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9 (13.5.1849) 19
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Neunter' Jahrgang.

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1L. Mai 184S

DaS Christenthum im Innern Afrikas.

(Schluß.)

Als wir Dieses geschrieben, erfuhren wir aus Egypten, daß AbbaSPascha den Europäern den Handel im Senaar (mit welchem Lande dieGebiete von Darfur, Kordofan und von Sudan im engern Sinne*) invielfach verschlungener Verbindung stehen) freigegeben, eine Concession, die,Wie wir nachwiesen, ganz dazu geeignet ist, Mittelafrika dem Christen-thume, das im Senaar bereits so laut an seine Pforten klopft, für immerzu öffnen, zumal auch in Folge der französischen Februarrevolution für dieMissionäre in Algier jenes die Enkel des heiligen Ludwig in der. Achtungaller civilisirten Nationen so sehr herabsetzende Verbot Louis Philipps nichtmehr besteht und die Rcpublik Frankreich der Kirche faktisch weit mehr Frei-heit gestattet, als die gestürzte Julivynastie.

Werfen wir nun einen fernern Blick auf die Karte von Afrika, sofinden wir südlich deS MondgebirgeS noch unermeßliche Länderstriche, dieunS unter dem Collectivnamen Hochafrika noch viel unbekannter find,als Centralafrika. Hier hat die Kirche noch fast keinen Fußbreit Landesgewonnen, ein Umstand, der nur dazu dienen könnte, unsere. Verwun-derung rege zu machen, wenn wir nicht wüßten, daß die. Küsten dieserLandstriche von Nationen occupirt werden/ die, obgleich christliche, doch' bisher für die Ausbreitung der katholischen Kirche so gut als nichts gethanhaben, wenn sie sich derselben nicht sogar widersetzten. ES besitzen aufden Ost- und Westküsten Afrikas die Portugiesen, Spanier, Engländer,Niederländer und Dänen größere oder kleinere Colonien oder Handelsnieder-lassungen und Factoreien; auch von den vereinigten Staaten Nordamerikas aus wurde eine Colonie freier Neger, Liberia, gegründet: allein vonkeiner dieser Colonien geschah Etwas, um dem Christenthums eine Bahnin daS Innere Hochafrika'S zu eröffnen. Die Niederländer, Dänen undselbst die Engländer eiferten in ihrem protestantischen Irrthume mehr oderweniger gegen die katholische Kirche und ihre Missionäre;**) die Fran-zosen aber haben, wie anderwärts, so auch in-Afrika , in Folge ihres fri-volen JndifferentiSmuS, der Verbreitung der christlichen Religion mehrgeschadet als genützt, und die Unterthanen Sr. katholischen Majestät vonSpanien hatten ihr Augenmerk fast ausschließlich auf Amerika gerichtet,während sie die afrikanischen Colonien nur als bequeme EntrepotS für denvon ibnen zu so grauenhafter Höhe gesteigerten Sklavenhandel betrachteten;jeder Schritt zur Ausbreitung bcö Christenthums mußte ja dazu beitragen,den Sklavenhandel in Afrika allmälig zu unterdrücken und eS lag deßhalbim Interesse der spanischen Regierung, die in Spanien und Amerika diekatholische Kirche mit so eiserner Consequenz zu schützen trachtete, dieselbeunter dem glühenden Himmel deS unglückseligen Afrika zu keiner Blüthekommen zu lasten. Gott hat diese Regierung dafür im Laufe der Zeitenmit schweren Prüfungen heimgesucht!

Was nun endlich die Portugiesen betrifft, so haben diese unter denerwähnten Nationen noch am meisten für die Bekehrung der heidnischenAfrikaner gethan. Wenigstens gilt dieß von den Entdeckern der oft- undWestafrikanischen Küsten und Inseln. Der kühne Geist deS Jnfanten Hein-rich deS Seefahrers war seit der Eroberung Ceuta'S im Jahre 1415 ebenso rastlos bemüht in Afrika neue Entdeckungen zu machen, als in denentdeckten Landstrichen und Inseln daS Christenthum einzuführen, wozu ersich als Großmeister deS Christusordens ganz besonders verpflichtet fühlte.

') Sudan Im engern Sinne bildet bekanntlich das östlich an Nubien gränzendeNegerreich Houssa, während Sudan im weiter» Sinne das ganze Centralafrikanördlich des MondgebirgeS bis zum altlantischen Ocean hinüber in sich begreift.

