Ausgabe 
9 (15.4.1849) 15
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Schreiben erlassen: Bereits vor längerer Zeit wurde nicht nur hier,sondern auch von Mitgliedern katholischer Vereine in den Nachbarstädtenmehrfach der Wunsch geäußert, daß die in Westfalen und der Rheinpro-vinz zur Wahrung der Interessen der katholischen Kirche gebilveten Vereinezu einem kräftigen Zusammenwirken in Verbindung treten, und daß zudiesem Behufe von Zeit zu Zeit Generalversammlungen dieser sämmtlichenVereine stattfinden möchten. Da zugleich Köln als derjenige Ort bezeich-net wurde, der zur ersten Generalversammlung dieser Art am geeignetstensey, so glaubt der hiesige Verein Pius IX. seiner Pflicht zu entsprechen,wenn er hiermit die Initiative ergreift und an die sämmtlichen übrigengenannten Vereine die bringende Bitte richtet, sich am 17., 18. unv 19.April dieses Jahres dahier bei einer gemeinsamen Berathung durch einebeliebige Anzahl ihrer Mitglieder zu belheiligen.

AIS nothwendige Gegenstände dieser Berathung glauben wirbln Vor-schlag bringen zu müssen:

1) Feststellung derjenigen organischen Einrichtungen, deren es bedarf,um das erwünschte Zusammenwirken der Vereine für die Zukunft zu erzielen;

2) Einigung über diejenigen politischen Fragen, welche für die Ver-hältnisse der katholischen Kirche von Bedeutung find, so wie übe? die Stel-lung, welche die Katholiken alö solche im Verhältnisse zu den gegenwärtigbestehenden politischen Parteien einzunehmen haben. Unter den politischenFragen, welche für die Zukunft deS Katholicismus in Deutschland vonErheblichkeit sind, erkennen wir als die wichtigste diejenige, welche sich aufdie zu erstrebende Einheit unseres Vaterlandes bezieht;

3) Berathung über die Wirksamkeit der katholischen Vereine auf socia-lem Gebiete, insbesondere über die Stiftung von Vereinen deS heiligenVincenz von Paulo.

Von einzelnen Mitglieder unseres VereinS ist beantragt worden, daßin derselben Generalversammlung berathen werden möge:

1) über eine von den Katholiken Rheinlands unv Westfalens zu lei-stende Beisteuer für den heiligen Vater, und

2) über dasjenige, was schon jetzt für die Stiftung einer katholischen Universität geschehen könne.

Sonstige Anträge, welche von anderen Vereinen oder einzelnen Mit-gliedern derselben beabsichtigt werben, bitten wir, zum Behufe der Fest-stellung des Programms, uns vor dem 14. April gefälligst mittheilen zuwollen.

Wünschenswert!) scheint es uns, daß jeder eingeladene Verein wenig-stens drei seiner Mitglieder hierher sende, um, falls es nöthig seyn sollte,daß die Versammlung sich in mehrere Sectionen theile, sich in jeder Sec-tion vertreten zu lassen. Köln 2. März 1849. Der Vorstand LeS Ver-einS Piuö IX. A. A. I. P. Bachen,, Vicepräsident .

AuS dem Nassauischen, 4. April. Die Vereine für Erhaltungund Erringung religiöser Freiheit und zur Vertheidigung gegen die Angüsseder Feinde der katholischen Religion sprossen, wie man jetzt von allenSeiten unseres Landes vernimmt, üppig auf und mehret sich deren Zahlvon Tag zu Tag, und gewiß würde deren Zahl jetzt schon weit größerseyn, wenn nicht anfänglich viele unserer Geistlichen auS Gemächlichkeitoder aus der ganz unrichtigen Ansicht,die katholische Kirche bedürfe zuihrem Schutze keiner besonderen Vereine," statt dieselben zu fördern, den-selben oft geradezu entgegen getreten wären. Freilich hat der Herr seinerKirche die Verheißung gegeben, daß ihr die Macht der Hölle nichts anha-ben solle; darf darum aber der Katholik, vor allem aber der Verkünoigerdes Evangeliums, die Hände in den Schovß legen, und dem lieben Gott^eS überlassen, für seine Kirche zu sorgen? Nein, gewiß nicht. Der lieb?Gott wird seine Kirche schützen, wo es nöthig ist; er will aber auch, daß ^deren Mitglieder mitwirken, selbst zu ihrem Seelenheils beitragen und nu?da, wo deren Kräfte nicht ausreichen, seinen Schutz in Anspruch nehmensollen. Jeder gute Katholik, dem an seinem und seiner Kinder Seelenheilsgelegen ist, hat gewiß schon lange gewünscht, daß seine Kinder in einerkatholischen Schule, von in einem katholischen Seminar gebildeten Lehrer,?erzogen werden möchten. Wie viele Gemeinden haben aber ohne die^Anregung von Seiten der katholischen Vereine daran gedacht, diese ihreWünsche öffentlich kund zu geben? Während früher kaum zwanzig undetliche Petitionen vereinzelt an die Sländekammer gelangten, kommen nunauf Anregung der Vereine dieselben in Masse von allen Seiten deS Landesbei unserer Regierung und Ständekammer ein. Wird man hiernach nochferner die Behauptung ausstellen können:nicht das katholische Volk,sondern nur einige Jesuiten und ultramontane Geistlichen verlangten die

Elementarschulen und Schullehrer-Seminarien nach den Konfessionen ge-trennt?" Ja, Aufgabe der katholischen Vereine ist eS, den Regierungennachzuweisen, was das katholische Volk in religiöser Beziehung will, undnur dadurch werden wir eS erreichen, daß dieselben seinen gerechtenWünschen endlich entsprechen müssen. (Katholik.)

j- Augsburg. Nachstehendes schöne Schreiben deS PiuSvereinS inOitobeuren an den hiesigen Piusverein wird laut Beschluß deS letztem zuröffentlichen Kenntniß gebracht.

