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Neunter Jahrgang.
M 21.
SV. Mai L84S.
Daß Werk -er Sühmnrg.
Rede vor dem Seelenamte für weiland Se. Excellenz deSk. k. Kriegsministers und FeldzeugmeisterS Theodor Grafen
Baillet de Latour.
Gehalten in der Pfarrkirche am Hof am 28. März 1849 von Dr. I. E. Veith.
„Bis zum Tode streite für die Gerechtigkeit, und Gott wird streiten für dich," jEccl. 4, 33.)
Wenn der Starke und Gewaffnete den Vorhof bewacht, so ist alleswas er sein nennt, in Sicherheit. Kommt aber ein Stärkerer über ihn,so entreißt dieser ihm die Waffen und theilt die Beute auS. Diese Wortefind so bekannt als ihre Deutung. Der Stärkere, der über den Starkengekommen, ihn gerichtet und hinausgestoßen, ist der Gerechte, Wahrhafteund Treue, der Gotteö Heiligkeit auf Erden verherrlicht hat. Wie erkämpfteer diesen Sieg'über Sünde und Tod? Durch seine Hingabe an den gött-lichen Willen. Er überwand, indem er sich überwinden ließ; er brach denStachel des Todes, indem er freiwillig den Tod auf sich nahm; sein Lei-den war die Löhnung der Welt, sein Untergang der Aufgang der Wahr-heit und des Lebens. Dafür, daß er seiner Herrlichkeit >ich entäußert, t^e)KnechtSgeftalt angenommen, und gehorsam worden nicht nur bis zum Tobe,sondern bis zum Sklavenlobe des Kreuzes, dafür hat Gott ihn erhöht, undihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist.
Dieß sind die Worte, die in der PassionS- und Charwoche gleichsamdie Parole der Kirche und der Gläubigen bilden. Die erhabene und wch-muthvolle Feier, die uns hier versammelt, darf unS wohl veranlassen, sienoch anderweitig anzuwenden. Lange genug haben wir mit Schmerz vorAugen gesehen, wie der Starke Gewaffnere den Borhof des glorreichenBölkerhAuseS bewachte, welches das HauS Oesterreich genannt wird. Wirhaben seine Waffen kennen gelernt, womit er die Gemüther theils einschüch-terte, theils bethörte, daß sie jauchzend unter seine blutige Fahne sichschaarten. ES ist aber ein Stärkerer über ihn gekommen, der seine Waffenzerbrach, und die Beute ihm auS den Zähnen riß. Er stritt für die Ge-rechtigkeit bis in den Tod, und Gott übernahm den Streit für ihn. Ersiegte, indem er besiegt warb; er richtete daS wankende Gebäude wiederauf, indem er fiel; getreu seinem Gott, seinem Gewissen, seinem Kaiserund Baterlanbe, ist er gehorsam worden bis zum Tode, und zwar biszum schimpflichen Tobe am Laterncnpfahl; dafür aber hat Gott ihn der-Herrlicht, also daß der Name Theodor Baillet de Latour im österreichi-schen Heere und Volke, unter allen christlichen Nationen, und in der Welt-geschichte leuchtet mit unverlöschlichem Glänze.
Wie geschah es jedoch, baß er gerade durch seinen Tod die Mächtedes Unheils bezwäng? Wie hat er dadurch, daß er dämonischem Grimmzum Opfer fiel, die Wiederkehr der gesetzlichen Freiheit vermittelt? ZarAuskunft darüber genügt ein einziges Wort, daS Siegel der Weltordnungbei allen heidnischen Völkern und noch mehr bei den Christen: daS WortSühnung oder Erpiation, über welches wir in dreifacher Beziehunguns verständigen wollen, und zwar nach seiner irdischen, nach seiner himm-lischen Bedeutung und in seiner Anwendung auf die Zustände unsererGegenwart.
Die irdische oder rein dießseitige Bedeutung liegt unS nahe genugin der jüngsten Geschichte unserer Kaiserstadt. In diesem vielgerühmtenSitze der Treuherzigkeit und deS behaglichen Lebens war schon seit manchenZähren Vieles faul geworden, und wo das AaS ist, versammeln fich dieGeier. Bon hier aus, so war eS längst beschlossen, sollte der österreichi-sche Kaiserstaat zertrümmert, die Fürstenhäuser Europas gestürzt, die neuenfabelhaften Reiche eines Mazzini, Ledru-Rollin , Kossuch, Hecker und
MieroölavSky auf Schutt und Blut erbaut, daS Christenthum und dieKirche sammt aller Herrschaft göttlicher' Gesetze vernichtet werben. DerWissenden und Eingeweihten waren wenige, der Getäuschten viele, fanati-sche Werkzeuge fanden sich. in- hinlänglicher Zahl; die Bestechung floß auSreicher Quelle, die Blendwerke waren zauberisch. Auf den Wegen desVerderbens geht eö rasch, mit der beschleunigten Geschwindigkeit deS Falles;so war in wenigen Monaten die Bethörung und Zerrüttung allgemeingeworben, und es erfüllte sich der AuSspruch des berühmten Bayard, desRitters ohne Furcht und Tadel: daß nichts gefährlicher sey, als Kühnheitund Macht mit der Unwissenheit im Bunde.
