Ausgabe 
9 (8.4.1849) 14
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den von schweren und schimpflichen Banden. Sie wird nun ungchintenauSschreiten und unter und nach ihrer eigenen Reform an die Reform dersocialen Zustände und an die Erfüllung ihrer hohen Misston gehen, und,wie dereinst am Abschluß der Heidcnzeil, ein neues Leben in die gealterteWelt bringen, den frischen und erfrischenden Glauben. Dieherrlichsten Vorbereitungen werden bereits in verschiedenen H)ivcesen getrostfen. Ein Provincial-Concilium zu Salzburg, Diöcesan-Synoden in Salz-burg, Olmütz und Brunn, eben so Pastoral- und Capitel-Konferenzenwerden an vielen Orten angebahnt. Sehr rege und thätig arbeiten dieKatholiken-Vereine und die von ihnen herausgegebenen Blätter zur Hebungder kirchlichen Gesinnung und Befestigung und Stärkung im katholischen Glauben. Nicht minder wirken zahlreiche Frauen-Vereine zur Linderungder materiellen Noth und zur Erziehung und Pflege verwahrloster Kinderund Armer. Es hat eine hohe Begeisterung Klerus und Volk überallergriffen, wo die Bischöfe apostolischen Muth gezeigt und wo sie der Neu-zeit Rechnung getragen haben. Aber, ach! in Wien komnir man nichtdazu. Die Frechen der Kirche liegt wie ein unbehobener Schatz da, vondem bisher Niemand einen Nutzen hat. Der Kaiser hat sie freudig gege-ben, und nur von den Bischöfen hängt cS ab, wie viel sie dcubvn wollen,'n Anspruch nehmen. Wird nun aber auch in Wien ein Gebrauch davongemacht werden? Wird und wie viel wiro man in Anspruch nehmen zumBesten der Kirche? Wo man ausgesprochen, man wolle beim Altenbleiben, wo man sagt, daß die Synoden gar nicht an der Zeitsind, wo mail die Zusammentretung der Würzburger Bischöfe eine Un.klughcit nennt, wo man die Staatskirche bis auf den letzten Augen-blick zu loben und zu laben beflissen war, wo man über ihr Verendentrauert, wo man die Freiheit der Kirche als den furchtbarsten Schlag insAngesicht betrachtet, wo man allen Jenen, bist. auch nur ein einziges Wortdafür fallen ließen, todtgram ist, wo man'der Hoffnung lebr, es werdenoch eine Zeit kommen, in welcher man sich an den Slaatskirche-Majestäts-verbrechern rächen können wird, wozu man bereits die Proscriptionölistenverfaßt: da wird man von der Freiheit der Kirche gerade so viel in An-spruch nehmen und Gebrauch machen, als der unvernünftige Kranke vonder bittern Arznei und der käfiggeborne Hauövogel von, offenen Fenster. (N S.)

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AuS Oberösterreich, im März. Es gehörte bis auf die letzteZeit zum guten Ton, über die armen Serben zu schmähen, und über dieCroaten-Horden loSzuschimpfeff. Und warum? Haupisächlich darum, weilsie dem Kaiser die geschworene'Treue hielten, und Oesterreich bis auf denletzten Blutstropfen'vertheidigen wollten. Darum wurde an den Serbenund Croaten kein gims Haar gelassen. Möge aber folgender Zug bewei-se», welch' ein Geist selbst mitten im Kampfe jene so gelästerten Männerbeseelte. Möge man daraus beurtheilen, wo wahre Humanität und Civi-lisation zu finden sey, ob unter den Schaaren der Rvthmänller der Frei-hcitS- und Gleichheitswuth, oder unter den Kämpfern für Ehre, Religion,Gesetz, Ordnung, Fürst und Vaterland?

An der Matzleinsdolfcr-Linie in Wien marschirten die Croaten inden Octobertagen herein, stiegen über die von der Mobil-Garde bereitsverlassenen Barricaden hinweg, und rückten vorwärts. Die Garde hattesich church die Nebengassen zerstreut. Nur ein Gardist wollte den Platznicht verlassen. Da standen die tapfern Croaten dicht vor ihm. Erschro-cken warf er daS Gewehr fort, fiel auf die Knie nieder und flehte um seinLeben. Heraus anS den Reihen trat ein junger Croaten-Officier und riefihm mit barscher Stimme zu:Unglücklicher! Wie können sie sich bewaffnetden k. k. Truppen nahen? Kennen sie die Gesetze nicht?" Der Gardistflehte aber fortan um Gnade, da er ein Weib mir acht Kindern habe.Der Offieier erwiderte:Wenn Sie wahr gesprochen, will ich Ihnen dasLeben lassen." Er folgte nun dem Gardisten in Begleitung mehrererCroaten in dessen Wohnung, wo er seine große Familie in der traurigstenLage fand. Nachdem der Offieier eine Zeit lang das Elend betrachtet,wendete er sich zu dem schuldbewußten Manne mit flammendem Blicke,und richtete an ihn folgende Worte:Herr, Sie müssen von Sinnen ge-wesen seyn, als Sie sich als Familienvater den Rebellen verdingten, undwas für ein Teufel blieö Ihnen die Idee ein, sich als Einzelner jetzt nochzur Wehre setzen zu wollen? Ich habe aber mein Wort gegeben, und wertees auch halten. Ihnen schenke ich das Leben nicht, aber dem Weibe unddiesen acht Kindern schenke ich Ihr Leben!" Mit diesen Worten verließder edle Krieger, ohne einen Dank abzuwarten, die Wohnung des vorFreude zitternden Gardisten. Man frage, ob wähl die Magyaren, die nurFreiheit, Humanität, Civilisation im Munde führen, und die Herren Ra-dikalen aller Nationen, welche ihnen sie nachbrüllcn, unter so kritischenUmständen so gehandelt hätten, wie jener edle Croaten-Führer? Es thut

Noth, solche Züge bekannt zu geben, damit, wer noch sehen kann, sehe,was hinter dem FreiheitSgeschreie stecke, welches der Mißbrauch der edlenFreiheit immerfort noch erhebt, und man Wahrheit von der schändlichenHeuchelei unterscheiden könne. (Keuh. Bl. a. T.)

