>s-
M
W
I' 7
«2
darauf denken könnte, mich zu nähren an seinem göttlichen Wort. Wienützlich und vortheilhafl wäre es mir, dadurch jene Zeit zu ersetzen, derenich durch meine früherenWeschäflignngen in der Welt verlustig gewordenbin." Um Decket in seinem Derhältniffe zu dem König zu würdigen,dürfen wir nur die Ungefaßte Charakteristik beiver anführen. Heinrich H.zeigte nach außen luEine feine Erziehung, eine würdevolle Haltung, erkonnte sogar leutsM und scherzhaft seyn; „aber (erzählt Robert) dieseblendende Außenseite verbarg ein Herz, welches sich zu den nichtSwürdig-sten Kunstgriffen erniedrigen und mit seiner eigenen Ehre und Wahrhaftig-keit spielen konnte. Nieniand Föchte seinen Behauptungen glauben, nochseinen Versprechungen tränen." Lingard berichtet, daß der Cardinal Vivian,nachdem er einst mit Heinrich eine Unterredung gehabt, sich also über ihnäußerte: „Nie sah ichMmand, der diesem Manne im Lügen gleich käme."Lingard selber sagt von ihm: „Er war eifersüchtig über jegliche Autorität,die nicht von ihm ausging, und seinem Willen dienstbar war. Er warstolz auf seine Günstlinge, die ihm alles zu verdanken halten, Widerspruchkonnte er keinen vertragen. Wer seinem Gebote zu gehorchen zauderte,oder leinen Begierden zu widersprechen wagte, ward dem Berderben geweihtund mit der unversöhnlichsten Rache verfolgt u. s. w. Stolz, Jähzorn,Hinterlist und Falschheit waren die hervorstechenden Züge seines Charakters.Hingegen wird Thomas Decket von Robert kurz also geschildert: Bieder-keit, Aufrichtigkeit, Freiheit, Selbstvcrläugnung, zärtliche Liebe zu denArme», erklärter Beschützer der Kirche, unerschrockener Vertheidiger ihrerUnabhängigkeil und ihrer Güter, ihrer Immunitäten und ihrer Freiheit;siehe diese Eigenschaften strahlen mit großem Ruhme auf der cclen undgroßen Gestalt deS Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury und PrnmaS von England .
Wie ernst eS ihm gewesen ist, als er die oben angeführten Wortezu dem Priester Herbert sprach, das sehen wir in einem der denkwürdigstenEreignisse seines Lebens bestätigt. AIS ihm bei der Bischofsversammlnngzu Clarendon die famosen 16 die kirchliche Freiheit verknechtendcn Artikelvorgelegt wurden, drohte der König ihn und die Bischöfe zu tödten, wennsie nicht unterfertigen wollten. Da wird nun Thomas bestürmt von allenSeilen, um nachzugeb>n. Schrecken lag auf der Versammlung. Richardvon HastingS, der Großprior der Tempelritter , die Grafen Cornwalt undLeicester, viele andere Große warfen sich dem Primaö zu Füßen, um ihnmit Thränen zur Nackigiebigkeit zu bewegen. Schon schwankte Thomas undfing an, seinen gerechten Widerstand aufzugeben. Aber die volle Entschei-dung war noch nicht ausgesprochen. Wohl halte auch Thomas schon unter-schrieben — aber nur mit der Bedingung, daß die Constitutionen diealten, im Königreiche üblichen seyen. AIs aber der König die Satzungenausgearbeitet im Einzelnen vorlegte, und an Eitcsstatt von Thomas dieSiegelring verlangte, da erkannte der Primas, daß er einen Verrath ander Kirche besiegeln würde. Er weigerte sich und bat sich Bedenkzeit anS.