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9 (20.5.1849) 20
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Erwerb mit dem Wenigsten sich zu begnügen,ließ ihn die Heiterkeit und Zufriedenheit nie. In kindlicher Einfalt undchristlicher Ergebenheit freute er sich über jede, auch die geringste GabeGÜtleS, und genoß sie mit Dank gegen den Vater, von dem alles Gutekommt. Halte er keine Arbeit, so er,chien er desto häufiger in der Kirche,

Aber dessenungeachtet »er- > thun. Elisabeth und Vincenz von Paul und Johannes von Gott und ihr

andern edlen und liebreichen und großen Seelen alle, was sind gegen euchund eure Werke die vielgepriesenen, eitlen, von der Welt bewundertenThaten sogenannter großer Menschen?

Ihr unglücklichen Urheber des Unglücks, die ihr nur geboren zu seyn

und warf seine Sorgen, wenn etwa solche aufstiegen, auf den-Herrn, fest!scheint, um die Saat des Verderbens auszustreuen, Verführer jeder Art,

vertrauend auf seine Hilfe zur Zeit der Noth. Dieses Leben betrachtete erstets als eine Pilgerschaft zu einem bessern, ewigen; und daher gab eroft zur Antwort, wenn er gefragt wurde, wie eS gehe, es gehe rechtgut, denn cS gehe ja stets dem Himmel zu.' Darum hing er auch seinHerz an nichts, was sonst die Menschen fesselt, und die größten Entbeh-rungen kamen ihm ganz leicht vor. Vier Jahre lang schlief er selten in«mein Bette; sein Lager war ein Körnbehälter oder eine Ofenbank imHause christlicher und gutmüthiger Leute, wo er sich meistens aufhielt.Wenn er gar nichts mehr zu essen hatte, so sagte er lächelnd: Heute müsseer wieder einen Fasttag anstellen, und so wartete er geduldig, bis ihmjemand eine Suppe oder sonst etwas anbot; denn ansprechenNiemand; oder er ging mit seinem Sacke auS um Schnecken zu suchen,die er sich dann zubereitete. Im Symmer setzte er sich oft und gern andie Sonne, las in einem Buche oder betete, bis ihn manchmal der Schlum-mer überwältigte; oder er begab sich auf den Friedhof und kniete vor demMissionskreuze, zu dem er besondere Verehrung trug, nieder. Zeigte sichihm dann wieder irgend ein Geschäft, das er noch verrichten konnte, sowar er dazu bereitwrllig, um sich sein tägliches Brod selbst verdienen zukönnen. Dabei unterließ er nie eine gute Meinung zu machen, und sehroft empfing er die heil. Sakramente, um ja immer im Stande der Gnadezu bleiben. So verflossen diesem Manne, der allgemein geachtet war, undvon dem wohl Manche logten, daß sie mit ihm sterben, aber nicht mit ihmleben möchten, seine alten Tage. Am Ende schickte ihm der Herr noch einelangwierige Krankheit, die Wassersucht; doch er ertrug auch diese mitfröhlichem Herzen. Hatte er ja die zuversichtliche Hoffnung, in Bälde dieFreuden eines bessern Lebens zu genießen. Auf seinen Stab sich stützend,als ihn die stark angeschwollenen Füße nimmer tragen wollten, schleppte ersich täglich noch mühsam in daö HauS Gottes, bis seine Sterbstundeherankam. Zwei Tage vor seinem Tode ließ er sich auf vieles ZuredeninS Krankenhaus des Ortes führen, und verschied dann, mit den heiligenSterbsacramenten versehen, ruhig und sanft in einem Lehnsessel, den er demBette vorzog. Sein letzter Wunsch war, man möchte ihn am Fuße jenesKreuzes begraben, vor dem er im Leben so oft gebetet hatte. Er wurdeihm auch gewährt, und so ruht dieser Arme in Christo am KreuzcSstamme,der Quelle des HeilcS für die Menschheit. Möchte sein Beispiel die Be-drängten und Nothleidenden lehren auS der Armuth eine Tugend zu machen,und sich vertrauend in GotteS Vaterarme zu werfen; viele Klagen würdendann verstummen, und Freude und Zufriedenheit in ihr Herz einkehren.(Kath. Bl. a. Tirol.)

Er zog umher und that Gutes.

(Apost. Gksch. 10, 38)

Ja, so mochte ich durchs Leben gehen, Gutes übend und nur Gutes,mit einem Herzen voll Liebe und unermüdeter Geduld und unbestcglicherSanstmuth und Milde Allen Gutes thuend, auS reinster Absicht, um Got-tes willen, auch dem ärgsten Feinde.

So zog die ewige Liebe in Menschengestalt umher, JesuS Christus unser Gott und Herr, der da gesagt:Ich bin nicht gekommen michbedienen zu lassen, sondern zu dienen." Sein Leben war ein Umherziehen,ein Gehen durch die Welt, indeß unter jedem seiner Tritte eine Wohlthatsproßte für Arme und Leidende, und seine Hände ringsum den reichstenSamen des Guten ausstreuten. Wer kann je genug seine Freundlichkeit,sein inniges Erbarme», sein liefeS Mitleid, seine göttliche Huld gegen dieHilfsbedürftigen alle betrachten? Mit welcher Schonung heilte dieser Arzt!Mit welcher Güte nahm er die Sünder auf, und befreiie sie von ihrer Last,und gab ihnen die Ruhe des Himmels, den Frieden der Seele wieder!Er H»g umher und that Gutes", und nur Gutes, auch seinen TodfeindenVerzeihung erflehend am Kreuze, an daS sie ihn geschlagen, und währendsie seiner höhnten.