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AuS der Olmützer Erzdiöcese. Zu Troppau in Schle-sien befindet sich bereits seil dem Jahre 1835 ein greiser erilirter Oberhirt,welcher den Muth halle, einige Jahre zuvor dem russischen Czar öffentlichzu erklären, daß ohne Aulvrisation deS heiligen Vaters in Rom in katho-lischen Disciplinar. Angelegenheiten, besonders in Betreff gemischter Eben,nichts geändert werden Dürfe, und ferner, daß es am ersprießlichsten wäre,im Königreiche Polen die katholischen Schulen den Jesuiten anzuvertrauen.Dadurch gerielh der Oberhirl in allerhöchst absolute Ungnade und wurdeDann bei gesuchter Veranlassung des Landes verwiesen. ES ist der hoch-würdigste Herr Bischof von Krakau, Karl Boromäus v. Skorkowsky.Zwar ist derselbe, nachdem Krakau österreichisch geworden, von weltlichenStellen gefragt worden, ob er zu seinem bischöflichen Sitze zurückzukehrenwünsche? Der hohe Greis soll jedoch entgegnen haben, er wolle mir in demFalle dahin zurück sich begeben, wenn der heilige Vater in Rom dieß ihmauftragen werde. Er lebr ganz zurückgezogen, ein Muster der Frömmig-keit und Andacht. DaS Landvolk kommt häufig in die Stadt, um in derMinoritenkirche der heil. Messe beizuwohnen, welche der gvttinnige Bischof,wie ein Heiliger, überaus andächtig feierst. (A. K.)

Türkei .

In Konstantinopeh ist ein in französischer Sprache geschriebenerAlmanach, eine Statistik, erschienen, worin über die Bevölkerung deS tür-kische» Reiches, über die verschiedenen Nationen und das religiöse Bekennt-niß derselben u. s. w. sehr genaue und wichtige Nachrichten enthalten sind.Nach Angabe des wohlunterrichteten Verfassers steigt die Seelenzahl inKonftantinopcl, mit Einschluß seiner Vorstädte, auf 797,000. Darunterbefinden sich 52,000 Sklaven, nämlich 5000 deS männlichen und 47,000deS weiblichen Geschlechtes; 205,000 nicht unirle und 17,000 unirte Ar-menier, 137,000 Griechen, 24,000 Juden und 14,000 Franken, unterweichem Namen alle Fremden, Franzosen, Oesterreicher , Russen, Dänen,Preußen , Holländer, Amerikaner n. s. w. begriffen werden. Nach Abzugder Sklaven berechnet sich die muselinännische Bevölkerung auf 348,000Seelen, indeß daö Militär (unter ihm 68,000 Muselmänner) und dieauswärtigen Handwerker und Arbeiter zusammen 123,000 zählen. WaSdie der katholischen Kirche im Umfange des türkischen Reiches angehörendenMitglieder betrifft, so stehen dieselben unter sechs Patriarchen und neunund fünfzig Erzbischöfen und Bischöfen, welche sich nach den verschiedenenVoiköftämmen in folgender Weise vertheilen: Lateiner: ein Patriarchzu Jerusalem und siebzehn Erzbischöfe und Bischöfe; unirte Armenier:ein Patriarch auf dem Berge Libanon und eilf Erzbischöfe und Bischöfe;Marvniten: ein Patriarch auf dem Berge Libanon und sieben Erz-bischöfe und Bischöfe; Chaldäer: ein Patriarch zu Moffnl und siebenErzbischöfe und Bischöfe; unirte Griechen oder Melkiten: einPatriarch zu DamaSkuS und neun Erzbischöfe und Bischöfe; unilteSyrier: ein Patriarch zu Aleppo und achr Erzbischöfe und Bischöfe.Die schismaiisch-griechische Kirche dagegen besitzt, die nicht unirten Arme-nier, die Jakobiten, die Kopten und Nestorianer mileingcrecknct, im Gan-zen zweihundert vier und fünfzig Prälaten, darunter neun Patriarchen undzweihundert sechs und dreißig theils Erzbffchöfe, theils Erarchen, theilsBischöfe. Dieser großen Zahl der Kirchenfürsten einspricht übrigens nichteine gleichmäßige deS christlichen Volkes im Orienr; jene ist nur einegeschichtliche Urkunde über die frühere Ausdehnung der Kirche, indem nochfortwährend auf den Nannn jener Städte, in welchen früher bischöflicheStühle gegründet waren, die aber durch die Ausbreitung des Muhameda-niSmuS für daS Christenthum verloren gingen, Bischöfe geweiht werden.(Katholik.)

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Aus Rom . Ein Proletarier wollte die Rolle eines ungeschlachtenRepublicauers übernehmen, und beabsichtigte dem Marmorstandbilde einesPapstes zur allgemeinen Belustigung die rothe Mütze auszusetzen. Unterdem Hohngeschrei und Beifallsrufen deS Pöbels kletterte er die colossaleStatue hinan, erfaßte die Marmorhand, diese aber brach los und erstürzte herab auf die Stufen und brach sich beide Füße. DaS machte denlärmenden Pöbel auf einen Augenblick nachdenkend, er verstummte undschlich sich davon. (Oest. Bl.)

Verantwortlicher Redacteur : L. Schönchen.

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