Ausgabe 
9 (6.5.1849) 18
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Fantasie eines Aufgeklärten nur malen kann. Das kaeit? 70,000 fl.Schulden, und da der Weltmann einmal nicht bei Gelb war, ein Eingriffin die Armencasse, den ein Raubanfall decken sollte, bei dem aber sehrungeschickt die Ofenkacheln anstatt gegen daS Zimmer, vvm Zimmer ausin den Ofen eingeschlagen wurden; dann »Amtsentsetzung, etwas Geistes-verwirrung, Achselzucken der Tafelfrcunte, Verachtung von Andern,und der Tod als willkommener Freund.

Allein dringt in heilige Mauern dieser Geist, so beschränkt er sichnicht mit dem Verderben Einzelner. Nur wenige vom Geiste GotjeS durchdrungene Priester widerstanden dem Reize des böstit Beispieles; lese seufztenbei den üppigen Tafeleien, und athmeten ihre Wehmuth in den heiligenPsalmodien auS, für welche die Andern keine Neigung mehr hallen. Amtiefsten griff das Verderben bei einem jungen talentvollen Mann, der sich endlichauch in die Reize einer jungen Stärkhändlerin verwickelte. Sein Betragenwurde von den ernsten Vätern gerüget. Dieses erregte in seinem leitenschaftlichen Herzen einen bittern Zorn, und da sie auch seinem Strebennach einem einträglichen HauSanue im Wege standen, so kam er auf denschrecklichen Gedanken, drei mit Gift zu todten. Ob dieser Gedanke ihmursprünglich angehörte, oder von der erwähnten Person gegeben wurde,kann ich nicht angeben; aber erwiesen ist eS, daß beide zusammenwirkten.Nach kurzer Zeit waren die Drei Leichen. Der Fall machte großesAufsehen, aber man glaubte an einen unglücklichen Zufall. Die Bosheithat t, jedoch ihren Zweck nur theilweise erreicht; denn die ersehnten Haus-ämter'wurden durch Andere beseht, welche man auS fremden Häusern her-bei zog. Doch das Werk war schon einmal gelungen, man wagte eS einzweiteömal. Die Wirkung war die nämliche; abermal zwei Leichen, undmehrere Soldaten, denen die guten Patres auS Barmherzigkeit ihre Suppereichen ließen, erkrankten heftig. Nun schritt man zu ernstem Untersuchen;fand aber den vermeintlichen Grund der Vergiftung in dem prachtvollenKupfergeschirr, welches der glänzenden Hospitalität wegen angeschafft wor-den war. Nach einiger Zeit überfielen aber wieder einen Greis, der «der-mal vorgezogen war, bei Tisch Uebelkeiten ; die Natur half sich schnell, under war gerettet. Erst da kam man auf die Vermuthung, daß eine absicht-liche Vergiftung im Spiele sey. Niemand wagte eS einen Verdacht aufein Mitglied des Hauses zu werfen, bis ein Knabe seine Bemerkung mit-theilte, wie er zweimal gesehen, daß der Pater N. ein Papier auS derTasche nahm und ins obere Salzfaß geleert habe. Man fand dort nochGift. Schnell folgte daS Geständniß, und die rechtliche Folge, daß erdegradirt, mit der Complice auf die Schandbühne gestellt, aus besondererBerücksichtigung zu 20 Jahren schwerem Kerker verurtheilt wurde. Nach-dem er nach einigen Jahren zu entspringen wagte, wurde er im Augen-blicke ergriffen, als er sich die Eisen abzuschlagen versuchte. Deßwegenwurde ihm dann der Spielberg zum Strafortc bestimmt. Dort war er beisieben Jahre, als er Mehrere inS Einverständniß zog, und durch einenCanal mit ihnen entfloh. Auch da wurde er aufgegriffen, und sollte seinneues Vergehen auf der Bank büßen. Von derselben stand er nicht mehrauf. So schloß ein Leben, daS einst Gott geweiht war!

