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Neunter Jahrgang.
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Peterspfenning.
DaS sichtbare Oberhaupt der hl. Kirche ist in Noth und Bedrängniß!Diese Kunde hat in allen Theilen der Christenheit die Gefühle des teil-nehmenden Schmerzes angeregt. Die heilige Flamme der Liebe, welche dieGlieder mit dem Haupte verbindet, wird stärker und zahllose Gebete undThränen steigen täglich als gottgefällige Opfer für daS Heil der Hirtenund der Heerde zu dem Thron der Erbarmungen auf. Die Lämmer sehenihren Hirten, die Kinder ihren heiligsten Vater mit seinen Rathgcbern,den Cardinälen, auf der Flucht, dem Mangel preisgegeben — und sieh!eS becifert sich ein christliches Volk nach dem andern, sich den süßen Trostzu bereiten, dem Stellvertreter Jesu Christi auf Erden zeitliche Hilfe zuleisten. Frankreich begann die Sammlungen unter dem Namen: Werk vonSt. Petri-Hellcr. Welche Gesinnungen die Geber der frommen Spendenbeseelt, erhellet aus den vielen rührenden Aeußerungen und Zuschriften,mit denen sie ihre Gaben begleiteten; statt vieler stehe hier eine einzige,die des Volksvertreters GaSlonde.
„Mit Schmerzen," schreibt er, „habe ich die letzten Vorgänge inRom gesehen. ES ist mehr der Staatsmann, als der Christ, den sie inmir tief betrübt haben. Für daS Papstthum ist mir nicht bange; aberbange ist mir für die Freiheit Italiens. ES ist daS LooS LeS Papstthums,wie des Katholicismus, angegriffen und verkannt zu werden; untergehenkann eS nicht. Die Freiheit Italiens aber kann ihr Grab finden in denAusschreitungen einer wilden und zügellosen Volkshetzerei. Der Glanz derTiara schimmert zu Gaöta eben so hell, als in Mitten der Pracht desVatikans. Und ist die Herrscherkrone auf der Stirne PiuS IX. zerbrochen,so hat der Kirchenfürst nie größer und erhabener dagestanden, als von demAugenblicke an, wo er die feierliche Weihe deS Undankes und der Trübsalempfangen, und der Christenheit gezeigt hat, mit welcher inneren Heiter-keit und welcher Seelengröße er beide zu ertragen wisse."
„Verzeichnen Sie doch meine kleine Gabe als ein Zeugniß für mei-nen politischen Glauben sowohl, als für mein christliches Bekenntniß.Hoffen wir auf bessere Tage, hoffen wir, daß eS dem, welcher so muthigdie erste Hand legte an die vielersehnte Wiedergeburt RomS und Italiens, auch vergönnt sey, sie unterm Zujauchzen der Völker zu vollenden. Möch-ten die Römer bald zurückkommen von den Bethörungen ihres irre gelei-teten PatriotiSmuS, und erkennen, daß für Italien Einheit und Freiheit nichtanders möglich sind, als mit dem Papstthum und durch daS Papstthum."
Unter den vielen Beiträgen, die bereits theils dem Comite für reli-giöse Freiheit in Paris, theils dem päpstlichen Nuntius daselbst zugestelltworden sind, wollen wir nur erwähnen: von Cambrai die Summe von17,000 Fr., von Straßburg 20,000 Fr., von Langres 10,000 Fr., vonGrenoble 6000 Fr. Der Erzbischof von PariS hat auS seiner Erzdiöcesebereits die Summe von 60,000 Fr. übergeben. AuS allen Diöccsen Frank-reichs gehen fortwährend bedeutende Summen ein.
Die Sammlungen in England haben einen ähnlichen Erfolg. BischofWiseman hat so eben 30,000 Franken, die im Distrikt von London gesam-melt sind, an den Cardinal-Staatssecretär nach Gaöta abgesandt. ZuNewcastle fand eine große Versammlung statt, bei welcher die anwesendenGeistlichen jeder 25 Franken unterzeichneten und den Beschluß faßten, inallen Pfarrsprcngeln Subscriptionen zu eröffnen. Irland, daS „arme"Irland hat bereits eine erste Sendung von 150,000 Franken abgehen lassen.Die Journale von Madrid melden, daß in ganz Spanien Vereine LeSSt. Petri-Heller sich gebildet haben. Von Turin auS erfährt man gleich-falls, daß die sardinischen Bischöfe in allen Diöcescn die Bildung solcherVereine bewerkstelligt haben. — Der Cardinal-Erzbischof von Neapel hatzu gleichem Zwecke an alle Bischöfe deS Königreichs ein Rundschreibenerlassen. Zunächst und unverzüglich soll durch Unterzeichnung von einma-
ligen Gaben den augenblicklich dringendsten Bedürfnissen des heil. Stuhlesabgeholfen, später aber sollen regelmäßige monatliche Beiträge eingesam-melt werden. — Auch in Deutschland haben die Sammlungen begonnen.
