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Sonntags - Peiblatt
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Neunter Jahrgang.
M L8.
6. Mai L84N.
Kirchliche Reisebilber.
I. B e l g i e n.
(Schluß.)
In Antwerpen kam ich eben recht an, (es war an einem Sams-tage), um einer Procesfion, welche die Bruderschaft zum allerheiligstenAltarSsakrameute abhielt, beizuwohnen. In äußerst andächtiger Stellungfolgten dem Baldachin schwarz gekleidete Herren mit brennenden Kerzen inden Händen, und eben so nobel gekleidete Damen. Ueberhaupt konnte ichmich innerlich nicht genug erfreuen über den heiligen Ernst und die Erbau-ung, welche ich auf allen Gesichtern laS. Freilich trug das Seinigc auchder colossal majestätische Dom bei, welcher mit seinen sieben Schiffen und125'Säulen ein wahres Wunderwerk genannt werden muß. Ihr Feindeder katholischen Kirche kommet hieher, und besehet die Liebfrauenkirche mitihren himmelanstrebenden Gewölben, mit ihren trefflichen Glasmalereien,mit den unerreichten Schnitzwerken, und urtheilet, ob diese Kirche nichtdadurch schon unsterblich sey, daß sie die heilige Kunst so gefördert undgeschützt hat! Wer, der noch einen Sinn hat für die Meisterwerke einesRubens und van Dyck, welche in diesem Tempel Gottes verewiget sind,muß sich nicht aufgefordert fühlen, eine Kirche anzubeten und zu verherr-lichen, wtkche ihnen den Stoff und die heilige Begeisterung diesen auszu-führen eingeflößt hat? — Mit einem seltenen Frieden deS Herzens verließich den gothischen Tempel und nachdem ich in der Jesuitenkirche (manschlage ein lateinisches Kreuz) die Menge ihrer Beichtkinder an einemgewöhnlichen Tage bewundert hatte, ging ich die Scheide entlang hinauszu dem großen Hafen, in welchem bei 500 größere oder kleinere Kauffar-theischiffe vor Anker lagen. Es war Abend geworden, und die letztenStrahlen der Sonne spiegelten sich in den leicht bewegten Fluthen. Eineheilige SabbatSruhe, so wie ich sie in meinem Inneren fühlte, schwebteüber der sonst so geräuschvollen Stätte, und doppelt schön und glücklichkam mir in diesem Augenblicke daS belgische Land vor, und nur derGedanke an mein tief erschüttterleS Vaterland trübte mich in meinerSeligkeit.
WaS soll ich endlich in Kürze noch von Brüssel, dieser niedlichen,heimischen Residenz erwähnen, um die gütigen Leser mit meinem Bildenicht zu langweilen? ES war ein Sonntag, den ich hier verlebte, alsoein Tag wo man die katholischen Belgier noch mehr kennen lernen undbelauschen konnte;— aber ich fand mich in meinem schon gefaßten Urtheilenur bestätiget: der Belgier ist Katholik mit Leib und Seele. Als ein klei-ner Beleg hiefür mag z. B. gelten, daß, trotzdem im ganzen Lande keinSonntagSgesetz eristirt, doch die ungemeine Mehrzahl der Kaufläden undAuslagen verschlossen war. — Als ich im St. Gudula Dome mich etwasumsah, und insbesondere die colossale sinnvolle Kanzel, „ein plastisch christ-liches Epos" näher betrachtete, that eS mir theils um die Leute, die ichin ihrer Andacht störte, theils um den Klosterbruder leid, der mich beglei-tete und über und über erröthete, als man ihn als Mitstörenden mit son-derbar fragender Miene zu messen schien. DaS ist die beste Polizei — derordnungsliebende Volkssinn.