**) Wer erinnert sich nicht jener vierzig brasilianischen Missionäre,welche auf der Höhe von Palma von den Niederländern unter Anführung SourriS soscheußlich ermordet wurden.

So finden wir in den portugiesischen Colonien Afrikas noch heute die injenen Zeiten errichteten BiSthümer von Angra auf. Terzeira, Funchal auf Madeira, St. Jago und St. Nicolo auf den Inseln des grünenVorgebirges und St. Thomas an der Küste von Guinea . Das Biö--thun. Ceuta wurde auch von den Portugiesen gegründet, allein nach den»Tode deö eben so frommen als unglücklichen KönigS Don Sebastian wurdeCeuta spanisch und das BiSthum von Madrid aus besetzt. Die Auffin-dung deS Seeweges nach Ostindiens, später die Entdeckung und Besitz-ergreifung von Brasilien lenkten bald die Aufmerksamkeit der Portugiese,»von Afrika ab, während der eben so unternehmende als für die Ausbrei-tung deö Christenthumes glühende Geist Heinrich des Seefahrers seine»»Landsleuten immer fremder und von kaufmännischer Habsucht und schnödemEigennutze nur zu bald gänzlich verdrängt wurde. AIS nun noch im vori-gen Jahrhunderte der schändliche Pombal die Gesellschaft Jesu in Portugal vernichtete, konnte von einer Verbreitung deS Christenthumes von den por-tugiesischen Colonial-Biöthümern auS in daS Innere Hochafrikas volle», dSkeine Rede mehr seyn; da die Jesuiten schon seit einer laugen Reihe vonJahren die eigentlichen und einzigen Erhalter der christlichen Religion in»den portugiesischen Colonien gewesen waren. Ja eS konnte nicht fehlen,daß nach Entfernung dieser Ordenspriester aus Afrika die portugiesisch-ascikaÄjchc Kirche bei dem Mißbrauche dcr Vorrechte deS HvseS von Lissa-bon zu einem elenden Schattenbilde herabsank und sich, gleich der Kirchedes Mutterlandes, in der neuesten Zeit sogar in einem faktischen Schismabefand, das zum Theil in diesen fernen, wenig bekannten Colonien zurStunde sein Ende immer noch nicht gesunden hat.

Weit schönere Früchte darf man sich Hagegen von jenen apostolischer»Vicariaten und Präfecturen versprechen, mit welchen Papst Gregor XVI.glorreichen Andenkens Hochafrika gleichsam umschlossen hat, so daß voi»allen Seiten her die christlichen Streiter wider daS Heidenthum verrücke»»können und dasselbe mit Gottes Hilfe sicherlich vernichten werden, beson-ders da eS Thatsache ist, daß dcr der Verbreitung deS Christenthumes soschädliche Islam daS Mondgebirge nicht zu überschreiten vermochte. Sofinden wir im Süden daS apostolische Vicariat deS CaplandeS, von woaus die christlichen Missionäre sich mit den Stämmen der Hottentotten,BoSjemanS und Koffern in Verbindung setzen können und dieß zum Theilauch schon gethan haben. Im Westen stoßen wir auf die apostolische Prä-fectur von Congo , von wo auS den zahllosen Negerstämmen deS nochunerforschten Dembo-Plateaus das Christenthum gebracht werde, währenddas nördlicher gelegene Vicariat von Guinea die Neger landeinwärts derKörner-, Zahn- und Sklavenküste und in südlicher Richtung bis zu den»Reiche Leango hin in ChristuSbekenner umwandeln wird. Noch weiter nachNorden hin schließt sich daS jetzt in ein BiSthum verwandelte Vicariat vor»Senegambien an, welches durch die apostolische Präfectur von Ma-rokko mit dem BiSthume Algier zusammenhängt, daS die oben ange-deutete Afrika umschließende christliche Vorpostenkette auf dieser Seite schließt.Auf der Ostseite treffen wir die Präfectur von Habesch, die dem schor»besetzten Nubien und Egypten sich anreiht, aber bis jetzt leider noch biszum Vicariate deS CaplandeS hinabreicht, so daß sich also zwischen dieser»christlichen Posten die einzige Lücke in der Besetzung der Küsten Afrikas durch die katholische Kirche vorfindet. Möchte auch diese recht bald geschlos-sen werden!

Die Bedeutung der drei evangelischen Räthe in socialer

Beziehung.

I.

Einst trat ein Jüngling zu Jesus heran und sprach: Guter Meister,waö muß ich thun, damit ich daS ewige Leben habe? Die Gebote Gottes,