— Nun tritt jener Umstand ein, der uns den Bischof in seiner wahrenGröße und Erhabenheit zeigt. Schon begann er auf dem Heimwege vonClarendon den verhängnißvollen Schlag zu erkennen, der gegen die Kirchegeführt werden sollte. Die Einen seiner Begleiter, Hofschmeichlcr undGunstjägcr lobten sein Thun und suchten ihn einzuschläfern, sie nanntenihn klug, daß er der Nothwendigkeit und der Zeiten Ungunst sich gefügthabe — und diese hörte er nicht; andere, aber wie sich denke» läßt,die geringere Zahl, doch vorn reinsten Eifer belebt, beschuldigten ihn desVerrathe« an den Interessen der Kirche. Der Erste, welcher mit demMuthe der Wahrheit gegen ihn hervortrat, war eine sehr untergeordnetePersönlichkeit dem Rang und der Würde nach — es war sein KreuzträgerEduard Grim,^) dieser machte dem Erzblschof lebhafte Vorwürfe, indemer sagte, daß er durch sein Versprechen diese schlechten Gebräuche beobach-ten zu wollen, einen Verrath an seinem Gewissen begangen, und derNachwelt ein trauriges Beispiel gegeben habe, daß er sich mit den Dienerndes SatanS gemeinschaftlich verbunden, um die kirchliche Freiheit zu zer-stören. Was war nun die Folge dieses VorwurieS? Ein schwacher Apostel,ein kleiner Geist hätte solchen Vorwurf mit ewiger Ungnade, ja vielleichtsogar mit unversöhnlicher Verfolgung vergolten. Was aber hat Becket gethan? Beaulieu gibt uns die Antwort: „Dieser so beißende Vorwurf anSdem Munde eines seiner geringsten Kleriker, und dieser Eifer, derihm übertrieben scheinen konnte, mißfiel ihm nicht. Er betrachtete nichtden, der so sprach, wer der sey, auch nicht sich selber und seine Würde,sondern glaubte vielmehr, daß seines Dieners Mund ihm GottcS Willenkünde, er demüthigte sich, vernichtete sich in der Tiefe seines Herzens und
') Derselbe Grün war es, der die tödtlicbcn Schläge auf Beekcr'S Haupt mit,euicr Hand auffing und verwundet wurde, der bis zum Tcdc bei seinem Meister aus-
während die andern aus der biscl'östicken Begleitung aus Angst flohen oder sichversteckten. Grim, der dem Primas die bitterste Wahrheit sagte — stand auch mit seinemreden für denselben ein. Nicht so die Kriecher und Schmeichler.
sprach in Thränen zerfließend: „Ich erkenne eS, mein Gott, daß ich gesün-diget habe; daö Verbrechen, das ich begangen, erfüllt mich mit Abscheu,und ich verdamme mich von jetzt an, mich deinem Altare zu nähern, dessenich mich unwürdig gemacht. Du hast mich zum Wächter deiner Kircheaufgestellt, und ich unterjoche sie durch eine leichtsinnige Gefälligkeit. Ichhabe durch ein Wort die ganze Frucht langer Arbeiten meiner Vorgängerzu Grunde gerichtet. Ich habe die Pforte deines Hauses den Gewaltigender Erde geöffnet, und habe dein Heiligthum entheiligt, indem ich es den! Profanationen der Menschen aussetzte. Du-hast mich, o mein Gott, mit!sehr großer Gerechtigkeit verlassen, da ich mich auS der Schule deS Welt-! Heilandes zurückgezogen, aber um in Mitte des Hofes zur Regierung deiner' Kirche erhoben zu werden. Ich will weinen und im Verborgenen bleiben,bis du mich besuchest von oben und mein Verbrechen in die Hände des-jenigen zur Vermittlung stellst, welcher auf Erde der Stellvertreter deiness Sohnes Jesu Christi ist." (Schluß folgt.)
Die falschen Propheten der Neuzeit.