So lebt das Volk Belgienö im Segen und Frieden dahin, undgenießet die köstlichen Früchte der politischen und kirchlichen Freiheit. Mitdem Fürsten, der die freie Verfassung schützet und schirmet, lebt LaS Volk,wie jüngst jemand bemerkte, wie in einer glücklichen Ehe, cS kommt höch-stens zum Schmollen zwischen beiden, aber desto inniger knüpft sie wiederdie Versöhnung. Der Kirche gegenüber erkennt sich der Belgier als treuerSohn der Kirche, und weder im Handel noch Wandel, weder in der hohenKammer noch im Gotteshause verläugnet er seine warme katholische Ueber-zeugung. Weil er die Freiheit versteht, und nicht zu einer Mißgeburtverzerrt, so beschrankt er keinen seiner Mitbürger in seinem Glaubenöbe-
kenntniß, sondern läßt jeden gewähren, was ihm am besten dünkt. Belgien ist daS Land, wobin wir alle mit heiligem Wetteifer blicken sollte», undgleichwie die belgische Konstitution ein Modell geworden ist für die mcisteirneueren politischen Verfassungen, so möge auch der kirchliche Zustand Bel-giens unö Katholiken ein Ideal seyn, daS bei der Neugestaltung unseresVaterlandes unS vorschweben soll! Belgien ist das Land, wo wenig gespro-chen, aber viel gethan wird! — Gebt unS belgische Bischöfe und Priester,die da Hand in Hand gehen, wenn cS gilt für das Heil der Seelen zusorgen, die da kein Opfer scheuen, wenn eS die Liebe fordert — gebt unSFreiheit, so wie sie die Kirche BelgienS genießt, — und auch unserVaterland wird wie ein Phönir aus der Asche erstehe», und WaS daSJahr 1830 für Belgien war, das wird daS Jahr 1849 für Oesterreich seyn.
Schließlich erlaube ich mir zu bemerken, daß mein erstes Reisebildzu wenig Schatten hat. Indeß abgesehen von dem herrlich heiteren Him-mel, der die Aufnahme des Bildes begünstigte, und alle Schattirungenerblassen machte, glaube ich diesen Mangel bei den nächst folgenden zweiBildern, welche Deutschland und die Schweiz darstellen werden,ersetzen zu können. Anton Kerschbaumer.
Prophetische Stimmen der Neuzeit.
j- WaS war das Traurigste für die Seherin Kassandra , als daß ihrder vorausgesagte Untergang ihrer Vaterstadt Troja von ihren eigenenMitbürgern nicht geglaubt wurde? WaS schmerzte die Propheten des altenBundes mehr, als Laß die Juden gleichsam mit freiwillig verbundenenAugen der Assyrischen Gefangenschaft entgegen gingen? Der Sohn GotteS selbst weinte bitterlich über das schöne Jerusalem , weil eS die Zeit derHeimsuchung nicht erkannte und so nach 37 Jahren eine Beute und einAaS der römischen Adler würde. DaS Nämliche siel mir ein, als ich da»in Einsiedeln erschienene Büchlein gelesen hatte, daS den Titel führt:„Blicke in die Zukunft" oder Geschichte eines frommen und erleuchtetenPriesters in den Jahren 1828 — 1830. Metrisch dargestellt von DoctorK...f..., Professor. Wer dasselbe liest, wird sich angetrieben fühlen,eS auch Andern vorzulesen oder mitzutheilen, die um Deutschlands undEuropa'S Zukunft besorgt sind. Enthält eS auch keine Glaubensartikel, soist eS doch geeignet, den abnehmenden Glauben an GotteS Weltregicrung,welche die Schicksale einzelner Menschen und ganzer Völker lenkt, wiedermehr zu befestigen, und die leichtsinnige Lebenslust, die nur den Thiermen-schen im Auge hat, auf ernste Bußgedanken hinzuleiten. Doch ich willhier nicht vorgreifen, sondern nach der Reihenfolge der Geschichte selbst denInhalt deS Büchleins näher untersuchen. Im Eingänge erzählt der Prie-ster, daß er vor dem Altare Gott um Erbarmung für die'sündige Mensch-heit angerufen habe. Sein Seelenlciden ergriff auch den Körper, derermattet in Schlaf sinkt, während sein geistiges Auge in den Büchern derZukunft laS, die sich in 15 Sonntagen aufblättern. Am ersten Sonn-tag sah der Erleuchtete ein wunverholdeS Knäblcin, dessen süßer Hauchihm noch sagte: „Ich will erbarmen!" Aber plötzlich lag an deS KindeSStelle ein Mann von dreißig Jahren, den er ebenfalls um Erbarmenanflehte. Weg war Mann und Kind, und eS tobt ein Sturmwind in demHause, so, daß die Thüre aus den Angeln fliegt. Durch die offene Thüreströmen dichte Menschenmassen, die zum Himmel deuteten auf ein Tuch,welches von den tiefsten Fernen deS Himmels herabgelassen wurde, undworaus Nebel, Rauch und Feuerflammcn stiegen. Plötzlich wickelt sich daSTuch zusammen und wird ein Balken, an dessen beiden Enden ein Kronen-reif und eine Geißel GotteS hängen. Die Geißel sprüht Feuerfunken, undder Balken verwandelt sich in ein Schlachtschwert, das blutroth über Städtehing und Länder. Wer denkt hier nicht an daS Vstioinium Ickclininum»daß Deutschland werde von Rußland gezüchtiget werden? Der zweite
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