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9 (22.4.1849) 16
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3. Der dritte falsche Prophet ist der berüchtigte Weltkrämer,der mit seiner Schlechtwaare die Völker vergiftet, und die in Sammt undSeide verhüllten, und mit Brillanten und Perlen übersäeten Fesseln derGeistessklaverei unter der FirmaMündigkeit und Freiheil" allerWelt feilbietet. Unsere Jünglinge stehen andächtig um das schimmerndeWaarenlage des WeltkrämerS und seiner Gesellen umher, und handelnblindlings gegen Darangabe deS stillen, reinen, züchtigen Sinnes die ver-goldeten Fesseln ein. Sprechend:Wir sind frei!" tragen sie ihrenNacken schon höher, um das sanfte Joch der Gottesfurcht niio deS Respec-tes gegen Lehrer und Vorgesetzte abzuschütteln, daS Schwcrdrückente desrohen, groben, leidenschaftlichen, wilden Wesens sich aufhalsen zu lassen.

Diese drei falschen Propheten treiben ihren Seelcnschacher unter derschönen Devise:Der bessere Zeitgeist im Bunde mit seinen dreiRepräsentanten."

Gegen diese Lügengeistcr, gegen diese Widersacher der Religion, derOrdnung, der Gerechtigkeit auf den Kampfplatz zu treten, und sie mit demSchwerte des göttlichen Wortes zu bestreiken, ist die Pflicht jedes beson

neuen Mannes, jedes Christen, vorzüglich aber des Priesters und Bischofs, angesprochen und befriediget hat. Dieses kleine Land, daS jeden Zoll breitEs ist also eine wichtige Frage, die jeder von uns an sein innerstes Be-! Interessantes bietet, sollte eigentlich jedermann, der nur etwas Gelegenheitwußtseyn zu thun hat: Bist tu vollrüstig und Held genug, um ktincn Fuß! hat, kennen lernen. Der Kaufmann und Künstler, der Gelehrte und Land-breit Land dieser dreifachen Weltverführung zu überlassen in deinemHause, in deinem Wirkungskreise? Zwar werden sie dich bald als einen

der Ordnung sich bewegend, daS Füllhorn seines Segens über uns aus-schütten. Aber weil der beste Same keine gute Frucht bringt, wenn nichtdas Erdreich gehörig gepflegt wird; so ergeht an jeden, der Kraft undguten Willen besitzt, der heilige Aufruf den Weg zu bereiten, damit dieneue Zeit ihn nicht überrasche und er nicht rath- und thatloS die Waffenstrecken müsse wenn ihr gewaltiger Hauch ihn berühret.

Derlei Gedanken waren cS, die den Schreiber dieser Zeilen bewogen,die Gränzen seines österreichischen Vaterlandes auf einige Zeit zu über-schreiten, um die neue Zeit mit ihren Früchten auch anderSwo kennen zulernen. Ich übergebe diese Zeilen der Oeffentlichkeit, theils aufgefordertvon wohlmeinenden Freunden, theils um den Lesern der Kirche,izeitungeinen Wink zu geben, was in unseren kirchlichen Zuständen noch zu wün-schen, zu ändern und zu bessern sey; muß aber gleich anfangs gestehen,daß ich durchaus keine gelehrte Reisebcschreibung liefere, sondern eben nurein zwangloses, ganz subjeciiv aufgefaßtes Bild entwerfen will über jeneLänder, die ick auf der Reise berühret.

Ich wählte zuerst Belgien , weil eS mich unter allen am meisten

Missionär des Aberglaubens, bald als einen Apostel der Finsterniß, undwie die unheilige Litanei ihrer Schimpfwörter weiter heißt, ausschrcien;aber gehe du im Namen des Herrn deines Weges ohne umzusehen, undruhe in dem Schalten des Kreuzes auS; denn die Religion, zu der wirunö bekennen, ist die Religion deS Kreuzes, und keine andere.

Hat der verewigte Wittmann mit dieser Schilderung seine Zeit imAuge gehabt, oder wohl gar im prophetischen Vorgefühle die unsrigegezeichnet? Ich glaube fast das Letztere. Daher will ich eine ernste Mah-nung daran reihen, die er bei einer andern Gelegenheit an seine Priester-hauS Alumnen sprach. AIS er unter lautloser Stille, nur durch daSSchluchzen seiner tief gerührten Zuhörer öfter unterbrochen, ihnen in herz-ergreifenden Worten ihren hehren Beruf schilderte, setzte er mit bedeutsamenNachdrucke bei:O, meine Herren, machen Sie sich gefaßt ick werdecS nicht mehr erleben, aber Sie erleben es noch nicht bloß auf Verfol-gungen all'v Art, sondern sogar auf das Martyrium müssen Sie gefaßtseyn. Merken Sie wohl: auch auf das Martyrium!" Und seinen horchen

^ mann wird eben so viel Stoff deö Lehrreichen vorfinden, wieder Theologeund Priester. Da sind großartige Handelshäuser, welche mit der ganzen

