Ausgabe 
9 (8.4.1849) 14
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Formenwesen entbehrlich mache und unter dem Volke gedeihlicher wirke.Aber daS sind doch wahrlich nicht bloß leere Formen, sondern eS ist einherrlicher Geist darin verborgen; eben so ist unsere deutsche Gemüthlichkeit,welche sich nur gar zu leicht von gewissen strengen aber doch sehr heil-samen klerikalischen Formen diSpensirt, wähnend: es seyen das unwesent-liche Außendinge, nicht immer eben die rechte. Das katholische Volk allerLänder, so fern es kirchlich gut gesinnt ist und die hohe Würde des Prie-stersrandes richtig schätzt, stellt allerdings an seine Priester hohe Forderun-gen und sieht es lieber, wenn der Geistliche mehr ein stilles und gegensich selbst strenges Leben führt, als wenn er unter einer sogenannten Ge-müthlichkeit halb verweltlicht. Also unsere Seminaristen, ,agte ich, sindwirklich recht gemüthlich. Streitsucht, Händel, Feindschaft, Parletzänke-reicn, politische Kannegießereien und hämische Sticheleien kennt man hiergar nicht. Daö macht das ganz Seminar zu einer FriedenSstätte, wo mangerne weilt. Die Moral wird hier gelebt. Alle acht Tage geht manzur heiligen Communion; viele empfangen die heilige Cvmmumon auchDonnerstags, Sanistags und Sonntags. An Sonn- und Feiertagen gehenwir inS Münster, wo wir im Chordas Amt singen und zwar in dersclnd von dem Domcapitel gehaltenlieh zwei tragen Rauchfaß und Schiffchen, zwei tragen Kerzen, zwei sindDiacon und Subtiacon, und einer trägt daö Kreuz und einer steht ambischöflichen Stuhl. Vor dem Amte ist deutsche Predigt, gehalten vondem berühmten Muehc, welcher oft ganz erstalisch begeistert auf derKanzel wird und wundersam predigt. Ich habe noch nie einen solchenRedner gehört. Dabei besitzt er eine liefe Demuth. Cr wurde schon zumBischof gewählt, allein er nahm eS nicht an und behielt immer die Caplan-stelle am Münster. Er schlägt jede andere Stelle aus, sein Hab und Gutverschenkt er den Armen und lebt ganz einfach und arm. Seine Thatensind rührend und hinreißend, recht würdig eines Dieners Christi. DieserMann ist schon alt, lehrt im Seminar Pastoral und ist auch Beichtvaterdaselbst. Die Geistlichkeit arbeitet hier überhaupt sehr fleißig, waS natür-lich auf die künftigen Seelsorger auch nur einen sehr heilsamen Einflußüben kann. (Katholik.) _

Gesetz aus. Hierüber entwickelte sich der Streit; das Ministerium hattedie äußerste Linke gegen sich und fand seine Stütze in der Vereinigungaller Gemäßigten, katholischer wie liberaler Farbe. ES siegte mit 77Stimmen gegen 17; und als darauf über die JnspectionSkosten abgestimmtwurde, verwarfen 55 Stimmen gegen 25 den Antrag der Centralscction.Zum Schlüsse muß ich noch sagen, baß, nach dem Zeugnisse allerweltlichen Schulinspectvren, seit dem Jahre 1842, wo dasGesetz über die Elementarschulen eingeführt wurde, diegeistlichen Jnspectoren nie zu irgend einer gegründetenBeschwerde Anlaß gegeben, während im Gegentheile ihreMitwirkung überall zum Gedeihen der Schulen wesentlichbeiträgt."

Schweiz «

Aus der östlichen Schweiz . Seit einigen Wochen wird i» den

ihor, angethan mit unsern Chorhemden, ^ aufgehobenen Kostern des ThnrgauS öff iitliche Steigerung abge-Kirchensprache. Beiur Amt, das abwech- Hauö- und Küchengerälhe, Kupferstiche und Gemälde werden cnr

n wird, dienen acht Seminaristen; näm- Meistbietenden losgeschlagen; auch sechs kleinere und größere Kirchen--

Orgeln erwarten ihre Liebhaber, nachdem bereits 1,0 Centner Kirchensilberverpackt worden sind. Die umwohnende Bevölkerung benimmt sich dabeiauf sehr verschiedene Weise; die Katholiken sehen mit Ergebung zu, wiedie erlegten Klöster ausgeweidet werden; was nützte sie protestiren undklagen? sie sind nun einmal der schwächere Theil. Auch Reformirte sehenmit Widerwillen auf Entheiligung der ehemaligen Gotteshäuser und schüt-teln nachdenklich den Kopf, während eS nebenher nicht an Leuten fehltdie in den öden Gängen und Zellen stöbern und ihre Brutalität an Thü-ren und Schlössern auslassen. Der Aargau hat mit seiner Klosteraufhebungnichts gewonnen, der Kanton kommt im Gegentheile mehr und mehr zurück.Nicht besser wird eS dem Thurgau ergehen; bis alle Verbindlichkeiten,welche die Klöster den umliegenden Gemeinden schuldig sind, ich will nurPfarrpfründen anführen, erfüllt sind, bis der PensionSsondS für die Mit-glieder der aufgehobenen Stifte, und die 200,000 Fl., welche den Katho-liken zugesichert wurden, ausgeschieden sind, bleibt wenig mehr übrig, alsbei einigen Stiften die Gebäude allein, bei den andern zu den Gebäudennoch ein schönes Aeral von Aeckern uud Wiesen. Und nur diese letzterensind verkäuflich; denn wer möchte alte Gebäude kaufen mit Kreuzgängenund Zellen, aller Geräthe entblößt, seit ungefähr 10 Jahren in allenTheilen vernachlässigt? die anderen, mit denen sich ein größerer Güter-Complcv mit in Kauf geben läßt (eS sind aber nur drei), möchten vielleichteher einen Liebhaber finden, wiewohl sich bei näherer Betrachtung Mancheszeigen wird, waS einen reichen Mann, z. B. einen deutsche» Herrn vonAdel, abschrecken kann. Mit einem derartigen Verkaufe sind aber die näch-sten Dörfer nichts weniger als zufrieden; sie haben erwartet, daß dieKlostergüter Jauchert für Jauchert und Stück für Stück verkauft würden,wobei jeder Bauer im Stillen schon ausgemacht hatte, welches Stück crankaufen werde, und auch schon mit den andern Liebhabern abkartete, wieman sich nicht unnütz steigern müsse, damit jeder um einen billigen Preiszu etwas komme. Nun sollen diese Hoffnungen zu Wasser werbe», unddem die Sache wieder gut gemacht worden durch die Versicherung des fallen alle arme Familien, die früher von den Stiften erhalten und