Die Person, welche wir von der Barricade wegschleppen sahen,war die schöne Stärkhändlerin. DaS sind die Früchte, wenn Klösterdem Zeitgeiste ihre Pforten öffnen, an denen er wieder so frech pocht; sokann man von Gott verlassen werden, wenn man ihn leichtsinnig verläßt. Wer steht, der sehe zu, daß er nicht falle, und je höher Einer steht,desto tiefer kann er fallen. (Kalh. Bl. a. T.)

Deutschland .

* Wien , 27. April. Unsere Stadt hat jetzt die Ehre eine großeAnzahl ehrwürdiger Bischöfe in ihrer Mitte zu haben. Bereits sind ange-kommen der Cardinal Schwarzenberg, Fürstbischof Diepenbrock undder seit letzten Sonntag inthronisirte Fürstbischof von Seckau : Rauscher.Ich nenne Ihnen diese drei würdevollen Persönlichkeiten namentlich, weildie öffentliche Meinung sie als die Hauptträger deö übermorgen beginnen-den bischöflichen Congresses bezeichnet. Außerdem lese ich unter den Ange-kommenen die Erzbischöfe von Lemberg, Olmütz und Görz, die Bischöfevon Laibach, Gurk, Budweis, Königgrätz, Lejtmeritz, Trient, St. Pölten ,Tarnow, Przemyöl u. s. w. Linz und Briren sind durch Domherren ver-treten. Die Sitzungen beginnen am Sonntag (29.) und werden wahr-scheinlich von Minister Bach, da Stadion noch immer kränkelt, eröffnetwerken. Noch kann ich Ihnen nichts Bestimmtes über daS SitzungSlocalschreiben, aber das stellt sich immer sicherer heraus, daß man die Zusam-menkunft unserer Bischöfe kein Nationalconcilium, nicht einmal eine Synodenennen kann die Bischöfe selber protestiren dagegen. Die Berathungen

werden mehr inS Politische hinübcrspielen, und von einem k. Coniiiiissärgeleitet (?) werden. Auf jeden Fall ist zu bedauern, daß die Bischöfeselber über die zu verhandelnden Gegenstände nicht ganz im Klaren sind;sie wissen nur durch das Ministerium LcS Innern, daß eS sich um zwei8 der oktroyirten Verfassung handelt. Im Publicum geht das Gerücht,daß nach Beendigung dieser mehr politischen Debatten, die Bischöfe dieschöne Gelegenheit benützen, und zu einer Synode im kirchlichensinne und Geiste sich vereinigen werden. Gott gebe, es thut noth!

Die Nachrichten anS llngarn sind noch immer nicht befriedigend, dieBangigkeit der Gemüther nimmt zu, und wird von der nie rastenden Um-sturzpartei für ihre Zwecke benützt. Von Wien ziehen schon mehrere Fami-lien fort. Ich glaube aber, wir können hier gane ruhig sey». WennOesterreich Wien nicht mehr schützen kann, .dann beginne auch ich anOesterreich irre zu werden, so ungern ich'S.thue. Einige wollten schon denHH- Bischöfen das Prognostikon stelle», daß ihnen so wie einst dergesprengten Lrientersynode ergehen werde. Doch der Herr wird über nnöwachen. Eine größere Krisis als im Jahre 1848 kann nicht mehr überOesterreich komme», und aus jener Krisis ist eS siegreich hervorgegangen.Daß einige unserer ministeriellen Blätter solch absonderliche Corrcspondentenin Bayern und Preußen bezahlen, wie letzthin Ihr Blatt mit vollem Rechtebemerkte, darf Niemand wundern, der weiss, daß unter den Augen desMinisteriums Leute arbeiten, die mit Kvffuth unter der Decke spielen, undoffen triumphircn über die Fortschritte der Insurgenten.. Wir Oesterreichcrsind doch gutmüthige Leute!

