle. Ihr habt eS getreu be-wiesen. Gesegnet sey Eure Bruderlieb.-! Gesegnet sey der Samen, welchenIhr in unsere Herzen gestreut durch die Worte, die Ihr zu uns frei undentschieden gesprochen, wie eS freien Männern gebührt. Vergelt' Euch Gott den reichen Trost, welchen Ihr uns durch Euren brüderlichen Zuruf in diesenTagen deS KampsiS und der Mühsal gespendet. Wähnet nicht, daß dieseGefühle freudigen DankeS nicht die lautersten, daß der gebotene Trost nichtder erquicklichste gewesen sey, weil wir so lange mit dieser Antwort gezögert.AIS Euere Brudcrworte zum Rheine herübertönten, hallten sie erst noch inzerstreuten Herzen wider, welche noch keine Einigung gefunden zu den gro-ßen Aufgaben, deren Lösung vor Allem in und durch die Kirche der ernsteGang der Geschichte mit lautem Mahnrufe von dem lebenden Geschlechteheischt. Jetzt aber sind bereits in unserer Heimath katholische Vereine erstan-den, und sie sind mit einem KreiSausschuffe in organische Verbindung getre-ten, welcher sich in der Hauptstadt der Pfalz, zu Speyer, wo der Bischofs-stuhl unserer Diärese steht, gebildet hat. Im Namen dieser Vereine stattenwir Euch nunmehr vor Allem unsern treuen Dank ab für den brüderlichenZuspruch, mit welchem Ihr uns in so ernster Zeit erfreut habt. Im Namendieser Vereine erklären wir sodann, daß wir mit Euch gegen jede Unter-drückung protestiren, welche unsere wohlerworbenen Rechte als Katholikenanzutasten unternimmt. Wir erklären, daß wir fest entschlossen sind, mitEuch und allen anderen Vereinen gleichen StrebenS im engern und weiterndeutschen Vaterlande alle gesetzmäßigen Mittel anzuwenden, um unser gutesRecht» um unsere volle Freiheit und Unabhängigkeit in Sachen der Religionund Kirche zu wahren. Wir erkennen mit Euch, daß eS unser höchstes Rechtund unsere höchste Freiheit ist, ganz katholisch zu seyn, wie es die heiligeKirche ist und will ganz und vollständig, ohne Abzug und ohne Zuthat.Wir erklären endlich, daß wir mit Euch fest und unverbrüchlich daran hal-ten, auch für alle Andersgläubigen gleiches Recht und gleiche Freiheit imVollmaaße gelten zu lassen, wie wir selbst sie im Vollmaaße unverkürzt zugenießen gesonnen sind. Wenn Ihr dazu am Schlüsse Eueres uns so theuernSendschreibens uns darauf aufmerksam macht, daß wo wir einem unsererRechte daS Geringste vergeben, wir sicher alle gefährden werden, so seydüberzeugt, daß diese Wahrheit tief in unseren Herzen eingeschrieben steht.Von diesem Gesichtspunkte ausgehend erkennen wir auch,die OggerSheimerKlosterfrage in ihrer vollen Bedeutung. Zeuge davon die zahlreichen mitlausenden von Unterschriften versehenen Adressen, welche an den Thron ge-langten. Nicht ein Haar breit darf die katholische Kirche in der Pfalz hierablassen von ihrem rechtmäßigen Besitze, welcher ihr durch die bayerische Lan-desverfassung gewährleistet und obendrein nun durch daS Grundrecht der freienAssociation bestätigt ist. Wir fordern die Unantastbarkeit der bestehenden kirch-lichen Institute, wir fordern daS Recht der freien Association, wie wir jederpolitischen Partei zugestehen, auch für die Kirche, und diese Forderung muß ge-achtet, sie muß erfüllt werden. Maßnabmen, welche jeden verfassungsmäßigenBodens entbehren, wie solche bereits versucht worden sind, oder noch versuchtwerden könnten, werten uns in unserm Rechte nicht beirren. Lasset auch IhrEuch nicht durch solche beirren. Wenn wir zusammenstehen wie wir thun