Ministers im Senate, daß die Regierung, wenn der Cardinal als solcher! unterstützt wurden, den Gemeinden zur Last. Außerdem ist aber die allge-außergewöbnliche Ausgaben, z. B. eine Reise nach Rom, zu bestreiten '"eine Erwartung bitter getäuscht; seit Jahren rechnete man dem Volke vor,hätte, nickt ermangeln würde, eine besondere Summe hiefür zu beantragen.! für wie viele Millionen Klostergut, todtes Gut, vorhanden sey, wie durchEntschiedener trat der Parteigeist in der Frage von den Kosten der gelst-idie Säkularisation desselben das ganze Land beglückt werden könnte, undlichen Jnspection der Elementarschulen hervor. DaS Gesetzt stehe da, der große Wurf ist gelungen^, und das Volk gewinnt im Allge-nämlich über diesen Gegenstand ordnet weltliche und geistliche Jnspectoren' meinen nichts, die Steuern sind nicht gemindert, sondern erhöht, und diean, die periodisch die Schulen zu besichtigen und darüber zu berichten haben, ^^st^st^bäude werden Passivcapitalicn, die Steuern, welche die Klöster so

Belgien .

Brüssel , 23. Febr. Ein Korrespondent der A. Z. berichtet überdie belgischen Kammerverhandlungen unter Andern«:Auch die Frage vonden Ersparnissen nahm während der Debatten über Las Budget des Innerneine Parteifarbe an, worauf schon die bedeutende Herabsetzung des Gehaltsdes CardinalserzbischofS hindeutete. Als vor einigen Jahren die Rededavon war, den Erzbischof von Mecheln zum Cardinal zu erheben, gingRom auf diesen Vorschlag nur unter der Bedingung ein, daß dem neuenKircheusürsten ein anständiges Auskommen gesichert werke. So wurde dennsein Gehalt auf 30,000 Franken festgesetzt. Indem man diesen nun auf21,000 Franken herabgesetzt, hat man urr Grunde einen Eingriff in diefrühere Vereinbarung mit Rom gethan; auch brachte der päpstliche Nun-tius seine Einwendungen dagegen an geeigneter Stelle vor. Halb ist seit

jedoch so, daß die Entscheidung immer bei der Regierung bleibt. Die Kostender geistlichen Jnspectoren wurden bisher eben so gut vom Staate getragenwie die der weltlichen; die Centralsection hatte nun aber dießmal vorge-schlagen, diese Kosten vom Budget zu streichen. Es sollte dieses der ersteSchritt zur Entfernung der geistlichen Jnspection seyn, dieeiner gewissen Partei, welche die Volksschule ganz der Religion entfremdenmöchte, schon lange ein Dorn im Auge ist. Ehe man hierüber zur Abstim-mung kam, trug ein Glied dieser Partei darauf an, die Kammer mögevom Ministerium begehren, daß sehr bald eine Revision der organischenGesetze über die höheren und die Elementarschulen vorgenommen undschleunigst ein Gesetz über die mittleren Schulen vorgelegt werbe. Was

die höheren und mittleren Schulen betraf, ,o erklärte der Minister des In- Deutschland,

nern, es sey schon Alles vorbereitet; in Beziehung auf die Elementarschulen Wien , im März. Die Memoranden der Bischöfe, Petitionen deraber hielt cr eine Revision deS Gesetzes in diesem Augenblicke nicht für Priester, Bitten der Gläubigen, Vorstellungen der Minister und das Rechts-nvlhwendig, ja nicht für rathsam, um dem Parteigeist keine neue Nahrung und VilligkeitSgefühI des edlen Monarchen in Oesterreich haben die Kirchezu geben, und sprach sich dabei auch im Allgemeinen für das bestehende, frei gemacht. Der 6. März 1849 ist für sie ein Tag der Erlösung gewor-

reichlich unter verschiedenen Titeln und bei verschiedenen Anlässen entrichtenmußten, haben ein Ende, und nun reibt sich das reformirte Volk die Augenaus und fängt an zu bedenken daß eS den Baum gefällt habe, um dieFrüchte zu ernten. Eine schlimmere Folge zeigt sich bereits; daS Volkbetrachtet die verkauften Klosterwälter nicht als rechtliches Eigenthum undkapert in denselben; welchen Anspruch auf Unverletzlichkeit soll auch daSEigenthum im Allgemeinen haben, wenn daS Corporations Eigenthum keineSicherheit fand, trotz aller Bundes- und LandeSgesetze, trotz feierlicher Ver-träge, trotz seiner wohlthätigen Wirksamkeit? (Rh. V. H.)