Ein Bischof.
(Wiener .stirchenzeituug,)
In einer Zeit, wo eS sich um kirchliche Freiheit handelt, wird eSnicht überflüssig seyn, daS Leben jener Männer durchzuforschen, die imVerlaufe der Kirchengeschichte als Heroen gegen die Vcrknecbtung der Kirchegestritten, und im Kampfe Verfolgung und Elend, Verbannung und selbstden blutigen Tod nicht gescheut haben. Unter diesen Männern ist ThomasDecket, Erzbffchof von Cainerbury und heiliger Martyr. Sein ganzes Lebenkann als ein wahrer Bischossspiegel gelten, jeder einzelne Zug auS dem-selben ist daS Gepräge eines großen Charakters. Sohn deS englischenRitters Gilbert, und einer Prinzessin aus dem Orient, die Gilbe« alsGefangener am Hofe ihres Bakers kennen lernte, und die demselben, alser befreit war, nach London folgte, dort die heilige Taufe empfing, undmit ihm in den Bund der Ehe trat, — hat eS den Anschein, als ob schonbei Becket'S Geburt jener Anfing von Romantik anf die edle Ritterlichkeithingedeutet, welche er in der Folge so gut mit der Frömmigkeit, Leu Pflich-ten und Tugenden des Bischofs in Einklang zu bringen wußie. AIS Erz-diacon des Metropoliten Theobald von Canterbury wurde er, fast nochein Jüngling, zum Reichskanzler Heinrich II. ernannt, und wußte an einemüppigen Hofe, bei einem ungeheuern Einkommen, bei Verlockungen vonallen Seiten seine Tugend zu bewahren. ES gibt keine wahrhafte, christ-liche Seelengröße ohne Demuth. Demuth ist der Grundbau der Tugend,in ihr ist auch der wahre Muth enthalten. Denn Demuth ist nicht Feig-heit und Kriecherei, wenn es gilt der Wahrheit Zeugniß zu geben; —und Aufgeblasenheit und augenblickliches Beleidigtsey» gegenüber von Unter-gebenen. Der Prüfstein der Demuth ist nicht darin zu suchen, wie mansich gegen Vorgesetzte, gegen Machthaber, gegen solche, von denen manwaS zu erwarten hat, oder in deren Gunst man verbleiben will, benimmt,der Prüfstein der Demuth ist das Benehmen gegen Untergeordnete, gegenUntergebene, gegen Arme, gegen Irrende. Suchen wir demnach, in wel-chen Tugenden der Muth, welchen Thomas im Kampf für die Freiheitder Kirche bewährte, begründet gewesen ist. Auf dem Wege nach seinemerzbischöflichen Sitze gab er dem einfachen Geistlichen Herbert, der mit ihmzog, folgenden Auftrag: „Ich wünsche, daß du mich heimlich von allembenachrichtest, was du von mir zu sagen weißt, und alle Fehler mir sagst,die in meinem Betragen zu bemerken sind;*) denn eS ist wahrhaft einDienst, den unS unsere Feinde erweisen, indem sie uns unterstützen dadurch,daß sie BöscS von uns sagen, um unS besser kennen zu lernen, damit wirmit größerer Sorgfalt über unsere Worte oder Handlungen wachen können.Ich wünsche also vorzüglich, daß du mir alle Fehler sagst, die du an mirzu bemerken glaubst, da zwei Personen klarer sehen, als eine einzige."So berichtet uns Abbe Robert in seiner Lebensgeschichte deö heiligen Tho-mas Decket. Da ihm als Kanzler wenig Zeit blieb die Wissenschaft zupflegen, so suchte er nun als Bischof das Versäumte nachzuholen, er um-gab sich mit gelehrten Theologen, unter denen Bosham obenan stand, hörteauf ihre Rathschläge und befolgte sie. Einst sagte er zu einem Freunde:„Wie glücklich wäre ich, wenn mir Gott die Gnade gäbe, mich von jedemGeschäfte und jeder Sorge zu befreien, damit ich in heiliger Ruhe nur
*) Er hätte ja auch sagen können: „Sage mir ja nicht- Unangenehme-, denn dasgreift meine Nerven an." Wir sagten nicht umscnsi, die Demuth ist der Grundstein desMuthe-; wir können auch umgekehrt behaupten, Muth ist der Grundstein der Demuth;denn e- gehört der größte Muth dazu, demüthig zu seyn — der größte Muth: dirWahrheit unter allen Umständen fich sagen zu lassen, um ihr dienen zu können.