In Mitten dieser tollkühnen Unwissenheit, umgeben von einer oftbis zur Berserker-Wuth aufgereizten Menge, und gegenüber einer Volks-vertretung, in welcher die heillose Richtung überwiegend geworden, standwie ein Fels in der Brandung, in unerschrockener Ruhe und heiterer Festig-keit, der Mann, von dem der Held von Custozza und Novara feierlichbezeugt: daß er ihm vor Allen seine herrlichen Siege verdanke.*-) Alsein Vater des Heereö, als ein Hort deS Thrones, als Vorfechter derFreiheit und des Gesetzes war er rastlos mit der schweren Aufgabe beschäf-tigt, die Mittel vorzubereiten, durch die allein cS möglich war, um imOsten und Süden so wie im Centrum deS Reiches dem Recht und derOrdnung den Sieg zu erringen.
Die Führer und Handlanger der Zerstörung hatten dieß auch balderlauert; die Klapperschlangen und Vipern der Tageblätter sprudelten gegenihn ihr schärfstes Gift; die Worthelden der Linken erhoben gegen ihn ihrWolfögeheul; immer drohender zog der Sturm heran. Stand eS nicht beiihm, dem angeblichen Volköwillen zu weichen, seinen Rücktritt zu erklären,ober wohl gar, nach dem Rathe der Feigheit, mit den Wölfen zu heulen?Aber mit derselben Tapferkeit, womit der Krieger, der den Oberbefehlführt, überall wo eö darauf ankommt, an der Spitze seines HeereS in dieoffene Schlacht zieht, stand und stritt auch der greise Feldherr auf seinemsogenannten FrievenSposten, bis die Zeit deS Frevels hereinbrach, ähnlichjener, die der Herr alö die Stunde der Böswilligen, als die Macht derFinsterniß bezeichnet hat. Um daS schändliche JudaSgeld von dreißig Sil-berlingen verkauft,**) von Gleißnern zugleich geschützt und verrathen, vonPöbelhaufen überfallen, die Stiegen herabgeschleppt, hin und her gestoßen,an den Haaren gezerrt, mit einem Schmiedehammer aufs ehrwürdige Hauptgeschlagen, mit Spießen und Bajonttten durchbohrt, und an einem Eisen-gitter gedrosselt, ward er endlich auf den Platz hinaus geschleift, mitkannibalischem Höhne beschimpft, erhöht, und gemißhandelt; und mußtebann noch zahlreichen, mit dem Ehrcnrocke der Nationalgarde verkleidetenIrokesen, EhiguitoS und Botukuden zur Zielscheibe dienen, an der sie alsSchützen sich erprobten.
Aber kaum war die lärmende Gräuelthat vollbracht, als schon dieSchmach, die Furcht und der Schrecken mit bleiernen Schwingen über dieStadt sich lagerten; so daß wir gesehen haben, wie von Zeit zu ZeitMassen von vielen Tausenden, die um den Schauplatz deS Frevels sichgesammelt, in einem Nu auSeinanderstoben, bloß weil daS Geflüster sichverbreitete: man habe von ferne her den Wirbel einer Trommel vernommen.ES ist wohl für alle verhängnißvolle Zeiten gesagt: „Wer gerecht ist, recht-fertige sich noch mehr, und wer schadet, schade noch ferner, und werschmutzig ist, werde noch schmutziger" (Offenb. 22, 11.) damit daS Maaß
i Nach eigenen Worten des Herrn F. M. Nadetzky an daS Kriegsncknisteriuni:
„Es sey hier vor Allem dankbar gefeiert der Name meines gemordete» Waffenbruders,! des biedern Kriegsministers F. Z. M. Grafen Latour, der mir, wie Keiner , eine treuei Stütze war, der mir so edel half, die meinem Kaiser und Herrn hinterlistig geraubtenLänder wieder unter seinen Scepter zurück zu führen rr." Mitgetheilt im III. Abschnitteder Kriegsbegebenheiten bei der kaiserl. österr. Armee in Italien . Mailand 1848.
**) Das Biutgclo, das Einer jener Mörder empsangcn, betrug in der That 30fl.