Der PiuSverein in Oitobeuren an den PiuSverein in

Augsburg.

Im höchsten Grade betrübend ist eS, in Zeiten, da jeder das süßeWortFreiheit" im Munde führt, gerade auf Seite derjenigen, derenMund von Lobpreisungen der Freiheit überquillt, Bestrebungen wahrnehmenzu müssen, die nur zu klar an den Tag legen, wie sie dieses Gut Freiheitnicht bloß für sich allein ansprechen und andern Gleichberechtigten entziehen,sondern tollkühn und geblendet von maaßloser Selbstsucht geradezu Knech-tung aller jener, die ihren gottlosen, gesetz- und ordnungswidrigen Bestre-bungen ferne sind, verlangen und somit den geheiligten Grundsatz:Rechtund Freiheit für Jedermann" schamlos und frech genug mit Füssen treten.

Als eine solche betrübende, unwillenerregende Erscheinung betrachtenund bezeichnen wir unter andern, auch das September-Votum des Pfälzer-Landratheö, nach welchem es als unabweisbare Nothwendigkeit erscheint,von Errichtung neuer klösterlicher Institute gar nicht mehr zu sprechenselbst die bereits bestehenden ohne Zögerung zu entfernen. Dieselben beste-hen nach dem beliebten AuSdrucke des Pfälzer-Landrathes zum Aerger derPfälzer jener Minorität, die einer glaubenSverkommenen Zeit entwach-sen, waS an ihr ist, redlich dazu beiträgt, Religion und Gottesfurchtunter den Menschen verschwinden zu machen, und um zu diesem Ziele zugelangen, allem, was religiös-sittlicheS Leben zu wecken, zu befestigen undkräftig und lebensfrisch zu erhalten vermag, von vornehercin auS Grund-satz gram und groll ist dieser Minorität ja! ihr sind derlei Instituteein Stein des Anstosses, ein Dorn im Auge, ein Gegenstand des AergerS:nie und nimmer aber wird man uns glauben machen können, daß jenekirchlichen so nutz- und segenbringenden Institute der bei weitem überwie-genden Majorität, die fest an Religion, an Recht und Ordnung hält, wiesie anderseits dem wahren, zeitgemäßen, gesetzlichen Fortschritte huldiget,zum Aerger sind. Wir können das Votum des pfälzischen Landrathes nurals Gesinnung«-Ausdruck jener Partei bemitleiden und bedauern, die inihrem unsinnigen Anstürmen gegen Gott und Göttliches, gegen Gesetz undOrdnung das große Wort führen, sich als überwiegende Majorität hin-stellen, und im Namen des Volkes sprechen zu müssen glaubt, währenddoch dieses selbst die von der andern Seite trüglich vorgegebene Majoritätin Wirklichkeit bildend, nichts weniger, als jene gottlosen Grundsätze bil-liget, vielmehr mit gerechtem Unmuthe auf dieses unsinnige Thun undTreiben Hinblick?

Haben wir bisher in Hoffnung des Bessern geduldig und großmüthiggeschwiegen, so können wir doch jetzt nicht mehr verkennen, daß eS bereitshohe Zeit ist, der Gefahr zu begegnen, durch wenige Schreier unsersguten Rechtes, unserer heiligsten Güter beraubt zu werden. Darum erhe-ben wir unsere Stimme, unsere Gesinnung auSzusprechen und werden nichtablassen zu rufen, bis eS uns gelingt, durch unsern Ruf um Recht undGerechtigkeit die Stimme deö Unrechtes und der Gottlosigkeit zu übertönen.Darum wollen wir uns zusammenschaaren, einmüthig und brüderlich ein-ander die Hand reichen, wir alle, die wir für Recht und Wahrheit, fürOrdnung und gesetzliche Freiheit im Herzen erglühet sind, und so aufSinnigste miteinander vereiniget den Religions- und Rechts-Verkehrern alsRechlS- und ReligionS-Verehrer unS entgegenstellen. Auf welcher Seite dieMajorität ist, wird der Erfolg unserer Messung weisen.

Erwünscht ist eS uns, als erste Bethätigung unsers innigsten An-schlusses, dem zu Augsburg, der Hauptstadt unserer Diöcese bestehendenPiusoereine unsere volle Zustimmung zu seinem Sendschreiben an die katho-lischen Männer der bayerischen Pfalz kundzugeben unv die in demselbenausgesprochen Grundsätze ganz aus unserm Herzen gesprochen zu erklären.

Oitobeuren, den 4. März 1849.

(Folgen 85 Unterschriften.)

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags-Inhaber: F. C. Kr einer. '