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Anstatt diesem Auftrage zu entsprechen, erklärte er, einen Widerruf ver-öffentlichen zu wollen, welcher auch in einem Blatte (Augöb. Postzeitung,außerord. Beilage vom 10. Dec.) erschien. Da dieser sogenannte Wider-ruf sich nur in eitlen Ausflüchten erging, so konnten Wir UnS damit nichtbegnügen. Wir erließen daher an den resignirten Herrn Decan den kate-gorischen Auftrag, persönlich vor UnS zu erscheinen; zugleich wurde ihm dieFeier der hl. Messe und die Ausübung der priesterlichen Funktionen unter-sagt (unter dem 2. Jan. 1849). Am 6. Jan. erschien derselbe vor UnS,und nach längerer Unterredung, bei welcher ihm auch unverholen gelassenwurde, daß er, falls er nicht förmlichen Widerruf leisten sollte, aus derkatholischen Kirche ausgeschlossen werben müßte, erbat er sich zur Abgabeseiner Erklärung, ob er den Inhalt der zwanglosen Blätter widerrufen könneoder nicht, einen Termin von 10—12 Tagen, der ihm gewährt wurde.Auf sein Ansuchen vom 10. Januar wurde ihm dieser Termm noch um 14Tage verlängert. Endlich unter dem 10. Febr. erklärte er sich, „er könne
Wahrheit und an dem gesunden Sinn des Volkes und seiner Fürsten,welche die unheilschwangern Geschenke, so aus beiden Lagern bittend zu-gleich und drohend ihnen geboten wurden, mit überwiegender Mehrheitentschieden zurückgewiesen haben. So entstand die unnatürlichste aller Coa-litionen, die weithin im Umkreise und auch in unsern beiden Schwester-provinzen nicht minder rührig ist, als sie sich dort in der Paulskirchethätig gezeigt hat. Nachdem sie dort eigenmächtig daS Reich getheilt unddie eine Hälfte desselben preisgegeben, werden vielseitig schon auch hierin Rheinland und Westfalen Stimmen laut, welche unsern König, Fried-rich Wilhelm IV. , verpflichten wollen, die ihm dargebotene Schattenkaiser-krone über dcö Reiches andere Hälfte anzunehmen und welche vereint mitjenen frivolen Kaisermachern über jeden ächten Patrioten, der in diese Zer-stückelung und Herabwürdigung Deutschland nicht einwilligen mag, alsüber einen Feind der Ordnung, des CesitzeS, der Freiheit und nationalen
Größe des Vaterlandes ihr Anathem auSsprechen. Gegen den gemeinsamencr..r— -r>» : ---- -.' -- —
nicht widerrufen; er unterwerfe sich aber in Allem dem Glauben der Kirche INemo nill --
und opfere also seine individuelle Ueberzeugung der höhern Autorität derselben;' wähnen sie fty eö en 5?'^ 2si erst der "Sieg errungen so'
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kS mögen jedoch diese seine Blätter nicht verboten, sondern die darin ange-regten Reformen in Erwägung gezogen werden." Da Wir Uns bei einersolchen Erklärung nicht beruhigen konnten, so forderten Wir den resignirtenHerrn Decan Aigner unter dem 16. Febr. zum dritten und letzten Malezu einem bestimmten Widerrufe auf, widrigen Falls Wir nicht länger säumendürsten, die Ercommunication nunmehr wirklich über ihn zu verhängen.Nachdem ihm wegen Krankheit gesetzte Termin von 8 Tagen wieder verlän-gert worden, sprach er sich unter dem 17. März aus: „er könne den Inhaltseiner Schriften nicht widerrufen, seine Ueberzeugung stehe zu fest;« zugleicherklärte er seinen freien AuStritt aus der katholischen Kirche . Und noch ein-mal erfüllten Wir seine, dieser Erklärung schließlich beigefügte Bitte eineNachschrift abzuwarten, ehe Wir daS Unheil über ihn fällen wollten. 'DieseNachschrift erschien unter dem 25. März, und war des Inhalts, manmöge ihn aus der katholischen Kirche ausschließen, hierbei jedoch mit mög-lichster Schonung zu Werke gehen.
Im Hinblicke nun, 1) daß der Priester und ehemalige Stadtpfarrerund Stadtdecan zu Amberg , Hr. Jos. Aigner, durch seine in den zwanglosenBlättern mir dem Titel: „Rückkehr zum apostolischen Christenthum" öffentlichbehaupteten und vertheidigten Irrlehren verfallen sey den AnalhemalismenWelche die allgemeinen Kirchenversammlungen zu Nicäa (335), Konstantinopel(381), Ephesuö (43l), Chalcedon (451), besonders aber der hl. Kirchen-,rath von Trient ausgesprochen haben; im Hinblicke, 2) daß derselbe trotzUnserer Belehrungen und der dreimal wiederholten canonischen Ermahnungensammt Androhung der kirchlichen Strafen hartnäckig bei seinen Irrthümernverharret sey; im Hinblicke, 3) daß derselbe in der Kirche GotteS großesAergerniß gegeben habe, besonders auch durch die so anstößige und völligungegründelc Behauptung, in jeder Diöcese würde die Hälfte der Geistlichenseiner Meinung beipflichten; im Hinblicke, 4) daß derselbe selbst seinenAuStritt auS der kathosischcn Kirche erklärt habe; im Hinblicke endlich 5)auf die kirchlichen Satzungen o. 7. 8. 9. 13. X. (5. 7.) cw lureretiewo. 49. X. (5. 39.) lle sentontia sLeommuniLstionis, sprechen Wir, nach-dem alle Mittel der Milde erfolglos geblieben, hiemit über den genanntenPriester als einen hartnäckigen Jrrlehrer den großen Kirchenbann aus mitallen seinen gesetzlichen Folgen; Wir entsetzen ihn seiner geistlichen Würdeerklären ihn verlustig aller Rechte und Privilegien des geistlichen Standes'und schließen ihn von der Gemeinschaft der Gläubigen aus — im NamendeS NaterS, des SvhneS und des heiligen Geistes. Amen.