„Nach Calisornien!" erschallt von vielen Seiten der Aufruf. Erden-glück das Ziel des Feldzuges; Gold! Gold! die Losung. Doch nurWenigen ist eS möglich, diesem Feldgeschrei auch Folge zu leisten; undmanche, denen eS wohl möglich wäre, ziehen es vor, anstatt nach denGoldklumpen Californiens zu graben, nach jenen unschätzbaren Goldkörnernzu spüren, welche gotterleuchtete Männer in ihren Aussprüchen hinterlegthaben. Voll solcher Goldkörner himmlischer Weisheit sind die wenigen,aber inhaltschweren hinterlassenen Schriften deS unvergeßlichen G. W. Witt-mann, Bischofs von RegcnSburg. Ein gewichtiges Wort, das er alsSeminariumsregens bei den Priestererercizien im Jahre 1828 sprach,möge hier seine Stelle finden, — um so mehr, da der heiligmäßige Mannnicht selten in ahnungsvollen Lichtblicken der Zukunft voraus eilte.
Es sind, sprach er, in Deutschland , und man darf sagen, in demganzen cultivirten Europa drei falsche Propheten aufgestanden, diein den Gärten GotteS überall große Verwüstungen anrichten.
1. Der erste falsche Prophet hat sich bereits zum Gott der Weltcreirt; ich meine den weltberühmten und überall angebeteten Lebens-genuß, dem Alt und Jung, Groß und Klein, Hoch und Nieder, Herrund Knecht, Mann und Weib, besonders Jünglinge und Mädchen Tem-pel, Ccipellen und Altäre bauen. Hoch stolzirend spricht er, dieser Lügen-geist: Es wundert mich selbst, wie mich die Menschen so gar in Ehren
!halten, da ich sie doch arm und krank und siech mache, und ihnen amEnde znm Dank für ihre Anbetungen nichts als frühen und schmerzlichenTod bringe, nachdem ich ihnen alle Güter deS LebenS: Gesundheit, Ehre,Religion, GewissenSruhe und häusliche Zufriedenheit geraubt habe!
Sie, liebe Brüder, wissen wohl, daß wir keinen unschuldigen Genußunschuldiger Freude verdammen; jede Erheiterung, jeder Ausdruck der Fröh-lichkeit, selbst jede Lustbarkeit, wobei Maaß, Ziel und Gränze, Schain-haftigkeit und Ehrbarkeit präsidiren oder wenigstens Wache halten, gönnenwir dem muntern Geschlechte gern. Aber Genußsucht, besser Gennßwuth,ist etwas, das sich weder vor dem Urtheile der Vernunft, noch vordemNichterstuble der Religion, ja nicht einmal vor der Tribune einer geord-neten Staatspolizei wird rechtfertigen können.
Dieser gesetz- und gränzenlose Lebensgenuß verschlingt in seinen unend-lichen Abgrund alle Tugend, alle Ordnung, alle Achtung für Gott unddas Göttliche mit dem Leben der tollen Genießer; und eS ist ein wahresWort: „Wo sich dieser nicht mehr vcrlarvte, sondern mit offener Stirneauftretende Epikuräismus zur vorder» Thür des HauseS herein drängt,da muß der ChristianiSmuS zur Hintern Thür hinaus."
2. Der andere falsche Prophet ist Goliath der Zweite, daSgroße Lästermaul, das der christlichen Religion, der katholischen Kirche ,dem Priesterthnme und allen frommen Kindern GotteS Hohn spricht; daSin so vielen Blättern des TageS, als wenn es ein Schutz- und Trutz-bündniß mit ihnen errichtet hätte, seinen Unsinn predigt, und im Grundedoch nur Geringachtung, Verachtung alles Heiligen, Gleichgiltigkeit gegenReligion und Ordnung herbeiführen kann.
Von dem Philister sagt die Schrift, daß er 40 Tage nach einanderMorgens und Abends auS seinem Lager hervortrat, und dem Volke Got-tes, seinem gesalbten Könige und seinem Gott Hohn sprach, bisihm der Hirtenknabe David, im Namen Gottes kommend, mit einemKiesel auS seiner Schleuder die freche Stirne traf, und den Lästermundauf ewig schloß.
Jeder Christ, mag er auch schwach und gering seyn wie David derHirtenknabe, soll im Namen deS Herrn kommen, und ein zweiter Davidseyn gegen jeden Lästermund.