Wien , 80. April. So eben komme ich vom Dome zu St. Stephan,in welchem heute um 9 Uhr das feierliche heil. Geislamt zur Eröffnungder ersten österreichischen Bischofssynode im neunzehnten Jahrhundertegehalten ward. Der Fürst-Erzbischof von Wien als Senior celeburtc,Präsenz leistete Se. Eminenz Cardinal Schwarzenberg, welcher, in Milledeö versammelten hochw. Episkopates, durch seine imposante Gestalt undehrfurchtgebietende Würde hervorragte. Ich zählte im Ganzen vierund-zwanzig Bischöfe auS der österreichischen Monarchie, Ungarn ausgenommen,dessen Episkopat leider durch die noch immer obschwebenden politischen Wirr-nisse an der Theilnahme gehindert ist. Bischof Ziegler von Linz und Galuravon Briren, beide durch Altersschwäche gehindert, sandten Delegaten. DerDom war in allen seinen Räumen festlich erleuchtet, und reichlich mitBlumen verziert, und erhöhte die Pracht und Majestät dcS katholischenCultus, der sich heute im vollsten Glänze vor dem Auge des Gläubigenentfaltete. Man sah auch die anwesende Menge, die alle Räume erfüllte,sichtbar ergriffen von der Feier und Bedeutung deS Festes; denn derKatholik Oesterreichs weiß, daß eS nur gilt, die Kirche in der Thatauf ihren freieigenthümlichen, selbstständigcn Boden zu stelle», und sie zu-gleich in jenen Fragen, welche Kirche» und Staat gemeinschaftlich berühren,mit dem Staate in einen harmonischen Einklang zu bringen, der alleinheil- und segenbringcnv seyn wird für Oesterreichs kirchliche und politischeZukunft. Man sah Viele auS wahrem HerzenSdrange zu Gott empvrflehenum die siebenfachen Gaben deS heiligen Geistes über die kirchlichen Ober-hirten, welche aus den Händen des Eelebranten die heilige Eommunionempfingen, und durch die laute Abbetung der prokessio Trickentiim eidlichbetheuerten, daß sie nicht Ein Jota von dem Glauben und den Rechtender Kirche vergeben werden. Mit Vertrauen blickt Klerus und Volk aufdie muthigcn Vorkämpfer, auf einen Cardinal Schwarzenberg, FürstbischofDiepenbrock von LreSia», welcher des österreichischen Antheils von Schle-sien wegen zum österreichischen Episkopate gehört, Erzbischof Sommerauvon Olmütz, den Episkopat PolenS und deS Küstenlandes. Obwohl dieBischöfe durch Minister Stadion zu einer Berathung eingeladen wurden,haben sie dock beschlossen, vor der Berathung mit den Staatsbehörden,eine kirchliche Synode zu halten, und es beginnt sonach morgen die ersteSitzung derselben, deren Endresultate gewiß der Oeffenilichkeit nickt vor-enthalten werden. Möge das I'o Oaum Imickgmus zum Schlüsse auStausend und aber tausend freudig bewegten Herzen zum Lobe GolteS und

seiner Kirche erschallen, und Wien ein zweites Würz bürg seyn!

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AuS Oberbayern , 20. April. Ihre Nachbarin, die Allge-meine, hat ihren hohen Unwillen nicht verbergen können, daß man inBayern für Se. Heiligkeit PiuS IX. sammelt und diese Sammlungen, wieeS den Anschein hat, so ergiebig ausfallen. Sie gesteht, daß sie keineSorge habe um daS Auskommen Pius IX. und wir hätten ihr ras aller-dings ohnehin zugetraut, danken ihr aber doch für das naive Geständniß.Ob aber für das Auskommen deS heiligen Vaters hinreichend gesorgt sey,oder die Allgemeine vor protestantischer Kurzsichtigkeit nicht recht gesehen,cas möge der Leser beurtheilen. Bekanntlich hat Se. Heiligkeit EndeNovember v. I. Rom in großer Dürftigkeit verlassen und in Gaäta unterdem Schutze deS KönigS von Neapel eine Zufluchtsstätte sich gesucht.