und unser Recht, unser gutes Recht entschieden und rücksichtslos vertreten wiewir fest entschlossen sind wer wird eS wagen, dasselbe anzutasten? KatholischeBrüder! Empfangt mit unserm wärmsten Danke unseren Brudergruß. Empfan-get die innigsten Wünsche für daS segensreiche Gedeihen Eueres VereineS. Blei-bet unS zur Seite, wie wir Euch nicht verlassen werden. Dann lasset den Sturmder Zeiten hereinbrechen, lasset die Wcrkleute der Zerstörung und Zersetzung, wiesie'S nach Zulassung der göttlichen Vorsehung vermögen, vollenden, waS sie imfurchtbaren Wahne begonnen, lasset daS Elend durch Europa schreiten mit nochnie gesehenem Grausen wir werden vereint im heiligen Glauben und in derthätigen Liebe unverzagt, unverdrossen bauen an dem großen Werke der Wieder-geburt unsers theuern Vaterlandes in Staat und Kirche, wenn auch erst dieSöhne in daS stattliche HauS des neuen GotteS- und Weltfriedens einzugehengewürdigt sind Ja! Gott selbst hat unS zu diesem Werke berufen. AIS wackere,unermüdliche Bauleute wollen wir daran selbst unser Leben setzen, unab-lässig unS zumahnend: Wachet, betet, arbeitet! Gott mit uns! Wer ist dannwider uns?

Speyer, Mitfasten 1849.

Der katholische Central-Verein der Pfalz, v. EmontS, Vorsitzender.

Deutschland .

Augsburg . Zum dritten Male lieSt man in den Annoncen derAugSburger allgemeinen Zeitung die Ankündigung eines Original-WerkeSüber die Liguorianer von einem Johannes Nordmann . Dieser entwederfingirte oder ganz obscure Name fällt mit einer wahren Berscrkerwuthüber genannten Orden her, so daß auch der einfachste Verstand fragenmuß: ist eS möglich, daß ein und derselbe Orden so gottlos, so verschmitztund dabei so unvorsichtig und dumm seyn kann, daß er die Urkunden übersein entsetzliches Treiben so zu sagen selber authentisch ausstellt? OhneZweifel ist jener Johannes Nordmann ein etwas amplificirter Ableger deSberühmten HanS Nord im vorigen Jahrhundert. Der letztere kündigtenämlich feierlich in allen Zeitungen an, daß er mit Haut und Haar, mitLeid und Seele in einen Krug, der, wie Jedermann sehen könne, in garkeinem Verhältnisse zu seiner (des Hans Nord) Körpergröße stehe, kriechenwerde. Die berühmtesten Professoren bewiesen aus Gründen der Physik,wie Gelle« gar schön beschreibt, daß HanS Nord unmöglich Raum imKruge habe. Allein sie kamen doch angefahren und das übrige Publicumströmte ebenfalls herbei; die Casse hatte vollauf zu thun, der Saal fülltesich ganz und Alles staunte den kleinen Krug an. Lange wartete daSPublicum, sich in Hypothesen erschöpfend. Inzwischen war HanS Nordmit der Casse verschwunden, der Krug blieb leer stehen und in welchemKrug er sich geborgen, konnte man nicht erfahren. Professoren und Publi-cum zogen ab, jene froh, baß ihre Beweise nicht widerlegt worden, diesesspottend über seine eigene Dummheit. So wird bei diesem Großhansebenfalls ablaufen: ist die elende Speculation auf die Dummheit einesgewissen PublicumS gelungen, so wird er sich mit dem Gelde davon machenund die 011a pvtricka zum Begaffen u. s. w. zurücklassen. Johannes Nord-mann stellt nämlich 30 Bogen Druckpapier in Aassicht, gefüllt mit Scheuß-lichkeiten aller Art, läßt pränumeriren, wie HanS Nord, und daSPublicum das Ungeheure suchen, indeß er ihm die Tasche erleichtert undsich selbst unsichtbar gemacht hat.

Die AugSburger allgemeine Zeitung mag sich damit entschuldigen,daß Annoncen Handelsartikel seyen und daß man ihr also über NordmannSPöbelhaftigkeit keine Vorwürfe machen dürfe. Aber dann muß ich dieAugSburger allgemeine Zeitung richten, wie man den Schalk am bestenrichtet, nämlich auS seinen eigenen Worten. Ich laS einst die würdigeund ruhige Vertheidigung eines angegriffenen Mannes, welche er auf seineKosten, also als Annonce, in die AugSburger allgemeine Zeitung einrückenlassen wollte. Allein diese nahm die Sache nicht auf, weil sie nirgendsauf dem konfessionellen Gebiete anstoßen wolle. Hiemit war der Mann abund zur Ruhe gewiesen; jetzt aber wundert er sich über diese Consequenzund Parteilosigkeit der Allgemeinen. Doch gegen Katholiken Alleserlaubt; sie nehmen ja hin und zahlen ihre und ihrer edelsten GliederMißhandlung noch mit schwerem Gelde. Eine himmelschreiende Liberalität!(Neue Sion )

Verantwortlicher Redacteur : L. Schönchen.

Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.