Well in dirccter Verbindung stehen, da blühen Handel und Gewerbe, daist Betriebsamkeit in Fabriken und kühnen Bauten, da rasseln die Räder,und sprühen die Dampfer und rauchen die Schornsteine, daß einem daSHerz dabei im Leibe lacht. Da sind keine unbeschäftigten Hände, dennder gefürchtete Stand deS Proletariates ist so viel als möglich beseitiget,und wohin daS Auge blickt, auf Häusern und öffentlichen Baute», aufStraßen und Bergen herrscht durckgehendS ein gewisser Tvpuö der Nettig-keit und des natürlichen Anstandes. Wie wohl thut es einem, wenn mandas bewegte und lieblos zerrissene Deutschland verläßt, und in diese Ge-filde kommt, über welchen der Engel des Friedens schwebt, und welchedie Segnungen der Freiheit auf eine kluge und gesunde Weise sich zuNutzen machen. Wenn man einen Belgier fragt, wie er zufrieden sey, sokann er nicht beredsam genug sein Glück schildern, er fühlt sich wie ineinem irdischen Paradiese, und kann durchaus nicht begreifen, wie cS inanderen Ländern so toll und voll zugehen könne. Die liberale constitutio«nelle Verfassung, welche Belgien seit dem Jahre 1830 genießt, ist die

den Scküle.., klangen diese Worte aus Witimanns Munde wie die eines Schöpferin seines GlückeS, und mit Liebe hängt er deßhalb an seinem Ne-gottcrfüllten Sehers, und sie haben sich dieselben wohl gemerkt. Aber auch! genten, jh,n als die beste Garantie für persönlichen Schutz und Aus-tin Andenken deS gläubigen Volkes lebt die Ennnerung an Wittmann und! rechthaliung der Verfassung gilt, wie dieß ja auch die Ereignisse deö ver-feme Worte noch lebhaft fort. Im Munde des Volkes heißt es wohlder! flossenen Jahres bewiesen. Die Franzosen wollten die junge Republik nachheilige Bischof," und schon als er starb (1833), wollte Niemand für ihn! Belgien hinüberspielcn, und sie machten schändlich Fiasko; und als nachbeten, sondern flehte ihn um seine Fürbitte an. Durchwandert der Reisende! dem Sturze Louis Philipps der König abdanken wollte, baten ihn diedie weiten Hallen des herrlichen RegenSburger Domes, so findet er dort! Stände, auf seine», Posten zu verbleiben zum Wohle deS StaateS.

nebst dem Grabmale des unvergeßlichen Sailer auch daS Denkmal

Doch ich vergesse, daß ich ein kirchliches Neisebild geben wollte.

ittmanns, an dem nicht selten viele Gläubige in den verschiedensten! - Darum versetzen wir unö in die erste belgische Stadt, die man von

Aachen Herreisenb, berühret, NamenS Vcrviers. Weil die Locomotivegewechselt wurden, so hatten die Passagiere hinlänglich Zeit sich in demweitläufigen, lururiös erbauten Bahnhöfe umzusehen, oder in den niedlichenGärlchen, die diesen umgeben, zu späteren. AIS ich das letztere vorzog,fiel mir alsogleick eine große, majestätische Gestalt auf, die gemessenenSchrittes in schwarzen Strümpfen und Schuhen einhcrschritt. Es war einLandpfarrer, der seinen Bruder zu besuchen hieher gekommen war. Ichsprach ihn an, und obwohl wir gegenseitig unö anfangs nur halb verstan-den, indem er schlecht deutsch und ich nicht gut französisch sprach, so wur-den wir roch bald recht vertraut, und nahmen in demselben Waggon unserePlätze. Ich lernte im Verlaufe des Gespräches immer mehr seinen liebe-vollen und bescheidenen Charakter kennen, und die väterliche TheilnahmeAnsprüche und höhere Forderungen ergingen an den. Diener des Staates Sätzen, mit der er von seiner Gemeinde sprach. Kurz ich vergaß in der

Anliegen um seine Fürbitte kniecnd beten. Gesicht und Hände seiner Abbildung sind schon ganz abgenützt von den unzähligen Küssen seiner andächtigcn Verehrer. Eine gedrängte Geschichte seines musterreichen Lebensnebst seiner Abbildung ist bei Manz in RegenSburg 1844 in vierter Auf-lage erschienen. (Kath. Bl. a. Tirol.)

Kirchliche Reisebilder. *)

I. Belgien .

Die neue Zeit, welche mit dem Frühlinge des vorigen Jahreserwachte, regte allwärts neue Ideen und frischeres Leben an, und neue

freilich sind in Folge politischer Unerfahrenheit und Ungelenkigkeit so Landschaften, an denen wir voruberflogen, ichmanch goldene Ideen in ihrem befruchtenden Keime ersticket worden, und d>e ^^merkung: Wenn alle ^i?>n si»s der Zwischen^

daS, was uns Glück, Heil und Segen hätte bringen können, ist uns unter dann belgisches Volk. bist du gluck ich zu p e>e - ^ s-gr solwer arti-

der Hand zu Blut und verzehrendem Feuer geworren. Es liegt nicht mittönen stieg ein Studiosus von owen z , ^ ^ / Z

dem Zwecke dieser Zeilen über die Ursachen des totalen Mißlingens, oder 9^' gebildeter junger Mann. ^ ^ ^

über die Mittel, mit welchen man die Pestbeulen der Zeit heilen könnender er neben uns Platz nahm und d.e Na nrl.chke.t m,t ^Betrachtungen anzustellen. Genug, die Würfel einer neuen Zeit sind dem Landpfarrer nnterhielt. Auch ch ^. nämlich: dengeworfen, und bitter täuschen würde sich derjenige, der da in naiver Be- "'/h^ als ähnliche LebenScarrieren un z chs l . Wissenschaft

qnemlichkeit meinte, man könne mir nichts, dir nichts, zu den alten Fleisch- hohem GraduS, er m der juridisch ' ^ ^ -in Land alücklich ru

topfen EgyptenS zurückkehren. Nein, daS neue Leben wird sich auch bei nehmen. Auch hier konnte rch chno es schmerzte mich

»»-, WI- B ahn b,-ch-», und im G-i-I,- d-s und wm!"!« m» M da« du,fchl,°s- und ii-t-,»ch- i-d-u

*) Aus der Wiener Kirchenztg. an gewissen deutschen Universitäten verglich.