Bedenke, welch ein schönes Leben, still und sanft in geräuschloserTugend durch die Welt zu ziehen, von ihr unbeachtet Gutes zu spenden,wo und wie du kannst, zu schönen und zu helfen und zu retten, mit einemAuge voll Liebe, einem Herzen voll Güte, mit dem süßen Bewußtseyn,Jemand eine Freude gemacht zu haben! Ich denke an so viele Heilige,deren Leben auch so ein Wandeln war durch die Welt unter lauter Wohl-

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

die ihr zu Unglauben, zu Lastern, zu Revolutionen aufreizt, und ringsumFeuerbrände schleudert, und Familien, Städte, Länder in Elend und Jam-mer stürzt: o daß euch ein Llcht des Himmels aufginge und ihr erkenntet,um wie viel schöner und edler und beseligender es ist, Gutes thuenddurchs Leben zu gehen! Betrachter doch: wer Freude und Lust hat, BöseSzu thun, ist Kind und Genosse deßjenigen, den wir den Bösen nennen.GotteSähnlich aber ist, wer umhergeht und Gutes thut.

Bedenke ferner; für jeden Menschen kommt eine Zeit, wo man vonihm sagen wirdEr war", er ist nicht mehr. Was willst du nun, daßman von dir sagen soll, wenn du auS der Welt geschieden bist? Soll aufwollte er! deinem Grabe eine Schanrsäule stehen mit der Inschrift:Er ^that BöseS",oderer that NichtS"? Willst du noch nach dem Tode forlsünvigen durchdie Folgen deiner bösen Werke, die hier dein Leben ausmachten? Oderwillst du nicht lieber, daß man dir weinend und dankend nachsage:Erging umher und that GuteS"? Willst du nicht lieber auch nach deinemWeggehen noch Gutes thun durch die Folgen deS Guten, daö du ausgesäet?

Betrachte wieder, wie du jenseits wirst aufgenommen werden, wenndu hier herumgezogen und Gutes gethan! Du erwachst dann nicht mitleeren Händen, du findest im Buche deS Lebens aufgezeichnet jede guteThat und jeden guten Willen, Gutes zu thun, und jeden Wunsch zu hel-fen, auch wo du in der That nicht konntest. Wenn dann der Richtersagen wird:Du guter und getreuer Knecht, geh' ein in die Freude dei-nes Herrn!", wenn die reichen Garben deiner Thaten belohnend um dichstehen, wenn dir die verdiente Krone entgegenstrahlt: bedenke, waS daSseyn wird für dich! Welch ein überströmendes Gefühl von Seligkeit undWonne, wodurch jede Arbeit und Mühe und LiebeSthat überschwenglichbelohnt wird! Jst'S a^o nicht der Mühe werth, Gutes zu thun? Darumlasset uns Gutes thH^und nicht ermüden; denn zu seiner Zeit werdenwir ernten, wenn wir mcht ermüden." (Gal. 6, 9.)Da wir Zeit haben,lasset uns Gutes thun Allen!" (Ebend. 10, 10.) Ja,werbet nicht müde,Gutes zu thun!" (2. Thess. 3, 13) Ach, eS ermüden ja auch jene Unse-ligen nicht, die BöseS thun! Wie arbeiten und sorgen und wühlen sienicht, um in ruchloser Freude ja recht viel Unheil zu stiften, und stehendann mit teuflischer Lust da, dem Brande zuschauend, den sie geschürt, zu-schauend dem Strome deS Verderbens, den sie losgelassen, den wüthendenBestien, die sie zum Würgen freigegeben! Gegenüber den nimnzerruhendenUnheilstiftern lasset uns um GotteSwillen Gutes thun, retten, waS zuretten ist, wehren, wo sich wehren läßt, helfen, wo die Noth ruft! Lasset,o ihr Guten, unö alle so leben, daß man jedem nach seinem Hinscheidennachrufen kann: Nun ist die Menschheit wieder um einen guten Menschenärmer;, denn der da hingegangen,zog umher und that Gutes!" (Katho-lische Blätter auS Tirol.)

Kirchliche Mittheilungen.

Koblenz, 1. Mai. Die. auS Belgien hieher gezogenen Redempto-risten wirken zu allgemeiner Zufriedenheit, und selbst von solcher Seite,wo naturgemäß eine Abneigung gegen OrdenSgeistliche vorausgesetzt werdenkönnte, wird ihrem reinen und unermüdeten Wirken Anerkennung gezollt.Man geht schon mit dem Gedanken um, ein eigenes Kloster hier zu errich-ten, welches gerade in unserer Diöcese von großem Vortheile seyn müßte,da wir auf der einen Seite Mangel an Priestern, und auf der andern auchso viele arme Gemeinden besitzen, welche nicht im Stande sind, einen eige-nen Seelsorger zu ernähren, unv denen durch geistliche Msssionen und aufandere Weise durch Klostergeistliche leicht auSgeholken werden könnte. Unge-achtet der bedrängten Zeit und der auch hier tief umwühlenden politischenWirren dürfte dieser Gedanke reichen Anklang finden und auf Verwirkli-chung nicht lange warten müssen. Herr Pfarrer Clemens wendet dieserAngelegenheit große Aufmerksamkeit zu. WaS die in Aussicht gegebeneDiöcesan-Synode angeht, so sind die gespannten Erwartungen etwaS heräb-gcstimmt. Unsere Reformers fangen an, zu wittern, daß die Diöcesansy-node sie nur fester in der KirchenviSciplin einengen und manchen bisherigenFreiheiten (oder Zügellosigkeiten) ein Ende machen werde; die Träume geist-licher Parlamente und Redekämpfe fangen an zu schwinden und die wirk-lichen und wahren Vorstellungen von dieser kirchlichen Institution mehr undmehr sich geltend zu machen. (Katholik.)

Verlags -Inhaber: F. C. Kremer.