Zugleich verbieten Wir allen Gläubigen Unsers BiSthums gemäß o. 4X. (5. 7.) cko lmeretiois die von dem aus der Kirchengemeinschast ausge-schlossenen Priester Joseph Aigner herausgegebenen zwanglosen Blätter zulesen, zu kaufen oder zu behalten, ermähnen sie dagegen, kür diesen Unglück-lichen dringend zu Gott zu flehen, damit er zu seiner Mutter, der hl. Kirchezurückkehren möge, ehe er erscheinen muß vor dem Richterstuhle Jesu Christi'!
Gegeben zu RegenSburg den 13. April 1849.
4 Valentin, Bischof. ^
Joseph Lipf, bischöfl. Secretär.
Aufruf
an alle katholischen Gemeinden, insbesondere an alle katho-lischen Vereine von Rheinland und Westfalen.
WaS bereits über das Jahr hinaus verwerfliche Sondergelüste undanarchische Bestrebungen gegen Deutschland gesündigt haben, ist bekannt.Wir wissen, wie eS bisher zu Schanden geworden an der Macht der
gen. Dieß das Geheimniß ihre Verbindung; daher die Uebereinstimmungihrer Forderungen.
Währeno es aus der demokratisch-konstitutionellen Volksversammlungauf dem JohanniSberge zu Elberfelv zu unS herüberhallt:
„DaS würtlembergische Volk ist uns mit edlem Beispiele voran-gegangen! Sollten die preußischen Stämme zurückbleiben, wenn eSdie Einheit und Freiheit deS deutschen Vaterlandes gilt?"erklärt der Kölner Bürgerverein:
„Daß daS gegenwärtige preußische Ministerium nicht nur sichunfähig bewiesen, die deutsche Frage zu einer gedeihlichen Lösung zubringen, sondern sich sogar dem laut ausgesprochen Willen deSpreußischen Volkes feindlich entgegengesetzt hat; daß eine solche Lösungnur in der sofortigen Annahme der von der deutschen Nationalver-sammlung beschlossenen Verfassung und der auf dieser beruhen-den Oberhauptswürve zu finden ist." Er beschließt gleich-zeitig: „Diese Erklärung dem Gemeinveralhe von Köln mitzutheilen,mit vem Ersuchen, sich ihr anzuschließen und durch eine Adresse oderin sonst geeigneter Weise dieselbe Sr. Majestät dem Könige über-reichen zu lassen," und ferner: „den Gemcinderath in Köln aufzu-fordern, sämmtliche Gemeinderäthe der Provinz einzuladen, in kür-zester Frist Abgeordnete nach Köln zu schicken, um ihre Ueberein-stimmung mit den obigen Beschlüssen zu erklären, eventualiter Schrittezu deren Verwirklichung zu thun."
Wenn so die verschiedenartigsten Parteien sich die Hand bieten undmit den heiligsten Interessen deS Volkes unverantwortlich spielen, dann istdaS Vaterland wirklich in Gefahr! Dann thut eS Noth, daß alle gutenund braven Bürger sich zusammenraffen zur Wehr gegen den gefährlichstenaller Feinde, nämlich gegen den innern Feind!
Der Vorstand des VereineS PiuS IX. zu Köln, zur Zeit geschäftS--führender Verein der katholischen Vereine von Rheinland und Westfalen, hat eS daher für seines Pflicht gehalten:
1) sämmtliche katholische Gemeinden, insbesondere alle katholischenVereine von Rheinland und Westfalen, einzuladen, eine offene Erklärungabzufassen und zu veröffentlichen in dem VereinS-Organe, der „RheinischenVolkS-Halle," darüber:
daß eS nicht Wille deS preußischen Volkes sey, daß demKönige und der Regierung Gewalt angethan werde, wie solche Königund Regierung von Württemberg erlitten haben;daß eS eine große Lüge sey, zu behaupten, die erfolgte Ablehnungder Oberhaupts-Würde über Deutschland stehe dem laut ausge-sprochenen Willen deS preußischen Volkes feindlichentgegen;
' daß vielmehr unser König, Friedrich Wilhelm IV. , durch Ablehnungder OberhauptS-Würde sich um daS deutsche Vaterland hoch verdientgemacht habe;
2) sämmtliche katholische Gemeinden der Rheinprovinz dringend auf-zufordern, für die Einheit und Freiheit deS gesammten deutschen Vaterlandeskräftig in die Schranken zu treten und gegen Beschlüsse, welche denselbenzuwider dort voraussichtlich in Vorschlag gebracht werben, entschiedenProtest zu erheben.
Der Vorstand des VereineS PiuS IX.
Der Schriftführer: Der stellvertretende Präsident:
C.J. Schwitz. I. P. Bachem.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber: F. C. Kreiner.