Ausgabe 
9 (6.5.1849) 18
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Der fromme König von Neapel hat sich nun allerdings mit großer Liebeund Freigebigkeit seines hohen GasteS angenommen unv ihm jegliche Hilfeund Erleichterung zukommen lassen: aber wir bitten zu bedenken, daß PiuSnicht allein nach Gavta gekommen, sondern die ganze Regierung des christ-lichen ErdkreiseS: fast alle Cardinäle, viele Erzbischöfe und Bischöfe, dieverschiedenen Kongregationen der geistlichen Angelegenheiten, viele getreue,aber in ihrem Leben bedrohte Anhänger und Diener des Papstes haben sichum ihn vereiniget, und die Regierung der Kirche hat keine Unterbrechungerlitten. Wir bitten auch zu bedenken, daß nach wie vor die Unterhal-tung der päpstlichen Nuntialurcn dem Papste zur Last fällt: so wie auchohne päpstliche Unterstützung manche apostolische Vicariate und Missionenschwerlich fortbestehen könnten. Ohnehin haben die Missionen schon imletzten Jahre bedeutenden Schaden erlitten, da daö Einkommen der Propa-ganda geschmälert wurde, und Cardinal Fransoni erklären mußte, die Pro-paganda sey nicht mehr im Stande, die Reisekosten der Missionäre zu

tragen. Die Allgemeine hat nicht Bange für die Person Piuö IX;; sie

hätte mit derselben Wahrheit sagen dürfen, sie habe keine Besorgniß 1 o.kein Interesse für die katholische Kirche . Ich möchte aber fragen: wem

kommt jetzt pflichtgemäß die Erhaltung des Papstes und seiner Regierungzu, nachdem er aus seinem Lande hinausgestoßen, seines Einkommens

beraubt, selbst an seinem Privatvermögen worunter auch die GeschenkedeS türkischen Kaisers sind bestohlen wurde? Etwa dem Könige vonNeapel allein? Nein, Piuö IX. ist nicht etwa bloß ein Patriarch für dasKönigreich Neapel , er ist der Vater der Gläubigen, er ist der Bischofaller Bischöfe, er ist der Oberhirt deS ganzen ErdkreiseS, und darum istjetzt die ganze katholische Christenheit aufgefordert und verpflichtet, ihrengemeinsamen Vater zu unterstützen. Früher hörte man sagen: der Papstbedarf keiner weltlichen Herrschaft, wenn nur für sein Auskommen gesorgtist, jetzt, da er seiner Herrschaft beraubt ist, will man auch von denSammlungen zu seinem Unterhalte nichts wissen. Ein italienischer Prie-ster schrieb uns kürzlich einen Brief voll des Jubels über die Siege derösterreichischen Armee und kann jene tapfere Armee,die so viele Stra-pazen aushalten müsse, um die göttliche Gerechtigkeit inItalien zu handhaben" nicht genug preisen. Sie seyen, sagt er, sogeduldig und gesittet, daß sich OrdenSIeute an ihnen spiegeln dürften. DieZustände im Römischen schildert er, wohl mit einiger den Italienern eigenenUebertreibung, als schaudererregend. Die Priester und OrdenSIeute, sagter, werden ohne Scheu gleichsam zur Unterhaltung todtgeschlagen underschossen, die heiligen Gefäße aus der Kirche geraubt. Die Stimmungder Massen, die sich bisher meistens als indifferente Zuschauer benommen,wird namentlich in TvSkana und im Römischen immer günstiger für Oester-reich. Wie oft habe ich schon im vorigen Jahre in Rom hören müssen:Wenn nur Radetzky käme, wir wollten ihm die Hände küssen. Thatsache ist, daß man schon im vorigen Sommer in Fvrli einen kleinen Aufstandmit Barrikaden versuchte und dabei rief: Xbas8o io liiwrta glmsso loconeossioiii, ab »880 il Llinmtero vivs I'Impgrstor, vivs lXu8tris.

Die charakterlose Feigheit der heutigen Italiener ist allein Schuld, daß diesein der Mehrheit der Bevölkerung herrschende Gesinnung erst jetzt nach sogroßen Leiben durchbricht. Hätten die Guten in Italien Vereine gehabt,wie sie die Radikalen überall haven, das Bild Italiens wäre ein ganzanderes: aber nirgends gab Vereine, darum thun Vereine so noth.

AuS Südtirol, Mitte April. Wenn man in den Zeitungen liest,wie es in der Welt hergeht, wie unser Papst hat flüchten müssen, wie derBsschof Marilley von Lausanne in der Schweiz gleich einem Verbrecher aufdem Schub über die Gränze gebracht worden, weil er die Rechte der Kirchevertheidigte; wenn man hört, wie in Italien die Glocken von den Kirch-thürmcn herabgenommen worden, um Kanonen daraus zu gießen u. s. w-,so entsetzt man sich, denkt aber geschwind: Gottlob, bei unS können solcheDinge nicht passiren. Daß aber auch hier zu Lande nicht Alles in Ord-nung sey, das beweiset der Versuch, den man von gewisser Seite in Bre-gen; und in Briren gemacht, die barmherzigen Schwestern zu enrfernen.Wenn so etwas in einer bischöflichen Stadt geschehen konnte, was ist erstanderwärts zu erwarten? Dieser Orden genießt der größten Achtung indem republikanischen Frankreich. Von Italien hört man nicht, trotz derkirchlichen Störungen, daß etwas gegen denselben unternommen sey. DieProtestanten reden mit Ehrfurcht von ihm, und wünschten ähnliche Ein-richtungen zu besitzen. In Klein-Asien nennt das gemeine Volk der Tür-ken die Schwestern Engel, und betet sie beinahe an. Nirgends wird eineKlage laut. Nur in vem katholischen Deutschland, von München auö,br.->t ein Sturm gegen dieselben loS. WaS haben sie verbrochen? WaSist die Ursache dieses LärmenS? Ist ver Orden in Frankreich, Italien , in

der Türkei, in Amerika gut und nützlich, in Deutschland aber, wo er nochvor zwei Jahren ebenfalls allgemein beliebt und gesucht war, mit einemMale nicht mehr seinem Zwecke entsprechend? Ich begreife eS nicht. AuSwelcher reinen Quelle die Ankläger desselben schöpfen, mit welch redlichenWaffen sie kämpfen, was die Veranlassung ihres Grimmes ist, das ahnetman aus der Fluth von Schandschristen, Zoten und Schmutzbildcrn, welchebort wie Spülwasser über die armen Schwestern auSgegossen wird. Esscheint, die kirchlichen Orden sind überhaupt Vielen verhaßt und im Wege,unv weil/sie ihnen ein Hinderniß sind, so erklären sie dieselben für nichtzeitgemäß/ Schade nur, daß, wie billig, auch Andern zu reden vergönntist, und sie nicht allein daö Wort führen. Diesen und ähnlichen Be-drängnissen unserer Kirche im Süden von Europa gegenüber kann ich mitFreuden melden, wie sie im Norden, wo sie drei Jahrhunderte lang gleich-sam im TodeSschlaf lag, wieder erwacht. In England ward noch unlängstder Dienst der heil. Messe nach dem Buchstaben der LandeSgesetze mit demTode bestraft, und jetzt erheben sich dort Hunderte von katholischen Kirchenund Capellen und viele Klöster. Auch in Norddeutschland ist in neuesterZeit der Wendepunct eingetreten.In Hamburg , so wird mir geschrieben,wußte man früher kaum von Katholiken. Sie waren ganz untergegangenunter der Masse von Protestanten. Nun hat die Sache ein anderes Ansehengewonnen, seit unsere dortige Gemeinde durch einen würdigen Seelsorgervertreten wird. Die Protestanten, welche ein religiöses Bedürfniß fühlen,wenden sich entschieden dem Katholicismus zu. (Übertritte zu demselbensind häufig, besonders unter Künstlern, Malern, Bildhauern, ja sogarunter Lehrern und Erziehern der Jugend. Der katholische Geistliche hältWöchentliche Zusammenkünfte mit glaubenSbedürftigen Protestanten, um überreligiöse Fragen zu sprechen, und Zweifel zu lösen. Pater Hugucs, auchein Hamburger, früher Calvinist, nun Katholik und Liguorianer, der durchseine Uebersetzung der Werke deS heil. Liguori auS dem Italienischen inöDeutsche bekannt ist, besuchte vergangenen Sommer seine Vaterstadt, undhatte den Trost, daß in seiner Familie und außerhalb derselben viele undauch solche, welche ihn früher gemieden hatten, sich an ihn drängten, umseinen Unterricht zu genießen." ES scheint, man hat in Hamburg andereBegriffe von den Liguorianern als in Wien , und hält sie für Leute, mitdenen sich'S reden läßt, und geberdet sich gegen sie nicht so wüthig, wieHanS Nordmann, der nun schon mehrere Male auf der Rückseite der AugS-burger Allgemeinen Zeitung mit fürchterlichem Zähncknirschen gegen dieLiguorianer sich hören ließ, und cS sollte Einen Wunder nehmen, wennjene unparteiische Allgemeine, die sich in lauterer Unschulv nie um konfes-sionellen Hader kümmert, ihn nicht bald auf'S neue auS irgend einerSpalte brüllen ließe.

Also, um wieder auf Hamburg zu kommen, viele der Besseren undGebildeten daselbst suchen mit Mühe und Schmerzen wieder zu gewinnen,was hier von Vielen alö Zopf unv alter Plunder bei Seite geworfen wird.Lassen wir unS nicht von den Protestanten beschämen. (Kaih. Bl. a. T.)

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wird versichert, Mazzini habe in Rom darauf angetragen, daSPantheon , bekanntlich jetzt christliche Kirche, von all dem christlichen Unrathezu reinigen und in einen Tempel, nach Einigen deS Ruhmes, nach Andern derreinen Vernunft zu verwandeln. ES ist wahr, daß man bis jetzt sich noch enthal-ten hat, in diesen Sücken der ersten französischen Revolution nachzueifern. Aberwie wahnsinnige Ideen Loch auch schon in Rom auftauchen, beweist der Um-stand, daß jetzt wirklich daran gedacht wird, den Protestantismus inRom einzuführen; so lange noch Priester da seyen, behaupten dessen Ver-fechter, werde auS der Republik nichts werden. (Köln . Ztg.)

Griechenland .

Die GesetzeSkammer von Griechenland hat die Regierung zur Wiederher-stellung der früher aufgehobenen Klöster ermächtigt. (Die Zahl der aufgehobe-nen Klöster beträgt 400, die der bestehenden 150.) Die Regierung versprichtsich von dieser Maaßregel eine bessere Bebauung der Ländereien, als sie, bisherin Pacht gegeben, betrieben wurde, und eine daraus entspringende größere Ein-nahme für den Staatsschatz, so wie eine Befriedigung der religiösen Wünscheeines großen Theils des Volkes. In der Schweiz dagegen meinen gewisseStaalSkünstler, es se» am besten gehauöt, wenn man die kirchlichen Korpora-tionen zerstöre, ihr Besitzthum in alle Winde zerstreue; nach den religiösenWünschen des Volkes wird ohnehin nicht gefragt. (WhrhtSfrd.)

Verantwortlicher Redacteur ; L. Schönchen.

VerlagS-Jnhaberr F. C. Kremer.